Donnerstag, 19. Januar 2017

Noch mal davon gekommen

Hach… viel zu kurz, aber einfach wundervoll war es, vor der Taverne eng an die Beine meines Herrn geschmiegt zu spüren, wie seine Finger sanft durch meine Haare strichen, während er seinen Kalana genoss, bis mich sein Appetit auf Gegrilltes erneut in die Taverne beorderte. Bei meiner Rückkehr mit einer hauptmannsmäßigen Portion gebratener Vulospieße, Würste und etwas geröstetem Sa Tarna Brot, hatte sich inzwischen der Schmied dazu gesellt und erkundigte sich nach der Gefährtin meines Herrn. Er war zwar nicht krank, benötigte jedoch ein Krankenbett, allerdings auch nicht sofort, sondern erst nach seinem Besuch beim Sattler und dann nicht für sich selbst. 

Es stellte sich heraus, der Lederarbeiter war dem Schmied für seine Arbeiten seit einer Hand einen Silber schuldig und sollte dafür nun in den Genuss einer Faust kommen, die sonst kraftvoll den Schmiedehammer schwingt. Nicht nur ich, sondern auch mein Herr hatte offensichtlich vor Augen, was den beiden Männern bei einer Auseinandersetzung mit Fäusten passieren könnte, sodass er dem wegen des Zahlungsversäumnisses ziemlich verärgerten Schmied nun den Vorschlag machte, anstatt Haue auszuteilen doch lieber Zinsen zu verlangen, sich von Laya in den Fellen verwöhnen lassen oder etwas anderes. Das war angeblich jedoch zu anstrengend… der Schmied wollte Bares sehen. 

Seit meiner letzten, äußerst fiesen Mundspülung bin ich zwar sehr bemüht mich stets von meiner wohlerzogenen Seite zu zeigen und meinen Mund zu halten, wenn sich Freie unterhalten. Doch in diesem Fall fand ich es gerechtfertigt, zumindest einen ablenkenden Versuch zu wagen, indem ich mich beim Schmied für die leckeren Suls bedankte. Ich erwähnte auch den Eintopf und wurde mit einem Lächeln belohnt, während mein Herr sich irritiert erkundigte, wer denn diesen Suleintopf gegessen hatte… er jedenfalls noch nicht und der Schmied natürlich auch nicht. Er sah schließlich ein, dass dieses Essen für den nächsten Tag vorgesehen war, ich zwecks Überprüfung in Sachen hauptmannswürdig selbstverständlich davon probieren musste und lud den Schmied zu einem Teller davon ein.

Beim Gespräch der beiden Männer über die Vor- und Nachteile von Tellern, tiefen Tellern und Suppenschalen und wie unfein es ist, direkt aus der Schüssel zu essen, zeigte sich allerdings erneut die schlechte Laune des Schmieds, bis mein Herr einlenkte… der Klügere gibt eben nach. „Schmied, du bist reicher als ich, hast immerhin einen Landsitz und ich nicht. Ich wollte dir nur eine Schüssel mit Eintopf anbieten. Du kannst dir sicher 100 Schüsseln leisten, aber es gibt nur eine mit dem von Arya gekochten Suleintopf.“ Breit grinsend beruhigte sich der Schmied, dem nun wohl doch die Spucke im Mund zusammen lief und sagte, die Teller-Schüssel-Sache sei für ihn erledigt. Dankend nahm er die Einladung meines Herrn an, der sich jetzt aber noch wegen der Fleischeinlagen erkundigte, über reichlich Speck und klein geschnippelte Würste dann aber seine Zufriedenheit äußerte. „Na, das kann nur schmecken.“


Bevor der Schmied zum Sattler aufbrach, bemerkte er plötzlich im Gebüsch vor der Taverne ein heranschleichendes Raubtier und zog seinen Bogen, während er meinen Herrn leise vor einem Larl warnte. „Schmied, ein Larl hier in der Stadt… hast du schon mehr Kalana getrunken als ich?“ winkte mein Herr ab, stemmte er sich aber trotzdem hoch, um den Vierbeiner zu beobachten, der inzwischen auf den Stufen vor der Taverne stand. Ich ging selbstverständlich erst einmal hinter der Mauer in Deckung und machte mich bereit, notfalls wegzulaufen, denn um die schönen Ohrringe wäre es wirklich schade gewesen. Welcher Rasse das offensichtlich verhätschelte Viech nun aber genau angehörte, das vermutlich seinem Frauchen wegen Langeweile weggelaufen war, blieb bis zuletzt allerdings unklar.

Stattdessen stellte sich jedoch heraus, dass der Vierbeiner Gegrilltem nicht abgeneigt war und sich schließlich zögernd sogar der Schmiedekajira näherte, um ein paar Streicheleinheiten von ihr zu ergattern. Auf dem Speiseplan von Fenris wäre das Viech sicherlich eine nette Abwechslung gewesen und sein Fell sah auch nicht uninteressant aus, wobei ich von weitem nicht erkennen konnte, ob nicht irgendwelche Untermieter darin wohnten. 

So wie sich das Tier zwischendurch auf den Planken des Stegs wälzte, fand ich Ungezieferbefall nicht unwahrscheinlich, obwohl Tahira offensichtlich keinen Juckreiz von irgendwelchen Läusen oder Flöhen verspürte, nachdem sie das Schoßraubtier ausgiebig gekrault hatte. Irgendwann trollte sich der Vierbeiner dann aber wieder und musste somit von Fenris‘ Speiseplan gestrichen werden. 

Ach ja… der Sattler kam um das Krankenbett herum, da die Bezahlung der Silbermünze anscheinend ohne Handgreiflichkeiten vonstatten ging. ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen