Montag, 27. Februar 2017

Wer auf wem?

„Ahh Arya! Ich dachte schon du wurdest geklaut… meins ist also noch meins und nicht Fremden seins“, begrüßte mein Herr mich und wuschelte gleichzeitig meine Haare zufrieden durch, als er von seiner Wache heimkehrte. Mir war sofort klar, sein Dienst muss anstrengend gewesen sein und er offensichtlich ziemlich müde, denn warum hätte jemand mich klauen sollen? Deswegen musste er sich wirklich keine Sorgen machen, zumal seine Sorgen um die Sicherheit der Stadt mehr als ausreichen und er außerdem leider auch noch ständig diese Wachdienste zu so schrecklich ungünstigen Zeiten hat! An diesem Abend hatte er einem Angebot allerdings nicht widerstehen können und seinen Dienst getauscht… solche Glückfälle passieren aber leider nur viel zu selten.

Äußerst irritierend fand ich übrigens, die Gnädigste erkundigte sich jetzt bei meinem Herrn, ob er einen Paga möchte. So wirklich vorstellen konnte ich mir nämlich nicht, dass sie ihm ein Getränk servieren wollte und tatsächlich lag ihr dies auch gänzlich fern: „Ich wollte nur fragen, damit du deinem Herrn einen Paga holen kannst, Arya.“ Achsooo, sie hatte es gut gemeint, weil er zu müde aussah, um seinen Getränkewunsch zu äußern. Außerdem nahm sie offensichtlich an, es wäre kein Paga im Haus… ein absolutes Unding! Nun gut, wer sich aus sämtlichen Haushaltsangelegenheiten heraushält, hat vom Paga-Füllstand im angebrochenen Fass selbstverständlich keine Ahnung und dass ich das Zar-Gewinn-Fass schon vor einigen Tagen längst herangerollt hatte, hatte sie nicht mitbekommen.


Mein Herr behauptete an diesem Abend tatsächlich, zum Trinken zu müde zu sein, war etwas frischer Luft und einem kurzen Spaziergang allerdings nicht abgeneigt. Am Hafen angekommen beschloss er jedoch, sich vor der Taverne auf einen Paga deluxe niederzulassen, weil der nämlich immer geht. Außerdem gesellte sich der Brauereikrieger dazu. Der Herr war bestens gelaunt, da er neue Kundschaft gewinnen konnte. Zwar hatte er noch keinen Großauftrag an Land gezogen, doch der Wirt irgendeines Dorfes mit „K“, durch das der Brauer zufällig gekommen war, hatte Gefallen an seinem Paga und dem Ale gefunden. So ganz klar wurde mir jedoch nicht, ob dieser Ort im Norden oder eher nicht so weit nördlich liegt, allerdings wird dort gejarlt.

Interessant fand ich die Neuigkeit über ein demnächst in Belnend stattfindendes Fest mit Markt, sodass mein Herr einen Besuch überlegt. Auch die Gnädigste war davon sofort angetan und der Brauer schlug vor: „Vielleicht sollten wir dort aufschlagen… ist bestimmt lustig und wer weiß, in Belnend ist auch immer mal ein kleines Scharmützel möglich.“ „Ja, aber wenn wir aufschlagen, dann bitte nicht zu hart… das tut nämlich weh!“ gab mein an diesem Tag etwas zartbesaiteter Herr zu Bedenken und ergänzte noch: „Man muss vorsichtig sein und immer ein waches Auge haben, sonst macht man mit Pech einen Waldausflug. Der belnendsche Kommandant geht ja öfter in den Wald, hehe… glaube, der wird da gut versorgt. Aber ich lass mich lieber zuhause verwöhnen!“ Tja, besitzt eben nicht jeder eine Arya.

„Waldausflug“ war übrigens das Stichwort für die beiden Männer in Erinnerungen an Torcodino zu schwelgen, ihre frühere Heimat. Unsere Theatertournee vor vielen Märkten ging damals zwar auch durch die torcodinoschen Wälder, doch eine garstige Wilde namens Ixel mit Haaren auf den Zähnen war uns dort zum Glück nicht begegnet. Mein Herr und der Brauer waren sich übrigens einig, dass es diese zähe Person irgendwo bestimmt immer noch gibt. Wie gut, dass uns damals eine Begegnung mit ihr erspart blieb, denn das viele Rosa und die anderen nicht gerade gedämpften Farben im Teehaus, offensichtlich alles Lieblingsfarben der äußerst exzentrischen Besitzerin, war schon anstrengend genug gewesen. Allerdings dämpfte der Kuchen die Farbenpracht um einiges, denn meine frühere Herrin liebt Puddingzeugs & Co. nun mal über alles.

Unklar blieb leider, wer seinerzeit in den Wäldern von Torcodino auf wessen Schoß gesessen hatte… mein Herr auf dem dieser Ixel mit den behaarten Zähnen oder sie auf seinem. Letzteres sah ich als viel wahrscheinlicher an, denn dort sitzt es sich wirklich wundervoll, besonders wenn man von den starken Kriegerarmen meines Herrn so herrlich besitzergreifend umschlungen wird. Der Brauer lachte sich übrigens weg bei den Erinnerungen und behauptete, es sei anders herum gewesen. Mein Herr bezeichnete das Weib jedoch als Pickel an seinem Hintern und bestätigte damit sozusagen, dass er tatsächlich auf der Frau gesessen haben muss.

Leider gewann seine Müdigkeit nun allerdings schlagartig die Oberhand und seine Felle riefen lautstark nach ihm, sodass eine endgültige Klärung über „wer auf wem“ ausblieb... Schlaf ist selbstverständlich aber auch viel wichtiger! ;-) 

Freitag, 24. Februar 2017

Tag der Grasflecken

„Heute mach ich Rock grün“, sagte mein Herr doppeldeutig zu mir und wuschelte gleichzeitig meine Haare sanft durch, nachdem ich ihn begrüßt hatte. Er meinte damit den Uniformrock seines Freundes, den Brauereibesitzer mit Namen Rock. Zuvor war ich nämlich schnell noch in Sachen Pagafass unterwegs gewesen und hatte seinen Gewinn vom Brauereihof abgeholt, vorerst allerdings im Garten deponiert, weil es mir drinnen im Haus zu eng erschien mit zwei nicht gerade kleinen Pagafässern. So ganz gefiel meinem Herrn dieser Platz zwar nicht, weil er befürchtete, jemand könnte sich an seinem Lieblingsgetränk bedienen, wenn das Fass einfach neben der Bank im Garten steht. 


Letztendlich hatte die herannahende Ahn des Waffentrainings jedoch Vorrang vor einem geeigneteren Ort für seinen Paga, denn mein Herr wollte sich bevor es los ging noch etwas an der Wiese mit mir aufwärmen. Doch dazu kam es nicht mehr, weil der Brauereikrieger bereits mit den Füßen im Gras scharrte und offensichtlich sehnsüchtig auf seinen ersten Trainingspartner wartete: „Na Hauptmann… bereit für eine Runde Schwertkampf?“ 

„Ja sicher… ich bin in Höchstform, habe gestern noch meinen Spaß mit Arya gehabt… das entspannt!“ grinste mein Herr seinen Freund an und zog auch gleich sein Schwert, um mit dem Training zu beginnen, während ich mich schnell an den Rand der Wiese verdrückte, damit die beiden Krieger genug Platz hatten.

Wow… es fing wirklich vielversprechend an, denn mein Herr färbte den Rock des Brauereikriegers tatsächlich zunehmend grün, bis der Rarius irgendetwas an seinem Schild änderte und ihm damit das Färben schwer machte. Mein Herr kämpfte wirklich super und führte sein Schwert sehr geschickt, trotzdem verpasste der Krieger ihm unzählige Grasflecken. 

Schlimm fand ich übrigens nicht das Grün an seiner Kleidung, sondern dass der Brauer ihn plötzlich „Kini“ nannte… unfassbar!! Selbstverständlich steht mir das Verbessern von Freien nicht zu und ich beherzige auch den Befehl meines Herrn nicht zu murmeln, doch in diesem Fall musste ich mir einfach leise Luft machen: „Mein Herr heißt nicht Kini, sondern Kintradim!!“ Zum Glück hörte das bei dem lauten Klirren der aufeinander treffenden Klingen niemand, denn ich war die einzige Zuschauerin. 


Ziemlich maulig rief mein Herr mir irgendwann übrigens zu, dass ich mit dem Zählen aufhören soll, was ich bis zum Gleichstand noch getan, kurz danach aber sowieso aufgegeben hatte. Nach 24 Runden legten die Rarii endlich eine kurze Verschnaufpause ein und der Brauereikrieger erkannte beeindruckt an, wie sehr mein Herr sich gesteigert hatte. Er bestätigte nämlich, dass es jedes Mal sehr knapp gewesen war, wenn er zu Boden ging. Kaum wieder zu Luft gekommen, setzten die beiden Männer ihr Waffentraining jedoch fort… der Landsitzkrieger schwänzte allerdings in dieser Hand. Nachdem der Bauer dann etwas später doch noch eintraf, nutzte mein Herr die Gelegenheit für irgendeine Erledigung im Kriegerhaus, die keinen Aufschub zuließ und ich lief schnell nach Hause, um für das leibliche Wohl nach dem Training zu sorgen. 

Von meinem Vorhaben, einen Berg lecker duftende, mit Schinken und Käse gefüllte Teigfladen zu backen, ahnte mein Herr natürlich nichts. „Ach, deshalb warst du verschwunden, Arya, um mir einen Imbiss zu machen? Ich hab dich nämlich beim Training vermisst und jetzt Hunger wie ein Larl!“ rief er mit Blick auf den vollgehäuften Teller begeistert aus. Meine Überraschung, übrigens genau zum richtigen Zeitpunkt nach Trainingsende fertig geworden, war mir offensichtlich gelungen und schmeckte wirklich oberköstlich… mein Herr erlaubte mir nämlich ebenfalls zuzulangen. Der Imbiss hätte auch für die beiden anderen Krieger gereicht, doch werden die übrig gebliebenen, kalten Teigfladen auch als Proviant auf der nächsten Wache meines Herrn superlecker schmecken. 

Der Bauer hatte sich nämlich gleich nach dem Training Richtung Hof verzogen. Mein Herr vermutete, um seiner noch nicht Gefährtin das Herumtreiben auszutreiben und sie wieder an die Kette zu legen. Ich bin gespannt, ob sie tatsächlich wieder kniet, denn es heißt doch „einmal Kajira, immer Kajira“. Tja, und wie so oft riefen den Brauereibesitzer leider sehr bald seine Kessel, sodass er sich verabschiedete. Trotzdem beschloss mein Herr nicht zuhause, sondern im Gasthaus zu essen... andernfalls wäre der Imbiss wohl auch kalt geworden, denn er hatte ja schon den Weg aus der Oberstadt hinter sich. 

Wo mein Herr sich an seinem anschmiegsamen Eigentum erfreut und es genießt, wie schnell ich Wachs in seinen Armen werde, wenn er mich besitzergreifend an sich zieht, ist jedenfalls unwichtig und das nicht nur an diesem Tag der Grasflecken, an dem sich sein männlicher Geruch wieder so wundervoll mit dem vom Waffentraining vermischt hatte… ;-)))

Mittwoch, 22. Februar 2017

Gute Ideen

Die Gefährtin meines Herrn nahm lesend seinen Schreibtisch in Beschlag. Drüben in der Krankenstation arbeitet sie eigentlich so gut wie nie, was für meinen Herrn aber auch in Ordnung ist, wenn er sich nicht gerade mit irgendeiner Rede befassen muss. Schließlich klappte sie ihr Buch aber doch zu und lachte mich auf dem Weg zur Treppe an: „Komm Arya, ich glaube dein Herr hat Ungeduld.“ Klar hatte er Ungeduld, allerdings hatte er auch Grasflecken auf seiner Kriegeruniform gehabt. Ich erklärte ihr jedoch, dass ich diese inzwischen ausgewaschen hatte und nur noch schnell die inzwischen trockene Kleidung in seiner Kleiderkiste verstauen wollte. „Arya, ich kann dich hören!“ kam nun von unten brummend und nicht wirklich begeistert, denn offensichtlich hatte mein Herr mitbekommen, warum ich nicht gleich hinter der Gnädigsten auftauchte. 

Ok, ich gebe zu, besonders eilig hatte ich es nicht… ich wollte mir diesmal nämlich den Anblick verkneifen, wenn die Frau ihn abknutscht, was sie ja immer wieder gerne macht. Als Erklärung für mein Fernbleiben erschien es mir ratsam, meinem Herrn mitzuteilen, dass ich zu seinen Grasflecken stehe, die er doch immer mit so viel Würde trägt, sie inzwischen allerdings ausgewaschen sind, weil Flecken vom letzten Mal beim Training in dieser Hand ein komplett unschönes Licht auf mich werfen würden und somit auch auf ihn. Mein Timing war übrigens perfekt, denn kaum war ich die Treppe hinunter gehüpft, wurde der Platz vor meinem Herrn frei, sodass nichts mehr meiner innigen Begrüßung mit sanften Küssen auf seine Stiefel im Wege stand.

Danach zog ich mir eine saubere Tunika an, da es meinen Herrn inzwischen nach einem Gang in die Stadt gelüstete. Bevor er sich vor der Taverne jedoch entschied, ob ihm der Sinn nach Paga oder doch eher nach Kalana stand, musste ich erst noch die Schirmfarbe der Brauereilampe in Erfahrung bringen. An diesem Tag war grimmeliges Grün-Beige geflaggt, also eine echte Kackfarbe, die nichts mehr mit dem stolz leuchtenden Rot des Vortags gemein hatte. Da vom Hofbesitzer weit und breit nichts zu sehen war, er also für das Spendieren von Getränken nicht in Frage kam, konnte die Farbe nur bedeuten, dass der Brauereibesitzer nach den ausgegebenen Getränkerunden jetzt vermutlich komplett verarmt war und am Hunger-Reptuch nagte.


Obwohl nicht grau-weiß-kariert geflaggt, lief es letztendlich trotzdem darauf hinaus, dass mein Herr sich bereit erklärte ein oder sogar zwei Runden zu schmeißen. Allerdings versuchte er den Brauereibesitzer davon zu überzeugen, am nächsten Tag für den Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten aufzukommen: „Also, wir machen das so… heute zahl ich und morgen nach dem Waffentraining du… ist das eine Idee?“ „Eine Idee schon, aber eine schlechte, weil ich gestern bezahlt habe… jetzt ist mal wieder gut, Hauptmann!“ lautete wie nicht anders zu erwarten leider die Antwort des Rothaarigen, der wegen seines dicken Münzbeutels eigentlich ständig unter schiefem Genick leiden müsste, weil er doch jede Nacht darauf schläft.

„Na, dann zahlt morgen der Sattler. Das gefällt mir… ist auch eine super Idee, ich hab nämlich nur gute Ideen!“ Hmmm… auch der Sattler wimmelte diesen Vorschlag meinen Herrn ab, da er am Tag der Beflaggung mit rotem Lampenschirm nicht wie er auf Kosten des Brauers getrunken, sondern selbst gezahlt hatte. Hilfesuchend wandte mein Herr sich jetzt an sein Weib, die sich leise kichernd von dem Hin und Her anscheinend gut unterhalten fühlte, es jedoch vorzog lieber nichts dazu zu sagen und ja sowieso überhaupt eher selten zu irgendetwas Stellung bezieht. Der Sattler schlug vor zu würfeln, der Brauer aber forderte, mein Herr soll endlich mit dem Schnorren aufhören… welch eine freche Unterstellung, wo mein Herr doch immer so spendabel ist und wirklich oft einlädt!


Wie gut, dachte ich noch bei dem Themenwechsel, ahnte allerdings nicht was der für Folgen haben würde. Da die Brauereikajira an irgendeinem Zar-Turnier teilnimmt, erkundigte sich die Gefährtin meines Herrn jetzt nämlich nach dem Ausgang ihres letzten Spiels und stellte fest, dass mein Herr schon lange kein Zar mehr gespielt hatte. Ich verdrehte innerlich meine Augen, weil ich solche Spiele einfach nicht mag, zumal sie auch noch recht zeitintensiv sind und vieles dabei zwangsläufig auf der Strecke bleibt. Doch von der Möglichkeit, gegen meinen Herrn zu spielen, war die Brauereikajira sofort begeistert und ihr vom Können seines Eigentums eingenommener Herr wollte sofort eine Wette auf ihren Sieg abschließen. Menno, was für eine blöde Idee hatte die Gnädigste da verursacht?!

Selbstverständlich versuchte ich mir meinen aufsteigenden Frust nicht anmerken zu lassen und schaffte es zum Glück meine Klappe zu halten, denn nur was meinen Herrn erfreut zählt natürlich… auch so ein grässliches Zarspiel. So richtig interessiert daran schien er erst allerdings nicht zu sein, doch als die Drängelei und das Betteln des Brauereikriegers einfach kein Ende nehmen wollte, erklärte er sich schließlich bereit… und war der Kajira selbstverständlich überlegen! Er war zwar noch nie ein Turniersieger, ist aber trotzdem mindestens ein halber Zar-Meister und gewann nun ein Fass Paga… leider jedoch ohne Anlieferung. Der Brauer glaubte zwischendurch übrigens Schweißperlen auf der Stirn meines Herrn zu sehen, doch sein frohlockendes Händereiben verging ihm recht schnell wieder.


„Ach was… Schweiß? Das ist etwas anderes“, tat mein Herr die Unterstellung sowieso breit grinsend einfach ab und genoss stattdessen umso mehr meine sanft massierenden Hände. Um angeblich besser denken zu können, hatte er mir nämlich befohlen seinen Nacken zu massieren, allerdings bin ich mir total sicher, er hätte auch ohne gewonnen! Trotzdem war ich natürlich mächtig stolz auf meinen Herrn und konnte mir vor Freude einfach nicht verkneifen, meinen Arm ganz fest um ihn zu schlingen und ihm sehr sanft einen leise schmatzenden Kuss zu geben… natürlich nur auf seinen Hals, denn er ist ja sehr eigen und ich doch nur seine Kajira.

Leider drehte sich nach dem Spiel das Gespräch um die zahlreichen Münzen, die der Turniersieger bekommt, sodass mein Herr nun überlegte, ob er bei so viel Geld zukünftig nicht vielleicht doch an Turnieren teilnehmen sollte. Er gab der Brauereikajira noch diverse Tipps, überlegte dann zu meinem Leidwesen aber auch, mich ebenfalls anzumelden. Offensichtlich sah er mir an, von welchem Entsetzen ich nun gepackt wurde, verstand meine Erklärung leider jedoch komplett falsch, da ich mich blöderweise äußerst ungeschickt ausdrückte. Selbstverständlich lag es mir fern, ihm sagen zu wollen, was er zu tun oder zu lassen hat, doch sah ich es als meine Pflicht an, ihn vor peinlichen Blamagen und unnötigen Geldausgaben für sinnlose Reisen zu schützen.


„Hörst du es… Arya sagt mir, was sie nicht macht!“ Irgendwie wunderte es mich nicht, dass die Gnädigste meinem Herrn bestätigte, genau dies mit Erstaunen ebenfalls gehört zu haben, weil es doch leider auch so geklungen hatte. Mal nachfragen oder irgendetwas hinterfragen ist nicht ihr Ding, zumal sie sowieso ja und amen zu allem sagt, wenn mein Herr mich noch kleiner machen will, als ich eh schon bin… naja, typisch freie Frau eben. Wie gut, dass diese Freie ein so großes Schafbedürfnis hat und sich nach dem Sattler und dem Brauereibesitzer, dessen Sklavin nach dem verlorenen Spiel sowieso bald erschöpft das Weite gesucht hatte, ebenfalls beizeiten zurückzog.

Andernfalls wäre mein Herr bestimmt nicht auf die wirklich tolle Idee gekommen, mich auf seinen Schoß zu ziehen, damit ich ihn auf den Fasstransport vorbereite… was natürlich oberwichtig war, denn besonders kostenloser Paga ist neben kostenlosem Kalana nun mal sein Lieblingsgetränk. Ich glaube, nach fast zwei Ahn sehr intensiver Vorbereitung sagte er sichtlich zufrieden: „Arya, du bist mein Mädchen und wirklich anschmiegsam heute und ich mag es, wenn du so bist… was so ein kleines Zar Spiel doch alles ausmacht!“ Ach ja, das Rollen des Siegerfasses wurde übrigens auf den nächsten Tag verschoben. ;-)))

Dienstag, 21. Februar 2017

Mehr Anlauf, mehr Sprunghöhe und noch mehr Spritzer

Der Befehl meines Herrn zum Aufbruch lautete diesmal: „So… wir gehen an die frische Luft und planen etwas Böses.“ Ehrlich gesagt… ich hatte keinerlei Vorstellung, was er sich darunter vorstellte, doch seine Gefährtin frohlockte voller Begeisterung mit leuchteten Augen: „Ich lass mich überraschen!“ Hmmm… mein Herr war sich sogar sicher, etwas Passendes zu finden! Allerdings so ganz wohl war mir irgendwie nicht, während ich hinter ihm und der Gnädigsten Richtung Hafen hinterher trottete. Hoffentlich kam ihm keine Idee, die sich für mich womöglich unschön auswirken könnte, denn ich bin doch nur seine Sklavin.


Am Fähranleger trafen wir den Bauern. Keine Ahnung, wie die beiden Männer darauf kamen, aber plötzlich drehte sich ihr Gespräch um Methoden ins Wasser zu springen und mein Herr meinte grinsend: „…also Arschbomben werden gern gesehen… das spritzt nämlich so schön!“ Der Grünen schien das weniger zu gefallen, denn sie forderte leicht pikiert den Bauern auf: „Bevor du das tust, sag bitte Bescheid, damit ich aus der Gefahrenzone gehen kann, aii?“ Da mein Herr es ja nicht so mit Wasser hat und angeblich nur wie ein Vulo aus Stein schwimmen kann, also eher gar nicht, wollte er seinen Part logischerweise aufs Zuschauen beschränken und schlug vor, lieber mich ins Wasser zu werfen.

Vorher erkundigte er sich jedoch, ob ich überhaupt eine Arschbombe kann. Juhuuu… nichts leichter als das und vor allem sollte ich tatsächlich Gelegenheit bekommen, endlich wieder im Vosk zu schwimmen? Voller Vorfreude, denn ich bade nun mal für mein Leben gern, bestätigte ich die eigentlich überflüssige Frage schnell. Außerdem weiß mein Herr, dass ich wie ein Fisch schwimmen kann und die Temperaturen sind inzwischen doch nun schon seit Tagen wundervoll milde in Jorts. „Dann zeig mal, Arya… aber mit viel Schwung und zieh deine Sandalen vorher aus!“ ließ ich mir von meinem Herrn und von dem Bauern „…ins Wasser, Arya, ins Wasser!“ natürlich nicht zweimal sagen.

Ich zog aber nicht nur die Sandalen aus, sondern machte mich lieber komplett nackig. Außerdem rief vorsichtshalber laut, um irgendwelchem Getier nicht auf die Nase zu springen: „Achtung ihr Wasserviecher!!!...Deckung!!!!!“ Danach nahm ich Anlauf und um den Zuschauern einen hoffentlich gewaltig spritzenden Poklatscher zu zeigen, sprang ich mit einem Riesensatz im hohen Bogen mit angezogenen Knien ins Wasser, bevor ich prustend wieder auftauchte. Leider hatte ich echt nicht damit gerechnet, dass meine Arschbombe in dermaßen arschkaltes Wasser gehen würde… von wegen Schwimmvergnügen.

Entsprechend beeilte ich mich ans Ufer zu kraulen, um möglichst schnell wieder aus dem kalten Nass heraus zu kommen. Außerdem wollte ich ungerne auf der Speisekarte der großen Schwanzflosse landen, die inzwischen vor dem Hafenbecken ihre Runden drehte. Während ich versuchte, mein Zittern zu verbergen, indem ich zum Warmwerden von einem Fuß auf den anderen hüpfte, bezeichnete der Bauer meine Bombe übrigens als Ritzenklatscher, gab mir für Schwung und Begeisterung aber sogar eine glatte 8 und mein Herr immerhin noch die Note 7,8.

Danach forderte mein Herr: „Arya, spring noch mal… diesmal aber mit mehr Anlauf, mehr Sprunghöhe und mehr Spritzern!“ Pahh….von wegen kaltes Wasser… die Chance auf ein solches Vergnügen ließ ich mir selbstverständlich trotzdem nicht entgehen und verlängerte nun meinen Anlauf bis in den Torbogen zwischen Brauerei und Schmiede hinein. Dank der Warnung meines Herrn an den sich jetzt dazu gesellenden Sattler „Vorsicht… nicht in der Anlauflinie stehenbleiben!!“ und meiner Warnung „Aaaaaachtuuung… ich kooooommme!!“, gelang es mir an dem Herrn vorbei zu preschen und mit einem noch größeren Satz ins Wasser zu bomben. 

Es war immer noch tarkskalt, aber diesmal bekam ich für den Platscher die Note 8,3 von meinem Herrn und auch von dem Bauern, vom Sattler jedoch nur eine 6. Der Herr bemerkte dann allerdings, dass er sein Schild falsch herum hielt, weil er doch nicht lesen kann. Inzwischen konnte ich mein Zittern und Zähneklappern aber tatsächlich nicht mehr verbergen und hoffte natürlich, dass ich mich an meinen Herrn anschmiegen durfte, der mich jedoch anwies: „Nein Arya, rubbel dich jetzt erst mal trocken und zieh dich wieder an. Hehe, ich mag nicht, wenn du dich so nass anschmiegst… lieber wenn du warm und weich bist.“ 

Für diesen Tag beendete er damit die Wassersprünge, doch wenn es wärmer ist, will er unter den Kajirae von Jorts Fähre Arschbomben-Stadtmeisterschaften austragen… das wird bestimmt ein Riesenspaß werden! Die Details dazu stehen allerdings noch nicht fest, obwohl die Männer verschiedene Möglichkeiten erörterten, von wo gesprungen werden kann und wie ausladend das Hinterteil der Sklavinnen maximal sein darf, damit nicht das Hafenbecken geleert wird und alle nachfolgenden Teilnehmerinnen bis zum nächsten Tag warten müssen, damit wieder genug Wasser nachgelaufen ist.


Da wegen der Kälte meines Bades Bewegung nun genau das Richtige war, denn Bewegung macht warm, erhielt ich von meinem Herrn den Auftrag, Getränke heran zu schaffen. Inzwischen war erstaunlicherweise sogar die Sklavin des Bauern am Hafen eingetroffen, die den Hof eigentlich nur in Ausnahmefällen verlässt, sodass ich ohne lange zu fragen einfach nur für meinen Herrn, den Sattler und die Gnädigste etwas zu trinken holte…. eine Entscheidung, die sich mit dem Rückzug des Bauern ins Gasthaus dann als sehr vorausschauend herausstellte, denn ich glaube der Herr trinkt nur sitzend.


„Arya, anschmiegen, damit du warm wirst!“ Hach… was für ein schöner Befehl meines Herrn, den ich mir selbstverständlich nicht zweimal sagen ließ und dem ich zu vorgerückter Ahn noch viel inniger auf seinem Schoß nachkommen durfte, sodass mir schließlich seeeehr warm wurde. Auch mein Herr und der Sattler beschlossen irgendwann nämlich, sich auf die Terrassensitzkissen zu verlagern. Andernfalls wäre ihnen bestimmt die Farbe des Lampenschirms an der Brauerei entgangen, die an diesem Tag besagte, dass es im Gasthaus freie Getränke gibt. 

Merkwürdig, mal wieder hatte nur mein Herr davon etwas mitbekommen… seine Aussage wurde allerdings wenig später von einem laut in der gesamten Stadt zu hörenden „OK“ des Brauereibesitzers bestätigt. ;-)

Montag, 20. Februar 2017

Grau-weiß-kariert

Wie erwartet waren die fünf Kuchenstücke, die ich zusätzlich in das Proviantpaket meines Herrn für die Nachtwache gewickelt hatte zwar lecker gewesen, aber für einen Kuchenliebhaber wie ihn leider viel zu wenig. „Arya, das nächste Mal nehmen wir mehr mit oder sind ganz schlau und machen was?“ veranlasste mich spitzbübisch grinsend zu antworten, dass ich bereits schlau gewesen war und etwas gemacht hatte. „Ach wirklich? Ich weiß, dass du schlau bist, Arya. Was hast du denn gemacht?“ 

Tja, ich gebe zu, ich war auch ein wenig stolz auf mein Tun und um die Spannung noch ein wenig zu erhöhen, erzählte ich jetzt, dass ich im Erdgeschoss für ausgiebige Querlüftung gesorgt hatte. Dann erklärte ich meinem Herrn, wie wichtig mir gewesen war, seinen wohlverdienten Schlaf nach der anstrengenden Nachtwache nicht mit oberköstlichen, durchs ganze Haus wabernden Düften zu stören, erkundigte mich aber lieber vorsichtshalber noch, ob er womöglich trotzdem etwas gerochen hatte. Doch das war nicht der Fall gewesen. Juhuuu… es hatte also tatsächlich geklappt! Mein Herr hatte weder vom Larmakuchen geträumt, den ich gebacken hatte während er schlief, noch war er schlafend an zu viel im Mund zusammengelaufener Spucke ertrunken. 

„Hui… lecker und obstig?! Larmakuchen ist immer gut, davon kann man auch ein Stück mehr essen… das merkt man ja nicht, weil Larma so luftig leicht ist! Dann schaff mal ran den Kuchen, Arya!!“ Diesem Befehl kam ich selbstverständlich umgehend nach und wurde auch nicht angemeckert, dass es nur 1/4 Kuchen war. Im Gegenteil, so sanft wie die Berührungen meines Herrn ausfielen, während er vor seinem Wachdienst das Riesenstück mit sichtlichem Genuss verputzte… den Rest hatte ich ihm nämlich bereits zum Mitnehmen verpackt… entsprach dieser Larmakuchen offensichtlich ziemlich genau seinen obstigen, luftig leichten Vorstellungen. 

Am nächsten Tag erzählte er, dass vom für die Nachtwache eingepackten 3/4 Kuchen kein einziges Stück übrig geblieben war. Oha, das muss anscheinend ein typischer Fall von Kuchenverdunstung gewesen sein, denn so viel schafft mein Herr ja gar nicht... behauptete er jedenfalls. Es kam ihm jedoch sehr hart an und er befürchtete sogar, nun womöglich zu verhungern, weil ich für seine nächste Wache keinen neuen Kuchen gebacken hatte, doch letztendlich gab er sich dann aber zufrieden. Außerdem war die Gnädigste inzwischen aufgetaucht und es stand noch ein Rundgang durch die Unterstadt an, bevor er zum Dienst aufbrechen musste. 

Nicht nur mir, sondern auch meinem Herrn fiel übrigens sofort auf, dass die Lampe am Eingang zum Brauereihof mal wieder einen anderen Lampenschirm hatte. Ziemlich fassungslos hörte ich allerdings, wie seine Gefährtin sich erstaunt erkundigte, was daran denn anders ist. Keine Ahnung, ob sie die Lampe überhaupt schon mal gesehen hatte... dass die Schirme gelegentlich ausgewechselt werden, hatte sie offensichtlich aber noch nie bemerkt. Selbstverständlich verkniff ich mir eine Bemerkung dazu, doch was ich dachte, muss mir wohl wie in einem offenen Buch im Gesicht gestanden haben. „Was guckst du so, Arya? Ich schaue beim Gehen nicht in den Himmel, aii?“ 


Puhh, es war knapp, doch kurz bevor ich mich nach diesem schnippisch klingenden Hinweis nun noch zu einem Kommentar verleiten ließ, rettete mein Herr mich. Genau in der Ihn, als ich Luft für eine Erwiderung holte, stellte er nämlich erneut Vermutungen über die Bedeutungen der Lampenschirmfarben an… Rot könnte heißen, der Brauer ist zuhause… Weiß besagt vielleicht, der Paga ist aus oder noch besser wäre, wenn diese Farbe bedeutet, dass der Paga gratis ist. Komisch, ich war mir wirklich sehr sicher, dass die Farben je nach Lust und Laune und ganz zufällig vom Brauereikrieger gewählt werden, denn ich hatte ihm bereits vor einer ganzen Weile eine diesbezügliche Frage gleich nach der Anschaffung der Lampe gestellt... ich schaue nun mal ab und an beim Gehen auch in den Himmel und geradeaus sowieso.

Eigentlich war ich sogar überzeugt davon, diese Frage im Beisein meines Herrn am Tag eines Waffentrainings gestellt zu haben und nahm an, dass auch die Gnädigste zugegen gewesen war… doch das erinnerte ich nicht mehr so ganz genau. Das Schweigen nach dem Ruf meines Herrn „HEUTE  IST  FREI  PAGA!“ ließ ihn übrigens frohlocken, damit richtig zu liegen, dass der Brauer in Spendierlaune ist und deswegen diese Farbe gewählt hatte. Wirklich schade, dass er nun jedoch vom Brauereibesitzer aufgeklärt wurde: „Nein, die heutige Beflaggung sagt, der Hauptmann zahlt.“ Um sich entsprechend darauf einstellen zu können, interessierte es meinen Herrn logischerweise sehr, welche Farbe des Lampenschirms denn dann den Freipaga anzeigt. 

Tja, wie nicht anders zu erwarten, erfuhren wir jetzt von dem armen, am Hafen darbenden, mal wieder auf Mitleid machenden Brauer, der es sich nicht leisten kann, wie mein Herr in der Oberstadt zu residieren, dass es eine solche Farbe nicht gibt, weil ihm in dem Fall die Bude eingerannt würde und er Konkurs anmelden müsste. „Was... aber es gibt eine Farbe, die besagt, dass der Hauptmann zahlt??? Das scheint mir sehr unfair zu sein!!“ empörte sich mein Herr verständlicherweise. Großzügig wie er aber nun mal ist, erhielt ich allerdings trotzdem die Anweisung von ihm: „Na gut… Arya, hol mal eine Runde auf die Kriegerkaste.“

Den grau-weiß-karierten Lampenschirm werde ich mir jedenfalls sehr genau merken, um meinen Herrn zukünftig vorzuwarnen! ;-)

Sonntag, 19. Februar 2017

Stadt der „SSS“

„Arya, ich habe beschlossen, dass wir nördlich reisen, aber nicht ganz in den Norden. Es könnte allerdings Schnee liegen… also pack sicherheitshalber warme Sachen ein“, kündigte mein Herr an und bestätigte mir, dass ich die richtigen Dinge in den Rucksack eingepackt hatte. Lydius sollte das Ziel sein, weil er sich in dieser jetzt offensichtlich wieder neu aufgebauten Stadt umschauen wollte, bevor er irgendeine Reise in den Norden plant. Na, ich war natürlich mächtig gespannt, hatte ich doch vor etlichen Märkten eine ganze Weile mal mit meiner Herrin dort gelebt.

Unsere kleine Reisgruppe bestand aus meinem Herrn, dem Brauereibesitzer, dem Schmied, der Gnädigsten und der Sklavenhändlerin, die ich schon recht lange nicht mehr gesehen hatte, die jedoch genau an diesem Tag anscheinend heimgekehrt war und es nun offensichtlich eilig hatte, erneut unterwegs zu sein. Wo der Händler und Gefährte dieser Frau steckte und warum er nicht mitreiste, erschloss sich mir allerdings nicht mehr, da der Kapitän unseres Schiffes nun zur Abfahrt drängte.


Die Reise verlief problemlos, nur der Brauer schien bei unserer Ankunft im Hafen von Lydius kurz vor dem Verdursten zu sein. Doch zum Glück wies uns der Hafenmeister den Weg… oder wer auch immer der Kerl war, der dort am Kai stand… indem er hinter sich deutete: „Da geht’s lang.“ Mit mürrischem Blick musterte die Skavenhändlerin nun meinen Herrn und den Brauer, um mäkelnd von sich zu geben: „Aber ihr verschwindet jetzt nicht in der Taverne… oder?“ 


Offensichtlich legte der Brauereikrieger keinen Wert auf eine Auseinandersetzung mit ihr und erklärte sich mit einem Ale zum Mitnehmen einverstanden. Seine ironische Zusammenfassung über den Weg vom Hafen zum Marktplatz traf den Nagel jedoch perfekt auf den Kopf: „Nix trinken… schauen… warten... schöner Ausflug!“ Auch mein Herr machte sich lustig, als die trödelnde Händlerin endlich auftauchte und erklärte: „Ich wollte was sehen und bin nicht auf der Flucht.“ Ok, es ging bergauf und wenn man verschnaufen muss, sieht man natürlich auch was.


Auf dem Marktplatz standen einige Leute herum und lauschten einem Musikanten, der bei unserem Eintreffen ankündigte, nun ein Lied für alle Krieger zu singen. Mein Herr ließ undefinierbar brummend nicht erkennen, wie ihm dieses Kriegerlied gefallen hat und ich fand es eher… naja, Geschmäcker sind verschieden und das ist wohl auch ganz gut so. Da mir auch das Gehampel einer tanzenden Sklavin nicht sonderlich gefiel, fand ich es schön, dass mein Herr sich nun ein wenig in der Stadt umsehen wollte.


Sehr schnell wurde klar, die Stadt war vor seiner Zerstörung um ein Vielfaches prächtiger gewesen. Wobei… die Münzen für Pracht und Prunk mögen knapp geworden sein, Steine muss es beim Wiederaufbau offensichtlich jedoch im Überfluss gegeben haben. Am Ende der Besichtigung hatte ich Lydius jedenfalls insgeheim für mich umbenannt in „Stadt der SSS“… je ein „S“ für Steine, Steigungen, Stufen… doch das behielt ich selbstverständlich für mich. 


Matschige Stiefel oder dreckige Sandalen wird man in diesen Gassen jedenfalls nicht bekommen und die Gratisproben aus der Bäckerei waren wirklich lecker. Mein Herr meinte nämlich, an so einem denkwürdigen Tag des Wiederaufbaus ist sicher alles gratis und da die Köstlichkeiten seinen Geschmackstest bestanden, packte ich natürlich reichlich davon für die Rückreise ein. Pech übrigens für den Brauereikrieger… er hatte wie immer Rücken und bekam davon nichts ab.


Wir trafen den Krieger an einer der vielen Steigungen und mein Herr fragte ihn, ob er mir nicht den Rucksack abnehmen möchte, weil ich mir schon den Rücken krumm schleppte. Eigentlich vorsorglich wegen möglicher Übernachtung, letztendlich aber überflüssigerweise hatte ich das schwere Ding leider nicht auf dem Schiff gelassen, denn wir traten nach dem noch ausstehenden Begrüßungspaga die Rückreise an. Zuhause schmeckt meinem Herrn sein Lieblingsgetränk nämlich immer am besten. 

Doch mal abwarten, sollte der Brauer einen Liefervertrag abgeschließen, schmeckt der Paga auch in dieser Stadt der „SSS“ wie zuhause und die eine oder andere Reise ergibt sich vielleicht sowieso noch. ;-)

Freitag, 17. Februar 2017

Backwarentest bestanden

Während ich noch schnell die letzten Felle ausschüttelte, war unten im Haus bereits Stampfen und bedrohliches Brummen zu hören, das mich veranlasste, eilig die Treppe hinunter zu laufen. „Ach, da bist du ja endlich, Arya“, wurde ich von meinem ungeduldig wirkenden Herrn begrüßt, sodass ich ihm nun lieber erläuterte, warum ich erst jetzt mit meinen häuslichen Arbeiten oben im Haus fertig geworden war. Als er tagsüber schlief, hatte ich ihn nämlich nicht stören wollen, weil er doch erst zu früher Ahn von der Nachtwache nach Hause gekommen war. „Soso, nicht stören… ich schlafe wie ein Stein, da kann auch eine Arya mich nicht wecken und wenn doch, dann wirst du mich sehr schlecht gelaunt erleben.“ 

Tja, genau dies hatte ich vermeiden wollen, da schlechte Laune meines Herrn durchaus schmerzhafte oder zumindest sehr unangenehme Auswirkungen für mich haben konnte und außerdem war es mir natürlich stets wichtig, ihn zu erfreuen und nicht Anlass für ungute Stimmung bei ihm zu sein, obwohl ich ihn miesepetrig selbstverständlich immer noch mag… ok, vielleicht etwas weniger. „Arya, zieh dir etwas an. Wir gehen jetzt aus… das hebt immer meine Laune.“ Nur logisch, dass ich mich jetzt sputete diesem Befehl nachzukommen, um in Sachen Laune heben möglichst kein Risiko einzugehen.

Hach, endlich fielen auch meinem Herrn die milden Temperaturen auf. Seine Bemerkung dazu veranlasste mich zu erwähnen, dass es schon seit einigen Tagen herrlich draußen ist, ich mir allerdings auch schon eine Bemerkung über zu wenig Stoff anhören musste, nachdem ich ein äußerst knappes Kleidungsstück gewählt hatte. „Nun ja, Arya… du musst dir alles anhören, was ich dir sage… das ist ja das Gute“, lachte er nur und stampfte Richtung Unterstadt, um sich am Hafen vor der Taverne einen Kalana von mir servieren zu lassen. Kurz nach uns tauchte auch der Sattler dort auf, allerdings ohne Laya, die anscheinend noch mit ihren häuslichen Arbeiten beschäftigt war.

Während mein Herr den schönen Blick über den Vosk bei einem Becher Kalana genoss, drehte sich das Gespräch der beiden Männer um Reisepläne zum Kennenlernen anderer Städte und Dörfer. Mein Herr überlegt nämlich, ob die Zeit gekommen ist mitzuteilen, wer zukünftig unter der Aufsicht von Jorts Fähre stehen wird und wie hoch die Steuerabgaben sein werden. Die Reise versprach also interessant zu werden. Ganz großer Nachteil jedoch sind allerdings die Temperaturen, sollte es Richtung Norden gehen und dort noch tiefer Winter herrschen. Das bedeutet leider nämlich, sich dick anzuziehen und sogar Stiefel zu tragen, was mir natürlich überhaupt nicht zusagt.

Das Gespräch drehte sich auch um die Söhne meines Herrn, die in Torcodino ihre Ausbildung absolvieren, damit sie gute Krieger werden. Vorteil an dieser Lösung ist, mein Herr muss nicht zuschauen, wenn sie Blödsinn machen... er befürchtet nämlich, dass sie nach ihm kommen. Die beiden Männer unterhielten sich auch über Alternativen der Pagabeschaffung, weil der knauserige Brauereibesitzer vor kurzem doch einer Heimsteinfremden einen Rabatt zugestanden hatte, bei meinem Herrn aber zu keinem einzigen Kupfer Preisnachlass bereit gewesen war. Interessant wird sein, ob der Brauer für die geplante Reise den Bosk anspannt oder seinen Wagen von Cara ziehen lässt und ihre Ernährung auf Gras umstellt, weil das billiger ist.


„Ist dies hier eine Männerrunde oder darf man sich dazu gesellen?“ veranlasste mich zum Begrüßen einer fremden Frau, die offensichtlich gerade mit der Fähre angekommen war. Da sie sich als Bäckerin vorstellte, war es natürlich logisch, dass mein kuchenliebender Herr die Freie sofort zum Platz nehmen einlud. Außerdem sind die Bewohner vor Jorts Fähre gastfreundlich und friedliebenden Besuchern immer sehr zugetan. Erneut zeigte sich übrigens, wie gefährlich das Leben im Norden ist… das Weib befand sich nämlich auf Reisen, weil ihr Dorf zerstört worden war. Tja, viel sicherer ist es natürlich, in einer Stadt wie Jorts Fähre zu wohnen oder gegen entsprechende Steuerabgaben unter ihrer Obhut zu stehen.

Ich gestehe, mir lief sofort das Wasser im Mund zusammen, als die Frau ihren Korb abstellte und ich die lecker aussehenden Kuchenstücke darin entdeckte. Passend zum zuvor erörterten Thema „Sparsamkeit“, legte ich mir umgehend eine Strategie zurecht, vielleicht in den Genuss einer Kostprobe zu kommen. Selbstverständlich ging es mir dabei aber nur darum, dass mein Herr doch großer Kuchenesser ist und für ihn nur das Beste gerade gut genug ist. Also hinterfragte ich lieber erst mal die Frische der Waren und wo sie hergestellt wurden. Auf dem Schiff, mit dem die Bäckerin angekommen war, hatte es mit Sicherheit keinen Ofen gegeben. 

Sehr gelegen kam mir, dass der Sattler einen ähnlichen Gedanken zu haben schien und probieren wollte. Wunderbar, mir war es natürlich sehr lieb, wenn die möglicherweise im Kuchen befindlichen Maden nicht in meinem Mund landeten oder ich mir die Zähne an dem Teil ausbiss, sollte die Gebäckkonsistenz auf der Reise eingetrocknet oder sogar versteinert sein. Es klappte perfekt… offensichtlich versteht der Sattler nämlich nicht nur etwas von Leder, sondern ist auch ein qualifizierter Kuchenprüfer, denn er betrachtete das Gebäckstück erst einmal sehr kritisch, roch als nächstes daran und klopfte zuletzt mit dem Finger dagegen, um zu sehen, ob Maden herausfallen. Sein Urteil nach kritischem Kauen lautete schließlich: „Kann man essen… erstaunlich nach der langen Reise!“

Selbstverständlich zögerte ich nun nicht mehr, ebenfalls eines der angebotenen, mit Obst gefüllten Kuchenstücke zu probieren, denn mein Herr liebt doch besonders Larmakuchen. Nach meinem Abbeißen… zur Sicherheit lieber zwei Happen, denn es ging ja darum, meinem Herrn nur beste Qualität essen zu lassen… konnte ich die Einschätzung des Sattler bestätigen und reichte das Stück an meinen Herrn weiter, der es ohne lange zu zögern in seinem Mund verschwinden ließ. „Arya, nimm später davon etwas mit, damit ich es als Morgenimbiss essen kann, wenn ich von der Wache nach Hause komme… den Rest verdrücke ich dann zwischendurch.“ 


Hoffentlich bleibt die Bäckerin lange oder lässt sich sogar in Jorts nieder… den ersten Backwarentest hatte sie nämlich bestanden und später, nachdem mein Herr bereits zur Nachtwache aufgebrochen war, bekam ich noch heraus, sie backt auch Kajirakringel!! ;-)

Donnerstag, 16. Februar 2017

Doch kein lahmes Vulo?

Da ich meinen Herrn selbstverständlich zum Waffentraining begleiten wollte, beeilte ich mich mit der Fertigstellung seines Proviantpakets. Sein Motto ist doch stets „ohne Mampf kein Kampf“ und somit die Sicherheit der Stadt bestens gewährleistet, wenn sein Magen mit leckerem Essen erfreut wird. Leider hat er für die nächsten Tage nämlich schon wieder die unschöne Nachtwache erwischt, zu der er gleich nach dem Schwertfuchteln aufbrechen musste. 

Ich nutze natürlich die wenigen verbleibenden Ehn, in denen mein Herr auf den Landsitzkrieger wartete, der noch etwas im Kriegerhaus zu erledigen hatte, indem ich mich wie eine zweite Haut an die Beine meines Herrn anschmiegte und seine Nähe genoss. So sanft wie er durch meine Haare strich, schien ihm dies genau wie mir sehr zu gefallen. Außerdem war es bestimmt nicht verkehrt, seine Beinmuskulatur vor dem Training gut anzuwärmen… eine Maßnahme, die sich an diesem Tag übrigens als nicht ausreichend herausstellen sollte. Doch dazu später mehr. 

Während wir warteten, unterhielten wir uns auch über Schmuck und dass für mich der schönste Schmuck mein Kragen ist, weil dort der Name meines Herrn drauf steht. An zweiter Stelle steht bei mir der Nasenring, weil der in Mittelgor etwas Besonderes ist. Nasenringe sind nämlich eher nur bei den Wagenvölkern üblich, schmücken dort allerdings nicht nur die Nasen von Sklavinnen, sondern werden auch von freien Frauen getragen. Mit meinem Eingeständnis, dass ich weiche, nachlässige Herren ganz leise und total stumm als „Herrchen“ bezeichne… mein Herr fand diese verkleinerte Version von Herr übrigens gut und lachte darüber… tauchte schließlich der Landsitzkrieger auf, der selbstverständlich jedoch nicht zu dieser ungoreanischen Spezies gehört.


Da inzwischen die Ahn des Waffentrainings angebrochen war, ging es zur Wiese hinter dem Hof. Mein Herr behauptete nämlich, seine Beine seien vom Stehen beim Warten bereits in seinem Bauch verschwunden, was natürlich nicht stimmte und außerdem hatte ich sie wie schon erwähnt gut gewärmt. Trotzdem erreichte der Landsitzkrieger die Wiese vor uns und konnte sich mit der Sandale auf den Boden tappend nicht verkneifen: „Aha, der Kurzbein-Hauptmann ist auch schon da.“ Das ließ mein Herr selbstverständlich nicht unkommentiert: „Hehe… meine Beine sind lang genug, um dir in den Hintern zu treten!“

Beim nun beginnenden Schwertfuchteln zeigte er dem Krieger dann nicht nur, wie flink kurze, von einer anschmiegsamen Kajira gewärmte Beine sein können, sondern führte seine Klinge wirklich geschickt, scheuchte seinen Trainingsgegner über die Wiese und verpasste ihm auch etliche Grasflecken, steckte selbst aber leider ebenfalls einige ein.

Ich gestehe, während ich den trainierenden Kriegern zuschaute, hing ich auch ein wenig meinen Gedanken nach und erweckte dabei offensichtlich den Eindruck, nicht aufzupassen, denn plötzlich war von der Wiese die Frage des Landsitzkriegers zu hören: „Arya…Zwischenstand?!“ „Ha… wir haben sie erwischt. Sie hat nicht mitgezählt!“ behauptete mein Herr und erhielt vom Krieger zur Antwort: „Aii, würde ich auch so sehen… aber ich liege jetzt gequälte 2 vorne!“

Natürlich beeilte ich mich sofort, diesen relativ ausgeglichenen Trainingsstand dem tatsächlich um 2 Runden besser liegenden Landsitzkrieger zu bestätigen, zumal sich auch seine nun eintreffende Gefährtin dafür interessierte. Einige Durchgänge später war mein Herr dem älteren Rarius zwar immer noch leicht unterlegen, bot seinem schnaufenden Gegner aber eine Pause an, obwohl er noch ahnlang hätte weiter machen können.

Oh Mist, in dieser Pause wendete sich das Gespräch leider dem Wagenrennen in der letzten Hand zu. „Hauptmann, hat dein Kailla denn schon die Enttäuschung von letzter Hand überwunden?“ erkundigte sich der Trainingspartner meines Herrn nämlich. Vor Scham wäre ich am liebsten erneut im Gorboden versunken, denn ich hatte doch wie ein lahmes Vulo versagt. 

Leider erfuhr ich zu meiner Schande nun auch noch, dass der Krieger dabei einen Silber Wetteinsatz verloren hatte. Zum Glück war dieser Verlust für den steinreichen Rarius aber offensichtlich zu verschmerzen gewesen und so wie er mich angrinste, nahm er mir mein schlechtes Abschneiden auch nicht wirklich übel. Er sprach darauf den Erfolg meines Herrn an, der sich doch spontan entschlossen hatte, einen der Wagen zu ziehen und dass sein Sieg zu erwarten gewesen war, weil er doch schließlich ein Mann ist.


Lustig fand ich die Frage der Herrin: „Würden die Krieger die Behauptung auch untermauern, dass sie nur weil sie Männer sind, schneller sind?“ Ihr Gefährte sagte dazu nur, dass feststehende Wahrheiten nicht untermauert werden müssen, doch mein Herr behauptete: „Ja klar, meine Beine sind ganz schnell und geschmeidig!“ Prompt forderte das Weib ihn auf, einen Beweis anzutreten und der Landsitzkrieger schlug in die selbe Kerbe: „Lange Beine hat Arya auch und ich vermute mal, sie ist noch weitaus geschmeidiger als du, Hauptmann.“ 

Tja, Bein zeigen musste mein Herr nicht, sondern gegen mich laufen und zwar ohne mir vorher zu befehlen, dass ich verlieren muss, allerdings versuchte er die Sache abzutun: „Ach was, Arya häng ich mit links ab!“ Doch die Herrin ließ nicht locker, suchte nach Stöckern, legte einen als Markierung für den Start hin und steckte einen anderen auf der gegenüberliegenden Seite der Wiese in den Boden als Wendemarke. Leise lachend sah der Landsitzkrieger seinem Weib dabei zu und wies meinen Herrn vorsorglich noch darauf hin, dass er gleich tatsächlich rennen muss.

Während mir immer flauer in der Magengegend wurde und meine Beine sich mehr und mehr wie Gummi anfühlten, bewunderte ich meinen Herrn, der von seinem Können überzeugt herumtönte: „Rennen ist kein Problem für mich… ich renn wie ein Larl und bin sehr gut im Sprint!“ Danach fuhr er schon mal ein wenig seinen Ellenbogen aus, um mich etwas zur Seite zu drängen, doch der Landsitzkrieger ermahnte ihn: „Hauptmann, es geht ums Rennen, nicht um deine Ellenbogen!“


Puhhh… auf jeden Fall waren es deutlich mehr als die vereinbarten 5 Runden, in denen ich es schaffte, angefeuert vom lauten „Arya! Arya!! Arya!!!“ der Herrin, tatsächlich meinen Herrn abzuhängen und zwar nicht nur so gerade eben, sondern sehr eindeutig. Mein Herr grummelte hinterher allerdings, am Start habe eine Wendemarkierung gefehlt und verlangte eine Revanche, auf die der Landsitzkrieger jedoch nicht einging: „Keine Revanche… du willst nur wieder deine Ausdauer ausspielen. Arya hat dieses Rennen gewonnen!“ 

Mit ungläubigem Erstaunen über meinen Sieg beeilte ich mich, mich umgehend bei meinem Herrn zu bedanken, denn es konnte gar nicht anders sein... er hatte mich gewinnen lassen! Merkwürdigerweise wurde ich jedoch angebrummt: „Arya, ich lass doch niemanden in einem Rennen gewinnen!“ Unfassbar… war ich diesmal tatsächlich kein lahmes Vulo gewesen, sondern schneller als mein Herr gerannt? Die Herrin bejubelte jedenfalls meinen Erfolg und lobte mich ganz doll, doch schließlich herhielt ich von meinem Herrn eine Antwort auf meine Frage: „Arya hat eine bessere Kurvenlage… nur deshalb hat sie gewonnen. Ich war so schnell, dass es mich aus der Kurve getragen hat und dadurch langsamer war als sie.“ 


Wie gut, dass er nun zum Abbau rachsüchtiger Gefühle auf mich vom Landsitzkrieger zur Fortsetzung des Waffentrainings aufgefordert wurde… danke Herr und Herrin für euren Versuch! Achja, ich gebe stets mein Bestes… bemühe mich mit Schnelligkeit zu dienen, wenn dies gewünscht ist und werde deinen Rat annehmen Herr, mich dabei zu beherrschen, damit mein Herr mitkommt! ;-)

Samstag, 11. Februar 2017

Fundstück 109

Das Gespräch drehte sich am Abend nach dem Verkauf der Sattlerkajira auch um die Gefährtenschaft des Bauern mit seiner freigelassenen Sklavin. Mein Herr erkundigte sich nämlich, ob er die Feier zum Vertragsabschluss womöglich verpasst hatte. Es stellte sich jedoch heraus, die Schreiberin hatte den Vertrag anscheinend bereits aufgesetzt, doch lässt die Unterzeichnung auf sich warten, obwohl der Hofbesitzer wohl großes Interesse an „so schnell wie es geht“ hat. „Oh, das klingt so, als ob es dringend wird“, meinte mein Herr und der Brauereibesitzer ergänzte noch: „Ah, pressiert es schon… hat es der Nachwuchs eilig?“ „Nein, ich habe nur noch keinen Termin festgelegt… muss es hinter mich bringen und drängen tut nichts“, versuchte der noch nicht Gefährte zu beruhigen.

Damit wurde meinem Herrn klar: “Achso, Lady Nina ziert sich… nicht, dass sie schüchtern geworden ist!?“ Der Herr mit Hof bestätigte ihm nicht wirklich begeistert, genau diesen Eindruck habe er von seiner Freigelassenen und wunderte sich über „die Wirkung dieses Gesöffs“. Mist, peinlicherweise vergaß ich jetzt meinen Vorsatz, nicht mehr ungefragt dazwischen zu plappern und platzte erschrocken heraus: „Ohje... man wird danach schlagartig zur Trockenpflaume?“ Doch zum Glück überging mein Herr meinen Fehler und erkundigte sich neugierig, ob es sich bei „diesem Gesöff" um Kalana handelte oder ob der Zuchtwein gemeint war, den Lady Nina trinken musste, als sie noch Hadi hieß. 

Ich vermutete natürlich Letzteres und der Bauer bestätigte tatsächlich: „In der Tat, bin mir zwar noch nicht ganz sicher, aber komisch ist das schon… seit sie den Wein bekommen hat, muss ich sie zwingen, sich zu mir zu setzen.“ Dieses Thema wurde dann allerdings nicht weiter erörtert, da nun wieder diese dunkelhäutige Kajira auftauchte, die meinen Herrn schon am Abend nach dem Wagenrennen merkwürdigerweise „mein Herr“ genannt hatte. Inzwischen war mir jedoch klar geworden, sie ist tatsächlich eines seiner zahlreichen verpufften Fundstücke, nämlich Nummer 109. Ob sie keine weitere 99er ist, muss sie noch beweisen und wessen Stahl ihren Hals ziert, blieb mir unklar, da kein Name eingraviert war.

Gleichzeitig mit der Dunklen tauchte eine der Grünen aus Belnend auf… unverschleiert und wirkte irgendwie verwirrt. Obwohl sie allen Freien bekannt war, schien sie jetzt niemanden mehr zu kennen. Auch mein Herr war ihr offensichtlich fremd, dabei hatte sie im letzten Krieg sogar seine Verletzungen behandelt! Es stellte sich heraus, ihr Kopf war von einer Taluna mit einer Bratpfanne traktiert worden und das hatte offensichtlich zu Gedächtnisaussetzern geführt. Wie nicht anders zu erwarten, wies der bäuerliche Moralapostel schließlich auf den Erlass des Stadtrats hin, sprach allerdings nicht vom Schleiergebot für freie freie Frauen: „Übrigens, bei uns herrscht Vorhanggebot.“ 

Wie schade, dass mein Herr mich nun zur Schmiede schickte, sodass ich nur noch mitbekam, wie die Freie erwiderte: „Vorhang? Nun ja… dafür, dass hier Vorhanggebot ist, sind aber nur recht wenige zu sehen oder?“ Was danach weiter passierte entging mir leider, weil ich das Feuer in der Esse schüren sollte. Der Schmied war nämlich nicht da, das dunkelhäutige Fundstück sollte aber trotzdem ein Branding bekommen und ihr Collar ab. Mein Herr fand es zwar doof, entschloss sich aber trotzdem die Arbeiten selbst zu übernehmen. „Hmpf Arya, es ist lange her, dass ich einen Kragen aufgedengelt habe und das letzte Mal habe ich die Sklavin fast geköpft… aber ok, wirklich schlimm ist das nicht.“

Vorher trank mein Herr aber noch einen dritten Paga und erkundigte sich bei der neuen Brauerkajira, die von ihrem Herrn die Zuständigkeit fürs Gasthaus übertragen bekommen hatte, ob zu ihren Aufgaben auch das Kassieren gehört. Da sie eine Antwort schuldig blieb, informierte er sie, dass er, der Hofbesitzer, der Sattler und der Schmied die Goldene Kundenkarte des Gasthauses zur Fliegenden Pfanne besitzen und 25% Rabatt bekommen. Mit „ähhmmm“ wurde dies zur Kenntnis genommen. Doch die Ergänzung, ihrem Herrn davon nichts zu sagen, veranlasste die Gasthauskajira darauf hinzuweisen, dass sie ihrem Herrn alles erzählen muss. Selbstverständlich muss sie das und der Sattler bestätigte es.

Mein Herr trank seinen Paga aus und maulte: „Man, man… ihr müsst einem auch jeden Spaß verderben! Na egal, war einen Versuch wert. Cara, vergiss die goldene Kundenkarte und außerdem heißt es Treuekundenrabatt.“ Danach legte er einige Münzen auf den Tisch und erhob sich. „Arya komm, wir dengeln jetzt und lassen zischen… vielleicht bin ich aber gleich wieder hier, wenn ich mit dem Werkzeug abrutsche.“ 

Es ging zur Schmiede, wo ich als Erstes den Befehl erhielt, mich um geeignete Werkzeuge zum Öffnen das alten Kragens zu kümmern. Das war schnell erledigt, da ich dem Schmied bei seiner Arbeit schon oft zugeschaut hatte. Beim Anblick der Werkzeuge überlegte mein Herr übrigens: „Hätte ich vielleicht einen Paga weniger trinken sollen? Egal, 109 leg deinen Hals auf den Amboss… ich hab nicht den ganzen Abend Zeit. Wichtig ist still halten und nicht zappeln… wer zappelt verliert.“ 

Der Dunklen hatte es inzwischen die Sprache verschlagen, aber sie befolgte die Anweisung, sodass ich mit einer Hand ihren Kopf zu fixieren versuchte und mit der anderen ihren Kragen festhielt. „Sehr gut Arya und pass auf deine Finger auf, denn die brauchen wir noch!“ Danach begann mein Herr wild auf das Scharnier einzudengeln und ich glaube, so angstvoll wie 109 mich ansah, schloss sie gerade mit ihrem Leben ab… überlebte aber. Irgendwann bekam ich den Stift mit einer Zange zu fassen… mein Herr hatte es an diesem Tag nämlich nicht so mit dem Fummeln… und der alte Kragen ohne Besitzername war ab. Damit sich die Erleichterung nach dieser Prozedur gar nicht erst zu sehr in dem Fundstück ausbreitete, durfte ich sie danach gleich am Brett fürs Branden fixieren. 


Fröhlich, nämlich offensichtlich bestens gelaunt nach der Dengelaktion, pfiff mein Herr ein Lied, betrachtete das inzwischen weißglühende Brandeisen mit dem Kef und drückte es der erst vor Schreck und dann vor Schmerz aufschreienden Sklavin plötzlich auf ihren linken Schenkel. „So geht das, Arya… kurz und schmerzlos… man baut ja kein Haus, wenn man ein Mädchen nur brandet.“ Danach legte mein Herr der Kajira anstelle seines Kragens ein Seil doppelt um den Hals, zog es relativ eng zusammen ohne sie zu würden und verknotete es: „109, dieses Seil ist dein Collar bis du dir ein richtiges verdient hast.“ 

Inzwischen war es spät geworden, sodass wir uns auf den Heimweg machten. Ein nach-dem-Branden-Paga war aber trotzdem noch erforderlich, den mein Herr an diesem Abend zuhause auf eine wirklich wundervolle Art genoss. Kaum kniete ich neben ihm, um ihm sein Getränk mit Hingabe zu servieren, zog er mich nämlich auf seinen Schoß, drückte mich mit einem starken Kriegerarm ganz fest an sich und trank so seinen Paga. Unter den Berührungen meiner sanft massierenden Hände ließ er zwischendurch sehr wohliges Brummen hören und murmelte schließlich: „Wenn es nicht so spät wäre, würde ich glatt noch ein Bad nehmen… aber ich werde das bald nachholen!“ ;-)

Freitag, 10. Februar 2017

Mitleidstour eines Geizkragens

Nach meinem Scheitern am Vortag legte ich mich mächtig ins Zeug, den Helm meines Herrn auf Hochglanz zu wienern und kam erst etwas später an der Kriegerwiese an, als das Waffentraining bereits zu Ende war und die Kriegertunika meines Herrn leider mit etlichen Grasflecken geschmückt. „Arya, meine Uniform ist ganz grün… du hast morgen viel Arbeit damit“, war für mich jedoch nichts Neues, da ich in den bald 5 Märkten als Eigentum meines Herrn und auch vorher schon ausgiebig Erfahrungen mit der Reinigung von Kriegerkleidung sammeln durfte. Die nun folgende Bemerkung des grinsenden Bauern fand ich übrigens grenzwertig: „Hauptmann, du könntest auch in die Kaste deines Weibs konvertieren oder immer am Trainingstag leihweise ihre Farbe tragen, dann fällt es nicht so auf!“

Mein Herr nahm das Gefrotzel jedoch mit Gelassenheit, zumal der Kerl ständig in bäuerlichem Kackbraun herumläuft und auch nie diesen hässlichen Blechdeckel namens „Helm“ vom Kopf nimmt. Mein Herr ist jedenfalls ein richtiger Krieger aus roter Kaste, der selbstverständlich nicht nur eine einzige Kriegeruniform für besondere Anlässe hat, sondern eine mit zig Uniformen gefüllte Kleiderkiste besitzt, ausschließlich Kastenfarbe trägt und nach dem Schwerttraining jedem Grasfleck die ihm gebührende Ehrerbietung zollt. Er trägt Trainingsflecken mit Würde und muss sie nicht mit unkriegerischem Braun oder Grün kaschieren! Wie gut, dass ich inzwischen gelernt habe, nicht mehr laut zu denken, denn andernfalls wäre ich bestimmt nicht in den Genuss der meine Haare sanft durchwuschelnden Hand meines Herrn gekommen.

Die Frage des Brauereikriegers „wollen wir noch ein wenig ins Gasthaus?“, wurde von den Männern natürlich sofort bejaht, die sich nach dem anstrengenden Schwertgefuchtel wie immer ein oder auch mehrere Getränke zum Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten wirklich verdient hatten. Der stets große Ale-Durst des Brauereibesitzers ist aber sowieso nicht nur mir seit langem, sondern allgemein bekannt. Doch an diesem Tag hatte der Herr einen weiteren Grund, das Gasthaus aufzusuchen. Er hoffte dort wohl den Sattler zu treffen, weil er ihm Cara abkaufen wollte. Diesen Wunsch hatte er während des Wagenrennens bereits geäußert und nun sollte der Kauf vermutlich konkretisiert werden.


Der Brauereibesitzer hatte tatsächlich Glück, denn der Lederarbeiter saß auf der Gasthausterrasse und stand zu seiner Zusage über den Verkauf der Kajira. Wie zu erwarten, gestalteten sich die Preisverhandlungen jedoch etwas kompliziert… oder nee, eigentlich sogar hochkompliziert. Der Sattler wollte verständlicherweise natürlich keinen Verlust machen, hatte nämlich außer dem Kaufpreis auch einige Ausgaben für Kragen, Branding und Cuffs gehabt und der Brauer ist leider bekannt dafür, dass er zäh um jeden Kupfer feilscht. Den Aufschlag von nur 2 Kupferstücken auf den Kaufpreis seinerzeit von 11 Kupfer, kommentierte der Bauer übrigens mit „großzügig“. Mein Herr fragte den Sattler sogar, ob er die Spendierhosen anhabe oder womöglich krank sei, weil er nur 2 Münzen drauf schlug und somit keinerlei Gewinn erzielte.

Oha, dem knauserigen Brauereibesitzer quollen bei dem Preis jedoch fast die Augen hervor, während er mit der flachen Hand seitlich gegen seinen Kopf patschte und „mir ist grad blümerant zumute… ich brauche erst einen Schluck Ale“ stöhnte. Danach gewann er zwar seine normale Gesichtsfarbe zurück, begann nun aber zu feilschen wie ein Fischweib am Hafen, obwohl der Preis mehr als freundschaftlich war. Während ich mich dem Genuss der wundervollen Berührungen meines Herrn hingab und mich in seinen starken Arm schmiegte, hörte ich logischerweise den Verhandlungen nur noch mit halbem Ohr zu, bekam allerdings mit, dass der Verkauf kurz vor der Einigung zu platzen drohte. Der Sattler befahl seiner Sklavin nämlich, sich wieder neben ihn zu knien.

Vermutlich war der Lederarbeiter des Feilschens schließlich aber doch Leid, zumal es im Gegensatz zu dem skrupellosen, nun auf der Mitleidstour reitenden Brauereibesitzer offensichtlich seiner Ehre widersprach, einen Heimsteinangehörigen über den Tisch zu ziehen. Außerdem hatte er dem jammernden Kerl beim Rennen bereits zugestanden, ihm das Mädchen zu verkaufen und stand zu seinem Wort. Nach dem üblichen „da setz ich zu… du quälst mich…“ und ich weiß nicht mehr was der Brauereibesitzer sonst noch für Peinlichkeiten stöhnte, stimmte der Lederarbeiter sichtlich genervt letztendlich 12 Kupfer und 2 Bechern Paga seufzend zu, behielt dafür aber den Kragen und die Cuffs. 

Bei der nun äußerst umständlichen Geldübergabe, die mit ahnlangem Gefummel der Kupfermünzen aus dem Geldbeutel einher ging, der vorher selbstverständlich erst noch äußerst kompliziert vom Gürtel des Brauereibesitzers gelöst werden musste, rief mein Herr aus: „Heheh, jetzt sehen wir gleich jemanden weinen, weil er sich von Geld trennen muss… ooohh, die Münzen kleben fast an seinen Fingern fest!“ Und der Sattler überlegte: „Hauptmann, bei der Geschwindigkeit müsste ich eigentlich Zinsen berechnen!“ Die Aussicht auf weitere Verhandlungen veranlasste ihn aber wohl, sich doch lieber in Geduld zu üben, bis der Geizhals ihm tatsächlich nach konzentriertem, unendlich langsamem Nachzählen das kleine Häufchen Kupfer hinüberschob, die dann aber blitzschnell im Münzbeutel des Sattlers verschwanden.

Eine unbeschreibliche Erleichterung ließ übrigens mein Kajiraherz bei der Antwort meines Herrn auf eine Frage des Bauern dahinschmelzen, als der sich danach erkundigte, welchen Preis er denn für mich verlangt. Mich fest an sich heranziehend antwortete mein Herr nämlich grinsend: „Keinen, da ich Arya gerade nicht verkaufen will… außer jemand fängt an Goldmünzen auszupacken wie ein Irrer… dann überlege ich es mir vielleicht.“

Donnerstag, 9. Februar 2017

Der Tag der Tage

So nannte mein Herr den Tag des Wagenrennens, an dem ich meine Versagensängste kaum mehr in den Griff bekam, je näher die Ahn der Veranstaltung rückte. Ich wollte mein Oberallerbestes und noch Einiges mehr geben, um ihm keine Schande zu bereiten und war daher hoch motiviert. Nur… würde das reichen? Meinem Herrn zuliebe entschloss ich mich, obwohl ich eigentlich lieber barfuß gelaufen wäre und auch die Erlaubnis dafür bekommen hatte, aus Sicherheitsgründen Stiefel anzuziehen. Ich wollte ihm damit eine Freude machen, weil es ihm so wichtig war, dass ich heil blieb, sollte ein schlingernder Karren mir über die Füße fahren.

Oha, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet… die Arena füllte sich nach und nach mit zahlreichen Besuchern aus Enkara und Belnend. Ich mochte aber trotzdem kaum glauben, was ich sah. Außer einer einzigen Kajira aus Enkara waren es ausschließlich Freie, die anscheinend alle nur zusehen wollten?? Naja, vermutlich das Abbild des seit längerem anhaltenden Trends, Kajirae freizulassen. Als Freie können die Weiber im Gegensatz zu den Sklavinnen nämlich überall mitmischen und außerdem ist es viel bequemer, sich bedienen zu lassen, anstatt hin und her gescheucht zu werden. Die Einladung hatte jedoch ausdrücklich das Mitbringen einer eigenen oder geliehenen Kajira verlangt.

Laya, Cara und ich blieben außer dem Mädchen des Statthalters von Enkara jedoch tatsächlich die einzigen Sklavinnen. Daher fand ich es wirklich super, dass sich die Enkara-Kajira schließlich noch traute. Andernfalls wäre Laya nämlich konkurrenzlos gewesen, da außer ihrer Kettenschwester und mir sämtliche jortsschen Kajirae kniffen oder aber wegen Freilassung nicht mehr zum knienden Volk gehören. Mit welchen Problemen Cara zu kämpfen hatte… ob es am Ale lag, das der Brauer ihr zu trinken gab oder weil der Sattler sie dazu verdonnert hatte, nicht schneller als Laya zu laufen, von der er sich nämlich selber ziehen ließ… entging mir komplett, war ich doch viel zu sehr mit meinen eigenen beschäftigt. 


Im zweiten Rennen durfte ich einen meiner früheren Herren ziehen und fühlte mich echt total geehrt, dass er mangels eigener Sklavin nicht eine der drei anderen ausgewählt hatte. Damit begann leider jedoch mein großes Dilemma… ich kam nicht von der Stelle. Gleich nach dem Anspannen wollte ich den Wagen zur Startlinie rangieren, erhielt jedoch den Eindruck, dass im Karren Gewichte versteckt sein mussten, obwohl der zu diesem Zeitpunkt noch komplett leer war. Doch es kam noch viel schlimmer. Der Ruf zum Start ertönte und meine Füße wollten nicht so wie ich. Es war ein Gefühl, als ob meine Stiefel am Boden festgenagelt waren, was sie natürlich nicht waren. Um es kurz zu machen… Laya hängte mich gnadenlos ab.


Ich scheiterte kläglich, da nützten auch die Anfeuerungsrufe meines Herrn und des Landsitzkriegers nichts oder dass mein Ex-Herr mich wie früher Dina nannte. Wenigstens den Anblick meines Hinterteils konnte er aufgrund meiner Langsamkeit ein Weilchen länger genießen, was vielleicht auch etwas hatte. Ich wäre vor Scham jedenfalls am liebsten im Gorboden versunken und da das nicht gelang, machte ich mich hinter meinem Herrn noch kleiner, als ich mit gesackten Schultern eh schon war. Er stellte zu meinem Versagen übrigens nur fest: „Arya, das war nicht so gut, aber das machst du im Rennen mit mir besser!“ Ja natürlich wollte ich das… nur wie?!? 

Wenigstens durfte ich das Puschelding vom Kopf nehmen, das mir warum auch immer zusätzlich zu meinen anderen Schwierigkeiten noch die Sicht versperrt hatte. Doch auch das half nichts, als ich im nächsten Rennen meinen Herrn ziehen durfte und erneut gegen Laya scheiterte. Erbost brummend stieg mein Herr vom Wagen, warf seinen Helm verärgert zu Boden, gab ihm einen wütenden Tritt und herrschte mich an: „Arya, sammel den Helm ein… der ist morgen wieder auf Hochglanz!“ Der Sattler platzte währenddessen wie ein aufgeblasener Vulohahn fast vor Stolz über seine Rennkajira, stand dann aber vor dem Problem, dass er sie im nächsten Renndurchgang nicht an zwei Interessenten gleichzeitig verleihen konnte… doch mein Herr rettete die Situation.

„Bo, ich werde für dich laufen!“ rief er dem Kommandanten von Belnend zu. Der Herr war übrigens nicht der einzige, der glaubte falsch gehört zu haben, doch er hatte richtig verstanden und jubelte: „Die rote Kaste hält zusammen!!! Wenn du das gegen Laya packst, Kintradim, dann serviere ich dir einen Kalana!!! Das werde ich noch bis in alle Ewigkeit jedem erzählen, der es hören will und auch jedem, der es nicht hören will!!!“ So kam es, dass der Kommandant von Belnend erneut gewann und im Finale war. Lachend trug er meinen Herrn auf den Schultern durch die jubelnde Menge, während Rufe „Kintradimator“ zu hören waren… oder so ähnlich, denn bei dem allgemeinen Jubel bekam ich das nicht so richtig mit, da ich mich immer noch schrecklich schämte und lieber etwas abseits hielt. 


Für das Finale gegen den Sattler und Laya stand mein Herr dann allerdings nicht zur Verfügung, sodass der belnendsche Kommandant sich für die Enkara-Sklavin entschied und mit ihr letztendlich auch siegte, da bei Laya inzwischen verständlicherweise die Luft raus war. Ob mein Herr später wie gefordert tatsächlich die Hälfte des Sieger-Goldtarns bekam, entzieht sich meiner Kenntnis, denn der Kommandant hat offensichtlich Schulden und das Geld wohl ziemlich nötig. Außerdem schickte mein Herr mich weg. Oder nee, er befahl: „Geh schon mal ins Gasthaus vor, Arya“ und kam auch bald nach, während die Besucher ihre Heimreisen antraten, da es inzwischen spät geworden war. 


Der meinem Herrn vom Kommandanten aus Belnend servierte Kalana lässt weiter auf sich warten, denn mein Herr traf alleine im Gasthaus ein und verlangte: „Arya, wo ist mein Paga?“ Der war logischerweise noch im Fass, denn woher sollte ich ahnen, dass aus dem Kalana nichts wird, wenn ich weggeschickt werde? Aha, ich hätte es trotzdem wissen müssen. „Arya, heute ist Paga-Tag. Wir haben ja nicht gewonnen.“ Natürlich beeilte ich mich nach dieser Information gewaltig, meinem Herrn sein Getränk zu holen und es ihm noch eiliger, nämlich ohne langes Tamtam anzureichen, denn fürs Servieren mit Hingabe hat er meistens sowieso nichts übrig.

Während Laya vom Sattler hofiert und bedient wurde, musterte mein Herr mich beim Paga durchdringend und kündigte an: „Arya, wir müssen für das nächste Rennen mehr üben.“ Ich erinnere nicht mehr was ich darauf erwiderte, sondern nur, dass erneut Panik in mir aufstieg, spätestens danach von der Stadtmauer zu fliegen, weil ich doch anscheinend nicht zur Rennkajira tauge. Außerdem wäre es eine Bestrafung, von meinem Herrn bedient zu werden und mich auf einem Sitzkissen niederlassen zu müssen… Laya empfand es offensichtlich genauso und ihr Herr erlaubte ihr schließlich, sich wieder neben ihn zu knien.

„Hmm… ich bin nicht unzufrieden und du landest auch nicht im Loch, nicht im Sleenkäfig und einen Freiflug über die Stadtmauer bekommst auch nicht, Arya“. Diese Worte meines Herrn ließen mich vor Erleichterung und Glück fast in Tränen ausbrechen. Als er dann auch noch seinen starken Arm um mich legte und mich herrlich besitzergreifend ganz dicht an sich heran zog, ging es mir endlich wieder besser. Irritierend war nur, dass plötzlich eine dunkelhäutige Kajira auftauchte und meinen Herrn mit „Tal mein Herr“ begrüßte. Ich hatte das Mädchen nämlich noch nie gesehen, doch anscheinend steht sein Name auf ihrem Kragen. Wie gut, dass dies vollkommen unwichtig für mich war an diesem Tag der Tage.


Ich glaube übrigens, die Worte des Kommandanten aus Belnend sprachen für viele Besucher, über die ich mich besonders für meinen Herrn sehr gefreut habe, aber auch für den Brauer und den Schmied, von denen die Idee hierzu ursprünglich kam: „Herzlichen Dank an die Veranstalter. Das war ein lustiges Rennen… wirklich großartig… und hat mich auf meine Kaste… die rote Kaste zu Hause oder in aller Welt auf Gor… stolz gemacht.“ Und mein ehemaliger Herr ergänzte noch: „Danke Kintradim, wir kommen wieder!“

Mittwoch, 8. Februar 2017

Die Nervosität steigt

Neugierig… achnee, wissbegierig lief ich in die Arena, um mir die Strecke für das Wagenrennen anzusehen, nachdem alle meine häuslichen Arbeiten erledigt waren. Mein Herr war nämlich bereits vorgegangen, um dem Schmied beim Setzen der Streckenpfähle seine Hilfe anzubieten. Puhhh, der Herr war bereits fertig und beim Anblick der Kurven in dem Parcours wurde mir ganz anders… wenn man eine nicht bekommt, muss man nämlich zurücksetzen und verliert Zeit oder wird disqualifiziert. Unklar ist bislang und daher spannend, wie viele Teilnehmer es sein werden, denn erst danach entscheidet sich die Anzahl der Rennen und wie sie durchgeführt werden.

Foto. Darkwitch Ghost
Bevor der Brauer in der Arena auftauchte, meinte mein Herr erneut, dass man an den ultraleichten Karren des Herrn Gewichte binden müsste, doch leider würde das wahrscheinlich auffallen.

Vollkommen irritierend war für mich übrigens, die Wirtin erwartete von ihrem Gefährten gezogen zu werden. Allerdings versuchte mein Herr ihr gleich klar zu machen, was ihre Rolle als Weib des Brauereikriegers ist. Tja, der Rarius zog den Wagen dann allerdings doch mit seiner Gefährtin hinten drauf… aber natürlich nur, um sich ein besseres Bild vom Verlauf und den Schwierigkeiten der Strecke machen zu können.

Dieses Argument war letztendlich auch für meinen Herrn Anlass, ebenfalls ein Gefühl für den Parcours entwickeln zu wollen, sodass er meinen Platz vor seinem Wagen einnahm. Einziger Unterschied zu unseren vertauschten Rollen war, ich durfte auf dem Karren zwar mitfahren, doch das Lenken übernahm er selbstverständlich selbst. Schade, meine Anregung stieß leider auf taube Ohren, vielleicht noch mal darüber nachzudenken, ob nicht die Herren die Wagen ziehen und die Kajirae hinten aufsteigen dürfen. Die Strecke gefällt mir als Mitfahrerin nämlich sehr gut, zumal dann nicht ich, sondern mein Herr aufpassen muss, nicht an einem der Pfähle anzuecken und rangieren zu müssen. Böse Ahnungen ließ natürlich seine Frage in mir aufsteigen, wer nach dem Rennen die Beulen wieder aus dem Wagen heraus dengelt.


Die Zuschauer werden auf den flachen Felsplateaus bestimmt einen guten Überblick haben und falls doch mal ein Wagen in die Menge rauscht, wird die Gefährtin meines Herrn grüne Hilfe leisten. Nach einigen Testrunden war das Lob der beiden Krieger an den Schmied für die abgesteckte Strecke jedenfalls groß, nachdem er sich zuletzt ebenfalls dazu gesellt hatte, dann leider jedoch ankündigte, nun den Trainingsparcours zu entfernen, um für das Wagenrennen die schwere Strecke mit Hindernissen aufzubauen. Während ich vermutlich schlagartig um die Nase herum ziemlich blass wurde und kaum noch meine eh schon heftig in mir wabernde Nervosität in den Griff bekam, lachte er jedoch: „Hahaha… nein, so gemein werde ich nicht sein!“

Zurück zuhause wollte mein Herr überflüssigerweise von mir wissen: „Denkst du, der Pokal wird oben auf den Kaminsims passen, Arya?“ Pahhh, diesen Platz hatte ich ihm doch selbst vorgeschlagen… der Siegerpreis passt nämlich nirgendwo so gut hin wie auf genau diesen Kamin! Ich beteuerte meinem Herrn, auch wenn es vielleicht anders aussehen wird, werde ich mein Oberallersuperbestes geben und noch ein bisschen mehr, um ihn nicht zu enttäuschen.

„Das reicht, Arya… ich werde dich auch nicht von der Stadtmauer werfen, falls es nicht klappt. Dafür nehme ich andere Sklaven“, ließ meine Nervosität zwar nicht verpuffen, dennoch breitete sich unbeschreibliche Erleichterung in mir aus. Sagt eine Redensart nicht „dabei sein ist alles“? Vielleicht ist der Sieg doch nicht so wichtig… auch die Teilnahme hat doch etwas! ;-)