Montag, 27. Februar 2017

Wer auf wem?

„Ahh Arya! Ich dachte schon du wurdest geklaut… meins ist also noch meins und nicht Fremden seins“, begrüßte mein Herr mich und wuschelte gleichzeitig meine Haare zufrieden durch, als er von seiner Wache heimkehrte. Mir war sofort klar, sein Dienst muss anstrengend gewesen sein und er offensichtlich ziemlich müde, denn warum hätte jemand mich klauen sollen? Deswegen musste er sich wirklich keine Sorgen machen, zumal seine Sorgen um die Sicherheit der Stadt mehr als ausreichen und er außerdem leider auch noch ständig diese Wachdienste zu so schrecklich ungünstigen Zeiten hat! An diesem Abend hatte er einem Angebot allerdings nicht widerstehen können und seinen Dienst getauscht… solche Glückfälle passieren aber leider nur viel zu selten.

Äußerst irritierend fand ich übrigens, die Gnädigste erkundigte sich jetzt bei meinem Herrn, ob er einen Paga möchte. So wirklich vorstellen konnte ich mir nämlich nicht, dass sie ihm ein Getränk servieren wollte und tatsächlich lag ihr dies auch gänzlich fern: „Ich wollte nur fragen, damit du deinem Herrn einen Paga holen kannst, Arya.“ Achsooo, sie hatte es gut gemeint, weil er zu müde aussah, um seinen Getränkewunsch zu äußern. Außerdem nahm sie offensichtlich an, es wäre kein Paga im Haus… ein absolutes Unding! Nun gut, wer sich aus sämtlichen Haushaltsangelegenheiten heraushält, hat vom Paga-Füllstand im angebrochenen Fass selbstverständlich keine Ahnung und dass ich das Zar-Gewinn-Fass schon vor einigen Tagen längst herangerollt hatte, hatte sie nicht mitbekommen.


Mein Herr behauptete an diesem Abend tatsächlich, zum Trinken zu müde zu sein, war etwas frischer Luft und einem kurzen Spaziergang allerdings nicht abgeneigt. Am Hafen angekommen beschloss er jedoch, sich vor der Taverne auf einen Paga deluxe niederzulassen, weil der nämlich immer geht. Außerdem gesellte sich der Brauereikrieger dazu. Der Herr war bestens gelaunt, da er neue Kundschaft gewinnen konnte. Zwar hatte er noch keinen Großauftrag an Land gezogen, doch der Wirt irgendeines Dorfes mit „K“, durch das der Brauer zufällig gekommen war, hatte Gefallen an seinem Paga und dem Ale gefunden. So ganz klar wurde mir jedoch nicht, ob dieser Ort im Norden oder eher nicht so weit nördlich liegt, allerdings wird dort gejarlt.

Interessant fand ich die Neuigkeit über ein demnächst in Belnend stattfindendes Fest mit Markt, sodass mein Herr einen Besuch überlegt. Auch die Gnädigste war davon sofort angetan und der Brauer schlug vor: „Vielleicht sollten wir dort aufschlagen… ist bestimmt lustig und wer weiß, in Belnend ist auch immer mal ein kleines Scharmützel möglich.“ „Ja, aber wenn wir aufschlagen, dann bitte nicht zu hart… das tut nämlich weh!“ gab mein an diesem Tag etwas zartbesaiteter Herr zu Bedenken und ergänzte noch: „Man muss vorsichtig sein und immer ein waches Auge haben, sonst macht man mit Pech einen Waldausflug. Der belnendsche Kommandant geht ja öfter in den Wald, hehe… glaube, der wird da gut versorgt. Aber ich lass mich lieber zuhause verwöhnen!“ Tja, besitzt eben nicht jeder eine Arya.

„Waldausflug“ war übrigens das Stichwort für die beiden Männer in Erinnerungen an Torcodino zu schwelgen, ihre frühere Heimat. Unsere Theatertournee vor vielen Märkten ging damals zwar auch durch die torcodinoschen Wälder, doch eine garstige Wilde namens Ixel mit Haaren auf den Zähnen war uns dort zum Glück nicht begegnet. Mein Herr und der Brauer waren sich übrigens einig, dass es diese zähe Person irgendwo bestimmt immer noch gibt. Wie gut, dass uns damals eine Begegnung mit ihr erspart blieb, denn das viele Rosa und die anderen nicht gerade gedämpften Farben im Teehaus, offensichtlich alles Lieblingsfarben der äußerst exzentrischen Besitzerin, war schon anstrengend genug gewesen. Allerdings dämpfte der Kuchen die Farbenpracht um einiges, denn meine frühere Herrin liebt Puddingzeugs & Co. nun mal über alles.

Unklar blieb leider, wer seinerzeit in den Wäldern von Torcodino auf wessen Schoß gesessen hatte… mein Herr auf dem dieser Ixel mit den behaarten Zähnen oder sie auf seinem. Letzteres sah ich als viel wahrscheinlicher an, denn dort sitzt es sich wirklich wundervoll, besonders wenn man von den starken Kriegerarmen meines Herrn so herrlich besitzergreifend umschlungen wird. Der Brauer lachte sich übrigens weg bei den Erinnerungen und behauptete, es sei anders herum gewesen. Mein Herr bezeichnete das Weib jedoch als Pickel an seinem Hintern und bestätigte damit sozusagen, dass er tatsächlich auf der Frau gesessen haben muss.

Leider gewann seine Müdigkeit nun allerdings schlagartig die Oberhand und seine Felle riefen lautstark nach ihm, sodass eine endgültige Klärung über „wer auf wem“ ausblieb... Schlaf ist selbstverständlich aber auch viel wichtiger! ;-) 

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