Montag, 27. März 2017

Geträumt oder wahr?

Die letzten Tage waren geprägt von den vielen späten Wachen meines Herrn und des Brauereikriegers, die wegen einiger krankheitsbedingter Ausfälle bei den Kriegern erforderlich geworden waren. Aber ok, die Sicherheit des Heimsteins steht selbstverständlich über allem. Es war insgesamt zum Glück sehr ruhig gewesen in der Stadt ohne irgendwelche Vorfälle, da etliche Bewohner auf Reisen waren oder mit was auch immer beschäftigt und somit Kissen platt sitzen in geselliger Runde im Gasthaus oder vor der Taverne den schönen Blick über den Vosk genießen nicht angesagt. Mir gefielen die Ahn aber natürlich sehr, die ich trotz seiner Dienste zuhause mit einem Herrn verbringen durfte.


Für eine Kajira gibt es einfach nichts Schöneres, als von ihrem Herrn auf seinen Schoß gezogen zu werden und ihn verwöhnen zu dürfen… womit auch immer und wonach auch immer ihm der Sinn steht. Meinem Herrn gefiel dabei wieder ganz besonders, dass ich zuhause keine Kleidung trage und er sich vor allem keine giftigen Kommentare freier Frauen, wie von der schnippischen Schreiberin, über die zu freizügige Kleidung oder zu wenig bedeckten Brüste seiner Sklavin anhören musste. Ein mit rotseidener Hingabe nackt servierter Paga schmeckt eben vorzüglich und anschmiegsames Eigentum fühlt sich Haut an Haut ohne Stoff dazwischen selbstverständlich ganz besonders gut an.

Mein Herr fand es jedenfalls sehr angenehm, dass es zuhause dank unserer letzten Holzfäller-Aktion und den knisternden Feuern in Ofen und Kamin immer herrlich warm ist. Tagsüber sind die Temperaturen inzwischen zwar wundervoll milde, doch nachts sinken sie teilweise ganz schön tief.

Beim Thema Brennholz, das ich nun ja leider immer aus dem Garten seines neuen Hauses holen muss, fiel ihm dann erneut das dort immer noch nicht gelöste Fensterproblem ein. Er erkundigte sich, ob ich mir die Namen der Handwerker gemerkt hatte und woher sie kamen, sprach für mich aber echt in Rätseln, denn ich hatte keine fremden Handwerker in der Stadt gesehen.

Es stellte sich heraus, mein Herr hatte vor einiger Zeit auf dem Markt in Belnend mit Handwerkern aus dem Norden gesprochen. Leider hatte er den am ersten Tag zusammen mit der Gnädigsten besucht... ohne mich. Mist, zukünftig sollte er ohne seine Merk-Kajira das Haus echt nicht mehr verlassen, weil sein Gedächtnis für Namen ja wirklich nicht gut ist und einen Tag später stellte sich außerdem heraus, das Erinnerungsvermögen seiner Gefährtin ist noch wesentlich schlechter und die erwähnten Handwerker hatten sich tatsächlich nicht wie vereinbart gemeldet.

„Ahh Arya… da bist du ja. Wir haben gerade von dir gesprochen“, begrüßte mein Herr mich, als ich die Treppe hinauf  kam, nachdem ich Fenris versorgt hatte. Vorsichtig erkundigte ich mich, ob ich irgendetwas verkehrt gemacht hatte. Hatte ich aber nicht, sondern es ging wieder um das Rätselraten über die Handwerker, an die sich sein Weib nicht mal mehr erinnerte und ihre Namen hatte sie sich wie gesagt nicht gemerkt. „Irina denk noch mal nach, sonst müssen wir im Norden lange herumreisen und das will ich nicht.“ 


Da sämtliches Nachdenken leider keinen Erfolg brachte, beschloss mein Herr nach Kafal zu reisen, um dort vielleicht einen Tipp zu bekommen, wo man einen Glaser auftreiben kann und die Gnädigste begann zu nörgeln „…das kann ja ewig dauern“. Doch mein Herr ließ sich von seinem Plan nicht abbringen. Ich schwelgte schon in den Erinnerungen an den leckeren Kuchen der Dorfbäckerin, gab bei seinem Wunsch nach einer Koje mit Sklavenring aber zu bedenken, dass ich doch sowieso nicht weglaufe und wie gefährlich Anketten für mich wird, falls das Schiff auf Grund läuft und wegen eines großen Lecks sinken sollte. 

Mein Herr sah mein Argument ein, doch die Gnädigste grummelte weiter ohne einen Hauch von Begeisterung: „Das macht mir jetzt richtig Lust auf solch eine Reise.“ Sie befürchtete nämlich, wie ein Stein unterzugehen, da ich zuerst natürlich meinen Herrn retten würde, der ja nicht so gut schwimmen und tauchen kann wie ich. Tja, offensichtlich hatte die Frau im Gegensatz zu meiner früheren Herrin noch nie Bekanntschaft mit Wasser gemacht, die fast jedes Mal, wenn sie irgendwo von Bord ging, ein unfreiwilliges Bad nahm, sodass ich immer mindestens ein Ersatzkleid für sie dabei hatte. 

Die Gnädigste konnte sich auch nicht den Vorteil ihrer Röcke vorstellen, mit denen sie wegen der vielen Luft darunter doch jede Menge Auftrieb hat und gar nicht sinken kann. Die Ringelstrümpfe meiner ehemaligen Herrin konnten jedenfalls nicht der Grund gewesen sein, dass sie nie untergegangen war! Ohje, ich hatte wieder laut gedacht. „Ringelstrümpfe? Wer zieht denn so was an?!“ fragte mein Herr sofort nach und ich war mir plötzlich nicht mehr so ganz sicher, ob ich nicht gerade Traum und Wahrheit vermischt hatte, denn die Zeit mit meiner Herrin auf Samanu war inzwischen unzählige Märkte her und der Anblick ihrer Ringelstrümpfe genauso lange.

Seinerzeit war die Mode auf jeden Fall eine ganz andere gewesen mit zeltartigen Röcken, unter denen ich perfekt in Deckung gehen konnte, wenn man mich nicht sehen sollte. Bei solch einer Maßnahme hatte ich die erwähnten Strümpfe nämlich mal gesehen… glaubte ich mich jedenfalls zu erinnern. Aber je länger mein Herr nachbohrte, umso unsicherer wurde ich allerdings, ob ich das nicht womöglich nur geträumt hatte. Doch darüber ließ ich lieber nichts verlauten, zumal mir das Tragen von Ringelstrümpfen für freie Frauen auf Reisen auch nachvollziehbar erschien und meine frühere Herrin nicht nur einen sehr extravaganten Geschmack hatte, sondern auch ihre unmöglichen Uraltschuhe über alles liebte, die solch hässlichen Strümpfen in nichts nach standen.

Entsetzt wie mein Herr war, nachdem er sich den Anblick geringelter Strümpfe bildlich vorgestellt hatte, war es für ihn nach meinen Erläuterungen schließlich einigermaßen nachvollziehbar, dass ein Wegelagerer spätestens dann schreiend Reißaus nehmen würde, sollte er einer Freien die Kleidung vom Leib reißen und wollene Ringelstrumpf-Liebestöter entdecken. Solch ein Anblick muss einfach jedes noch so standhafte, männliche Körperteil schlagartig in sich zusammenfallen lassen… wobei die beste Waffe meiner früheren Herrin selbstverständlich immer ihre spitze Zunge war und ist. 

„Wir werden auf Nummer sicher gehen und solche Strümpfe mal testen“, ordnete mein Herr an und befahl mir zu stricken. „Das ist nicht dein Ernst und wenn diese Horrorgeschichten so weitergehen, werde ich überhaupt nicht reisen… “, meckerte seine Gefährtin weiter schlecht gelaunt, während ich mir schon überlegte, was ich für das wollene Werk aufrebbeln sollte, weil die geringelt gestrickte Abschreckung doch bis zu unserer Abreise am nächsten Tag fertig sein musste. Da die Gnädigste natürlich tun muss was mein Herr ihr befiehlt, gab sie schließlich aber doch klein bei. ;-)

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