Mittwoch, 4. Januar 2017

Pakete aus Torcodino

Tja… der gemütliche Umtrunk auf der Gasthausterrasse wurde plötzlich durch die lauten Rufe einer Frau unterbrochen, bei der es sich offensichtlich um die jortssche Schreiberin handelte: „Was? Halt… bleib sofort stehen!“ Eigentlich interessierte mich das Gekreische dieser Freien nicht sonderlich, Mist war nur, dass sich deswegen das Auspacken der Pakete verzögerte, die mein Herr von seiner Reise aus Torcodino mitgebracht hatte. Mit seiner Ankündigung hierzu war logischerweise ganz gewaltig mein Interesse geweckt worden, sodass ich nun wie auf glühenden Kohlen neben ihm kniete, mir davon aber möglichst nichts anmerken ließ. Eine Sklavin muss sich in Geduld üben können, zumal mein Herr nun auch noch ungehalten brummend davon stapfte. Vorher brüllte er allerdings noch wütend in seinem berüchtigten Kasernenhofton: „Wer brüllt hier und macht mir meinem Ruf streitig? Ich hasse es, wenn geschrien wird… der einzige, der das darf bin ich und sonst niemand!!!“ 


Als Hauptmann von Jorts Fähre und somit verantwortlich für die Sicherheit der Bewohner, fühlte mein Herr sich trotzdem natürlich verpflichtet, diesen Rufen auf den Grund zu gehen… leider, denn er kam nach einiger Zeit mit einer Reisekajira zurück. Offensichtlich hatte es die Schreiberin nicht geschafft, hinter dem Mädchen hinterher zu kommen. Naja, weniger laut rufen hätte nicht so viel blaue Puste gekostet, meinen Herrn nicht verärgert und ihre Schritte wahrscheinlich um einiges beschleunigt! Es stellte sich heraus, die Sklavin trug weder einen Kragen, noch sprach sie Goreanisch, war also offensichtlich eine frisch importierte Barbarin, der es wie auch immer gelungen war, irgendwelchen Sklavenfängern zu entfliehen… so genau war das nicht aus ihr herauszubekommen und eigentlich auch unwichtig.

Die Blaue machte nach diesen Erkenntnissen jedenfalls prompt einen Rückzieher von ihren Besitzansprüchen und schaute meinen Herrn vollkommen entgeistert an: „Seit wann fange ich Sklavinnen… noch dazu eine, die nicht mal unsere Sprache spricht?! Wenn schon, dann brauche ich eine, die lesen und schreiben kann!“ „Schreiberin, du warst die Erste am Fundort, bist also die Finderin, die Kajira gehört somit dir… ganz einfach ist das“, erklärte mein Herr geduldig. Doch das Weib hauptete jetzt, nur gerufen zu haben, damit die Kajira von ihm und dem Brauereikrieger gefangen werden konnte. Einen Kragen hatte sie nicht dabei und weigerte sich auch strikt, ihre erlauchten blauen Finger mit dem Stahl zu beschmutzen, den ich auf Befehl meines Herrn nun eilig aus der Schmiede holte.

Um das Gerangel um das Mädchen zu beenden, bot der Sattler meinem Herrn schließlich einige Kupfer für die Kajira. Ich denke, er wollte damit vor allem die peinlichen, in meinen Augen vorgeschobenen Forderungen der Schreiberin beenden, eine Barbarin müsse unbedingt in einer vernünftigen Sklavenschule ausgebildet werden. Das sah übrigens auch die Gnädigste für eine gewisse Grundausbildung als erforderlich an, obwohl sie doch weiß, dass es solch eine Schule nicht in Jorts gibt, die Sklavenhändlerin außerdem auf Reisen ist und ich auch alles durch aufpassen, zuschauen und Learning by doing gelernt habe. Mein Herr ließ sich auf den Verkauf des Sammelstücks jedenfalls nicht ein und da der Brauer ebenfalls kein Interesse an ihr hatte, nahm er die Barbarin letztendlich mit nach Hause, wo ich sie draußen am Sklavenpfahl anketten musste. 

Leider zögerte sich das Auspacken der beiden Pakete aus Torcodino dann wegen meiner Schusseligkeit noch weiter hinaus… ich hatte die Barbarin dummerweise nur an den Pfahl gefesselt, jedoch vergessen, ihr mit einem Tuch auch gleich den Mund zu stopfen. Kaum wieder drinnen bei meinem Herrn, ging draußen nämlich lautstarkes Gemecker los, sodass ich mein Versäumnis eilig und nicht allzu sanft mit einem gebrauchten Reptuch aus der Küche korrigierte. Danach kehrte tatsächlich Ruhe ein und mein Herr hielt mir die beiden Pakete unter die Nase: „Schau mal Arya, was ich für dich mitgebracht habe.“ Selbstverständlich war mir klar, dass nicht ich etwas geschenkt bekam, sondern mein Herr sich selbst beschenkte. Doch das tat meiner Wissbegier natürlich keinen Abbruch, um was für Geschenke es sich wohl handelte.

Ich begann mit dem länglichen Teil. Während ich an der Verpackung herumfummelte, stellte ich meinem Herrn die Frage, ob er sich vielleicht eine neue Gerte gekauft hatte. Und tatsächlich, ich hatte richtig geraten! „Ja Arya… der Händler sagte mir, dass diese Gerte extra für Sklaven ist… sie macht so gut wie keine Striemen, tut aber trotzdem ordentlich weh.“ Kaum hatte ich das ausgepackte Geschenk meinem Herrn überreicht, ließ er sie auch schon probehalber durch die Luft zischen und erzeugte bei mir eine leichte Vulohaut vor Angst, obwohl ich eigentlich keine Strafe befürchtete... doch man weiß ja nie. „Ich bin gespannt, ob der Händler gelogen hat. Aber das werden wir sehen, wenn ich die Gerte das erste Mal ausprobiere! Du möchtest jetzt doch bestimmt auch das andere Paket noch auspacken, Arya oder?“

Na klar wollte ich das… ich konnte doch kaum noch mit ansehen, wie gespannt mein Herr auf sein zweites Geschenk war, das er sich während des Besuchs seiner Familie gekauft hatte. Wow… zum Vorschein kam ein nicht allzu großes, aber wundervoll weiches Giannifell! Es war allerdings nicht schwarz, denn Lilly schlief wie immer in ihrem Körbchen und zwar samt Fell. „Dieses ist für deinen Käfig, Arya, damit du es da schön weich hast, wenn du mal nicht vor dem Kamin auf meinem anderen Fell schlafen darfst.“ 

Ich war hin und weg über dieses wundervolle Geschenk und fand kaum Worte, um meine Freude darüber auszudrücken. Aber warum Worte finden? Viel, viel besser war doch, dass ich nun mit meinen sanften Lippen zeigen durfte, wie dankbar ich meinem Herrn war! An diesem Abend war mir der verhasste Käfig zwar immer noch verhasst, allerdings vielleicht doch ein bisschen weniger! :-)))))


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