Mittwoch, 18. Januar 2017

Noch mehr geht fast nicht

Die Sicherheit seines Heimsteins ist einem Krieger und ganz besonders dem Hauptmann natürlich sehr wichtig, sodass mein Herr zu einem seiner üblichen Rundgänge aufbrach, während ich mich mit einigen Vorbereitungen zum Essen beschäftigte. Damit fertig, sortierte ich noch schnell die saubere, inzwischen trockene Wäsche in die Kleidertruhen ein, als mein Herr nach seiner Runde durch die Stadt auch schon ins Haus stampfte und die Treppe hinauf kam. 

„Arya, was machen eigentlich deine Ohren?“ erkundigte er sich und ich begann mit leichter Panik sofort in meinem Gedächtnis zu kramen, ob ich etwas vergessen hatte. Um ein wenig Zeit zu schinden, gab ich erst mal von mir, dass meine Ohren immer noch sehr gut hören und auch frisch gewaschen sind. 

Mist, mir fiel jedoch nichts ein, worauf die Frage meines Herrn abzielen konnte, das ihm auf seinem Rundgang womöglich schlecht aufgestoßen war. Doch dann fragte er, wie es um die Löcher in meinen Ohrläppchen bestellt ist. Selbstverständlich war mit denen alles bestens, obwohl ich schon eine Ewigkeit keine Ohrringe mehr getragen hatte… allerdings nur in der Öffentlichkeit nicht. 

Wenn ich alleine bin, hole ich nämlich oft das kleine Kästchen mit meinen Schätzen hervor, ein buntes Sammelsurium für mich sehr wertvoller Geschenke meiner früheren Besitzer, darunter auch die schönen Ohrringe von meiner letzten Herrin. Mit immer größer werdenden Augen beobachtete ich, dass mein Herr in dem Beutel herumkramte, den er stets am Gürtel bei sich trägt. Schließlich holte er wunderschöne Ohrringe heraus und hielt sie mir hin: „Dann schau mal, ob diese hier passen, Arya. Und falls nicht, nehme ich eine Nadel und mach pieks… ich kenne da nämlich nichts, habe auch schon mal einer Sklavin das Loch für den Nasenring gestochen… die hat vielleicht gequietscht!“ 

Mit meinem bandagierten Finger tat ich mich zwar etwas schwer, doch letztendlich reckte ich meinem Herrn mit glänzenden Augen mein Gesicht entgegen und strich meine Haare noch etwas zurück, wurde aber sofort an ihnen gepackt und auf die Füße gezogen: „So… dann lass mal sehen Arya.“ Leicht nervös, denn sie sollten meinem Herrn ja gefallen, erkundigte ich mich: „Sieht man überhaupt etwas von den Ohrringen mein Herr?“ „Nein, aber dafür sind Haare ja da oder? Es ist auch nicht wichtig, dass man sie sieht… wichtig ist, dass man deinen Kragen sieht und wessen Name drauf steht“ lachte er, strich meine Haare dann aber doch etwas zur Seite und musterte mich genau. 

Sein Urteil ließ mein Kajiraherz sofort schneller schlagen: „Mir gefallen sie… pass nur auf, dass du sie nicht verlierst! Sie werden auch nicht jeden Tag getragen, haben immerhin eine halbe Silbermünze gekostet.“ Obwohl der Kragen meines Herrn mein schönster Schmuck ist, bedankte ich mich nun ganz besonders innig für dieses schöne Geschenk, das er sich selbst gemacht hatte, ich aber für ihn tragen darf, weil sich seine Ohren nicht wirklich für Sklavenohrringe eignen. Schmunzelnd meinte er schließlich: „Genug, Arya… verlierst du sie, bekommst du einen Satz heiße Ohren… und das meine ich wörtlich.“ Übrigens, wann denn ein Tag zum Tragen dieser Kostbarkeiten ist, überließ er mir und stimmte breit grinsend zu, dass genau so ein Tag gerade war. 

Wir sprachen noch kurz über meinen offensichtlich auf dem Wege der Besserung befindlichen Finger, der sich unter dem Verband allerdings noch zwei Tage bis zur erneuten grünen Musterung gedulden musste. Danach war es Zeit für einen Kalana, den mein Herr sich am Hafen gönnen wollte. So wie er mich ansah, als ich mit sanft wiegenden Hüften, begleitet vom leisen Bimmeln des Glöckchens an meinem Kragen aus der Taverne zurückkam, gefiel ihm anscheinend der Anblick seines Eigentums. Nachdem ich zum Servieren seines Weins dicht vor ihm auf die Knie gesunken war, tickte er plötzlich leicht gegen die kleine Metallkugel, sodass es erneut leise bimmelte und meinte dann eine meiner Brüste sichtlich zufrieden knetend: „Noch mehr Schmuck geht aber fast nicht mehr, Arya… an deinen Brüsten mag ich nämlich kein Metall und zwischen deinen Schenkeln auch nicht.“  ;-)

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