Freitag, 20. Januar 2017

Gute Entscheidungen

„Arya, erinnere mich daran, dass wir ein paar Lederbänder mit einfachen Schnallen beim Sattler bestellen“, befahl mein Herr mir, nachdem er sich schon wieder mit einer Reisesklavin abgeärgert hatte. Momentan scheint leider absolute Reisehochsaison für minderwertige Kajirae zu sein, die mit den albernsten und abenteuerlichsten Begründungen in Jorts Fähre auftauchen, sich darin sonnen, für 2 Ahn im Mittelpunkt zu stehen und damit sämtliche anderen Aktivitäten unterbrechen. Allerdings löst sich diese Spezies bis zum nächsten Tag trotz der Fesseln zum Glück immer in Luft auf. 

Diese mysteriösen Verpuffungen sind nämlich wirklich ein Segen, denn was soll ein Freier mit einer Sklavin anfangen, die mal eben ihren Kragen aufschließt, weil ihr langweilig ist, sofern der stählerne Halsschmuck vorher nicht schon ganz zufällig von alleine abgefallen ist, oder die sich weigert ihre Kleidung auszuziehen, weil sowas nach erst 2 Ehn Kennenlernen natürlich eine vollkommen indiskutable Forderung meines Herrn ist. Man muss den Priesterkönigen also inständig dankbar sein, wenn solche Möchtegernsklavinnen möglichst schnell weiterreisen und man sich ihr Versenken im Vosk sparen kann. 

Ich fand die Entscheidung meines Herrn daher übrigens sehr sinnvoll, um zukünftig unnötige Ausgaben zu vermeiden, diesen 99ern gar nicht erst seinen Kragen umzulegen und die Kupfer dafür zu sparen. Aber auch ein Lederband ist meiner Meinung nach bereits zu hochwertig und mit zusätzlicher Schnalle sowieso. Stattdessen schlug ich ihm vor, zukünftig den Reisekajirae vielleicht nur ein einfaches Seil umzulegen anstelle seines Kragens. „Stimmt, Schnallen kosten extra und ein Seil ist billiger als Leder, Arya… ich werde demnächst eines kaufen“, verkündete mein Herr mir nun, denn selbstverständlich trifft er stets gute Entscheidungen.


Leider hatte er am nächsten Tag mal wieder die doofe Spätwache erwischt, sodass ich mit seiner Gefährtin alleine zuhause war, die sich nach dem Befinden meines Fingers erkundigte. Nachdem die merkwürdige Zugsalbe inzwischen 2 Tage eingewirkt hatte, war der richtige Zeitpunkt gekommen, sich jetzt ein Bild zu machen, ob wegen dem Splitterrest vielleicht doch noch geschnitten werden musste, was mir natürlich überhaupt nicht behagte. Doch immerhin erwähnte die Grüne nichts mehr vom Abschneiden, wollte auch nicht in die Krankenstation hinüber, sondern machte es sich auf dem Hocker vorm Schreibtisch meines Herrn bequem und befahl mir, aus der Truhe ihre Tasche zu holen.

Nachdem der Verband ab war, konnte man am Finger eine rötlich-gelbe Beule mit einem kleinen dunklen Punkt in der Mitte sehen, sodass mir mein Vorschlag logisch erschien, ob man daran nicht noch mal herumdrücken sollte, weil das Dunkle doch bestimmt der Splitter war. Während die Gnädigste nun seufzend irgendetwas über eine Entzündung von sich gab, angelte sie das Zeug zum Desinfizieren, eine Nadel sowie Tupfer aus ihrer Tasche und befahl: „Beiss mal die Zähne zusammen, Arya“. Wie immer hielt ich zusätzlich auch noch die Luft an, als sie mit der desinfizierten Nadel in die kleine Beule hinein stach und dann vorsichtig mit einem Tupfer an meinem Finger herumdrückte. 

Vermutlich zuckte ich leicht zusammen, aber schlimm war das Ganze wirklich nicht. Die Entscheidung mit der Zugsalbe war nämlich genau die Richtige gewesen, denn das kleine Mistding von Splitterrest kam endlich heraus. Mein Finger war weder abgefault, wie mein Herr vermutet hatte, noch musste er amputiert werden, sondern durfte dran bleiben… ich wurde also nicht zur Neunfinger-Arya! :-)))

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