Samstag, 11. Februar 2017

Fundstück 109

Das Gespräch drehte sich am Abend nach dem Verkauf der Sattlerkajira auch um die Gefährtenschaft des Bauern mit seiner freigelassenen Sklavin. Mein Herr erkundigte sich nämlich, ob er die Feier zum Vertragsabschluss womöglich verpasst hatte. Es stellte sich jedoch heraus, die Schreiberin hatte den Vertrag anscheinend bereits aufgesetzt, doch lässt die Unterzeichnung auf sich warten, obwohl der Hofbesitzer wohl großes Interesse an „so schnell wie es geht“ hat. „Oh, das klingt so, als ob es dringend wird“, meinte mein Herr und der Brauereibesitzer ergänzte noch: „Ah, pressiert es schon… hat es der Nachwuchs eilig?“ „Nein, ich habe nur noch keinen Termin festgelegt… muss es hinter mich bringen und drängen tut nichts“, versuchte der noch nicht Gefährte zu beruhigen.

Damit wurde meinem Herrn klar: “Achso, Lady Nina ziert sich… nicht, dass sie schüchtern geworden ist!?“ Der Herr mit Hof bestätigte ihm nicht wirklich begeistert, genau diesen Eindruck habe er von seiner Freigelassenen und wunderte sich über „die Wirkung dieses Gesöffs“. Mist, peinlicherweise vergaß ich jetzt meinen Vorsatz, nicht mehr ungefragt dazwischen zu plappern und platzte erschrocken heraus: „Ohje... man wird danach schlagartig zur Trockenpflaume?“ Doch zum Glück überging mein Herr meinen Fehler und erkundigte sich neugierig, ob es sich bei „diesem Gesöff" um Kalana handelte oder ob der Zuchtwein gemeint war, den Lady Nina trinken musste, als sie noch Hadi hieß. 

Ich vermutete natürlich Letzteres und der Bauer bestätigte tatsächlich: „In der Tat, bin mir zwar noch nicht ganz sicher, aber komisch ist das schon… seit sie den Wein bekommen hat, muss ich sie zwingen, sich zu mir zu setzen.“ Dieses Thema wurde dann allerdings nicht weiter erörtert, da nun wieder diese dunkelhäutige Kajira auftauchte, die meinen Herrn schon am Abend nach dem Wagenrennen merkwürdigerweise „mein Herr“ genannt hatte. Inzwischen war mir jedoch klar geworden, sie ist tatsächlich eines seiner zahlreichen verpufften Fundstücke, nämlich Nummer 109. Ob sie keine weitere 99er ist, muss sie noch beweisen und wessen Stahl ihren Hals ziert, blieb mir unklar, da kein Name eingraviert war.

Gleichzeitig mit der Dunklen tauchte eine der Grünen aus Belnend auf… unverschleiert und wirkte irgendwie verwirrt. Obwohl sie allen Freien bekannt war, schien sie jetzt niemanden mehr zu kennen. Auch mein Herr war ihr offensichtlich fremd, dabei hatte sie im letzten Krieg sogar seine Verletzungen behandelt! Es stellte sich heraus, ihr Kopf war von einer Taluna mit einer Bratpfanne traktiert worden und das hatte offensichtlich zu Gedächtnisaussetzern geführt. Wie nicht anders zu erwarten, wies der bäuerliche Moralapostel schließlich auf den Erlass des Stadtrats hin, sprach allerdings nicht vom Schleiergebot für freie freie Frauen: „Übrigens, bei uns herrscht Vorhanggebot.“ 

Wie schade, dass mein Herr mich nun zur Schmiede schickte, sodass ich nur noch mitbekam, wie die Freie erwiderte: „Vorhang? Nun ja… dafür, dass hier Vorhanggebot ist, sind aber nur recht wenige zu sehen oder?“ Was danach weiter passierte entging mir leider, weil ich das Feuer in der Esse schüren sollte. Der Schmied war nämlich nicht da, das dunkelhäutige Fundstück sollte aber trotzdem ein Branding bekommen und ihr Collar ab. Mein Herr fand es zwar doof, entschloss sich aber trotzdem die Arbeiten selbst zu übernehmen. „Hmpf Arya, es ist lange her, dass ich einen Kragen aufgedengelt habe und das letzte Mal habe ich die Sklavin fast geköpft… aber ok, wirklich schlimm ist das nicht.“

Vorher trank mein Herr aber noch einen dritten Paga und erkundigte sich bei der neuen Brauerkajira, die von ihrem Herrn die Zuständigkeit fürs Gasthaus übertragen bekommen hatte, ob zu ihren Aufgaben auch das Kassieren gehört. Da sie eine Antwort schuldig blieb, informierte er sie, dass er, der Hofbesitzer, der Sattler und der Schmied die Goldene Kundenkarte des Gasthauses zur Fliegenden Pfanne besitzen und 25% Rabatt bekommen. Mit „ähhmmm“ wurde dies zur Kenntnis genommen. Doch die Ergänzung, ihrem Herrn davon nichts zu sagen, veranlasste die Gasthauskajira darauf hinzuweisen, dass sie ihrem Herrn alles erzählen muss. Selbstverständlich muss sie das und der Sattler bestätigte es.

Mein Herr trank seinen Paga aus und maulte: „Man, man… ihr müsst einem auch jeden Spaß verderben! Na egal, war einen Versuch wert. Cara, vergiss die goldene Kundenkarte und außerdem heißt es Treuekundenrabatt.“ Danach legte er einige Münzen auf den Tisch und erhob sich. „Arya komm, wir dengeln jetzt und lassen zischen… vielleicht bin ich aber gleich wieder hier, wenn ich mit dem Werkzeug abrutsche.“ 

Es ging zur Schmiede, wo ich als Erstes den Befehl erhielt, mich um geeignete Werkzeuge zum Öffnen das alten Kragens zu kümmern. Das war schnell erledigt, da ich dem Schmied bei seiner Arbeit schon oft zugeschaut hatte. Beim Anblick der Werkzeuge überlegte mein Herr übrigens: „Hätte ich vielleicht einen Paga weniger trinken sollen? Egal, 109 leg deinen Hals auf den Amboss… ich hab nicht den ganzen Abend Zeit. Wichtig ist still halten und nicht zappeln… wer zappelt verliert.“ 

Der Dunklen hatte es inzwischen die Sprache verschlagen, aber sie befolgte die Anweisung, sodass ich mit einer Hand ihren Kopf zu fixieren versuchte und mit der anderen ihren Kragen festhielt. „Sehr gut Arya und pass auf deine Finger auf, denn die brauchen wir noch!“ Danach begann mein Herr wild auf das Scharnier einzudengeln und ich glaube, so angstvoll wie 109 mich ansah, schloss sie gerade mit ihrem Leben ab… überlebte aber. Irgendwann bekam ich den Stift mit einer Zange zu fassen… mein Herr hatte es an diesem Tag nämlich nicht so mit dem Fummeln… und der alte Kragen ohne Besitzername war ab. Damit sich die Erleichterung nach dieser Prozedur gar nicht erst zu sehr in dem Fundstück ausbreitete, durfte ich sie danach gleich am Brett fürs Branden fixieren. 


Fröhlich, nämlich offensichtlich bestens gelaunt nach der Dengelaktion, pfiff mein Herr ein Lied, betrachtete das inzwischen weißglühende Brandeisen mit dem Kef und drückte es der erst vor Schreck und dann vor Schmerz aufschreienden Sklavin plötzlich auf ihren linken Schenkel. „So geht das, Arya… kurz und schmerzlos… man baut ja kein Haus, wenn man ein Mädchen nur brandet.“ Danach legte mein Herr der Kajira anstelle seines Kragens ein Seil doppelt um den Hals, zog es relativ eng zusammen ohne sie zu würden und verknotete es: „109, dieses Seil ist dein Collar bis du dir ein richtiges verdient hast.“ 

Inzwischen war es spät geworden, sodass wir uns auf den Heimweg machten. Ein nach-dem-Branden-Paga war aber trotzdem noch erforderlich, den mein Herr an diesem Abend zuhause auf eine wirklich wundervolle Art genoss. Kaum kniete ich neben ihm, um ihm sein Getränk mit Hingabe zu servieren, zog er mich nämlich auf seinen Schoß, drückte mich mit einem starken Kriegerarm ganz fest an sich und trank so seinen Paga. Unter den Berührungen meiner sanft massierenden Hände ließ er zwischendurch sehr wohliges Brummen hören und murmelte schließlich: „Wenn es nicht so spät wäre, würde ich glatt noch ein Bad nehmen… aber ich werde das bald nachholen!“ ;-)

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