Montag, 6. März 2017

Ein Kalana der besonderen Art…

…lässt leider weiter auf sich warten und ein glasernder Handwerker auch.

„Arya, zieh dir mal etwas an, sonst denken alle ich bin arm. Wir gehen auf den Markt in Belnend. Vielleicht haben wir dort Glück und finden einen Handwerker, der uns im neuen Haus das Fenster verglast.“ Nur logisch, dass ich nach dieser Ankündigung ein Kleidungsstück wählte, in dem meine weiblichen Vorzüge gut zur Geltung kamen und mein Herr oder andere Freie sich trotz des roten fast Nichts noch an meinem wenig bedeckten Sklavenkörper erfreuen konnten. 


Mir gefiel übrigens sehr, dass mein Herr für die Reise an meinem Kragen eine Kette samt Schloss befestigte, bevor wir zum Hafen liefen, um dort auf den Sattler und seine Kajira zu warten. Da nicht ganz klar war, ob der Herr tatsächlich mitreisen wollte, schlug ich vor, ich könnte schnell zu seinem Haus laufen, um dies in Erfahrung zu bringen. Doch der Sattler tauchte mit Laya auf, kaum dass mein Herr wundervoll besitzergreifend bestimmt hatte: „Nein, nein… die Kette bleibt wo sie ist und du auch, Arya.“ 

Am Schiffsanleger von Belnend trafen wir vollkommen überraschend auf die jortssche Wirtin, die dort mit einer Wilden gerade über einen Kajirus verhandelte. Der Preis für den Kerl betrug bei unserem Eintreffen 5 tote Nordmänner... eine äußerst merkwürdige Forderung, die mein Herr auch sofort als Unding bezeichnete, denn wer handelt mit Toten? Auch der Sattler war sichtlich irritiert und wies darauf hin, wie schnell solch ein Zahlungsmittel gammelt und stinkt, für ihn aber als Bezahlung für seine Lederarbeiten selbstverständlich sowieso nie in Frage käme. 

Die Verhandlungen waren offensichtlich nicht nur für mich nicht nachvollziehbar und ich war wirklich erleichtert, dass mein Herr den Sattler bald aufforderte: „Komm, dieses Geschäft geht uns nichts an... hehe, ich handel sowieso nicht mit Toten!“ Zum Glück verließen wir den Schiffsanleger für mich gerade noch rechtzeitig und machten uns in die Stadt auf, nämlich bevor sich mein bereits gefährlich krampfender Magen endgültig umdrehte bei dem ekeligen Gespräch über das Verspeisen von Menschenfleisch, das die Wilde gerade als sehr schmackhaft anpries. 

Puhhh… in Belnend war schreckliches Gedrängel, das für Märkte typische Musikantengedudel fehlte auch hier wieder nicht und zusätzlich herrschte solch ein Stimmengewirr, dass man kaum sein eigenes Wort verstand. Trotzdem war die Stimme des belnendschen Kommandanten deutlich heraus zu hören, der sich gerade darüber ausließ, wie er einen Verletzten vor den Toren seiner Stadt aus dem Wasser gefischt hatte und dem Mann mit Übungen auf dessen Brust sowie Atem aus seinen eignen Lungen dazu verholfen hatte, die halbe Thassa wieder heraus zu würgen.


Mein Herr schob sich sofort durch die Menschenmassen in Richtung des Kommandanten, denn noch hatte er die Hoffnung auf den seinerzeit beim Wagenrennen versprochenen, von diesem Krieger persönlich servierten Kalana nicht aufgegeben. Erst vor einigen Tagen hatte ich ihn als seine Erinnerungskajira an diesen noch ausstehenden Wein der ganz besonderen Art erinnert und war wirklich sehr gespannt darauf, da ich noch nie erleben durfte, wie der Befehlshaber einer Stadt dem Hauptmann einer anderen Stadt einen Kalana serviert. Trotz des Gedrängels auf dem Marktplatz, entdeckte übrigens auch der Kommandant meinen Herrn und ebenfalls den Sattler.

Er begrüßte beide sichtlich erfreut und nannte mich wie immer „Dina“, denn ein Freier kann eine Kajira nennen wie er will, auch wenn mein Herr ihn deswegen später als „nicht lernfähig“ bezeichnete. In Sachen Glaser konnte der belnendsche Kommandant leider jedoch nicht weiterhelfen und wurde auch bald durch lautes Gebrüll zur Stadtmauer gerufen, wo irgendjemand anscheinend das Tor herunter gelassen hatte. Während mir klar wurde, dass es außer einem Zimmermann auf diesem Markt keine Handwerker gab, entschieden mein Herr und der Sattler, sich ein wenig aus dem Trubel zurückzuziehen, da man bei dem Wortschwall etlicher Freier und Unfreier kaum sein eigenes Wort verstand.

Sie ließen sich etwas abseits auf einer Bank nieder und mein Herr erkundigte sich: „Sattler, was hältst du davon, wenn wir uns von unseren Mädchen etwas zu trinken und zu essen holen lassen?“ Letzterer war von dieser Idee natürlich sofort angetan. Da meine frühere Herrin einige Zeit in Belnend gewohnt hatte, kenn ich mich im Gasthaus dieser Stadt eigentlich noch ganz gut aus, war aber erfreut über die Hilfsbereitschaft einer dunkelhäutigen Kajira, die Laya und mich nun darüber aufklärte, was es an Speisen gab, sodass wir für das leibliche Wohl unserer Herren bestens sorgen konnten. Wegen der gigantisch hohen Wucherpreise in Belnend und des vom Kommandanten nicht servierten, kostenlosen Kalanas, bestellte mein Herr allerdings nur einen Becher Paga.

Ich bekam von seinem leckeren Essen wie immer etwas ab und auch der Sattler verfütterte etliche Happen an Laya, während er meinem Herrn erzählte, dass er keine mageren Kajirae mag und die außerdem nur schlechte Preise bringen. Args… wie erwartet wurde mein Herr sofort hellhörig und bekundete sein grundsätzliches Kaufinteresse an dieser Sklavin. Ich gestehe, die Sattlerkajira nun eingehend musternd verging mir ein wenig der Appetit, denn mit ihren großen Brüsten kann ich leider nicht mithalten. Doch das ließ ich mir selbstverständlich nicht anmerken, zumal Laya zurzeit auch nicht verkauft werden soll. Stattdessen strahlte ich meinen Herrn an, weil er mir nun erlaubte, die Reste seines Essens zu verputzen.


Als es auf dem Marktplatz irgendwann etwas ruhiger geworden war, schickte mein Herr mich noch einmal wegen eines Glas-Handwerkers los. Selbstverständlich nahm ich das Geschirr gleich mit zum Gasthaus, stellte Teller und Becher allerdings nur schnell neben der Spüle ab, denn von draußen war sehr laut die Stimme des Kommandanten zu hören: „Dina? Hab ich da gerade Dina vorbeilaufen gesehen? Dinaaa??“ Eilig flitzte ich zu ihm. „Sag mal, Dina... ist dein Herr noch in der Stadt? Ich musste vorhin doch zum Tor und habe ihn schon gesucht, denn als ich zurückkam, war er nicht mehr da.“ Natürlich war mein Herr noch in Belnend… er würde mich doch nicht alleine zurücklassen, wenn er sich auf den Heimweg macht! Leider wurde an diesem Tag jedoch nichts mehr aus der Fortsetzung des Gesprächs zwischen den beiden Kriegern.

„Dina? Jetzt sehe ich dich erst… schön, dass ihr uns besucht“, lachte nun auch der Krieger neben dem Kommandanten, bei dem es sich um einen meiner früheren Herren handelte. Auch ich freute mich, ihn nach seinem Besuch vor kurzem in Jorts Fähre so bald schon wiederzusehen. Ich erzählte den beiden noch, wo sich mein Herr aufhielt, wurde dann aber entlassen, um mich auf die Handwerkersuche zu machen. Lustig fand ich übrigens die Bemerkung meines früheren Herrn zum Abschied: „Pass auf dich auf, Süße!“ Ich lächelte ihn an und erwiderte kess: „Das tue ich immer, Herr. Auch eine Kajira ist sich selbst nämlich manchmal die nächste… obwohl sie nur eine Kajira ist!“ Inzwischen hatte ich es aber wirklich eilig, wegen des gesuchten Handwerkers weiter zu kommen.

Ich hoffte, den Zimmermann auf dem Markt zu entdecken, den ich bei unserer Ankunft gesehen hatte und dass er mir vielleicht helfen konnte. Insofern verkniff ich mir meine Frage nach dem Hinweis des Kommandanten an die beiden neben ihm knienden Kajirae zum Aufpassen: „Soso, das merkt ihr beide euch mal nicht. Nur um das gleich klar zu stellen… Arya ist schon sooooo alt, da kommt es zu Verschleißerscheinungen!“ Zum Glück schaffte ich es, mich bei der Rückfrage der dunklen Sklavin "was meinen Herr? Arya kaputt?" noch zu beherrschen und begann erst zu grinsen, nachdem ich mich umgedreht hatte und mit sanft wiegenden Hüften bereits über den Marktplatz lief. Meine Suche nach dem Zimmermann blieb jedoch leider vergeblich.

Darüber war mein Herr natürlich nicht erfreut, hatte aber wohl auch nicht wirklich damit gerechnet, einen Glaser zu finden. Er verstand übrigens genauso wenig wie ich, welche Verschleißerscheinungen der Kommandant an mir gesehen hatte und meinte zum auf mich Aufpassen nur: „Hehe… ich bin ja dafür da, um auf dich aufzupassen, Arya!“ Oh ja und wie… gleichzeitig packte er mich nämlich mit festem Griff am Kragen und befestigte erneut die Kette daran, damit ich ihm nicht abhanden komme. ;-)))

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