Samstag, 7. Januar 2017

Wette verloren

“Du hast Glück heute, Arya… und weißt du auch warum?” empfing mich mein Herr, als ich zurück ins Haus kam, nachdem ich den schweren Sattel für Grüner zur Thalarionkoppel hinter dem Hof transportiert hatte. Mir war nicht klar, warum ich an diesem Tag mehr Glück als sonst haben sollte, erfuhr von ihm dann aber, dass nicht den Sägebock als Erste ausprobieren muss. Ich vermutete natürlich, Tuch war in den Genuss dieses Sitzes gekommen, auf den ich nicht besonders erpicht war. Doch es hatte Laya getroffen, die Sattlerkajira. Ok, sie hatte selbst Schuld, wenn sie sich nicht nützlich macht und sich herausnimmt, einfach im Garten meines Herrn auf die Bank vorm Erdgeschossfenster zu steigen, um in sein Haus zu luschern… offensichtlich war die Kajira nicht ausgelastet gewesen.

Interessant fand ich vor allem zu erfahren, was denn ihr Herr dazu gesagt hatte. Leider war der anscheinend jedoch nicht dabei gewesen und wusste außerdem gar nichts von Layas Frechheit. Mein Herr hatte ihr jedenfalls befohlen, dem Sattler ihr Vergehen zu beichten. Ich denke allerdings, diesen Befehl hätte er sich sparen können, denn jede Kajira ist gut beraten, ihrem Eigentümer ihre Vergehen zu beichten… zumindest mache ich es immer so. Es kommt nämlich ganz schlecht an, sollte mein ahnungloser Herr von einem Freien auf einen Fehler von mir angesprochen werden, mit dem ich ihn erzürnt und somit Schande über meinen Herrn gebracht habe. Ich war gespannt, ob sich so wie bei Tuch auch auf Layas Hinterteil in den nächsten Tagen vielleicht ein paar neue Verzierungen zeigen würden... doch darauf sollte ich vergebens warten.

Apropos Bestrafungen... die Barbarin hatte es während meiner Abwesenheit geschafft, sich wie auch immer von ihren Fesseln zu befreien, sodass ihre offensichtlich besonders empfindliche, weiße Haut nach der Lektion meines Herrn nun noch gemusterter aussah, als am Vortag schon. Vielleicht war ihr das aber tatsächlich eine Lehre gewesen, denn auf seine Nachfrage gelobte sie nach einigen Verständnisschwierigkeiten schließlich, ihren Fehler nicht zu wiederholen. 

Da inzwischen die Ahn nahte, die mein Herr mit dem Schmied fürs Branden vereinbart hatte, stapfte er vor die Tür und überließ es mir, Tuch noch zu fesseln. Weil ich diese Kajira nicht kannte und daher nicht einschätzen konnte, außerdem keinerlei Lust verspürte, hinter ihr möglicherweise hinterherlaufen zu müssen, wenn sie Reißaus nehmen sollte, erschien mir diese Maßnahme erforderlich.

Mit dem Brauereikrieger hatte sich übrigens bei unserer Ankunft an der Schmiede bereits der erste Zuschauer eingestellt. Der Krieger meinte, ein Branding-Drama möchte er sich selbstverständlich nicht entgehen lassen. Allerdings dauerte es noch einige Ehn, bis sich die Hauptdarstellerin dazu gesellte. Sie hatte sich zwar an den Befehl meines Herrn gehalten und war uns hinter mir tatsächlich gefolgt, doch je näher wir der Schmiede kamen, umso kürzer wurden anscheinend ihre Beine… letztendlich kam sie aber doch angewackelt und die Eisen waren auch noch nicht verglüht, obwohl der Schmied seine Esse ordentlich eingeheizt hatte.


Während mein Herr und der Brauereikrieger nun in eine Wette um einen Krug mit dem jeweiligen Lieblingsgetränk darüber einschlugen, ob Tuch schreien würde oder tapfer ist, befahl mir der Schmied ihre Fesseln zu lösen und sie stattdessen am Brett zu fixieren… ein Befehl, dem ich freundlich, aber sehr bestimmt mit sanftem Schieben in die richtige Richtung nachkam, da die Barbarin einfach nicht verstehen wollte, was jetzt von ihr erwartet wurde. Danach flitzte ich eilig ins Gasthaus, um noch ein Tablett mit Kalana und Ale zu holen, denn die Herren sollten bei dem bevorstehenden Schauspiel in Anbetracht des lichterloh brennenden Schmiedefeuers selbstverständlich nicht verdursten.


Tja, und dann begann der Schmied mit dem Brandingprozedere… wie immer erläuterte er mit einigen, wie ich fand sehr schönen Worten, dieses im Leben einer jeden Kajira so einschneidende Erlebnis. Der Blick des Mädchens, mit dem sie das glühende Brandeisen ansah, wurde dabei verständlicherweise jedoch panisch und sie fing an zu hyperventilieren. Kaum berührte der glühende Stahl mit dem Kef dann ihren linken Oberschenkel… ich hielt wie immer sofort die Luft an und atmete nur noch durch den Mund… schrie die Kajira auf und wurde bewusstlos. 

Während der Schmied nun langsam bis drei zählte und ich mich bereit machte, wie befohlen den Eimer Wasser über die frische Wunde zu gießen, stellte sich heraus, dass der Brauer meine Luft anhalten und nur noch durch den Mund atmen Maßnahme offensichtlich nicht ergriffen hatte: „Huiii… das riecht aber!“Na klar, es stank sogar und zwar ziemlich ekelig nach verbranntem Fleisch, das viel zu lange auf dem Grill gelegen hat. Nach dem Zeichen des Schmieds und seinem „Arya, dein Einsatz…“ goß ich umgehend Wasser über das frische Kef, allerdings nicht den kompletten Inhalt. Die letzte Pfütze Eimerwasser widmete ich dem Gesicht der Sklavin, die danach auch tatsächlich wieder zu sich kam und nun anfing zu heulen.

„Na toll, nun bin ich nass Arya“, brummte der Schmied, nahm mir die Spritzer dann aber doch nicht wirklich krumm und ergänzte: „Aber tapfer war sie ja… andere haben mir schon die Schmiede zusammengebrüllt. Die hier scheint eine Gute zu sein, sie gab ja kaum einen Ton von sich.“ Klar, wie hätte sie das auch machen sollen, wenn sie in Ohnmacht fällt? Der Brauer hatte jedenfalls einen Krug Ale gewonnen, mein Herr seine Wette jedoch verloren und war entsprechend schlecht auf Tuch zu sprechen... was ja durchaus verständlich war. Auf mich war er trotz der verlorenen Wette dafür umso besser zu sprechen... doch in welchen Genuss ich später zuhause noch kam, interessiert hier bestimmt niemanden. ;-)

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