Montag, 23. Januar 2017

Hammerschwingprofi

Mein Herr war nicht mehr zu bremsen. Er schwang den Hammer echt wie ein Profi, ließ ihn gegen die Wand krachen, dass das ganze Haus schepperte und nebenbei Reime von sich gebend wie „bröckelnder Putz und Dreck, macht meine Kajira weg!“, war er offensichtlich bestens gelaunt. Jedenfalls bröckelte für das neue Fenster unter seinem poetischen Wortschwall tatsächlich immer mehr Putz von der Wand und ohne beim Hämmern überhaupt auch nur ansatzweise aus der Puste zu sein, klärte er uns auf: „Das nennt man Schüttelreime… die schüttelt man aus dem Hammer, beim Sieg des Hammers über Putz und Stein, wenn der Hammer hart und geschickt geschwungen wird.“ Oha… wieder hatte ich etwas dazugelernt.


Zwischendurch wurde ich zur Kontrolle übrigens nach draußen geschickt, damit die Öffnung nicht zu groß wurde, denn das neue Fenster sollte doch genau die Form des im Außenmauerwerk zu sehenden Bogens bekommen. Bei unserem kurzen Missverständnis über „mehr rechts wo links ist?“ und „mehr links von dir oder von mir aus?“ schaffte ich es dank meinem lautem Gebrüll „NEIN... das andere Rechts mein Herr!!!!“ gerade eben noch abzuwenden, dass das Fenster plötzlich doppelt so groß wie geplant wurde oder das Haus womöglich sogar einstürzte. Letztendlich war das Werk des Fensterdurchbruchs aber vollbracht und nicht nur die Gnädigste war zufrieden damit, sondern vor allem mein Herr, weil er zahlreiche Kupfer gespart hatte.

Nach dem nun dringend notwendigen MAP, denn diese erfolgreiche Baumaßnahme ohne Absturz vom Kisten-Arbeitspodest, ohne blau gehämmerte Finger oder vom herunterfallenden Hammer gequetschte Zehen, musste natürlich mit einem Mauerdurchbruch-Abschluss-Paga begossen und außerdem der Staub aus dem Mund gespült werden. Danach stand selbstverständlich noch eine Runde in die Stadt an… Wegräumen der herausgestemmten Steine und Saubermachen durfte ich nämlich auf den nächsten Tag schieben. Gut fand ich, dass sich der Staub auf der Kriegeruniform meines Herrn einigermaßen problemlos abklopfen ließ und außerdem meinte er: „Etwas Staub macht mich nicht hässlich, sondern interessant!“ Ohja… und wie!


Ich vermute, so sauer wie der Brauer über das defekte Scharnier am erst kürzlich neu angebauten Pfeilwurfkasten war, bemerkte er nicht wirklich das Staubig-Interessante an meinem Herrn, war aber einem Ale zum Fortspülen seines Ärgers nicht abgeneigt… er lächelte sogar, als ich ihm diese Spülmaßnahme vorschlug. Mein immer noch in Hammerlaune befindlicher Herr wollte mich zwar gleich losschicken, damit er mit Stemmdingsda & Co. Abhilfe gegen die Kasten-Verklemmungen schafft, doch die guten Vitamine im Ale schafften es schnell, den befürchteten Scharnierärger mit einem halbnackten Makakken fortzuspülen. Wen auch immer der Brauer damit meinte, blieb mir allerdings unklar. Für mich zählte nur, wie erfreut er mich anlachte, als ich mit seinem Lieblingsgetränk neben ihm auf die Knie sank. 

Da grüne Bauaufsicht logischerweise arg anstrengend ist, zog sich die Gefährtin meines Herrn beizeiten zurück in ihre Felle… wobei sie vorher noch darauf hinwies, die wirklich anstrengendere Arbeit habe mein Herr geleistet, was wirklich nicht von der Hand zu weisen war, nachdem er sich als echter Hammerschwingprofi bewiesen hatte. Deswegen brachte ich ihm mit seinem Paga aus der Gasthausküche auch gleich einen großen Teller mit reichlich Schinken und diversen Würsten, zumal mein Herr einem leckeren Essen sowieso nie abgeneigt ist. Besonders inniges Anschmiegen in Kombination mit meinen sanft über seinen Rücken streichenden Fingern war selbstverständlich außerdem sehr wichtig, um rechtzeitig etwas gegen sich möglicherweise anbahnende Verspannungen zu unternehmen.


Daraus schöpfte mein Herr offensichtlich so viel Energie, dass er vor dem Schlafen unbedingt noch den großen Sklavenkäfig ins Lager räumte, um ihn wieder gegen den kleinen auszutauschen. Er hatte Sechs nämlich vor einiger Zeit verkauft und dabei ein Riesengeschäft gemacht, nachdem er ihrem offensichtlich etwas blauäugigen Käufer weismachen konnte, dass er für die paar Kupfer aus dem Verkauf dieser Kajira nicht gedenkt, seinen Anspruch auf das nach dem Tod ihres Vaters zu erwartende Erbe aufzugeben, sodass der Kerl ihm die Summe tatsächlich bar auszahlte… die kostspielige Reise nach Thentis und lästige Gerichtsverhandlung blieb meinem Herrn somit also erspart. Die Priesterkönige müssen ihm offensichtlich sehr wohlgesonnen gewesen sein.


So kam es, dass ich seit diesem arbeitsreichen Tag nun wieder im anderen Sklavenkäfig schlafen muss… bis zum Umzug warten wollte mein Herr nämlich nicht. Obwohl dieser Käfig um einiges kleiner ist und weniger aufdringlich aussieht, mag ich den jedoch genauso wenig wie das große verhasste Teil… doch darüber lass ich selbstverständlich nichts verlauten. Hauptsache war für mich, das schöne weiche Giannifell, das mein Herr mir geschenkt hatte, passt auch hier perfekt hinein. Falls ich beim Ausstrecken übrigens wieder Probleme mit verklemmten Füßen zwischen den Gitterstäben bekommen sollte, will mein Herr vom Schmied zusätzliche einbauen lassen. Hmmm… das warte ich aber lieber erst mal ab… es könnte doch durchaus sein, dass es sich nach dieser Ankündigung mit den Verklemmungen vielleicht in Grenzen hält?

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