Dienstag, 7. März 2017

Ein Dorf mit „K"

…wie Kuchenkreationen oder einfach Kafal

Erst spät am Abend waren wir aus Belnend zurück und mein Herr befahl: „So Arya… es ist Zeit zum Schlafen. Du schläfst heute unten in der Küche. Dreh dich um, damit ich dir die Hände fesseln kann.“ Ergeben nahm ich hin, wonach ihm offensichtlich der Sinn stand… einer Demonstration seiner Macht über mich, dass er mit mir machen kann, was ihm beliebt und vor allem, dass ich ihm gehöre. An diesem Abend schnappten nicht nur die engen Sklavenfesseln um meine Handgelenke zu, sondern auch um meine Knöchel. Außerdem band mein Herr mir ein Tuch über die Augen, knebelte mich und kettete mich schließlich an den Sklavenring.

Am nächsten Tag hatte sich seine Meinung über meine Hilflosigkeit offensichtlich geändert. „Arya, was hockst du hier in der Ecke herum? Wir haben etwas zu tun… zieh dich an!“ Mit diesen fast ein wenig unwirsch klingenden Worten löste er meine Fesseln und ermöglichte mir ohne Knebel endlich, ihn erst einmal zu begrüßen. Danach konnte ich mir nicht verkneifen zu erwähnen, dass mir gefesselt, geknebelt und blind nichts anderes möglich gewesen war, als dort stumm zu knien und mich in Geduld zu üben. 

„Nun Arya… genau das wollte ich. Aber nun such mal den Brauereibesitzer und frage ihn, ob er reisefertig ist!“ Oha, wir gingen schon wieder auf eine Reise? Selbstverständlich beeilte ich mich nun, mir eine Tunika überzustreifen und Richtung Brauerei zu laufen, wo ich den Krieger beim Aufladen diverser Fässer mit Paga und Ale auf seinen Karren antraf. Der Bosk war bereits angespannt, sodass es losgehen konnte… diesmal Richtung Norden. Unser Ziel war ein kleines Dorf am Laurius namens Kafal, dessen Wirt bei einem Besuch in Jorts Fähre Geschmack an den hiesigen Brauereierzeugnissen gefunden hatte. 

Die Reise verlief ohne Zwischenfälle und am Laurius lag erfreulicherweise kein Schnee. Nicht ganz so erfreulich war das Zugvermögen von Klaus-Bärbel vor dem Brauereikarren und mein Herr kündigte vorsorglich an, er würde nicht schieben, sollte der feststecken. Der Empfang im Dorf war sehr herzlich, nur das blöde Bosk-Viech wollte den letzten Hang nicht so wirklich hoch, sodass der Brauer hinter dem Tor vom Bock sprang und mir in seiner unnachahmlich charmanten Art den Befehl gab: „Arya, du lädst die Fässer ab… spuck schon mal in die Hände, der Wirt hat je zwei Fässer Ale und Paga bestellt!“ Verdattert wie ich war, sah ich vermutlich dem Bosk jetzt ziemlich ähnlich und machte erst einmal gar nichts. 


Freundschaft mit meinem Herrn hin oder her… warum tat der Brauer so, als ob mein Herr Luft war? Ich bin wirklich immer hilfsbereit und dass ich nur eine Kajira bin, die Befehle von Freien auszuführen hat, ist mir ebenfalls klar. Doch hier handelte es sich um ein Geschäft des Brauers, für das nicht mein Herr bezahlt wurde, sondern sich der Geldbeutel seines Freundes füllen würde, dessen eigene Kajira auf dieser Auslieferungsreise übrigens nicht dabei war. Irritiert blieb ich hinter meinen Herrn stehen, den er nicht mal gefragt hatte, ob er mich ihm zur Verfügung stellt und spuckte nicht in meine Hände, sondern ins Gras.

Mein Herr war von dem dreisten Befehl des Brauereikriegers offensichtlich nicht angetan: „Arya, ich möchte nicht, dass du Rücken bekommst. Entweder dir wird beim Abladen geholfen oder du lässt es.“ An seinen Freund gewandt, erkundigte er sich: „Warum hast du deine Kajira nicht mitgenommen? So ein Fass ist zu schwer für eine Sklavin alleine!“ Doch der Brauer mopperte weiter: „Bei allen Göttern… das wird doch zu bewerkstelligen sein, die paar Fässer da hoch zu rollen… also nur Mut Mädels und in die Hände gespuckt!“ Inzwischen sah es zum Glück nach Hilfe aus, denn eine neugierige Dorfkajira hatte sich dazu gesellt.


„Sicher ist das zu bewerkstelligen, jeder nimmt ein Fass… du nimmst auch eins und ich auch“, grinste mein Herr den Brauer an und machte Anstalten, die Fässer abzuladen. Doch der Hüne begann nun mit seiner wehleidigen Tour und jammerte: „Ich hab Rücken und die holprige Fahrt tat ihr übriges… die schwerste Arbeit hab ich ja schon gemacht.“ Peinlich, aber der Kerl rührte wirklich keinen Finger und kümmerte sich einen Sch…dreck um seine Lieferung! Immerhin bequemte er sich nach meinem Vorschlag gnädig, Klaus-Bärbel den Karren noch ein ganzes Stück den Hang hinauf Richtung Wirtshaus ziehen zu lassen, äußerte dabei aber lautstark Befürchtungen, deswegen Ärger mit der Boskschutzvereinigung zu bekommen. 

Danach stolzierte er davon, um sich ein gutes Plätzchen auf der Tavernenterrasse zu suchen und „nach der Plackerei erst mal durch zu schnaufen“. Mir stellte sich bei dieser Aktion jedenfalls die Frage, zeigten sich hier Symptome einer Ale-Unverträglichkeit und der oberfaule Kerl verträgt sein Lieblingsgetränk nicht mehr? Doch behielt ich meine Überlegungen selbstverständlich für mich und dachte nur stumm darüber nach, während ich eines der Fässer hinter meinem Herrn Richtung Taverne rollte. Da es für den überaus freundlichen Wirt kein Thema war, sich um das Abladen der letzten Fässer zu kümmern, ging es nun zum gastfreundlichen Teil über.


Wir erfuhren, der Wirt war gleichzeitig Bäcker und hatte sich mit der Frau zusammengetan, die vor einiger Zeit in Jorts Backwaren angeboten hatte. Gastfreundschaft wird in diesem kleinen Dorf groß geschrieben und hohe Kasten gibt es dort nicht… keinen Schutz durch Krieger und keinen Heiler oder Schreiber. Die Dorfbewohner sind bei Überfällen ganz auf sich alleine gestellt und mussten sich schon mehrfach mit Angriffen irgendwelcher Waldweiber abärgern. Mein Herr bot den freundlichen Leuten selbstverständlich sofort die Unterstützung der jortsschen Krieger gegen solche Plagen an und erhielt im Gegenzug ein oberleckeres Angebot… die Lieferung von Backwaren, die nun sehr reichhaltig zum Probieren aufgefahren wurden. 

Der Bäckerwirt backt nämlich herzhaftes Brot mit Boskfleisch oder helles mit Trauben, Teigrollen mit Pagacreme, Rambeerkuchen und außerdem Zimtschnecken. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen, denn mein Herr erlaubte mir alles für ihn vorher zu probieren, weil er von seiner Probiersklavin natürlich wissen wollte, auf was er sich da einließ. Die Pagacreme-Rollen fand ich nicht so überzeugend, aber der Rambeerkuchen und auch die Zimtschnecken hatten es mir gewaltig angetan. Am besten schmeckte alles übrigens beim zweiten und dritten Bissen, denn meinem Herrn war es selbstverständlich sehr wichtig, auf Nummer sicher zu gehen… nicht auszudenken, wenn meine Gourmetzunge mich hinters Licht geführt hätte und nur der erste Happen wäre lecker gewesen!


Ein bisschen gejarlt wird in diesem Dorf allerdings auch, denn es gesellte sich schließlich noch ein weiterer Herr dazu, der als Dorfjarl und Fischer vorgestellt wurde. Aber vielleicht kann man über das Gejarle auch hinweg hören. In Anbetracht der gebackenen Köstlichkeiten, fand ich den Vorschlag meines Herrn jedenfalls sehr angebracht: „Vielleicht solltest du deine Terrasse erweitern, wenn ihr regelmäßig Besuch bekommt?“ Viele Sitzgelegenheiten gab es dort nämlich nicht und es war ziemlich eng um den Tisch herum. Nach dem ersten Besuch meines Herrn in diesem Dorf bin ich mir nämlich fast sicher, es war bestimmt nicht sein letzter! ;-)

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