Donnerstag, 16. Februar 2017

Doch kein lahmes Vulo?

Da ich meinen Herrn selbstverständlich zum Waffentraining begleiten wollte, beeilte ich mich mit der Fertigstellung seines Proviantpakets. Sein Motto ist doch stets „ohne Mampf kein Kampf“ und somit die Sicherheit der Stadt bestens gewährleistet, wenn sein Magen mit leckerem Essen erfreut wird. Leider hat er für die nächsten Tage nämlich schon wieder die unschöne Nachtwache erwischt, zu der er gleich nach dem Schwertfuchteln aufbrechen musste. 

Ich nutze natürlich die wenigen verbleibenden Ehn, in denen mein Herr auf den Landsitzkrieger wartete, der noch etwas im Kriegerhaus zu erledigen hatte, indem ich mich wie eine zweite Haut an die Beine meines Herrn anschmiegte und seine Nähe genoss. So sanft wie er durch meine Haare strich, schien ihm dies genau wie mir sehr zu gefallen. Außerdem war es bestimmt nicht verkehrt, seine Beinmuskulatur vor dem Training gut anzuwärmen… eine Maßnahme, die sich an diesem Tag übrigens als nicht ausreichend herausstellen sollte. Doch dazu später mehr. 

Während wir warteten, unterhielten wir uns auch über Schmuck und dass für mich der schönste Schmuck mein Kragen ist, weil dort der Name meines Herrn drauf steht. An zweiter Stelle steht bei mir der Nasenring, weil der in Mittelgor etwas Besonderes ist. Nasenringe sind nämlich eher nur bei den Wagenvölkern üblich, schmücken dort allerdings nicht nur die Nasen von Sklavinnen, sondern werden auch von freien Frauen getragen. Mit meinem Eingeständnis, dass ich weiche, nachlässige Herren ganz leise und total stumm als „Herrchen“ bezeichne… mein Herr fand diese verkleinerte Version von Herr übrigens gut und lachte darüber… tauchte schließlich der Landsitzkrieger auf, der selbstverständlich jedoch nicht zu dieser ungoreanischen Spezies gehört.


Da inzwischen die Ahn des Waffentrainings angebrochen war, ging es zur Wiese hinter dem Hof. Mein Herr behauptete nämlich, seine Beine seien vom Stehen beim Warten bereits in seinem Bauch verschwunden, was natürlich nicht stimmte und außerdem hatte ich sie wie schon erwähnt gut gewärmt. Trotzdem erreichte der Landsitzkrieger die Wiese vor uns und konnte sich mit der Sandale auf den Boden tappend nicht verkneifen: „Aha, der Kurzbein-Hauptmann ist auch schon da.“ Das ließ mein Herr selbstverständlich nicht unkommentiert: „Hehe… meine Beine sind lang genug, um dir in den Hintern zu treten!“

Beim nun beginnenden Schwertfuchteln zeigte er dem Krieger dann nicht nur, wie flink kurze, von einer anschmiegsamen Kajira gewärmte Beine sein können, sondern führte seine Klinge wirklich geschickt, scheuchte seinen Trainingsgegner über die Wiese und verpasste ihm auch etliche Grasflecken, steckte selbst aber leider ebenfalls einige ein.

Ich gestehe, während ich den trainierenden Kriegern zuschaute, hing ich auch ein wenig meinen Gedanken nach und erweckte dabei offensichtlich den Eindruck, nicht aufzupassen, denn plötzlich war von der Wiese die Frage des Landsitzkriegers zu hören: „Arya…Zwischenstand?!“ „Ha… wir haben sie erwischt. Sie hat nicht mitgezählt!“ behauptete mein Herr und erhielt vom Krieger zur Antwort: „Aii, würde ich auch so sehen… aber ich liege jetzt gequälte 2 vorne!“

Natürlich beeilte ich mich sofort, diesen relativ ausgeglichenen Trainingsstand dem tatsächlich um 2 Runden besser liegenden Landsitzkrieger zu bestätigen, zumal sich auch seine nun eintreffende Gefährtin dafür interessierte. Einige Durchgänge später war mein Herr dem älteren Rarius zwar immer noch leicht unterlegen, bot seinem schnaufenden Gegner aber eine Pause an, obwohl er noch ahnlang hätte weiter machen können.

Oh Mist, in dieser Pause wendete sich das Gespräch leider dem Wagenrennen in der letzten Hand zu. „Hauptmann, hat dein Kailla denn schon die Enttäuschung von letzter Hand überwunden?“ erkundigte sich der Trainingspartner meines Herrn nämlich. Vor Scham wäre ich am liebsten erneut im Gorboden versunken, denn ich hatte doch wie ein lahmes Vulo versagt. 

Leider erfuhr ich zu meiner Schande nun auch noch, dass der Krieger dabei einen Silber Wetteinsatz verloren hatte. Zum Glück war dieser Verlust für den steinreichen Rarius aber offensichtlich zu verschmerzen gewesen und so wie er mich angrinste, nahm er mir mein schlechtes Abschneiden auch nicht wirklich übel. Er sprach darauf den Erfolg meines Herrn an, der sich doch spontan entschlossen hatte, einen der Wagen zu ziehen und dass sein Sieg zu erwarten gewesen war, weil er doch schließlich ein Mann ist.


Lustig fand ich die Frage der Herrin: „Würden die Krieger die Behauptung auch untermauern, dass sie nur weil sie Männer sind, schneller sind?“ Ihr Gefährte sagte dazu nur, dass feststehende Wahrheiten nicht untermauert werden müssen, doch mein Herr behauptete: „Ja klar, meine Beine sind ganz schnell und geschmeidig!“ Prompt forderte das Weib ihn auf, einen Beweis anzutreten und der Landsitzkrieger schlug in die selbe Kerbe: „Lange Beine hat Arya auch und ich vermute mal, sie ist noch weitaus geschmeidiger als du, Hauptmann.“ 

Tja, Bein zeigen musste mein Herr nicht, sondern gegen mich laufen und zwar ohne mir vorher zu befehlen, dass ich verlieren muss, allerdings versuchte er die Sache abzutun: „Ach was, Arya häng ich mit links ab!“ Doch die Herrin ließ nicht locker, suchte nach Stöckern, legte einen als Markierung für den Start hin und steckte einen anderen auf der gegenüberliegenden Seite der Wiese in den Boden als Wendemarke. Leise lachend sah der Landsitzkrieger seinem Weib dabei zu und wies meinen Herrn vorsorglich noch darauf hin, dass er gleich tatsächlich rennen muss.

Während mir immer flauer in der Magengegend wurde und meine Beine sich mehr und mehr wie Gummi anfühlten, bewunderte ich meinen Herrn, der von seinem Können überzeugt herumtönte: „Rennen ist kein Problem für mich… ich renn wie ein Larl und bin sehr gut im Sprint!“ Danach fuhr er schon mal ein wenig seinen Ellenbogen aus, um mich etwas zur Seite zu drängen, doch der Landsitzkrieger ermahnte ihn: „Hauptmann, es geht ums Rennen, nicht um deine Ellenbogen!“


Puhhh… auf jeden Fall waren es deutlich mehr als die vereinbarten 5 Runden, in denen ich es schaffte, angefeuert vom lauten „Arya! Arya!! Arya!!!“ der Herrin, tatsächlich meinen Herrn abzuhängen und zwar nicht nur so gerade eben, sondern sehr eindeutig. Mein Herr grummelte hinterher allerdings, am Start habe eine Wendemarkierung gefehlt und verlangte eine Revanche, auf die der Landsitzkrieger jedoch nicht einging: „Keine Revanche… du willst nur wieder deine Ausdauer ausspielen. Arya hat dieses Rennen gewonnen!“ 

Mit ungläubigem Erstaunen über meinen Sieg beeilte ich mich, mich umgehend bei meinem Herrn zu bedanken, denn es konnte gar nicht anders sein... er hatte mich gewinnen lassen! Merkwürdigerweise wurde ich jedoch angebrummt: „Arya, ich lass doch niemanden in einem Rennen gewinnen!“ Unfassbar… war ich diesmal tatsächlich kein lahmes Vulo gewesen, sondern schneller als mein Herr gerannt? Die Herrin bejubelte jedenfalls meinen Erfolg und lobte mich ganz doll, doch schließlich herhielt ich von meinem Herrn eine Antwort auf meine Frage: „Arya hat eine bessere Kurvenlage… nur deshalb hat sie gewonnen. Ich war so schnell, dass es mich aus der Kurve getragen hat und dadurch langsamer war als sie.“ 


Wie gut, dass er nun zum Abbau rachsüchtiger Gefühle auf mich vom Landsitzkrieger zur Fortsetzung des Waffentrainings aufgefordert wurde… danke Herr und Herrin für euren Versuch! Achja, ich gebe stets mein Bestes… bemühe mich mit Schnelligkeit zu dienen, wenn dies gewünscht ist und werde deinen Rat annehmen Herr, mich dabei zu beherrschen, damit mein Herr mitkommt! ;-)

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