Sonntag, 19. Februar 2017

Stadt der „SSS“

„Arya, ich habe beschlossen, dass wir nördlich reisen, aber nicht ganz in den Norden. Es könnte allerdings Schnee liegen… also pack sicherheitshalber warme Sachen ein“, kündigte mein Herr an und bestätigte mir, dass ich die richtigen Dinge in den Rucksack eingepackt hatte. Lydius sollte das Ziel sein, weil er sich in dieser jetzt offensichtlich wieder neu aufgebauten Stadt umschauen wollte, bevor er irgendeine Reise in den Norden plant. Na, ich war natürlich mächtig gespannt, hatte ich doch vor etlichen Märkten eine ganze Weile mal mit meiner Herrin dort gelebt.

Unsere kleine Reisgruppe bestand aus meinem Herrn, dem Brauereibesitzer, dem Schmied, der Gnädigsten und der Sklavenhändlerin, die ich schon recht lange nicht mehr gesehen hatte, die jedoch genau an diesem Tag anscheinend heimgekehrt war und es nun offensichtlich eilig hatte, erneut unterwegs zu sein. Wo der Händler und Gefährte dieser Frau steckte und warum er nicht mitreiste, erschloss sich mir allerdings nicht mehr, da der Kapitän unseres Schiffes nun zur Abfahrt drängte.


Die Reise verlief problemlos, nur der Brauer schien bei unserer Ankunft im Hafen von Lydius kurz vor dem Verdursten zu sein. Doch zum Glück wies uns der Hafenmeister den Weg… oder wer auch immer der Kerl war, der dort am Kai stand… indem er hinter sich deutete: „Da geht’s lang.“ Mit mürrischem Blick musterte die Skavenhändlerin nun meinen Herrn und den Brauer, um mäkelnd von sich zu geben: „Aber ihr verschwindet jetzt nicht in der Taverne… oder?“ 


Offensichtlich legte der Brauereikrieger keinen Wert auf eine Auseinandersetzung mit ihr und erklärte sich mit einem Ale zum Mitnehmen einverstanden. Seine ironische Zusammenfassung über den Weg vom Hafen zum Marktplatz traf den Nagel jedoch perfekt auf den Kopf: „Nix trinken… schauen… warten... schöner Ausflug!“ Auch mein Herr machte sich lustig, als die trödelnde Händlerin endlich auftauchte und erklärte: „Ich wollte was sehen und bin nicht auf der Flucht.“ Ok, es ging bergauf und wenn man verschnaufen muss, sieht man natürlich auch was.


Auf dem Marktplatz standen einige Leute herum und lauschten einem Musikanten, der bei unserem Eintreffen ankündigte, nun ein Lied für alle Krieger zu singen. Mein Herr ließ undefinierbar brummend nicht erkennen, wie ihm dieses Kriegerlied gefallen hat und ich fand es eher… naja, Geschmäcker sind verschieden und das ist wohl auch ganz gut so. Da mir auch das Gehampel einer tanzenden Sklavin nicht sonderlich gefiel, fand ich es schön, dass mein Herr sich nun ein wenig in der Stadt umsehen wollte.


Sehr schnell wurde klar, die Stadt war vor seiner Zerstörung um ein Vielfaches prächtiger gewesen. Wobei… die Münzen für Pracht und Prunk mögen knapp geworden sein, Steine muss es beim Wiederaufbau offensichtlich jedoch im Überfluss gegeben haben. Am Ende der Besichtigung hatte ich Lydius jedenfalls insgeheim für mich umbenannt in „Stadt der SSS“… je ein „S“ für Steine, Steigungen, Stufen… doch das behielt ich selbstverständlich für mich. 


Matschige Stiefel oder dreckige Sandalen wird man in diesen Gassen jedenfalls nicht bekommen und die Gratisproben aus der Bäckerei waren wirklich lecker. Mein Herr meinte nämlich, an so einem denkwürdigen Tag des Wiederaufbaus ist sicher alles gratis und da die Köstlichkeiten seinen Geschmackstest bestanden, packte ich natürlich reichlich davon für die Rückreise ein. Pech übrigens für den Brauereikrieger… er hatte wie immer Rücken und bekam davon nichts ab.


Wir trafen den Krieger an einer der vielen Steigungen und mein Herr fragte ihn, ob er mir nicht den Rucksack abnehmen möchte, weil ich mir schon den Rücken krumm schleppte. Eigentlich vorsorglich wegen möglicher Übernachtung, letztendlich aber überflüssigerweise hatte ich das schwere Ding leider nicht auf dem Schiff gelassen, denn wir traten nach dem noch ausstehenden Begrüßungspaga die Rückreise an. Zuhause schmeckt meinem Herrn sein Lieblingsgetränk nämlich immer am besten. 

Doch mal abwarten, sollte der Brauer einen Liefervertrag abgeschließen, schmeckt der Paga auch in dieser Stadt der „SSS“ wie zuhause und die eine oder andere Reise ergibt sich vielleicht sowieso noch. ;-)

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