Donnerstag, 9. März 2017

Glatt bügeln nicht erforderlich

Es ist doch immer wieder schön, meinen Herrn zu erfreuen...

„Ahh Arya, da bist du ja! Hast du gut geschlafen und warst fleißig heute?“ stellte mein Herr mir zwei eigentlich überflüssige Fragen, als er von einem seiner Stadtrundgänge nach Hause kam. Fleißig bin ich sowieso jeden Tag, hatte selbstverständlich auch schon sein Proviantpaket für die Nachtwache fertig und super gut geschlafen hatte ich auch, was ihm aber hätte klar sein müssen. Er hatte mir am letzten Abend nämlich erlaubt auf seinem schönen weichen Fell zu schlafen, also sehr dicht bei ihm. Das gefällt mir wirklich immer ganz außerordentlich gut, obwohl ich auch diese Nacht leider wieder vergeblich darauf gehofft hatte, dass ihm auch im Schlaf der Sinn nach meiner Anschmiegsamkeit steht und er näher zu mir heran rutscht… oder hatte ich so tief geschlafen und das gar nicht mitbekommen? Wundervoll sanft wuschelte mein Herr nun durch meine Haare und erkundigte sich schmunzelnd: „Ach… darauf wartest du… das hättest du wohl gerne?“

Na klar, die Hoffnung stirbt zuletzt und ich sehne mich ständig danach, dass mein Herr mich mit seinen starken Armen an sich zieht! Er weiß ziemlich gut, wie ich veranlagt bin und wie es in mir aussieht, auch wenn ihm ein paar Teile meines Kajiraherzens nicht gehören, weil die schon anderweitig vergeben waren bevor ich sein Eigentum wurde und das auch bleiben. „Nun, dass einige Ecken in deinem Herzen besetzt sind, ist nicht schlimm. Wichtig ist das Jetzt und nicht die Vergangenheit, Arya. Der Mensch kann nicht ohne Erinnerungen, die gehören zu ihm… sonst wäre man nur eine Puppe.“ Das stimmte natürlich. Ein warmes, sehr schönes Gefühl machte sich in mir breit beim Verständnis meines Herrn dafür, dass ich mir meine Erinnerungen bewahren werde.

Ich liebe diese Gespräche mit ihm und genieße unsere Zweisamkeit immer sehr, solange die Gnädigste noch ihr Nachmittagsschläfchen hält oder wenn sie mit irgendwelchen grünen Kastenangelegenheiten beschäftigt ist. Insofern habe ich mit ihrer En’Kara-Müdigkeit auch überhaupt kein Problem. Lustig fand ich übrigens, dass sie meine Bezeichnung für diese Müdigkeit nicht verstand, von der man doch bei allgemeiner Schlappheit um En’Kara herum spricht, wenn vor der ersten Übergangs-Hand die Tagundnachtgleiche naht. Doch dank der Erklärung meines Herrn verstand sie letztendlich was ich meinte, denn ich bin ja nur eine Kajira, die sich mit irgendwelchen Fachbezeichnungen der grünen Kaste nicht auskennt und auch nicht auskennen muss.

Ein Mittel gegen Müdigkeitserscheinungen ist selbstverständlich Bewegung an frischer Luft, sodass mein Herr nun einen Spaziergang vorschlug, der bei mir dazu führte, dass ich mich beeilte, mir eine Tunika überzustreifen, während die Gnädigste seufzend ihre Gesichtsgardine hervor zog. „Du magst den Schleier wohl nicht mehr?“ erkundigte mein Herr sich bei seinem sich offensichtlich selbst leid tuenden und grummelnden Weib: „Ja, ich mochte den noch nie und es war sehr angenehm die paar Male ohne.“ Stimmt, in diesem Dorf am Laurius hatte seine Gefährtin das Teil nicht getragen, wozu er jedoch nichts gesagt hatte… anscheinend war es ihm egal gewesen, dass sie sich unverschleiert in der Öffentlichkeit gezeigt und sich damit der Dorfbewohnerin aus niederer Kaste angepasst hatte.

Jetzt jedoch verkniff er sich einen Kommentar nicht… leider jedoch mal wieder auf meine Kosten: „Vielleicht sollte Arya den Schleier für dich tragen?!“ Na toll, die Gnädigste war von dieser Idee sofort begeistert, während meine Stirn sich wahrscheinlich sehr kraus zusammen zog, was vermutlich ziemlich bedrohlich aussah. Seit meinen letzten geknebelten Erfahrungen und der Ankündigung meines Herrn, dass seine Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft sind, bemühe ich mich wirklich meinen Mund zu halten und meinen Senf nicht mehr ungefragt zu irgendwelchen Dingen dazu zu geben. Leider muss mein Herr mir angesehen haben, was in mir vorging, denn er forderte mich grinsend auf: „Arya, hol mal das Bügeleisen, deine Stirn ist so verfaltet… ich glaube, wir müssen sie glatt bügeln!“

„Das Bügeleisen ist kalt, mein Herr“, brachte ich total entsetzt nur heraus, doch die Grüne meinte, man könne das ändern. Meine Miene glättete sich schlagartig auch ohne Bügeleisen, das dafür wirklich nicht erforderlich war! Hochkonzentriert bemühte ich mich jetzt, mir nicht mehr anmerken zu lassen, was gerade in mir vorging, während mein Herr schallend anfing zu lachen und nach draußen stampfte. Nur noch dann etwas von mir zu geben, wenn ich gefragt werde, klappte ja sowieso schon ganz gut und nach diesem Spaß auf meine Kosten, der natürlich eine große Ehre für mich war, denn es gibt nun mal nichts Schöneres für mich, als meinen Herrn zu erfreuen, verkniff ich mir ungefragte Bemerkungen.

Das Nebentor der Stadtmauer stand nämlich offen und ich vermutete… der Brauereikrieger übrigens auch… da die Schreiberin am letzten Abend angekündigt hatte, dass sie wegen der Gefährtenfeier des Bauern noch einen Aushang anfertigen wollte, dass sie dafür verantwortlich sein könnte, zumal das Dokument auch tatsächlich am Info-Brett hing. Mein Herr will die Freie selbstverständlich aber dazu vorher erst noch befragen, bevor er ihr dann einen Strafzettel aushändigt: „Das wird sie mögen!“ Seine vorbildlich stumme Kajira gefiel meinem Herrn übrigens anscheinend nicht, denn kaum hatte er den Aushang der Schreiberin entdeckt, forderte er mich auf: „Arya, lies mal vor. Ich bin etwas faul gerade.“


Tja, so ganz genau nahm ich es mit dem wörtlichen Vorlesen allerdings nicht: „Einladung zur Feier der Gefährtenschaft des Bauern und seiner freigelassenen Kajira am 5. Tag der 5. Hand, 12. Monat, Jahr 10… aber da steht nicht um welche Ahn, mein Herr.“ Mist, ihm fielen meine Eigenformulierungen sofort auf: „Da steht freigelassene Kajira? Das ist aber ungewöhnlich!“ „Nein mein Herr, da steht Lady Nina… und Rarius Nila, nicht Bauer, obwohl er ja einer ist“, beeilte ich mich nun einzugestehen und kam mit einem Poklatscher und dem Hinweis davon: „Arya, Nila ist auch Krieger. Du weißt, dass er nicht gerne hört, wenn man ihn Bauer nennt, hehe!“ 

Das wusste ich nicht, nur dass der Bauer gut mit dem Schwert umgehen kann, aber nie das Rot der Krieger trägt, sondern stets irgendwas Braunes und ständig Helm. Mir war allerdings auch bekannt, wie stolz Goreaner auf ihre Kaste sind und Bauer zu sein, ist doch keine Schande! Doch eine Kajira lernt ja bekanntlich nie aus und ich wieder etwas dazu. Mein Herr bestätigte: „Nun Arya… Nila ist in der Beziehung tatsächlich manchmal etwas unverständlich. Aber in dem Aushang fehlt das Wichtigste... die Ahn. Woher sollen wir denn wissen, wann es Essen und Trinken gibt? So geht das nicht, ich muss mal ein ernstes Wort mit der Schreiberin über ordentliche Arbeit reden!“ Darauf freute er sich bestimmt genauso wie auf das Überreichen des Strafzettels… auf seine nächste Nachtwache allerdings nicht, zu der er beizeiten leider aufbrechen musste.

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