Montag, 20. Februar 2017

Grau-weiß-kariert

Wie erwartet waren die fünf Kuchenstücke, die ich zusätzlich in das Proviantpaket meines Herrn für die Nachtwache gewickelt hatte zwar lecker gewesen, aber für einen Kuchenliebhaber wie ihn leider viel zu wenig. „Arya, das nächste Mal nehmen wir mehr mit oder sind ganz schlau und machen was?“ veranlasste mich spitzbübisch grinsend zu antworten, dass ich bereits schlau gewesen war und etwas gemacht hatte. „Ach wirklich? Ich weiß, dass du schlau bist, Arya. Was hast du denn gemacht?“ 

Tja, ich gebe zu, ich war auch ein wenig stolz auf mein Tun und um die Spannung noch ein wenig zu erhöhen, erzählte ich jetzt, dass ich im Erdgeschoss für ausgiebige Querlüftung gesorgt hatte. Dann erklärte ich meinem Herrn, wie wichtig mir gewesen war, seinen wohlverdienten Schlaf nach der anstrengenden Nachtwache nicht mit oberköstlichen, durchs ganze Haus wabernden Düften zu stören, erkundigte mich aber lieber vorsichtshalber noch, ob er womöglich trotzdem etwas gerochen hatte. Doch das war nicht der Fall gewesen. Juhuuu… es hatte also tatsächlich geklappt! Mein Herr hatte weder vom Larmakuchen geträumt, den ich gebacken hatte während er schlief, noch war er schlafend an zu viel im Mund zusammengelaufener Spucke ertrunken. 

„Hui… lecker und obstig?! Larmakuchen ist immer gut, davon kann man auch ein Stück mehr essen… das merkt man ja nicht, weil Larma so luftig leicht ist! Dann schaff mal ran den Kuchen, Arya!!“ Diesem Befehl kam ich selbstverständlich umgehend nach und wurde auch nicht angemeckert, dass es nur 1/4 Kuchen war. Im Gegenteil, so sanft wie die Berührungen meines Herrn ausfielen, während er vor seinem Wachdienst das Riesenstück mit sichtlichem Genuss verputzte… den Rest hatte ich ihm nämlich bereits zum Mitnehmen verpackt… entsprach dieser Larmakuchen offensichtlich ziemlich genau seinen obstigen, luftig leichten Vorstellungen. 

Am nächsten Tag erzählte er, dass vom für die Nachtwache eingepackten 3/4 Kuchen kein einziges Stück übrig geblieben war. Oha, das muss anscheinend ein typischer Fall von Kuchenverdunstung gewesen sein, denn so viel schafft mein Herr ja gar nicht... behauptete er jedenfalls. Es kam ihm jedoch sehr hart an und er befürchtete sogar, nun womöglich zu verhungern, weil ich für seine nächste Wache keinen neuen Kuchen gebacken hatte, doch letztendlich gab er sich dann aber zufrieden. Außerdem war die Gnädigste inzwischen aufgetaucht und es stand noch ein Rundgang durch die Unterstadt an, bevor er zum Dienst aufbrechen musste. 

Nicht nur mir, sondern auch meinem Herrn fiel übrigens sofort auf, dass die Lampe am Eingang zum Brauereihof mal wieder einen anderen Lampenschirm hatte. Ziemlich fassungslos hörte ich allerdings, wie seine Gefährtin sich erstaunt erkundigte, was daran denn anders ist. Keine Ahnung, ob sie die Lampe überhaupt schon mal gesehen hatte... dass die Schirme gelegentlich ausgewechselt werden, hatte sie offensichtlich aber noch nie bemerkt. Selbstverständlich verkniff ich mir eine Bemerkung dazu, doch was ich dachte, muss mir wohl wie in einem offenen Buch im Gesicht gestanden haben. „Was guckst du so, Arya? Ich schaue beim Gehen nicht in den Himmel, aii?“ 


Puhh, es war knapp, doch kurz bevor ich mich nach diesem schnippisch klingenden Hinweis nun noch zu einem Kommentar verleiten ließ, rettete mein Herr mich. Genau in der Ihn, als ich Luft für eine Erwiderung holte, stellte er nämlich erneut Vermutungen über die Bedeutungen der Lampenschirmfarben an… Rot könnte heißen, der Brauer ist zuhause… Weiß besagt vielleicht, der Paga ist aus oder noch besser wäre, wenn diese Farbe bedeutet, dass der Paga gratis ist. Komisch, ich war mir wirklich sehr sicher, dass die Farben je nach Lust und Laune und ganz zufällig vom Brauereikrieger gewählt werden, denn ich hatte ihm bereits vor einer ganzen Weile eine diesbezügliche Frage gleich nach der Anschaffung der Lampe gestellt... ich schaue nun mal ab und an beim Gehen auch in den Himmel und geradeaus sowieso.

Eigentlich war ich sogar überzeugt davon, diese Frage im Beisein meines Herrn am Tag eines Waffentrainings gestellt zu haben und nahm an, dass auch die Gnädigste zugegen gewesen war… doch das erinnerte ich nicht mehr so ganz genau. Das Schweigen nach dem Ruf meines Herrn „HEUTE  IST  FREI  PAGA!“ ließ ihn übrigens frohlocken, damit richtig zu liegen, dass der Brauer in Spendierlaune ist und deswegen diese Farbe gewählt hatte. Wirklich schade, dass er nun jedoch vom Brauereibesitzer aufgeklärt wurde: „Nein, die heutige Beflaggung sagt, der Hauptmann zahlt.“ Um sich entsprechend darauf einstellen zu können, interessierte es meinen Herrn logischerweise sehr, welche Farbe des Lampenschirms denn dann den Freipaga anzeigt. 

Tja, wie nicht anders zu erwarten, erfuhren wir jetzt von dem armen, am Hafen darbenden, mal wieder auf Mitleid machenden Brauer, der es sich nicht leisten kann, wie mein Herr in der Oberstadt zu residieren, dass es eine solche Farbe nicht gibt, weil ihm in dem Fall die Bude eingerannt würde und er Konkurs anmelden müsste. „Was... aber es gibt eine Farbe, die besagt, dass der Hauptmann zahlt??? Das scheint mir sehr unfair zu sein!!“ empörte sich mein Herr verständlicherweise. Großzügig wie er aber nun mal ist, erhielt ich allerdings trotzdem die Anweisung von ihm: „Na gut… Arya, hol mal eine Runde auf die Kriegerkaste.“

Den grau-weiß-karierten Lampenschirm werde ich mir jedenfalls sehr genau merken, um meinen Herrn zukünftig vorzuwarnen! ;-)

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