Donnerstag, 9. Februar 2017

Der Tag der Tage

So nannte mein Herr den Tag des Wagenrennens, an dem ich meine Versagensängste kaum mehr in den Griff bekam, je näher die Ahn der Veranstaltung rückte. Ich wollte mein Oberallerbestes und noch Einiges mehr geben, um ihm keine Schande zu bereiten und war daher hoch motiviert. Nur… würde das reichen? Meinem Herrn zuliebe entschloss ich mich, obwohl ich eigentlich lieber barfuß gelaufen wäre und auch die Erlaubnis dafür bekommen hatte, aus Sicherheitsgründen Stiefel anzuziehen. Ich wollte ihm damit eine Freude machen, weil es ihm so wichtig war, dass ich heil blieb, sollte ein schlingernder Karren mir über die Füße fahren.

Oha, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet… die Arena füllte sich nach und nach mit zahlreichen Besuchern aus Enkara und Belnend. Ich mochte aber trotzdem kaum glauben, was ich sah. Außer einer einzigen Kajira aus Enkara waren es ausschließlich Freie, die anscheinend alle nur zusehen wollten?? Naja, vermutlich das Abbild des seit längerem anhaltenden Trends, Kajirae freizulassen. Als Freie können die Weiber im Gegensatz zu den Sklavinnen nämlich überall mitmischen und außerdem ist es viel bequemer, sich bedienen zu lassen, anstatt hin und her gescheucht zu werden. Die Einladung hatte jedoch ausdrücklich das Mitbringen einer eigenen oder geliehenen Kajira verlangt.

Laya, Cara und ich blieben außer dem Mädchen des Statthalters von Enkara jedoch tatsächlich die einzigen Sklavinnen. Daher fand ich es wirklich super, dass sich die Enkara-Kajira schließlich noch traute. Andernfalls wäre Laya nämlich konkurrenzlos gewesen, da außer ihrer Kettenschwester und mir sämtliche jortsschen Kajirae kniffen oder aber wegen Freilassung nicht mehr zum knienden Volk gehören. Mit welchen Problemen Cara zu kämpfen hatte… ob es am Ale lag, das der Brauer ihr zu trinken gab oder weil der Sattler sie dazu verdonnert hatte, nicht schneller als Laya zu laufen, von der er sich nämlich selber ziehen ließ… entging mir komplett, war ich doch viel zu sehr mit meinen eigenen beschäftigt. 


Im zweiten Rennen durfte ich einen meiner früheren Herren ziehen und fühlte mich echt total geehrt, dass er mangels eigener Sklavin nicht eine der drei anderen ausgewählt hatte. Damit begann leider jedoch mein großes Dilemma… ich kam nicht von der Stelle. Gleich nach dem Anspannen wollte ich den Wagen zur Startlinie rangieren, erhielt jedoch den Eindruck, dass im Karren Gewichte versteckt sein mussten, obwohl der zu diesem Zeitpunkt noch komplett leer war. Doch es kam noch viel schlimmer. Der Ruf zum Start ertönte und meine Füße wollten nicht so wie ich. Es war ein Gefühl, als ob meine Stiefel am Boden festgenagelt waren, was sie natürlich nicht waren. Um es kurz zu machen… Laya hängte mich gnadenlos ab.


Ich scheiterte kläglich, da nützten auch die Anfeuerungsrufe meines Herrn und des Landsitzkriegers nichts oder dass mein Ex-Herr mich wie früher Dina nannte. Wenigstens den Anblick meines Hinterteils konnte er aufgrund meiner Langsamkeit ein Weilchen länger genießen, was vielleicht auch etwas hatte. Ich wäre vor Scham jedenfalls am liebsten im Gorboden versunken und da das nicht gelang, machte ich mich hinter meinem Herrn noch kleiner, als ich mit gesackten Schultern eh schon war. Er stellte zu meinem Versagen übrigens nur fest: „Arya, das war nicht so gut, aber das machst du im Rennen mit mir besser!“ Ja natürlich wollte ich das… nur wie?!? 

Wenigstens durfte ich das Puschelding vom Kopf nehmen, das mir warum auch immer zusätzlich zu meinen anderen Schwierigkeiten noch die Sicht versperrt hatte. Doch auch das half nichts, als ich im nächsten Rennen meinen Herrn ziehen durfte und erneut gegen Laya scheiterte. Erbost brummend stieg mein Herr vom Wagen, warf seinen Helm verärgert zu Boden, gab ihm einen wütenden Tritt und herrschte mich an: „Arya, sammel den Helm ein… der ist morgen wieder auf Hochglanz!“ Der Sattler platzte währenddessen wie ein aufgeblasener Vulohahn fast vor Stolz über seine Rennkajira, stand dann aber vor dem Problem, dass er sie im nächsten Renndurchgang nicht an zwei Interessenten gleichzeitig verleihen konnte… doch mein Herr rettete die Situation.

„Bo, ich werde für dich laufen!“ rief er dem Kommandanten von Belnend zu. Der Herr war übrigens nicht der einzige, der glaubte falsch gehört zu haben, doch er hatte richtig verstanden und jubelte: „Die rote Kaste hält zusammen!!! Wenn du das gegen Laya packst, Kintradim, dann serviere ich dir einen Kalana!!! Das werde ich noch bis in alle Ewigkeit jedem erzählen, der es hören will und auch jedem, der es nicht hören will!!!“ So kam es, dass der Kommandant von Belnend erneut gewann und im Finale war. Lachend trug er meinen Herrn auf den Schultern durch die jubelnde Menge, während Rufe „Kintradimator“ zu hören waren… oder so ähnlich, denn bei dem allgemeinen Jubel bekam ich das nicht so richtig mit, da ich mich immer noch schrecklich schämte und lieber etwas abseits hielt. 


Für das Finale gegen den Sattler und Laya stand mein Herr dann allerdings nicht zur Verfügung, sodass der belnendsche Kommandant sich für die Enkara-Sklavin entschied und mit ihr letztendlich auch siegte, da bei Laya inzwischen verständlicherweise die Luft raus war. Ob mein Herr später wie gefordert tatsächlich die Hälfte des Sieger-Goldtarns bekam, entzieht sich meiner Kenntnis, denn der Kommandant hat offensichtlich Schulden und das Geld wohl ziemlich nötig. Außerdem schickte mein Herr mich weg. Oder nee, er befahl: „Geh schon mal ins Gasthaus vor, Arya“ und kam auch bald nach, während die Besucher ihre Heimreisen antraten, da es inzwischen spät geworden war. 


Der meinem Herrn vom Kommandanten aus Belnend servierte Kalana lässt weiter auf sich warten, denn mein Herr traf alleine im Gasthaus ein und verlangte: „Arya, wo ist mein Paga?“ Der war logischerweise noch im Fass, denn woher sollte ich ahnen, dass aus dem Kalana nichts wird, wenn ich weggeschickt werde? Aha, ich hätte es trotzdem wissen müssen. „Arya, heute ist Paga-Tag. Wir haben ja nicht gewonnen.“ Natürlich beeilte ich mich nach dieser Information gewaltig, meinem Herrn sein Getränk zu holen und es ihm noch eiliger, nämlich ohne langes Tamtam anzureichen, denn fürs Servieren mit Hingabe hat er meistens sowieso nichts übrig.

Während Laya vom Sattler hofiert und bedient wurde, musterte mein Herr mich beim Paga durchdringend und kündigte an: „Arya, wir müssen für das nächste Rennen mehr üben.“ Ich erinnere nicht mehr was ich darauf erwiderte, sondern nur, dass erneut Panik in mir aufstieg, spätestens danach von der Stadtmauer zu fliegen, weil ich doch anscheinend nicht zur Rennkajira tauge. Außerdem wäre es eine Bestrafung, von meinem Herrn bedient zu werden und mich auf einem Sitzkissen niederlassen zu müssen… Laya empfand es offensichtlich genauso und ihr Herr erlaubte ihr schließlich, sich wieder neben ihn zu knien.

„Hmm… ich bin nicht unzufrieden und du landest auch nicht im Loch, nicht im Sleenkäfig und einen Freiflug über die Stadtmauer bekommst auch nicht, Arya“. Diese Worte meines Herrn ließen mich vor Erleichterung und Glück fast in Tränen ausbrechen. Als er dann auch noch seinen starken Arm um mich legte und mich herrlich besitzergreifend ganz dicht an sich heran zog, ging es mir endlich wieder besser. Irritierend war nur, dass plötzlich eine dunkelhäutige Kajira auftauchte und meinen Herrn mit „Tal mein Herr“ begrüßte. Ich hatte das Mädchen nämlich noch nie gesehen, doch anscheinend steht sein Name auf ihrem Kragen. Wie gut, dass dies vollkommen unwichtig für mich war an diesem Tag der Tage.


Ich glaube übrigens, die Worte des Kommandanten aus Belnend sprachen für viele Besucher, über die ich mich besonders für meinen Herrn sehr gefreut habe, aber auch für den Brauer und den Schmied, von denen die Idee hierzu ursprünglich kam: „Herzlichen Dank an die Veranstalter. Das war ein lustiges Rennen… wirklich großartig… und hat mich auf meine Kaste… die rote Kaste zu Hause oder in aller Welt auf Gor… stolz gemacht.“ Und mein ehemaliger Herr ergänzte noch: „Danke Kintradim, wir kommen wieder!“

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