Sonntag, 22. Januar 2017

Selbst ist der Krieger

Ich traf meinen Herrn auf dem Marktplatz, nachdem er zuvor bereits zu einem Rundgang durch die Stadt aufgebrochen war. Zum Glück gab es keine besonderen Vorkommnisse… nicht mal ein zu entsorgendes Sammelstück kniete neben ihm. So sanft wie nun meine Haare durchgewuschelt wurden, freute er sich offensichtlich umso mehr über meinen Anblick und verlangte dann, dass ich ihm meinen inzwischen wieder ganz gesunden Finger zeige. In seiner keine Widerrede zulassenden, wundervoll besitzergreifenden Art packte er mein Handgelenk, um meinen Finger genau zu mustern und ausgiebig brummend darauf herumzudrücken. 


Zufrieden über sein Untersuchungsergebnis schmunzelnd, meinte mein Herr schließlich: „Sehr gut… du bleibst also Zehnfinger-Arya… finde ich auch viel schöner!“ Mein Hinweis, dass er mich mit zehn Fingern vielleicht auch besser verkaufen kann, als mit einem weniger, interessierte ihn allerdings nicht mehr, obwohl er dies vor kurzem noch erwähnt und Ladenhüter-Befürchtungen in mir erzeugt hatte. Zu meiner großen Erleichterung wurde das Thema breit grinsend jetzt als überflüssig abgetan, er plane mich weder mit neun, noch mit zehn Fingern zu verkaufen. Außerdem war das Wagenrennen sowieso viel interessanter, ließ allerdings wieder schreckliche Versagensängste und deren mögliche Folgen in mir keimen.

Trotzdem gefiel mir natürlich die Vorstellung, unsere Verfolger in dicke Staubwolken zu hüllen und wie fies der aufgewirbelte Sand zwischen den Zähnen der anderen Kajirae knirschen wird oder auf ihrer schweißnassen Haut kleben bleibt, wenn sie aussichtslos hinter uns hinterher hecheln. Danach unterhielten wir uns über die Vorlieben von Goreanern, was die Figur ihrer Kajirae anbelangt. Hach, welch ein Glück für mich, mein Herr findet es überhaupt nicht schlimm, dass ich etwas dünner bin. In einer Hand seinen Pagabecher haltend, knetet er mit der anderen nämlich gerne meine Rundungen, bevorzugt es dabei aber handlich und findet die Vorstellung schrecklich, obwohl mit beiden gleichzeitig knetend, könnten seine Hände um etliche Größen zu klein sein.


Nachdem sich schließlich der Brauer und der Schmied dazu gesellen, blieb das Rennen bei Paga, Ale und Kalana natürlich weiter Thema Nr. 1. Außerdem war noch Diverses zu klären, wie z.B. der Startmodus… nämlich ob er als Le Ar Start festgelegt werden sollte und die Herren zu ihren Wagen laufen müssen, aufsteigen und dann erst losfahren können… ob man die Augen der Kajirae verbindet, damit die fahrerische Leistung der Wagenlenker mehr gewürdigt wird… und, und, und. Komisch fand ich übrigens, wie stur der Schmied seine Teilnahme mit vorgeschoben klingenden Begründungen verweigerte, obwohl er doch sogar zwei Kajirae hat. Doch was soll’s und eigentlich ist es mir auch ziemlich egal, ob sich die freien Weiber langweilen, wenn sie sich nicht einbringen wollen und lieber keine Aufgaben übernehmen.

Als mein Herr am nächsten Tag vom Wachdienst nachhause kam, erkundigte er sich erneut, ob der Schmied inzwischen den bestellten Wassertrog für seinen Sleen geliefert hatte, was ich leider verneinen musste… somit wurde meine zu klären Liste neben der beim Sattler zu bestellenden Boskpeitsche noch um eine weitere Aufgabe länger. Da mein kreativer Herr besonders kreativ beim Verteilen von Aufgaben ist, erschien es mir sehr ratsam, ihn jetzt von meinen mal zu denen zu lenken, die er seiner umzugslüsternen Gefährtin übertragen hatte. Während die Fenstergitter und der Käfig für Fenris längst fertig sind und auch der Garten schon lange Gestalt angenommen hat, war die Gnädigste in Sachen Bauarbeiten nämlich immer noch nicht weitergekommen.

Wobei sie auch wirklich Pech hat, da sich zurzeit einfach keine Bauarbeiter finden lassen. „Na gut, dann ziehen wir eben ohne Bauarbeiter um… was meint ihr?“ brummte mein Herr und seine Gefährtin stimmte sofort zu. Na toll, hatten die beiden sich mal überlegt wie viel Staub und Dreck bei so einem Mauerdurchbruch entstehen wird und dass ich hinterher sämtliche Möbel, Kissen, Teppiche und Felle von dem Tarskkram wieder reinigen muss? Hatten sie natürlich nicht, aber mein Herr hatte „ihr“ gesagt und nicht nur ein Einsehen bei meinem Veto, sondern teilte uns mit, so einen Mauerdurchbruch bekomme er doch ganz leicht hin… klar, selbst ist der Krieger! „Arya, hol einen Hammer, dann reiß ich die Wand heute noch ein und wir sparen Geld für die Bauarbeiter!“

Handwerklich nicht ganz unpraktisch veranlagt, holte ich nach diesem Befehl alles an Werkzeugen aus dem Lager, was mir für diesen Mauerdurchbruch wichtig erschien, allerdings leider auch ein paar Spinnweben. Die Gnädigste behauptete sogar, etwas würde auf meinem Kopf krabbeln und veranlasste mich, ziemlich panisch mit beiden Händen durch meine Haare zu wuscheln, während mein Herr bereits den Fäustel schwang: „Halt still Arya… ich erwische das Viech mit dem Hammer!“ 

Letztendlich strich er es aber doch mit der Hand herunter und trat das Krabbeltier mit dem Fuß platt… die Priesterkönige müssen mein Flehen wohl erhört haben. Nur gut, dass er das Monster nicht auf meinem Kopf zerquetscht hatte… meine Haare waren nämlich frisch gewaschen! 

Da der Tatendrang meines Herrn nun sozusagen hemmungslos entfesselt war, war kein Halten mehr. Die Werkzeuge bereits unterwegs schwingend ging es zum neuen Haus und nach kurzem Peilen wegen der richtigen Stelle für den Wanddurchbruch dann auch sofort los, denn das neue Fenster soll ja die Größe des im Außenmauerwerk sichtbaren Bogens haben. 


Wie gut und wirklich erforderlich für die Zielsicherheit meines Herrn bei den Stemmarbeiten, dass das neue Pagafass bereits zum neuen Haus geliefert worden war und er mit Hilfe einiger von mir herangeschleppten Kisten dann auch auf der richtigen Höhe stand, um unter den kritischen Augen der grünen Bauaufsicht mit kräftigem Schwertarm den Hammer und seiner geschickten Schildhand das Stemmeisen für den großen Fensterdurchbruch zu schwingen… selbst ist der Krieger und was für einer!!! ;-)

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