Freitag, 17. Februar 2017

Backwarentest bestanden

Während ich noch schnell die letzten Felle ausschüttelte, war unten im Haus bereits Stampfen und bedrohliches Brummen zu hören, das mich veranlasste, eilig die Treppe hinunter zu laufen. „Ach, da bist du ja endlich, Arya“, wurde ich von meinem ungeduldig wirkenden Herrn begrüßt, sodass ich ihm nun lieber erläuterte, warum ich erst jetzt mit meinen häuslichen Arbeiten oben im Haus fertig geworden war. Als er tagsüber schlief, hatte ich ihn nämlich nicht stören wollen, weil er doch erst zu früher Ahn von der Nachtwache nach Hause gekommen war. „Soso, nicht stören… ich schlafe wie ein Stein, da kann auch eine Arya mich nicht wecken und wenn doch, dann wirst du mich sehr schlecht gelaunt erleben.“ 

Tja, genau dies hatte ich vermeiden wollen, da schlechte Laune meines Herrn durchaus schmerzhafte oder zumindest sehr unangenehme Auswirkungen für mich haben konnte und außerdem war es mir natürlich stets wichtig, ihn zu erfreuen und nicht Anlass für ungute Stimmung bei ihm zu sein, obwohl ich ihn miesepetrig selbstverständlich immer noch mag… ok, vielleicht etwas weniger. „Arya, zieh dir etwas an. Wir gehen jetzt aus… das hebt immer meine Laune.“ Nur logisch, dass ich mich jetzt sputete diesem Befehl nachzukommen, um in Sachen Laune heben möglichst kein Risiko einzugehen.

Hach, endlich fielen auch meinem Herrn die milden Temperaturen auf. Seine Bemerkung dazu veranlasste mich zu erwähnen, dass es schon seit einigen Tagen herrlich draußen ist, ich mir allerdings auch schon eine Bemerkung über zu wenig Stoff anhören musste, nachdem ich ein äußerst knappes Kleidungsstück gewählt hatte. „Nun ja, Arya… du musst dir alles anhören, was ich dir sage… das ist ja das Gute“, lachte er nur und stampfte Richtung Unterstadt, um sich am Hafen vor der Taverne einen Kalana von mir servieren zu lassen. Kurz nach uns tauchte auch der Sattler dort auf, allerdings ohne Laya, die anscheinend noch mit ihren häuslichen Arbeiten beschäftigt war.

Während mein Herr den schönen Blick über den Vosk bei einem Becher Kalana genoss, drehte sich das Gespräch der beiden Männer um Reisepläne zum Kennenlernen anderer Städte und Dörfer. Mein Herr überlegt nämlich, ob die Zeit gekommen ist mitzuteilen, wer zukünftig unter der Aufsicht von Jorts Fähre stehen wird und wie hoch die Steuerabgaben sein werden. Die Reise versprach also interessant zu werden. Ganz großer Nachteil jedoch sind allerdings die Temperaturen, sollte es Richtung Norden gehen und dort noch tiefer Winter herrschen. Das bedeutet leider nämlich, sich dick anzuziehen und sogar Stiefel zu tragen, was mir natürlich überhaupt nicht zusagt.

Das Gespräch drehte sich auch um die Söhne meines Herrn, die in Torcodino ihre Ausbildung absolvieren, damit sie gute Krieger werden. Vorteil an dieser Lösung ist, mein Herr muss nicht zuschauen, wenn sie Blödsinn machen... er befürchtet nämlich, dass sie nach ihm kommen. Die beiden Männer unterhielten sich auch über Alternativen der Pagabeschaffung, weil der knauserige Brauereibesitzer vor kurzem doch einer Heimsteinfremden einen Rabatt zugestanden hatte, bei meinem Herrn aber zu keinem einzigen Kupfer Preisnachlass bereit gewesen war. Interessant wird sein, ob der Brauer für die geplante Reise den Bosk anspannt oder seinen Wagen von Cara ziehen lässt und ihre Ernährung auf Gras umstellt, weil das billiger ist.


„Ist dies hier eine Männerrunde oder darf man sich dazu gesellen?“ veranlasste mich zum Begrüßen einer fremden Frau, die offensichtlich gerade mit der Fähre angekommen war. Da sie sich als Bäckerin vorstellte, war es natürlich logisch, dass mein kuchenliebender Herr die Freie sofort zum Platz nehmen einlud. Außerdem sind die Bewohner vor Jorts Fähre gastfreundlich und friedliebenden Besuchern immer sehr zugetan. Erneut zeigte sich übrigens, wie gefährlich das Leben im Norden ist… das Weib befand sich nämlich auf Reisen, weil ihr Dorf zerstört worden war. Tja, viel sicherer ist es natürlich, in einer Stadt wie Jorts Fähre zu wohnen oder gegen entsprechende Steuerabgaben unter ihrer Obhut zu stehen.

Ich gestehe, mir lief sofort das Wasser im Mund zusammen, als die Frau ihren Korb abstellte und ich die lecker aussehenden Kuchenstücke darin entdeckte. Passend zum zuvor erörterten Thema „Sparsamkeit“, legte ich mir umgehend eine Strategie zurecht, vielleicht in den Genuss einer Kostprobe zu kommen. Selbstverständlich ging es mir dabei aber nur darum, dass mein Herr doch großer Kuchenesser ist und für ihn nur das Beste gerade gut genug ist. Also hinterfragte ich lieber erst mal die Frische der Waren und wo sie hergestellt wurden. Auf dem Schiff, mit dem die Bäckerin angekommen war, hatte es mit Sicherheit keinen Ofen gegeben. 

Sehr gelegen kam mir, dass der Sattler einen ähnlichen Gedanken zu haben schien und probieren wollte. Wunderbar, mir war es natürlich sehr lieb, wenn die möglicherweise im Kuchen befindlichen Maden nicht in meinem Mund landeten oder ich mir die Zähne an dem Teil ausbiss, sollte die Gebäckkonsistenz auf der Reise eingetrocknet oder sogar versteinert sein. Es klappte perfekt… offensichtlich versteht der Sattler nämlich nicht nur etwas von Leder, sondern ist auch ein qualifizierter Kuchenprüfer, denn er betrachtete das Gebäckstück erst einmal sehr kritisch, roch als nächstes daran und klopfte zuletzt mit dem Finger dagegen, um zu sehen, ob Maden herausfallen. Sein Urteil nach kritischem Kauen lautete schließlich: „Kann man essen… erstaunlich nach der langen Reise!“

Selbstverständlich zögerte ich nun nicht mehr, ebenfalls eines der angebotenen, mit Obst gefüllten Kuchenstücke zu probieren, denn mein Herr liebt doch besonders Larmakuchen. Nach meinem Abbeißen… zur Sicherheit lieber zwei Happen, denn es ging ja darum, meinem Herrn nur beste Qualität essen zu lassen… konnte ich die Einschätzung des Sattler bestätigen und reichte das Stück an meinen Herrn weiter, der es ohne lange zu zögern in seinem Mund verschwinden ließ. „Arya, nimm später davon etwas mit, damit ich es als Morgenimbiss essen kann, wenn ich von der Wache nach Hause komme… den Rest verdrücke ich dann zwischendurch.“ 


Hoffentlich bleibt die Bäckerin lange oder lässt sich sogar in Jorts nieder… den ersten Backwarentest hatte sie nämlich bestanden und später, nachdem mein Herr bereits zur Nachtwache aufgebrochen war, bekam ich noch heraus, sie backt auch Kajirakringel!! ;-)

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