Sonntag, 12. März 2017

Ablauf doch nicht korrigiert

...und auch nicht soufliert.

Das Rätselraten darüber, wer denn nun die Zeremonie bei der Vertragsunterzeichnung für die Gefährtenschaft des Bauern mit seiner ehemaligen Kajira durchführen würde, eskalierte mit dem Bekanntwerden, dass mein Herr zu einer Zusatzwache eingeteilt worden war. Der Bauer äußerte sich weiterhin nicht, ob überhaupt, wann, wo und wie er sich alles vorstellte und auf dem Hof war auch keinerlei Betriebsamkeit für die Vorbereitungen eines anstehenden Festes ausgebrochen. 

Große Anerkennung und Lob gebührte allerdings der Wirtin, die mächtig auf zack gewesen war und ein bombastisches Büffet vorbereitet hatte

Zumindest für das leibliche Wohl der ahnungslosen Bewohner war also gesorgt. Trotz ihres feinen Kleids, in dem ich die Wirtin erst auf den zweiten Blick erkannte, war sie sich übrigens nicht zu fein, sämtlichen eintreffenden Freien ein Getränk zur Begrüßung zu reichen. 

Wobei alle dies wohl irgendwie auch nötig hatten, um sich bei den herrschenden Unklarheiten wenigstens an irgendetwas festhalten zu können.

Auch der zurzeit im Gasthaus wohnende Krieger, der mich zu meiner Freude fast wieder Dina genannt hätte, weil er mich sehr lange unter diesem Namen kannte, war anwesend und äußerte sein Bedauern, dass meine ehemalige Herrin nicht da war. Sie hatte seinerzeit auf Samanu nämlich die Zeremonie bei seiner Gefährtenschaft durchgeführt. Auch ich erinnerte mich an diesen Tag, vor allem an ihre Wortgewandtheit und ihr Improvistionstalent. Mit ihr hätte es das Herumeiern wegen der Ansprache bei dieser Vertragsunterzeichnung mit Sicherheit nicht gegeben. 

Ich verstand die Freien, alle aus hoher Kaste und selbst vergefährtet, ehrlich gesagt nicht… aber das muss ich zum Glück auch nicht und sie sind eben auch nur Menschen mit unterschiedlichen Veranlagungen. 

Mit dem Eintreffen des Landsitzkriegers und seinem Weib, der sich zu diesem Anlass übrigens sehr festlich, aber auch sehr ungewöhnlich in Schale geschmissen hatte, wurde beratschlagt, ob mit Blick auf das Büffet und die weiterhin unsichtbaren Hofbewohner der Ablauf nicht korrigiert werden sollte, denn die Speisen hätten auch ohne Vertragsunterzeichnung geschmeckt! Tja, doch wenn man vom Kur spricht… in der nächsten Ehn tauchten die Fastgefährten nebst Kajira auf, alle übrigens sehr bäuerlich gekleidet, nämlich in Braun und ohne jegliches Rot der Krieger. 

Oberirritierend fand ich, auch der Bauer eierte nun ohne Ahnung von irgendwas herum. Er hatte sich offensichtlich weder um das Wo für seine Zeremonie gekümmert, noch wer anstelle meines Herrn ein paar Worte sagen sollte, 

Da der Brauereikrieger und die Grüne weiterhin kniffen, beschloss er das Ganze selbst in die Hand zu nehmen. Oha, damit versprach solch eine meistens gähnend langweilige Zeremonie mal interessant zu werden. Der Brauereikrieger sah es offensichtlich genauso: „Uiihhh, eine neue Variante… spannend!“ Mist, schon in der nächsten Ehn machte der Landsitzkrieger mit seinem „oh, oh… ich fürchte, das können wir nicht gestatten“ sämtliche Spannung leider zunichte. 

Der Herr tat nämlich so, als ob die Initiative des Bauern gegen irgendwelche Regeln spricht und obwohl „so gar nicht vorbereitet“, erklärte er sich bereit die Zeremonie zu leiten. Falls ich das Murmeln der Gnädigsten richtig verstand, fiel ihr damit ein Stein vom grünen Herzen. Obwohl seit dem Vortag bereits bekannt, für welchen Wachdienst ihr Gefährte eingeteilt worden war, sah sie sich anscheinend zu keiner Ansprache in der Lage, wies allerdings darauf hin, dass der Rarius nicht dem Heimstein von Jorts Fähre angehört.

Aber das war wohl unwichtig, interessierte niemanden und den Landsitzkrieger sowieso nicht: „Ich bin Ubar und Kastenerster der roten Kaste gewesen und wenn es sein muss, nehme ich mir die Autorität für mein Handeln mit Stahl“. 

Nach seinem „…ich verfüge, dass wir die Handlung dort abhalten, wo wir den Priesterkönigen am nächsten sind!“ liefen alle sichtlich erleichtert zum Altar zwischen den beiden Zylindern der hohen Kasten in der Oberstadt.

Erstaunlicherweise wartete dort ein Verr darauf, endlich geopfert zu werden. Beim Abmurksen des Tiers war ich übrigens noch ganz dankbar, dass die bombastische Robe der nervös hin und her trippelnden Wirtin sich im Wind aufbauschte und mir komplett die Sicht verdeckte. 

Mit Beginn der Ansprache über die Absicht des Bauern, sich eine Gefährtin zu nehmen, verzog ich mich aber lieber neben den Krieger aus Samanu. Ich fand es nämlich spannend und wollte nicht verpassen, ob Hadi… neuerdings nennt sie sich ja Nina… nicht vielleicht doch noch Reißaus nimmt. Tat sie nicht, insofern ließ ich diese Zeremonie über mich ergehen, ohne wirklich zuzuhören.

Es folgte nämlich nur das Übliche über Zeugung von Nachwuchs, das Wachsen des Heimsteins, dem der Redner wie schon erwähnt ja genauso wenig angehört wie die neue Lady Nina und die typischen Ermahnungen der beiden Gefährten. Interessant fand ich erst wieder das Unterschreiben des Vertrags. Sowohl der Bauer als auch seine Zukünftige waren erstaunlicherweise zwar schreibkundig, doch hatte niemand an Tinte und Feder gedacht. Tja, selbstverständlich hat ein Krieger immer einen Plan B! Der Landsitzkrieger forderte die beiden nämlich auf, ihre Daumen in das Blut des Verr zu tauchen und sie anstelle Unterschrift auf das Vertragsdokument zu drücken.


Danach erklärte er sie zu Gefährten für die Dauer eines Umlaufes des Zentralgestirns und es ging zurück auf die Gasthausterrasse. Worum sich dort die Gespräche drehten, entging mir allerdings, da ich der Hofkajira selbstverständlich beim Bedienen der Gäste ihres Herrn half. 

Den Freien lief beim Anblick der leckeren Speisen offensichtlich zwar das Wasser im Mund zusammen. Doch außer dem Landsitzkrieger, der sich gleich über die Rippchen hermachte und dem Brauer, der sich auch nicht lange bitten ließ...
sondern sich als Vorspeise sofort ein Spießchen quer durch die Zähne zog und sich danach einen Teller vollpackte, sah sich anfangs anscheinend niemand zum Plündern des Büffets in der Lage, denn mein Herr hatte ja leider Wachdienst. 

Alle harrten erst einmal auf ihren Sitzkissen aus, bis die üblichen Trinksprüche durch waren und diverse Teller mit einer Auswahl der leckeren Speisen auf dem Tisch platziert. 

Später fanden einige aber doch noch den Weg zum Büffet… jeder Gang macht schlank und schafft natürlich Platz für weitere Bissen. Trotzdem blieb genug übrig, sodass ich für meinen Herrn einen hauptmannsmäßig gebergt vollen Teller mit nach Hause nehmen konnte! ;-))

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