Donnerstag, 2. Februar 2017

Ent-, Er- und Unerledigtes

Mein Herr fand mal wieder Gefallen daran, dass mir bei der Vorstellung Panik in den Hals stieg, auf welch unterschiedliche Art und Weise man sich nichtsnutziger Kajirae entledigen kann. Offensichtlich verriet mich mein Gesichtsausdruck, der wohl doch nicht so neutral gelang wie beabsichtigt: „Arya, woran denkst du… an die Boskpeitsche?“ Ja, an dieses Teil denke ich neuerdings sowieso ständig und vor allem wird meine Angst immer größer, dass ich beim Wagenrennen versage, weil das langsam näher und näher rückt.

Diesmal dachte ich aber mit panischem Kloß im Hals an die Kajiraentsorgung, eine schrecklich fiese Aufgabe, um die ich die Priesterkönige immer wieder inständig anflehe, sie mögen mich darum herumkommen und die Dinger weiter einfach verpuffen lassen. Ablenkung von dem schrecklichen Thema war daher nicht verkehrt: „Ich denke nicht nur über die Versorgung von Fenris nach und dass ich ein zweites Fass für sein Fleisch als sinnvoll ansehe, sondern auch darüber, wo deine gesammelten Nummern schlafen sollen, mein Herr. Dein neuestes, von deiner Familie geschenktes Sammelstück ist vermutlich etwas Besonderes für dich oder täusche ich mich da?“

„Nun, das ist einfach, Arya… die meisten Nummern bleiben draußen, denn sie verschwinden ja eh auf mysteriöse Weise und Sieben wird unten im Haus schlafen. Ich habe keine Lust und es ist mir zu lästig, schon wieder den schweren Käfig hier nach oben zu wuchten, nachdem er nun gerade erst ins Lager gekommen ist.“ Das war eine klare Ansage, allerdings fand ich den Durchgang zwischen Treppenwand und Tisch als Sklavenübernachtungsplatz zu eng. Alternativ schlug ich meinem Herrn daher die Ecke neben dem Ofen vor, denn es ist nach wie vor unklar, wie lange sich der Umzug in sein neues Haus noch hinauszögern wird. „Hmm… dann muss aber der Sklavenring verschoben werden, Arya. Hol mal die Brechstange und einen Hammer und alles was sonst noch für den Umbau in die Ecke neben dem Ofen erforderlich ist.“

Mist, ich hatte nicht bedacht, dass mein Herr die neue Nummer nachts ankettet, ihre Kette aber nicht länger machen und hinter dem Pagafass herumführen will. Er befürchtete nämlich, mit zu viel Reichweite würde sie nicht in der Ofenecke schlafen, sondern es sich auf dem großen Teppich gemütlich machen. Doch letztendlich war alles schnell erledigt… die Anrichte etwas in Richtung Tür geschoben, eine Grünpflanze entfernt und der Sklavenring ab-, um- und wieder angedengelt, ohne dass mein Herr sich mit irgendeinem Werkzeug verletzte… somit besteht nun keine Gefahr mehr, auf dem Weg zur Haustür über den Neuerwerb zu stolpern. Zuletzt befestigte mein Herr zufrieden grinsend noch die Kette an meinem Kragen und testete an mir die Reichweite, um auch wirklich sicher zu sein. „Steh mal auf, Arya, wie weit kommst du? Sehr gut, das reicht zum Schlafen… wieder etwas erledigt!“


Am nächsten Tag informierte mein Herr mich, dass seine Neue im Ratssaal den Boden reinigt. Oha, sie scheint zu den Frühaufstehern zu gehören. Ich sah es natürlich als meine Pflicht an darauf hinzuweisen, dass mein Herr sie wenig bis gar nicht zu sehen bekommt, weil sie damit sicherlich eine ganze Weile beschäftigt sein wird, vielleicht sogar den ganzen Tag, ahnte allerdings nicht, womit das Mädchen den Boden schrubbte. „Ich habe ihr die ganz kleine Bürste gegeben… die für die Zähne und sie noch mal halbiert, weil ich lustig gelaunt war.“ Puhhh, oberskeptisch überlegte ich, ob es damit überhaupt zu schaffen ist, den Boden wenigstens bis Ende dieser Hand sauber zu bekommen. „Nun, ich denke schon… andernfalls wird sie Sleenfutter.“ Wahhh... nicht schon wieder dieses Thema! 


Um nicht erneut Details der Fütterung von Fenris erläutern zu müssen, erwähnte ich schnell die inzwischen erledigte Reinigung des Vorratsfasses fürs Sleenfutter, das ich noch zurücktransportieren musste. Uiihhh, mit dem nun folgenden Hilfsangebot hatte ich allerdings wirklich nicht gerechnet: „Hmpf das klingt anstrengend… dann zieh dir was an und zeig mal, was gerollt oder mit meinen starken Armen gewuchtet werden muss, Arya.“ Bevor es in die Unterstadt ging, machten wir an diesem Tag also noch einen Abstecher zum neuen Garten, wo ich erneut eingestand, wie wenig ich mich für manche Arbeiten eigne. Doch das ist für meinen Herrn natürlich nichts Neues, denn er kennt meine Veranlagungen und durchschaut mich schon länger... so als ob ich durchsichtig bin. Er mag aber wohl auch Einiges an mir und sah jetzt nicht durch mich hindurch, sondern zog mich nun plötzlich ganz dicht an sich heran, strich mir sehr sanft über den Rücken und sagte, dass er froh ist, mich zu besitzen.


Leider vergingen diese schönen Ehn viel zu schnell, in denen ich mich eng an ihn anschmiegen konnte, denn die Liste der anstehenden Erledigungen war noch lang. Es ging als Nächstes zum Schmied, den mein Herr eigentlich nach einem Termin zum Branden der Neuen fragen wollte. Doch viel wichtiger war natürlich das Wagenrennen und sich zu erkundigen, ob der Schmied sich mit dem tiefer Legen und Verkürzen der Lenkstange solcher Karren auskennt. Das Gespräch über das geplante Rennen gestaltete sich wegen einiger Missverständnisse darüber, welche Stange mein Herr gemeint hatte, kompliziert und endete damit, dass ich noch reichlich üben muss, zumal die Konkurrenz ständig trainiert. Weil die Neue des Sattlers nun wieder dunkelrote Striemen auf ihrer weißen Haut spazieren trägt, befürchtete der Schmied übrigens, ihr Herr entwickelt sich langsam zum Peitsche schwingenden Monster. 


Doch diesen Zahn konnte mein Herr ihm ziehen, da er ja Zeuge der letzten beiden recht sanften Demonstrationshiebe gewesen war. Außerdem gesellte sich nun der Bauer mit enormen Informationsdefiziten dazu, da er sich handlang nicht in der Stadt hatte blicken lassen. Mit dem Eintreffen der Gnädigsten waren es schließlich vier Freie, die es nach einem Umtrunk im Gasthaus gelüstete, wobei der Schmied nach dem Versuch vor zwei Tagen, einen ganzen Goldtarn wegzusaufen, abstinent bei Wasser blieb, der Brauer leider die doofe Spätwache hatte und der Sattler sich überhaupt nicht sehen ließ. Die Sitzkissen warteten bestimmt schon darauf, endlich wieder wieder platt gesessen zu werden. Dabei blieb letztendlich unerledigt, weswegen mein Herr ursprünglich den Schmied aufsuchen wollte… er vergaß nämlich, sich einen Termin zum Branden seiner Neuen geben zu lassen.

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