Mittwoch, 1. Februar 2017

Trommeln

„Arya, es trommelt in meinem Kopf!“ informierte mein Herr mich am nächsten Tag, sodass ich laut überlegte, ob der gute Kalana der Sorte Rhoda aus Ar womöglich doch nicht so gut gewesen war, sondern nur teuer? „Doch, doch… der war schon gut, hat aber irgendwie zum Kopfbrummen geführt. Vielleicht war der letzte Kelch schlecht?“ 

Na, der alleine konnte es nicht gewesen sein, das Trommeln im Kopf lag wohl eher am Wunsch meines Herrn „der Kelch darf nicht leer sein“, also an der Menge Kalana insgesamt. Mist, jetzt war also genau das eingetreten, was ich befürchtet und mit dem Krug Wasser vor dem Schlafengehen eigentlich zu verhindern versucht hatte. Doch den hatte er ja empört brummend abgelehnt.

Als mein Herr mir den Geschmack auf seiner Zunge mit pelzig beschrieb, so als ob jemand ein totes Tier darüber gezogen hatte, versuchte ich es allerdings erneut mit Wasser und behauptete einfach, meinen früheren Herren habe in so einem Fall viel Wasser trinken immer geholfen. Verkehrt konnte diese Maßnahme jedenfalls nicht sein, darin war ich mir zumindest sicher, über die erhoffte Wirkung allerdings weniger. 

„Hm… hmm… hmmm… so ein Ärger aber auch. Wasser soll bei toten Tieren im Mund helfen? Na gut, wenn es nicht funktioniert, werde ich auf deinem Hintern trommeln, Arya!“ Oh je, stumm flehte ich zu den Priesterkönigen, sie mögen die Trommeln im Kopf meines Herrn nach dem Trinken von Wasser verschwinden lassen. Vorsorglich rieb ich mir aber trotzdem schon mal über meinen Allerwertesten, während ich in die Küchenecke flitzte, um einen Becher mit Wasser zu füllen. Zusätzlich schnappte ich mir aber auch noch ein Stück Wurst, weil der ekelige Pelzgeschmack vom Wasser alleine natürlich nicht weggehen würde.

„Ach es gibt Wurst zum Wasser?“ erkundigte sich mein Herr interessiert, sodass ich schnell erklärte, die Wurst gibt es erst hinterher, nämlich nach dem Vor- und Fortspülen der nicht wasserfesten Trommeln. Oha, man konnte wirklich sehen, wie es in meinem Herrn arbeitete, während er den Becher in seinen Händen ausgiebig musterte und zwischendurch immer wieder das Wurststück anpeilte. Doch dann tat er so, als bringe er ein riesiges Opfer und trank todesmutig das Wasser auf ex: „Wasser soll ja gesund sein, da muss man das mal probieren.“ Genauso schnell wie er mir nun den leeren Becher in die Hand drückte, krallte er sich mit der anderen Hand aber auch die Wurst,biss sofort ein Stück davon ab und kommentierte mit deutlich zufriedener Miene kauend: „Ja, nun habe ich etwas im Mund, mit dem ich etwas anfangen kann.“ 

Es gelang mir übrigens trotz seiner Befürchtungen, zu viel Wasser könnte zu gesund sein, ihm noch einen zweiten Becher damit anzudrehen, denn Hilfe von seiner Gefährtin konnte er zumindest an diesem Tag nicht erhalten, weil sie in Kastenangelegenheiten auf Reisen war. Letztendlich meinte er sogar, dass das Wasser gar nicht so schlecht schmeckt, sodass ich nun den richtigen Zeitpunkt gekommen sah, ihm ein deftiges Essen aus gebratenen Vuloeiern mit reichlich Speck anzubieten und mit einem sichtlich zufriedenen Brummen belohnt wurde. 

Ich glaube, das Trommeln im Kopf meines Herrn verschwand danach tatsächlich, gleichzeitig kam aber auch die Erinnerung an eine Kajira zurück, die ihm von seiner Familie geschickt worden war und nun auftauchte. Na toll… eine Strafe, weil nur eine weitere wertlose unter den zahlreichen 99ern oder taugt diese Sklavin etwas? So ganz klar wurde an diesem Tag nicht mehr, was von dem Geschenk der Familie meines Herrn zu halten ist, denn das Mädchen war von der Anreise offensichtlich ziemlich müde und schlief recht früh in ihrer Ecke ein. 

Jedenfalls ist sie weder ausgebildet und konnte nicht mal Paga servieren, noch hat sie ein Brandzeichen… diese Nummer wird demnächst also Kosten beim Schmied verursachen und bedeutet viel Arbeit. Immerhin ist sie nicht aufmüpfig und lernwillig, denn sie hat sofort kapiert, dass es „kann ich nicht“ nicht gibt und verstand nach einigen Problemen auch, von welchem Links ich sprach, nachdem ich ihr befohlen hatte, sich an die linke Seite meines Herrn zu knien. Trotzdem war für es mich eine Selbstverständlichkeit, um meinem Herrn keine Schande zu bereiten, sie nicht den Sattler bedienen zu lassen, der ihm einen Besuch abstattete, um eine der beiden bestellten Peitschen zu liefern. 

Einiges an Angst bereitet mir der Gedanke seit seiner Bestellung übrigens, dass er sie beim Wagenrennen einsetzen möchte und der Sattler sich weigerte, sie in einer Länge herzustellen, mit der mein Herr sie gegen die anderen Wagenlenker benutzen kann. Der Lederarbeiter wird nämlich ebenfalls am Rennen teilnehmen und hat logischerweise kein Interesse daran, sich von einer Peitsche seines Gegners piesacken zu lassen, die aus seiner eigenen Fertigung stammt. Da mein Herr der kürzeren Reichweite zugestimmt hatte, befürchte ich nun, dass er sie womöglich zum Beschleunigen auf meinem Hinterteil einsetzen will. Noch größere Sorgen mache ich mir jetzt, seitdem der Sattler meinen Herrn davor warnte, welchen Schaden man mit einer solchen Peitsche anrichten kann. 

Er demonstrierte ihm dies an seinem Neuerwerb mit zwei nicht wirklich schlimm aussehenden Hieben auf ihren weißen Arsch, die die Haut jedoch blitzschnell mit dunkelroten Striemen überzogen, obwohl die Kajira nicht mal zuckte oder einen Mucks von sich gab und auch nur beim ersten Schlag ihr Gesicht verzog. Aber vielleicht ist so weiße Haut auch besonders anfällig für dunkelrote Striemen? Die Idee meines Herrn, an einem Bosk zu üben, weil es der dicken Haut dieses Viechs nichts ausmacht, wenn er aus Versehen zu hart zuschlägt, fand ich jedenfalls gut. 

Hoffentlich werden meine Füße nach dem Start des Rennens überhaupt noch in der Lage sein loszulaufen, wenn ich mir kein Kissen auf meinen Allerwertesten schnallen darf. Das Wissen um die schrecklich belastende Erwartungshaltung meines Herrn und dass mein Hintern um einiges empfindlicher ist, als der des weißen Demonstrationsobjekts, ließ mein Kajiraherz jedenfalls alleine schon bei dem Gedanken an das Rennen ganz wild trommeln, auch wenn sich auf meiner dunkleren Haut vielleicht nicht gleich blutunterlaufene, dunkelrote Striemen bilden werden, die aussehen, als ob sie gleich aufplatzen.

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