Dienstag, 7. Februar 2017

Einladung zum Wagenrennen

An der Infotafel am Hafen von Jorts Fähre hing die Einladung für das in dieser Hand stattfindende Wagenrennen (8.2. um 20:30 Uhr) inzwischen aus und einige Boten waren zu befreundeten Städten gestartet, nach Enkara machte mein Herr sich jedoch nebst Gefährtin und mir persönlich auf.

Wie befürchtet zeigte sich auf unserer Reise tatsächlich leider sehr schnell, dass das Mitnehmen langärmeliger Kleidung eine gute Entscheidung gewesen war. Je näher wir unserem Ziel kamen, umso kälter wurde es nämlich und im Wassergraben vor der Stadtmauer von Enkara schwammen sogar einige Eisschollen. Das Zentralgestirn steht im Norden aber inzwischen offensichtlich schon wieder etwas höher, denn trotz Schnee auf den Bäumen, waren die Wege zum Glück überwiegend frei. Nur vor dem verschlossenen Stadttor befand sich eine Schneefläche.

Da ich wenig bis gar keine Lust verspürte lange Strümpfe anzuziehen, kroch mir die Kälte langsam durch die Sohlen meiner Sandalen meine nackten Beine hinauf und unter meine Tunika, denn nach dem Läuten der Torglocke mussten wir leider noch eine Weile warten. Trotzdem blieben Erfrierungen aus und ich wurde nicht zur Neun-Zehen-Arya, weil uns eine Frau schließlich das große Tor öffnete. Sie schaute anfangs zwar etwas skeptisch, was gegenüber Fremden jedoch ganz normal ist, empfing dann aber überaus freundlich meinen Herrn und seine Gefährtin. Als sie den Anlass für unseren Besuch erfuhr, wirkte sie sogar sehr erfreut und bot hilfsbereit sofort an, ihre Heimsteinangehörigen über die Einladung zu informieren und sie zusätzlich irgendwo anzuschlagen. 

Lustig fand ich den erstaunten Blick des Weibs, als mein Herr klarstellte, es gehe nicht um die Einladung zu einer Feier, sondern verkündete: „Die wunderschönen Kajirae unserer Stadt werden in einem spannenden Wettkampf von ihren Herren oder auch von Herrinnen gelenkte Wagen durch einen vorgegebenen Parcours in der Arena zu Jorts Fähre ziehen. Fiebert mit, wettet auf den Gewinner oder habt einfach Vergnügen am Anblick dieses einzigartigen Spektakels! Gerne könnt ihr als Gäste am Wettbewerb teilnehmen. Die Wagen werden gestellt, ihr müsst nur eure Sklavinnen mitbringen. Zögert also nicht!“


Zu Recht war mein Herr pikiert, dass die nun auftauchende Kajira des Statthalters nicht ihn zuerst grüßte, sondern erst nach seiner Gefährtin. Die Sklavin konnte wirklich froh sein, dass sie nur mit einem eher verhaltenen Brummen bedacht wurde. Aber egal, sie hatte wohl andere Qualitäten, die sie allerdings in ihrem ausladenden Sklavenkörper gut versteckte. Während mein Herr die Fragen der Freien beantwortete und dass mit den gestellten Wagen für alle Teilnehmer gleiche Bedingungen herrschen, gesellte sich übrigens auch der Statthalter dazu und bekundete sofort sein Interesse an der Teilnahme. Er behauptete jedoch, mindestens zwei Kajirae zu benötigen, damit sich sein Wagen überhaupt bewegt.

Hmmm… nach möglichst unauffälliger, sehr genauer Musterung dieses muskelbepackten Kerls schätzte ich, dass sein Umfang und somit auch sein Gewicht ungefähr das Doppelte von meinem Herrn betrug. Allerdings war seine üppige Sklavin im Vergleich mit mir mindestens das Dreifache, sodass die beiden eigentlich sogar im Vorteil sein müssten. Doch diese Überlegungen behielt ich selbstverständlich für mich, zumal der Herr nun den Anschein erweckte, als würde er lieber nur zuschauen und wetten. Kein Problem… je weniger Konkurrenz, umso sicherer ist der Sieg meines Herrn, obwohl viele Teilnehmer das Wagenrennen natürlich interessanter machen.

Letztendlich überlegte der Statthalter seine Entscheidung doch noch einmal und schien Gefallen daran zu finden, sich eine Waldfrau vor seinen Wagen zu spannen... ein Gedanke, der seine Kajira zu folgendem Hinweis veranlasste: „Mein Herr, die Feldarbeit hat mich kräftig gemacht, auch das Ausmisten der Ställe und einiges andere Schwere, das ich ab und an hebe… wenn es ein guter Wagen ist und wir üben könnten… ein neuer Pokal für Enkara wäre nicht schlecht oder?“ „Nun, sehen wir mal. Hingehen werde ich auf jeden Fall. Und wenn ich nur da bin, um zu sehen, wie es die Freien vom Wagen knallt.“ Pahhh, darauf werden die Zuschauer bei meinem Herrn vergeblich warten!


Wie gut, auch der Brauereikrieger hatte das Verteilen von Einladungen übernommen, sodass wir uns bald wieder zurück auf den Heimweg machen und den kalten Norden verlassen konnten. Zuhause hockte die Schreiberin zwar trotz der milden Temperaturen dick eingepackt mit Pelz besetztem Umhang auf der Bank vor der Gasthausterrasse und bezeichnete meine Bekleidung als „vernünftig“, doch wurde mir darin natürlich sofort zu warm… allerdings ist mir Schwitzen um Einiges lieber als Frieren. Während ich mich nun um die Getränke kümmerte beratschlagten die Freien, ob und wohin noch Boten mit weiteren Einladungen gesendet werden sollten.

Leider nahte dann jedoch eine weitere, zum Glück aber erst einmal für einige Zeit wohl die letzte Nachtwache meines Herrn und wir machten uns auf den Heimweg in die Oberstadt. Bevor er zum Dienst aufbrechen musste war es mir nämlich wichtig, sein Proviantpaket unbedingt noch mit einer großen Portion Deluxe-Kekse zu ergänzen, damit sie seine Wache vielleicht etwas kurzweiliger werden ließen und er sie gut überstand.

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