Donnerstag, 30. März 2017

Die nicht vorhandene Hose voll

Wie befohlen, strickte ich der Gefährtin meines Herrn geringelte Wollstrümpfe und machte mich schließlich wegen der Kojen für die Schiffsreise zum Hafen auf. Alles klappte wie gewünscht, nur mein Herr und die Gnädigste tauchten nicht auf. Aber ok, ich war auch reichlich früh dran und somit bis zur Abfahrt des Schiffs noch genug Zeit für einen kleinen Abstecher zum Marktplatz. Dort fiel mir sofort auf, dass die Sklavenhändlerin an diesem Tag die Getränke zahlte, weil der Lampenballon über dem Eingang zum Brauereihof die Farben ihrer Kaste hatte.

Noch ganz versunken in die Überlegung, wie erfreut mein Herr darüber sein wird, war plötzlich die Stimme des Brauereikriegers zu hören: „Nadu… lange nicht gesehen, Arya!“ Ich hatte sein Herannahen überhaupt nicht bemerkt und sank erschrocken zum Gruß auf die Knie, kreuzte allerdings meine Handgelenke wie immer automatisch hinter dem Rücken. In der nächsten Ihn erst wurden mir die Worte des Herrn bewusst, sodass ich meine Haltung schnell änderte und irritiert nachfragte: „Heute nicht bracelets, Herr?“ 


„Was? Nein… hehe, ich meinte nicht die Pose, sondern sagte „na du!“ betonte der Brauer lachend sehr deutlich die beiden einzelnen Silben und erkundigte sich dann, was sich in der Stadt Neues getan hatte. Naja, viel gab es nicht zu berichten, denn wie herrlich milde die Temperaturen inzwischen geworden waren, hatte der Krieger bereits bemerkt und zeigte wieder Bein. Ein wirklich toller Anblick, der jedoch von hauptmannsmäßigem Gebrüll unterbrochen wurde, als mein Herr grüßend um die Ecke der Brauerei bog... alleine, ohne seine Gefährtin.

Die Gnädigste hatte anscheinend keine Lust zum Reisen… warum auch immer. Doch wie schön, der Brauereikrieger entschloss sich meinen Herrn zu begleiten, der mir nun breit grinsend befahl: „Arya, du wirst dir die Koje mit dem Brauer teilen!“ Wow… obwohl ich mich natürlich am liebsten an meinen Herrn gekuschelt hätte, war ich trotzdem sofort schwer begeistert. Nachdem schnell noch die Freigetränke auf Kosten der Sklavenhändlerin verstaut waren, legte das Schiff auch schon ab und ohne irgendwelche Zwischenfälle erreichten wir schließlich wohlbehalten zu sehr früher Ahn unser Ziel am Laurius. 


Genau wie zuhause hatte komischerweise auch in Kafal jemand das Tor weit offen stehen lassen, sodass wir ungehindert durch das ausgestorben wirkende Dorf bis zum Wirtshaus laufen konnten. Wegen der frühen Ahn schliefen vermutlich alle Bewohner noch, denn es war noch dunkel. Trotzdem keimten Befürchtungen in mir, es könne etwas passiert sein und lag damit auch nicht komplett verkehrt. Die auftauchende Fischerkajira erzählte nämlich, dass der Wirt von Waldweibern umgebracht worden war und die Taverne samt Bäckerin an seinen Bruder vererbt hatte… der will das Weib anscheinend gefährten. Damit auf dem aktuellen Stand der neuesten Dorfneuigkeiten, war nun der richtige Zeitpunkt gekommen, mit dem Grund unseres Besuchs herauszurücken.

Da mein Herr und der Brauer die Sklavin des Fischers mit ihrem Herrn auf dem Markt in Belnend gesehen hatten, erkundigten sie sich bei ihr nun, ob sie sich vielleicht an das Gespräch meines Herrn dort mit den Nordleuten über einen Glaser erinnerte. Doch leider hatte das Mädchen davon nichts mitbekommen und fing stattdessen an, von einer Karte zu tüdeln und Schiffen, die zu irgendeiner Insel starten, wo sich Gold befinden soll, hinter dem anscheinend halb Gor her ist, sodass mein Herr ungehalten brummte: „Ich brauch kein Gold… zumindest jetzt nicht! Ich will einen Glaser, auch wenn ich dafür ganz Gor absuchen muss!“


Leider kam mein Vorschlag, vielleicht lieber einen Maurer zum Zumauern des Wandlochs zu suchen, weil der womöglich schneller zu finden ist, überhaupt nicht gut an bei meinem Herrn: „Arya, wir mauern nichts mehr zu!“ Ungefragt kommentierte die Fischerkajira: „Also ich finde es romantisch, wenn man nachts in den Sternenhimmel schauen kann!“ Tja, offensichtlich hatte sie jedoch nicht damit gerechnet, dass mein Herr nun prompt überlegte, ob er das vorlaute Ding zum Schließen des Wandlochs mitnehmen sollte und mir kam sofort ein altes Waffenputztuch als Knebel in den Sinn, damit sie nicht zu allem und jedem ungefragt ihren Senf dazu gibt.

Offensichtlich hatte die Kajira nun schlagartig ihre nicht vorhandenen Hosen gestrichen voll. Sie stotterte nervös etwas von Seefahrerlook und versuchte meinem Herrn ein altes Segel zum Verschließen der Öffnung anzudrehen… natürlich konnte sie nicht wissen, dass er es nicht mit Maritimem hat und fast schon beim Gedanken an eine Schiffsreise seekrank wird. Glück für sie, dass mein Herr sich nun mit der auftauchenden Bäckerin unterhielt, die einen ihr bekannten Handwerker wegen des Fensters ansprechen will und außerdem ein Norddorf namens Helvegen nannte, wo er vielleicht einen Glaser findet. Oha, tat sich da womöglich ein kleines Licht im unverglasten Wanddurchbruch auf? Naja, mal abwarten.


Dem schließlich eintreffenden Fischer eröffnete mein Herr übrigens sofort den Wunsch seiner Sklavin ihn zu begleiten, da sie doch so gerne den jortsschen Sternenhimmel sehen möchte. Ihr Herr winkte aber ab… für ihn waren merkwürdige Wünsche bei seiner Kajira offensichtlich nichts Neues. Als mein Herr ihm als Leihgebühr jedoch ein Fass Paga anbot, kam er allerdings ins Grübeln: „Das werde ich mir durch den Kopf gehen lassen, aber dann brauche ich eine Ersatzkajira für die Zeit der Leihe.“ Seine Vorstellungen… ohne Überbiss, spuckfreie Aussprache, kochen muss sie können und ihm grätenfrei in den Fellen dienen, damit nichts piekt.

Mit Blick in meine Richtung fragte er meinen Herrn schließlich interessiert, ob ich in Frage käme oder von weißer Seide bin und er noch ein gewisses Fenster öffnen und mir Nachhilfe in den Fellen geben muss. Mein Herr lachte schallend und ich glaube, das Fischermädchen murmelte, dass das Gespräch nun wieder beim Fensterthema angelangt war. Allerdings konzentrierte ich mich inzwischen natürlich darauf, mich ihrem Herrn möglichst vorteilhaft zu präsentieren, der mich unter der breiten Krempe seines Huts jetzt sehr durchdringend musterte. Die Begutachtung des Fischers erfolgte übrigens nicht nur eingehend mit Blicken, sondern auch durch Befühlen mit rauen Fischerfingern, nachdem er mich zu sich befahl.


Ich erhielt aber auch ein paar Erklärungen über das Abschuppen von Fischen und legte mich selbstverständlich mächtig ins Zeug, meinem Herrn Ehre zu bereiten, bis ich schließlich zu ihm zurückgeschickt wurde. Auf seine Frage an den Fischer, wie ich ihm gefalle, kam schmunzelnd: "Gut sieht sie aus und wahrscheinlich hast du Recht, dass sie die ein oder andere Münze wert ist. In den nächsten Tagen werde ich meine Kajira aber noch brauchen… vielleicht nehme ich im Tausch deine Sklavin, sie scheint nicht gerade dumm zu sein und wenn sie auch noch fleißig ist?“ „Das ist sie“, erwiderte mein Herr, wurde nun aber von der vorlauten Plapperkajira unterbrochen.

„Ist sie gar nicht! Sie hat ins Gras gespuckt, als sie die Fässer vom Wagen heben sollte und gesagt, dass sie das nicht macht...“, petzte das dumme Ding, um mich schlecht dastehen zu lassen, weil ihre Angst vor der Leihe wohl immer größer wurde und ihre nicht vorhandenen Hosen vermutlich schon am überlaufen waren. Sie hatte wirklich keine Ahnung von nichts, aber woher hätte sie auch wissen sollen, dass ich normalerweise immer mit anpacke und zwar ohne Befehl und egal wobei. Ich ließ die Unterstellungen aber einfach von mir abprallen und hütete mich, dieser Petze kontra zu geben. Weniger ist manchmal nämlich mehr, zumal mein Herr mich in Schutz nahm… er mag nämlich nicht wie Luft daneben stehen, wenn jemand wie selbstverständlich einfach über seine Sklavin befiehlt. :-)

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