Montag, 2. Januar 2017

Männer und ihre Ideen

Ich bin mir nicht sicher… vielleicht war es wegen des ekeligen Wettereinbruchs vor kurzem, dass sich in den letzten beiden Hand so viele Bewohner von Jorts Fähre auf Reisen begaben, darunter leider auch mein Herr, der seine Familie in Torcodino besuchte. Dagegen hatte ich selbstverständlich nichts einzuwenden, Mist war jedoch, wieder reiste er ohne mich und wollte sich auch nicht umstimmen lassen, seine mobile Heizung mitzunehmen… Torcodino liegt um einiges südlicher als Jorts Fähre, sodass er mit wärmeren Temperaturen rechnete.

Trotz einiger auf Reisen befindlicher Bewohner war Jorts übrigens nicht ausgestorben. „Es ist zurzeit hier nur etwas besinnlicher und man säuft daheim“, brachte es der Brauereikrieger sehr treffend auf den Punkt, als ich ihn und den Schmied auf dem Brauereihof traf. Die beiden waren bei meinem Eintreffen gerade damit beschäftigt, die neuesten Neuigkeiten auszutauschen, denn das eine oder andere bekommt der Schmied natürlich nicht mit, wenn er auf seinem Landsitz Suls schmiedet und dem Brauer entgeht genau wie meinem Herrn manches wegen der teilweise doof gelegenen Wachen… doch die Sicherheit der Stadt geht natürlich vor.

Während die beiden Herren den Vorteil langer Haare beim Kurzschläfchen zwischendurch im Sitzen erörterten… das lästige Kopfnicken entfällt nämlich, wenn die Haarpracht lang genug ist, sodass man sie unter dem Po oder zumindest mit dem Rücken an der Lehne einklemmen kann… kamen mir erneut die wehenden Haare des Schmieds bei seinem heldenhaften Ritt auf dem Thalarion in den Sinn, der dem Brauereikrieger komplett entgangen war. Mit seiner interessierten Frage, ob eines dieser Viecher zugeritten worden ist oder ob es ein Rennen gegeben hatte, liefert er sich dann übrigens selbst das Stichwort für eine Neuigkeit aus Ar. 

„Ich habe gehört, in Ar machen sie jetzt Rennen und zwar rasanter als mit Boskkarren. Sklavinnen ziehen Wagen, auf denen ihre Herren sitzen und die Mädchen zu schnellerem Laufen antreiben.“ Ach nee, ich glaube der Brauer sagte, die Kajirae werden von ihren Herren „ermuntert“. Egal, die beiden Männer waren von dieser Art Zeitvertreib natürlich sofort sehr angetan. Der Schmied stellte sich jedenfalls prompt vor, wie das Geschirr der Sklavinnen auszusehen hätte und außerdem, wie und wo die Mädchen verstöpselt sein müssten, um den Spaß noch zu erhöhen. Nachdem sich die beiden Herren immer mehr dafür begeisterten, war also nicht nur das Rennen an sich, sondern auch die Regeln dafür umgehend im Werden.

Bei ihren Versuchen, sich gegenseitig mit nicht nur angenehmen Ideen für die Kajirae zu übertrumpfen, zog ich es allerdings vor, mich schließlich lieber in Schweigen zu hüllen. Der unerschöpfliche Fundus an Einfällen des Schmieds ließ nämlich einige Bedenken in mir keimen, die ich lieber jedoch für mich behielt. Erfahrungen mit dem Ziehen eines solchen Wagens hatte ich vor vielen Märkten bereits auf Samanu gesammelt, allerdings auf andere Art und Weise. Außerdem hatte ich damals den Karren samt Besitzer gemeinsam mit drei anderen Kajirae gezogen. Naja, beladen mit dem dicksten Sklavenhändler Gors, einschließlich seines unerschöpflichen Vorrats an gebratenen Vuloschenkeln, hätte sich der Wagen sonst wohl kaum von der Stelle bewegt.


Nachdem mein Herr übrigens von seinem Familienbesuch wieder zurück zuhause in Jorts war, wurde ihm diese Idee gleich nach dem Waffentraining vom Brauereikrieger eröffnet. Ich bekam davon zwar nicht alles mit, da mein Herr ohne mich zum Training aufgebrochen war… die Gnädigste wollte mich bei ihren die Einrichtung betreffenden Überlegungen zur Besichtigung des neuen Hauses meines Herrn dabei haben. Sie hatte ihre Umzugsgelüste nämlich leider doch nicht vergessen, sich bezüglich dieser Maßnahme allerdings auch konkret noch keinen Kopf über irgendetwas gemacht.

Tja, freie Frau eben, die nun fast aus allen Wolken fiel, da ihr offensichtlich sogar komplett entfallen war, dass sie nach meiner Rückkehr von den Feldern von meinem Herrn die Regie über den Umzug übertragen bekommen hatte, als er mir auf ihr Drängen hin von ihren diesbezüglichen Plänen erzählte. Sollte er sich etwa selbst um den Umzug kümmern, wo er doch überhaupt nicht umziehen will? Wozu hat er eine Gefährtin!? Na, mir war es egal, denn ich hatte seine Befehle schon lange ausgeführt, ihm von der intakten Bausubstand seines neuen Hauses berichtet und dass bauseitig keine Schäden zu reparieren sind.


Da mir die ersten Ideen zum Reglement des Kajirae-Rennens bereits grob bekannt waren, fand ich es nicht wirklich schlimm, dass das Gespräch darüber bereits in vollem Gange war, als ich mit der Gnädigsten schließlich an der Wiese hinter dem Hof eintraf. Schade war nur, das Training meines Herrn hatte ich leider komplett verpasst. Insofern fand ich den Hinweis des Brauereikriegers sehr schön, mein Herr habe sich in Anbetracht seines etwas üppigeren Familienbesuchbauchs sehr wacker geschlagen… warum seine Kajira so tat, als müsse sie irgendwelche Grasflecken vom Rock meines Herrn abrubbeln, konnte ich allerdings nicht ganz verstehen.

Unwichtig, denn was waren ein paar Gräser an der Kleidung im Vergleich mit dem nun folgenden Befehl meines Herrn, der bis zum Rennen meinen Tagesablauf verändern wird… ich soll ab sofort täglich Trainingsrunden auf der Stadtmauer laufen, um bis zum Rennen meine an sich recht gute Kondition noch weiter zu verbessern. Besonders interessant fand ich auch seine Ankündigung: „Ich werde beim Sattler morgen einen Rennharnisch und so eine Gebissstange mit seitlichen Scheunenklappen bestellen, damit ich dich beim Rennen lenken kann. Achja… und einen Puschel für deinen Kopf und den Hintern werde ich dir auch kaufen, Arya.“ Nach diesen Worten forderte er mich auf, ihm meinen Allerwertesten zu zeigen.


Ich stellte mich also vor meinen Herrn, zog meine sowieso sehr kurze Tunika noch etwas höher, um ihm mein Hinterteil leicht vornüber gebeugt zu präsentieren und wurde mit einem wohlwollenden Poklatscher belohnt, bevor noch einige Für und Wieder zur Kajiraausstattung und die zu beschaffenden, möglichst leichten Sulkys erörtert wurden. INzwischen plusterte sich Sancari übrigens mächtig auf und gab damit an, dass der erste Platz beim Rennen bereits von ihr und ihrem Herrn belegt ist. Das freche Ding behauptete, ich hätte überhaupt kein Konditionstraining nötig… klar, damit erhoffte sie sich wenigstens den Hauch einer Chance gegen mich, da ich doch eine bereits erprobte Wagenziehkajira bin! Schließlich war das Thema aber durch, denn nach ihrem Training nahm der Durst der Krieger Überhand und es ging zum Umtrunk ins Gasthaus.

Die wundervoll sanften Berührungen meines Herrn konnte ich an diesem Abend vor Konzentration und Wissbegier jedoch kaum genießen… genau, Neugier liegt mir selbstverständlich gänzlich fern! Ich konzentrierte mich nämlich ganz gewaltig darauf, nach seinem Hinweis bloß nicht das Erinnern meines Herrn zu vergessen: „Arya, erinnere mich, dass ich die Pakete mit den Einkäufen aus Torcodino später noch zusammen mit dir auspacke!“ Hach, natürlich war es wundervoll, mich nach seiner Heimkehr endlich wieder eng an meinen Herrn schmiegen zu können und seinen starken Arm um mich zu spüren, doch kniete ich auch wie auf glühenden Kohlen neben ihm und konnte es kaum erwarten, dass es endlich nach Hause ging. ;-)

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