Freitag, 24. Februar 2017

Tag der Grasflecken

„Heute mach ich Rock grün“, sagte mein Herr doppeldeutig zu mir und wuschelte gleichzeitig meine Haare sanft durch, nachdem ich ihn begrüßt hatte. Er meinte damit den Uniformrock seines Freundes, den Brauereibesitzer mit Namen Rock. Zuvor war ich nämlich schnell noch in Sachen Pagafass unterwegs gewesen und hatte seinen Gewinn vom Brauereihof abgeholt, vorerst allerdings im Garten deponiert, weil es mir drinnen im Haus zu eng erschien mit zwei nicht gerade kleinen Pagafässern. So ganz gefiel meinem Herrn dieser Platz zwar nicht, weil er befürchtete, jemand könnte sich an seinem Lieblingsgetränk bedienen, wenn das Fass einfach neben der Bank im Garten steht. 


Letztendlich hatte die herannahende Ahn des Waffentrainings jedoch Vorrang vor einem geeigneteren Ort für seinen Paga, denn mein Herr wollte sich bevor es los ging noch etwas an der Wiese mit mir aufwärmen. Doch dazu kam es nicht mehr, weil der Brauereikrieger bereits mit den Füßen im Gras scharrte und offensichtlich sehnsüchtig auf seinen ersten Trainingspartner wartete: „Na Hauptmann… bereit für eine Runde Schwertkampf?“ 

„Ja sicher… ich bin in Höchstform, habe gestern noch meinen Spaß mit Arya gehabt… das entspannt!“ grinste mein Herr seinen Freund an und zog auch gleich sein Schwert, um mit dem Training zu beginnen, während ich mich schnell an den Rand der Wiese verdrückte, damit die beiden Krieger genug Platz hatten.

Wow… es fing wirklich vielversprechend an, denn mein Herr färbte den Rock des Brauereikriegers tatsächlich zunehmend grün, bis der Rarius irgendetwas an seinem Schild änderte und ihm damit das Färben schwer machte. Mein Herr kämpfte wirklich super und führte sein Schwert sehr geschickt, trotzdem verpasste der Krieger ihm unzählige Grasflecken. 

Schlimm fand ich übrigens nicht das Grün an seiner Kleidung, sondern dass der Brauer ihn plötzlich „Kini“ nannte… unfassbar!! Selbstverständlich steht mir das Verbessern von Freien nicht zu und ich beherzige auch den Befehl meines Herrn nicht zu murmeln, doch in diesem Fall musste ich mir einfach leise Luft machen: „Mein Herr heißt nicht Kini, sondern Kintradim!!“ Zum Glück hörte das bei dem lauten Klirren der aufeinander treffenden Klingen niemand, denn ich war die einzige Zuschauerin. 


Ziemlich maulig rief mein Herr mir irgendwann übrigens zu, dass ich mit dem Zählen aufhören soll, was ich bis zum Gleichstand noch getan, kurz danach aber sowieso aufgegeben hatte. Nach 24 Runden legten die Rarii endlich eine kurze Verschnaufpause ein und der Brauereikrieger erkannte beeindruckt an, wie sehr mein Herr sich gesteigert hatte. Er bestätigte nämlich, dass es jedes Mal sehr knapp gewesen war, wenn er zu Boden ging. Kaum wieder zu Luft gekommen, setzten die beiden Männer ihr Waffentraining jedoch fort… der Landsitzkrieger schwänzte allerdings in dieser Hand. Nachdem der Bauer dann etwas später doch noch eintraf, nutzte mein Herr die Gelegenheit für irgendeine Erledigung im Kriegerhaus, die keinen Aufschub zuließ und ich lief schnell nach Hause, um für das leibliche Wohl nach dem Training zu sorgen. 

Von meinem Vorhaben, einen Berg lecker duftende, mit Schinken und Käse gefüllte Teigfladen zu backen, ahnte mein Herr natürlich nichts. „Ach, deshalb warst du verschwunden, Arya, um mir einen Imbiss zu machen? Ich hab dich nämlich beim Training vermisst und jetzt Hunger wie ein Larl!“ rief er mit Blick auf den vollgehäuften Teller begeistert aus. Meine Überraschung, übrigens genau zum richtigen Zeitpunkt nach Trainingsende fertig geworden, war mir offensichtlich gelungen und schmeckte wirklich oberköstlich… mein Herr erlaubte mir nämlich ebenfalls zuzulangen. Der Imbiss hätte auch für die beiden anderen Krieger gereicht, doch werden die übrig gebliebenen, kalten Teigfladen auch als Proviant auf der nächsten Wache meines Herrn superlecker schmecken. 

Der Bauer hatte sich nämlich gleich nach dem Training Richtung Hof verzogen. Mein Herr vermutete, um seiner noch nicht Gefährtin das Herumtreiben auszutreiben und sie wieder an die Kette zu legen. Ich bin gespannt, ob sie tatsächlich wieder kniet, denn es heißt doch „einmal Kajira, immer Kajira“. Tja, und wie so oft riefen den Brauereibesitzer leider sehr bald seine Kessel, sodass er sich verabschiedete. Trotzdem beschloss mein Herr nicht zuhause, sondern im Gasthaus zu essen... andernfalls wäre der Imbiss wohl auch kalt geworden, denn er hatte ja schon den Weg aus der Oberstadt hinter sich. 

Wo mein Herr sich an seinem anschmiegsamen Eigentum erfreut und es genießt, wie schnell ich Wachs in seinen Armen werde, wenn er mich besitzergreifend an sich zieht, ist jedenfalls unwichtig und das nicht nur an diesem Tag der Grasflecken, an dem sich sein männlicher Geruch wieder so wundervoll mit dem vom Waffentraining vermischt hatte… ;-)))

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