Mittwoch, 22. Februar 2017

Gute Ideen

Die Gefährtin meines Herrn nahm lesend seinen Schreibtisch in Beschlag. Drüben in der Krankenstation arbeitet sie eigentlich so gut wie nie, was für meinen Herrn aber auch in Ordnung ist, wenn er sich nicht gerade mit irgendeiner Rede befassen muss. Schließlich klappte sie ihr Buch aber doch zu und lachte mich auf dem Weg zur Treppe an: „Komm Arya, ich glaube dein Herr hat Ungeduld.“ Klar hatte er Ungeduld, allerdings hatte er auch Grasflecken auf seiner Kriegeruniform gehabt. Ich erklärte ihr jedoch, dass ich diese inzwischen ausgewaschen hatte und nur noch schnell die inzwischen trockene Kleidung in seiner Kleiderkiste verstauen wollte. „Arya, ich kann dich hören!“ kam nun von unten brummend und nicht wirklich begeistert, denn offensichtlich hatte mein Herr mitbekommen, warum ich nicht gleich hinter der Gnädigsten auftauchte. 

Ok, ich gebe zu, besonders eilig hatte ich es nicht… ich wollte mir diesmal nämlich den Anblick verkneifen, wenn die Frau ihn abknutscht, was sie ja immer wieder gerne macht. Als Erklärung für mein Fernbleiben erschien es mir ratsam, meinem Herrn mitzuteilen, dass ich zu seinen Grasflecken stehe, die er doch immer mit so viel Würde trägt, sie inzwischen allerdings ausgewaschen sind, weil Flecken vom letzten Mal beim Training in dieser Hand ein komplett unschönes Licht auf mich werfen würden und somit auch auf ihn. Mein Timing war übrigens perfekt, denn kaum war ich die Treppe hinunter gehüpft, wurde der Platz vor meinem Herrn frei, sodass nichts mehr meiner innigen Begrüßung mit sanften Küssen auf seine Stiefel im Wege stand.

Danach zog ich mir eine saubere Tunika an, da es meinen Herrn inzwischen nach einem Gang in die Stadt gelüstete. Bevor er sich vor der Taverne jedoch entschied, ob ihm der Sinn nach Paga oder doch eher nach Kalana stand, musste ich erst noch die Schirmfarbe der Brauereilampe in Erfahrung bringen. An diesem Tag war grimmeliges Grün-Beige geflaggt, also eine echte Kackfarbe, die nichts mehr mit dem stolz leuchtenden Rot des Vortags gemein hatte. Da vom Hofbesitzer weit und breit nichts zu sehen war, er also für das Spendieren von Getränken nicht in Frage kam, konnte die Farbe nur bedeuten, dass der Brauereibesitzer nach den ausgegebenen Getränkerunden jetzt vermutlich komplett verarmt war und am Hunger-Reptuch nagte.


Obwohl nicht grau-weiß-kariert geflaggt, lief es letztendlich trotzdem darauf hinaus, dass mein Herr sich bereit erklärte ein oder sogar zwei Runden zu schmeißen. Allerdings versuchte er den Brauereibesitzer davon zu überzeugen, am nächsten Tag für den Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten aufzukommen: „Also, wir machen das so… heute zahl ich und morgen nach dem Waffentraining du… ist das eine Idee?“ „Eine Idee schon, aber eine schlechte, weil ich gestern bezahlt habe… jetzt ist mal wieder gut, Hauptmann!“ lautete wie nicht anders zu erwarten leider die Antwort des Rothaarigen, der wegen seines dicken Münzbeutels eigentlich ständig unter schiefem Genick leiden müsste, weil er doch jede Nacht darauf schläft.

„Na, dann zahlt morgen der Sattler. Das gefällt mir… ist auch eine super Idee, ich hab nämlich nur gute Ideen!“ Hmmm… auch der Sattler wimmelte diesen Vorschlag meinen Herrn ab, da er am Tag der Beflaggung mit rotem Lampenschirm nicht wie er auf Kosten des Brauers getrunken, sondern selbst gezahlt hatte. Hilfesuchend wandte mein Herr sich jetzt an sein Weib, die sich leise kichernd von dem Hin und Her anscheinend gut unterhalten fühlte, es jedoch vorzog lieber nichts dazu zu sagen und ja sowieso überhaupt eher selten zu irgendetwas Stellung bezieht. Der Sattler schlug vor zu würfeln, der Brauer aber forderte, mein Herr soll endlich mit dem Schnorren aufhören… welch eine freche Unterstellung, wo mein Herr doch immer so spendabel ist und wirklich oft einlädt!


Wie gut, dachte ich noch bei dem Themenwechsel, ahnte allerdings nicht was der für Folgen haben würde. Da die Brauereikajira an irgendeinem Zar-Turnier teilnimmt, erkundigte sich die Gefährtin meines Herrn jetzt nämlich nach dem Ausgang ihres letzten Spiels und stellte fest, dass mein Herr schon lange kein Zar mehr gespielt hatte. Ich verdrehte innerlich meine Augen, weil ich solche Spiele einfach nicht mag, zumal sie auch noch recht zeitintensiv sind und vieles dabei zwangsläufig auf der Strecke bleibt. Doch von der Möglichkeit, gegen meinen Herrn zu spielen, war die Brauereikajira sofort begeistert und ihr vom Können seines Eigentums eingenommener Herr wollte sofort eine Wette auf ihren Sieg abschließen. Menno, was für eine blöde Idee hatte die Gnädigste da verursacht?!

Selbstverständlich versuchte ich mir meinen aufsteigenden Frust nicht anmerken zu lassen und schaffte es zum Glück meine Klappe zu halten, denn nur was meinen Herrn erfreut zählt natürlich… auch so ein grässliches Zarspiel. So richtig interessiert daran schien er erst allerdings nicht zu sein, doch als die Drängelei und das Betteln des Brauereikriegers einfach kein Ende nehmen wollte, erklärte er sich schließlich bereit… und war der Kajira selbstverständlich überlegen! Er war zwar noch nie ein Turniersieger, ist aber trotzdem mindestens ein halber Zar-Meister und gewann nun ein Fass Paga… leider jedoch ohne Anlieferung. Der Brauer glaubte zwischendurch übrigens Schweißperlen auf der Stirn meines Herrn zu sehen, doch sein frohlockendes Händereiben verging ihm recht schnell wieder.


„Ach was… Schweiß? Das ist etwas anderes“, tat mein Herr die Unterstellung sowieso breit grinsend einfach ab und genoss stattdessen umso mehr meine sanft massierenden Hände. Um angeblich besser denken zu können, hatte er mir nämlich befohlen seinen Nacken zu massieren, allerdings bin ich mir total sicher, er hätte auch ohne gewonnen! Trotzdem war ich natürlich mächtig stolz auf meinen Herrn und konnte mir vor Freude einfach nicht verkneifen, meinen Arm ganz fest um ihn zu schlingen und ihm sehr sanft einen leise schmatzenden Kuss zu geben… natürlich nur auf seinen Hals, denn er ist ja sehr eigen und ich doch nur seine Kajira.

Leider drehte sich nach dem Spiel das Gespräch um die zahlreichen Münzen, die der Turniersieger bekommt, sodass mein Herr nun überlegte, ob er bei so viel Geld zukünftig nicht vielleicht doch an Turnieren teilnehmen sollte. Er gab der Brauereikajira noch diverse Tipps, überlegte dann zu meinem Leidwesen aber auch, mich ebenfalls anzumelden. Offensichtlich sah er mir an, von welchem Entsetzen ich nun gepackt wurde, verstand meine Erklärung leider jedoch komplett falsch, da ich mich blöderweise äußerst ungeschickt ausdrückte. Selbstverständlich lag es mir fern, ihm sagen zu wollen, was er zu tun oder zu lassen hat, doch sah ich es als meine Pflicht an, ihn vor peinlichen Blamagen und unnötigen Geldausgaben für sinnlose Reisen zu schützen.


„Hörst du es… Arya sagt mir, was sie nicht macht!“ Irgendwie wunderte es mich nicht, dass die Gnädigste meinem Herrn bestätigte, genau dies mit Erstaunen ebenfalls gehört zu haben, weil es doch leider auch so geklungen hatte. Mal nachfragen oder irgendetwas hinterfragen ist nicht ihr Ding, zumal sie sowieso ja und amen zu allem sagt, wenn mein Herr mich noch kleiner machen will, als ich eh schon bin… naja, typisch freie Frau eben. Wie gut, dass diese Freie ein so großes Schafbedürfnis hat und sich nach dem Sattler und dem Brauereibesitzer, dessen Sklavin nach dem verlorenen Spiel sowieso bald erschöpft das Weite gesucht hatte, ebenfalls beizeiten zurückzog.

Andernfalls wäre mein Herr bestimmt nicht auf die wirklich tolle Idee gekommen, mich auf seinen Schoß zu ziehen, damit ich ihn auf den Fasstransport vorbereite… was natürlich oberwichtig war, denn besonders kostenloser Paga ist neben kostenlosem Kalana nun mal sein Lieblingsgetränk. Ich glaube, nach fast zwei Ahn sehr intensiver Vorbereitung sagte er sichtlich zufrieden: „Arya, du bist mein Mädchen und wirklich anschmiegsam heute und ich mag es, wenn du so bist… was so ein kleines Zar Spiel doch alles ausmacht!“ Ach ja, das Rollen des Siegerfasses wurde übrigens auf den nächsten Tag verschoben. ;-)))

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