Freitag, 10. Februar 2017

Mitleidstour eines Geizkragens

Nach meinem Scheitern am Vortag legte ich mich mächtig ins Zeug, den Helm meines Herrn auf Hochglanz zu wienern und kam erst etwas später an der Kriegerwiese an, als das Waffentraining bereits zu Ende war und die Kriegertunika meines Herrn leider mit etlichen Grasflecken geschmückt. „Arya, meine Uniform ist ganz grün… du hast morgen viel Arbeit damit“, war für mich jedoch nichts Neues, da ich in den bald 5 Märkten als Eigentum meines Herrn und auch vorher schon ausgiebig Erfahrungen mit der Reinigung von Kriegerkleidung sammeln durfte. Die nun folgende Bemerkung des grinsenden Bauern fand ich übrigens grenzwertig: „Hauptmann, du könntest auch in die Kaste deines Weibs konvertieren oder immer am Trainingstag leihweise ihre Farbe tragen, dann fällt es nicht so auf!“

Mein Herr nahm das Gefrotzel jedoch mit Gelassenheit, zumal der Kerl ständig in bäuerlichem Kackbraun herumläuft und auch nie diesen hässlichen Blechdeckel namens „Helm“ vom Kopf nimmt. Mein Herr ist jedenfalls ein richtiger Krieger aus roter Kaste, der selbstverständlich nicht nur eine einzige Kriegeruniform für besondere Anlässe hat, sondern eine mit zig Uniformen gefüllte Kleiderkiste besitzt, ausschließlich Kastenfarbe trägt und nach dem Schwerttraining jedem Grasfleck die ihm gebührende Ehrerbietung zollt. Er trägt Trainingsflecken mit Würde und muss sie nicht mit unkriegerischem Braun oder Grün kaschieren! Wie gut, dass ich inzwischen gelernt habe, nicht mehr laut zu denken, denn andernfalls wäre ich bestimmt nicht in den Genuss der meine Haare sanft durchwuschelnden Hand meines Herrn gekommen.

Die Frage des Brauereikriegers „wollen wir noch ein wenig ins Gasthaus?“, wurde von den Männern natürlich sofort bejaht, die sich nach dem anstrengenden Schwertgefuchtel wie immer ein oder auch mehrere Getränke zum Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten wirklich verdient hatten. Der stets große Ale-Durst des Brauereibesitzers ist aber sowieso nicht nur mir seit langem, sondern allgemein bekannt. Doch an diesem Tag hatte der Herr einen weiteren Grund, das Gasthaus aufzusuchen. Er hoffte dort wohl den Sattler zu treffen, weil er ihm Cara abkaufen wollte. Diesen Wunsch hatte er während des Wagenrennens bereits geäußert und nun sollte der Kauf vermutlich konkretisiert werden.


Der Brauereibesitzer hatte tatsächlich Glück, denn der Lederarbeiter saß auf der Gasthausterrasse und stand zu seiner Zusage über den Verkauf der Kajira. Wie zu erwarten, gestalteten sich die Preisverhandlungen jedoch etwas kompliziert… oder nee, eigentlich sogar hochkompliziert. Der Sattler wollte verständlicherweise natürlich keinen Verlust machen, hatte nämlich außer dem Kaufpreis auch einige Ausgaben für Kragen, Branding und Cuffs gehabt und der Brauer ist leider bekannt dafür, dass er zäh um jeden Kupfer feilscht. Den Aufschlag von nur 2 Kupferstücken auf den Kaufpreis seinerzeit von 11 Kupfer, kommentierte der Bauer übrigens mit „großzügig“. Mein Herr fragte den Sattler sogar, ob er die Spendierhosen anhabe oder womöglich krank sei, weil er nur 2 Münzen drauf schlug und somit keinerlei Gewinn erzielte.

Oha, dem knauserigen Brauereibesitzer quollen bei dem Preis jedoch fast die Augen hervor, während er mit der flachen Hand seitlich gegen seinen Kopf patschte und „mir ist grad blümerant zumute… ich brauche erst einen Schluck Ale“ stöhnte. Danach gewann er zwar seine normale Gesichtsfarbe zurück, begann nun aber zu feilschen wie ein Fischweib am Hafen, obwohl der Preis mehr als freundschaftlich war. Während ich mich dem Genuss der wundervollen Berührungen meines Herrn hingab und mich in seinen starken Arm schmiegte, hörte ich logischerweise den Verhandlungen nur noch mit halbem Ohr zu, bekam allerdings mit, dass der Verkauf kurz vor der Einigung zu platzen drohte. Der Sattler befahl seiner Sklavin nämlich, sich wieder neben ihn zu knien.

Vermutlich war der Lederarbeiter des Feilschens schließlich aber doch Leid, zumal es im Gegensatz zu dem skrupellosen, nun auf der Mitleidstour reitenden Brauereibesitzer offensichtlich seiner Ehre widersprach, einen Heimsteinangehörigen über den Tisch zu ziehen. Außerdem hatte er dem jammernden Kerl beim Rennen bereits zugestanden, ihm das Mädchen zu verkaufen und stand zu seinem Wort. Nach dem üblichen „da setz ich zu… du quälst mich…“ und ich weiß nicht mehr was der Brauereibesitzer sonst noch für Peinlichkeiten stöhnte, stimmte der Lederarbeiter sichtlich genervt letztendlich 12 Kupfer und 2 Bechern Paga seufzend zu, behielt dafür aber den Kragen und die Cuffs. 

Bei der nun äußerst umständlichen Geldübergabe, die mit ahnlangem Gefummel der Kupfermünzen aus dem Geldbeutel einher ging, der vorher selbstverständlich erst noch äußerst kompliziert vom Gürtel des Brauereibesitzers gelöst werden musste, rief mein Herr aus: „Heheh, jetzt sehen wir gleich jemanden weinen, weil er sich von Geld trennen muss… ooohh, die Münzen kleben fast an seinen Fingern fest!“ Und der Sattler überlegte: „Hauptmann, bei der Geschwindigkeit müsste ich eigentlich Zinsen berechnen!“ Die Aussicht auf weitere Verhandlungen veranlasste ihn aber wohl, sich doch lieber in Geduld zu üben, bis der Geizhals ihm tatsächlich nach konzentriertem, unendlich langsamem Nachzählen das kleine Häufchen Kupfer hinüberschob, die dann aber blitzschnell im Münzbeutel des Sattlers verschwanden.

Eine unbeschreibliche Erleichterung ließ übrigens mein Kajiraherz bei der Antwort meines Herrn auf eine Frage des Bauern dahinschmelzen, als der sich danach erkundigte, welchen Preis er denn für mich verlangt. Mich fest an sich heranziehend antwortete mein Herr nämlich grinsend: „Keinen, da ich Arya gerade nicht verkaufen will… außer jemand fängt an Goldmünzen auszupacken wie ein Irrer… dann überlege ich es mir vielleicht.“

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