Mittwoch, 22. März 2017

Geschäft der Geschäfte...

...oder nur eine Pagaidee?

Die abschließende Prüfung auf der Schulung absolvierte mein Herr mit riesigem Erfolg. Trotzdem war ich mir unsicher über seine Laune, als ich ihn oben im Haus brummen hörte. Er hatte nach unserer Heimkehr nämlich eine Sitzung mit überreichlich Blablabla von Leuten über sich ergehen lassen müssen, die sich gerne selbst reden hören. Daher erschien es mir ratsam, mich mit dem Abwasch erst einmal nicht sonderlich zu beeilen. Etwas weniger präsent zu sein, ist manchmal nämlich nicht verkehrt und ganz besonders zu empfehlen, wenn mein Herr seiner Gefährtin gegenüber gerade behauptet, ich traue mich nicht nach oben, weil ich vermutlich irgendetwas angestellt habe… pahhh, das hatte ich selbstverständlich nicht! 

Erstaunlich schnell tauchte er dann jedoch auf leisen Kriegersohlen in der Küchenecke auf und patschte mir mit flacher Hand auf den Hintern, sodass ich mich erschrak, denn ich hatte ihn nicht kommen hören. Doch ansonsten war alles wie immer, nämlich gut und außerdem war inzwischen frische Luft angesagt. Es ging zum Hafen. Kaum hatte sich mein Herr dort allerdings auf einem der Sitzfässer vor der Taverne niedergelassen und mir klar gemacht, dass Selbstzahler Tag ist, es ihn also nach einem Paga gelüstete, teilte er mit: „Ich habe übrigens etwas bestellt… einen Minisleen, den man im Haus halten kann.“ Ich war entsetzt und glaubte mich verhört zu haben, denn warum, wozu und wofür sollte so ein Viech gut sein und dann auch noch im Haus!?!

Der Gnädigsten schien es ähnlich zu gehen. „Einen was? Tut der womöglich Lilly etwas an? Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?“ erkundigte sie sich, besorgt um ihr Schoßgianni. Tja, es blieb unklar, ob faule Stubengiannis auf dem Speiseplan dieser Sleens stehen und zum Glück ebenfalls, ob es überhaupt mit dem Kauf eines solchen Viechs klappen wird. „Nun ja… ich habe in Torcodino so einen Minisleen gesehen und dachte, die Anschaffung ist eine gute Idee. Noch ist aber nicht sicher, ob wir überhaupt einen bekommen. Die sind nämlich selten und sehr teuer, haben eine lange Warteliste“, berichtete mein Herr weiter. Puhh, hierzu meine Klappe zu halten, war ein wirklich hartes Stück Arbeit für mich, denn mir schwante natürlich, wer sich um das Tier wird kümmern müssen.

Mit konzentrierter Musterung der Fugen zwischen den Planken vor meinen Knien und einem Stoßgebet an die Priesterkönige klappte es jedoch ohne weitere Kommentare mit meiner wohlerzogenen Seite. Ein wenig gegen den in mir keimenden Frust half auch die durch meine Haare kraulende Hand meines Herrn. Wobei ich mich diesem Genuss nur teilweise hingeben konnte, war ich doch viel zu sehr in Aufruhr, sollte er tatsächlich einen Minisleen anschaffen. Die Priesterkönige müssen mich offensichtlich jedoch erhört haben, denn die Gnädigste hatte eine eigene Meinung, sagte diesmal nicht wie sonst immer „deine Entscheidung mein Gefährte“, sondern bezog tatsächlich mal Stellung und das auch noch ganz in meinem Sinne. Grundsätzlich schon gegen einen solchen Kauf, lehnte sie ihn noch mehr ab, nachdem mein Herr mit seinem Plan dazu herausrückte.

Die Viecher kosten zwischen 3 und 4 Gold, also ein echtes Vermögen, werden aber wenn sie ausgewachsen sind, anscheinend für 5 Gold gehandelt. Die Überlegung meines Herrn war nun, er kauft für die Zucht ein Pärchen dieser Minisleens und wird durch den Verkauf des Nachwuchses steinreich. Er hatte jedoch nicht mit den stichhaltigen Argumenten seiner Gefährtin gerechnet: „Wer soll sich um all das kümmern? Du? Ich jedenfalls nicht… das mal gleich vorweg. Ich finde, das ist keine gute Idee, mein lieber Gefährte!“ Wow, ich war schwer beeindruckt von der Gnädigsten, die erstaunlich energisch widersprach… so hatte ich sie noch nie erlebt und mein Herr offensichtlich auch nicht. Er kam tatsächlich ins Grübeln: „Nein, ich kenn mich auch nicht aus mit der Minisleen-Zucht, sehe ich so aus? Hmm… hmm… Arya hat schon viel zu tun… ja, was machen wir denn da?“


In dieser Ehn gesellte sich der Lederarbeiter dazu. „Ahh, tal Sattler, gut das du da bist! Ich brauch mal deinen Rat… du bist doch welterfahren und so“, begrüßte mein Herr ihn, zog mich gleichzeitig wundervoll dicht zu sich heran und spannte den ahnungslosen Handwerker auf die Folter, indem er eine Weile um den heißen Brei herum redete. Kurz bevor der Zeitpunkt erreicht war, dass der interessierte Blick des Sattlers so wie bei der Gnädigsten in einen genervten überzugehen drohte, der übrigens zusätzlich noch von ihrem abgrundtiefen Seufzen begleitet wurde, rückte mein Herr schließlich in verschwörerischem Tonfall mit diesem Geschäft der Geschäfte heraus, mit dem angeblich so viel Geld zu verdienen ist. 

Prompt löcherte der Sattler ihn mit Fragen: „Was sind denn Minisleens? Sowas kenn ich nicht. Wozu sollte man die züchten? Was können die überhaupt und warum sollte die jemand für 10 Gold kaufen? Schmecken sie wenigstens? Also ich halte das für eine Pagaidee!“ „Die freien Frauen in Ar sollen total interessiert sein, weil diese Sleenart klein bleibt, stubenrein wird, im Haus gehalten werden kann, sich ankuschelt und Stöckchen holt… die sind quasi sowas wie Präsentiersklavinnen, nur in Minisleenform!“ versuchte mein Herr den Sattler von einer Investition in das Geschäft zu überzeugen, das in meinen Augen auf einer Beschäftigungstherapie basiert für unausgelastete freie Frauen, vor allem Gefährtinnen. Doch der Lederarbeiter blieb vollkommen desinteressiert bei seiner Ablehnung.

Ausnahmsweise schloss sich die inzwischen eingetroffene Schreiberin der Meinung des Sattlers und der Gnädigsten an, obwohl sie sonst ja grundsätzlich mit dem Herrn herum zickt und alles besser weiß. Naja, sie war anscheinend durstig und durch die Musterung meiner Kleidung abgelenkt. Bevor diese Obertrockenpflaume mir nämlich erlaubte, ihr ein Getränk zu servieren, war es selbstverständlich wichtig zu prüfen, ob sie dabei nicht in Gefahr geriet, wegen zu viel sichtbarer Haut Schnappatmung zu bekommen. Außerdem verlangte sie nach Essen in Form herzhafter Pasteten. 

Pech nur für ihren Hunger, als wohlerzogene Kajira, die stets um das Beste für Freie bemüht ist, fühlte ich mich verpflichtet, ihr vom Verzehr abzuraten, da mir die Frische sämtlicher Lebensmittel in der Taverne äußerst suspekt war. „Hauptmann? Ist es für dich in Ordnung, wenn Arya vorkostet?“ erkundigte sich Blaue nach meinem Hinweis bei meinem Herrn, der allerdings nicht einverstanden war, sondern vorschlug, ich könne Fenris an den Pasteten schnuppern lassen. 

Hach, mir wurde vor Dankbarkeit für seinen Schutz ganz warm ums Herz, während sich die Gesichtsfarbe der Blauen grünlich verfärbte. Der Gedanke an alles, was dieser Sleen frisst, egal ob vergammelt oder nicht und besonders sein ekeliges Gesabber dabei, ließ den Hunger der Schreiberin anscheinend schlagartig verpuffen: „Mir ist gerade der Appetit vergangen… dann nur Kalana für mich, Arya.“ Nicht verpuffte jedoch meine Sorge um das Wohlergehen dieser ungesund verfärbten Frau.

Tja, mein Vorhaben klappte zwar bestens, denn die Gesichtsfarbe der Blauen wurde tatsächlich wieder rosiger, leider kam mein Tun bei dem Weib aber gar nicht gut an. Um ihren Kreislauf auf Touren zu bringen, hatte ich in der Taverne den Stoff meiner Kleidung so zurück geschoben, dass noch ein bisschen mehr nackte Haut zu sehen war, bevor ich nach draußen lief und der Freien ihr Mixgetränk servierte. Von grünlicher Blässe war nun auch umgehend nichts mehr zu sehen, als sie mir tief durchatmend den Kelch abnahm: "Danke Kajira, aber du musst dich nicht halb ausziehen, um einer Dame zu servieren." Leider brachte meine Erklärung rein gar nichts, dass ich dies doch nur in bester Absicht zur Kreislaufförderung getan hatte.

Im Gegenteil, meine Bemühungen führten zu undefinierbarem Schnauben, bevor sie meinen Herrn wütend anknurrte: "Hauptmann, du solltest dein Ding an die kurze Leine nehmen. Sie hat ihre Brüste fast freigelegt, um meine Gesichtsfarbe aufzufrischen!" Der Sattler bestätigte übrigens grinsend, wie gut mein Vorhaben tatsächlich gelungen war und dass die Schreiberin nun wieder viel schöner aussah. Doch das ignorierte die Blaue und mein Herr brummte unheilvoll: „Ich werde mich darum kümmern, Schreiberin“. Ich musste eine unbequeme Nacht an einem der Sklavenringe unten im Haus mit kaum Schlaf verbringen und hatte entsprechend viel Zeit zum Nachdenken.

Komischerweise schlief ich über meinen Gedanken an flotte Verdauung dann aber doch ein und träumte Lustiges, nachdem ich mir überlegt hatte, ob ich mir in Zukunft um das leibliche Wohl dieser Frau vielleicht ein paar Gedanken weniger machen sollte? ;-)

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