Samstag, 28. Januar 2017

Sparmaßnahmen

Kurz vor seiner Wache kam mein Herr noch zuhause vorbei und erzählte mir, dass er erneut ein Fundstück draußen am Sklavenpfahl angebunden hatte. Innerlich verdrehte ich leicht die Augen, doch ließ ich mir darüber lieber nichts anmerken, denn vielleicht war es diesmal nicht schon wieder eine 99er, die es wie auch immer schaffen würde spurlos zu verpuffen. Siedend heiß fiel mir nun allerdings ein, dass ich den Auftrag meines Herrn, ein billiges Hanfseil zu kaufen, immer noch nicht ausgeführt hatte, obwohl ich ihm diese Sparmaßnahme doch sogar selbst vorgeschlagen hatte. 

Kaum war er zum Wachdienst aufgebrochen, machte ich mich daher Richtung Hafen auf und hatte tatsächlich Glück. Ich traf zwar nicht wie ursprünglich geplant den Hafenmeister, sondern einen durchreisenden Händler, der allerlei Schiffszubehör anbot, darunter auch Seile in verschiedenen Qualitäten verkaufte. Nach ausgiebiger Begutachtung, denn zu dick und somit zu starr sollte das was ich suchte natürlich nicht sein, aber auch nicht zu weich, sondern ruhig ein bisschen kratzig, entschied ich mich für einen Rest Hanfseil, der meinen Ansprüchen genügte und außerdem ausreichend zugfest zu sein schien.

Das Verhandeln mit dem Händler gestaltete sich jedoch zäh. Der Kerl war zwar nicht rothaarig, aber ähnlich stur wie der jortssche Brauer, sodass ich schon kurz davor war aufzugeben. Doch anscheinend hatte ich es mit meiner Hartnäckigkeit fast geschafft, dem Herrn den letzten Nerv zu rauben, sodass er mir das Seil schließlich für 3 Tarskbit überließ. Komisch, vor vielen Märkten ist es mir in Belnend beim Handeln mit einem Schmied mal ähnlich ergangen, dem ich mit dem Erfolg ein Ohr abgequatscht hatte, dass ich zuletzt nicht nur die beiden Kragen für meine damalige Herrin erhielt, mit deren Kauf sie mich beauftragt hatte, sondern zusätzlich noch Öl für die Scharniere und einen neuen Kochtopf.

Tja, der Seilhändler hatte selbst Schuld… hätte er mir gleich einen vernünftigen Resterabatt eingeräumt, denn wer kauft schon einen Rest von nur 5 Ah-il für den vollen Preis, dann wäre er mich schneller losgeworden. Mein Herr war jedenfalls ganz zufrieden: „Arya, Rabatt ist eines meiner Lieblingswörter beim Einkaufen… ich werde das Seil bei Gelegenheit zurechtschneiden und ausprobieren, sofern sich ein Fundstück nicht gleich wieder in Luft auflöst.“ Ans nicht Verpuffen glaubte ich zwar noch nicht, doch wenigstens werden sich die Ausgaben meines Herrn zukünftig in Grenzen halten, da man aus dem Rest bestimmt drei oder sogar vier Seile für die Hälse von Reisekajirae bekommt. 

Ok, schlecht für die Geschäfte des Schmieds, denn mein Herr ist in Sachen Kajira-Halsschmuck aus Stahl bestimmt einer seiner besten Kunden. Doch aufgrund dieser wie ich finde sehr sinnvollen Sparmaßnahme, wird sein Verlust zukünftig nur noch bei maximal 1 Tarskbit liegen und nicht mehr bei Kupfermünzen, weil mit den vielen nichts taugenden Fundstücken blöderweise immer auch der Kragen mit dem eingravierten Namen meines Herrn verschwunden ist.

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