Mittwoch, 8. März 2017

Kaum ist der Kuchen verdaut

…naht schon das nächste Festessen.

Mein Herr behauptete übrigens, wegen meines heldenhaften, aufopfernden Kuchenprobiereinsatzes mächtig stolz auf mich zu sein. Leider bedeutete das jedoch nicht, dass er mir alles durchgehen ließ! Beim Verabschieden nach dem üppigen Kuchenschmaus in Kafal, wurde natürlich auch eine Einladung zu einem Gegenbesuch in Jorts Fähre ausgesprochen, zumal der Bäckerwirt zuvor schon über Lieferungen von Backwaren an den Vosk nachgedacht hatte. 

Da mir das Wohlergehen meines Herrn wirklich immer ganz besonders am Herzen liegt und er außerdem gerade mit Genuss die Kuchenköstlichkeiten verdrückt hatte, rutschte mir ein wichtiger Hinweis heraus: „…beim Gegenbesuch am besten Kuchen mitbringen!“ Mist, dabei wollte ich doch eigentlich nicht mehr dazwischen plappern! Leider war meine Bemerkung aber heraus geflutscht und es nützte auch nichts mehr, mir total erschrocken nachträglich noch schnell die Hand auf den Mund zu schlagen und betreten zu Boden schauend, meinen Herrn dafür um Verzeihung zu bitten. 

Allerdings bestätigte er: „Ja… ihr könnt gerne Kuchen mitbringen. Ich glaub, ich muss den noch mal probieren!“ Doch danach packte er mein Kinn und stopfte mir ein Tuch in den Mund, um mich zu knebeln. „So Arya, dein vorlautes Mundwerk stellen wir jetzt erstmal ab.“ Ich verbrachte die Rückreise also schweigend. Zuhause angekommen zog mein Herr mich dann jedoch herrlich dicht zu sich heran, um mit seinen Fingern wundervoll sanft durch meine langen Haare zu streichen. Gleichzeitig erklärte er mir, dass er mich gerne an seiner Kette hat, aber gewisse Lektionen nötig sind, wenn das Probieren von so viel leckerem Kuchen zur Folge hat, dass ich mich vergesse. 

Mein peinlicher Fehler tat mir wirklich sehr leid und eigentlich war mir der Kuchenhinweis doch auch nur heraus gerutscht, weil mein Herr doch so gerne welchen isst! Zum Schweigen verdammt blieb mir nur, meinen um Vergebung bettelnden Blick schließlich traurig zu Boden zu senken und mich innig an das Bein meines Herrn zu schmiegen. Wie schade, dass er trotz der wirklich milden Temperaturen leider immer noch Hosen trägt.

Der nächste Tag begann damit, dass ich etwas länger schlafen durfte. Mein Herr meinte, nach meinem Fleiß beim Kuchen probieren musste das mal sein. Nachdem er sämtliche Fesseln gelöst hatte und ich ihn mit Hingabe begrüßen durfte, versprach ich ihm erneut mit ganz großem Kajiraehrenwort, mich zu bessern und ihm zukünftig keine Schande mehr durch dazwischen Plappern zu machen. 

Ich erwähnte übrigens auch, dass die Bäckerin Jorts vor kurzem doch erst einen Besuch abgestattet hatte und war erstaunt, dass ihm dies überhaupt nicht bewusst gewesen war. Naja, mit Namen und Gesichtern hat mein Herr es nun mal nicht so, denn dafür hat er ja mich und das Gedächtnis seiner Gefährtin kann man sowieso vergessen, da es nämlich noch schlechter zu sein scheint als seins.
 
Es gelüstete meinen Herrn schließlich nach einem kleinen Ausflug in die Stadt. Er hoffte nämlich herauszubekommen, ob seine Informationen über die anstehende Feier zur Gefährtenschaft des Bauern mit seiner freigelassenen Kajira richtig waren, die bald oder vielleicht sogar an diesem Tag noch stattfinden sollte. 

Wir trafen als erstes den Brauereikrieger, der jedoch keinerlei Ahnung davon hatte, sondern sich stattdessen erkundigte, wie es mir in Kafal gefallen hatte. Oha, umgehend machte sich ein Gefühl in mir breit, als würde ich auf sehr dünnem Eis stehen. Entsprechend ausführlich ließ ich mich über die Gastfreundlichkeit der netten Dorfbewohner aus und ihren köstlichen Kuchen, also über alle möglichen Dinge, die mir wirklich gut gefallen hatten. 

Über alles, was mir sonst noch... naja, ich sag mal aufgefallen war, gab ich ziemlich vage herum drucksend von mir, lieber meinen Mund halten zu wollen, weil ich doch nur eine Sklavin bin und darüber wohl besser nichts sagen sollte. Allerdings den Hinweis, dass ich weder eine Stadt- und vor allem keine Brauereikajira bin, verkniff ich mir nicht und erfuhr, dass für die Sklavin des Brauers weder der Hang vom Tor zum Wirtshaus in Kafal, noch das Abladen und Rollen der Fässer vor einiger Zeit ein Problem dargestellt hatte. Na gut, ich bin eben auch ein zartes Prinzesschen. 

Einen Kopfpatscher meines Herrn später und nach weiterem Nachbohren des Brauers, gestand ich schließlich aber doch, was mir bei der Fasslieferung aufgestoßen war… selbstverständlich aber nicht aufmüpfig und Krönchen hin oder her, ich denke in einem für eine Sklavin angemessenem Ton. Puhhh… mit ein paar klärenden Worten zwischen den beiden Kriegern war das Thema dann zum Glück erledigt, weil nun der Kriegerbauer auftauchte und wegen seiner Gefährtenschaft gelöchert wurde. Er zierte sich zwar noch eine Weile, doch letztendlich wurde ein Termin für die Vertragsunterzeichnung am Ende dieser Hand gefunden. 


Der einzige Freie, der sich in meinen Augen beim Gefährtenthema übrigens normal benahm, war der Sattler. Das ganze Hin und Her über wann, warum, wieso, weshalb und glücklich oder nicht, interessierte ihn nämlich kein bisschen, weil es dabei doch nur um das Zeugen von Nachwuchs ging. Spaß in den Fellen gibt es wirklich nur mit einer feurigen Rotseidenen und genau das hatte die freigelassene Hofsklavin ihrem noch nicht Gefährten offensichtlich auch sofort nach dem Trinken des Zuchtweins mit schlagartig entwickelter freie Frauen Prüderie bewiesen.

Erneut bestätigte der Bauer nämlich, dass sie mit dem letzten Schluck dieses Weins umgehend zur Trockenpflaume mutiert war. Hadi ist wirklich nicht mehr wieder zu erkennen, seitdem sie Lady Nina genannt wird… und damit meine ich nicht ihre langen Kleider und dass sie Schleier trägt. Doch es gelang mir an diesem Tag tatsächlich meine Klappe sogar vorbildlich zu halten und ihren zickigen, für freie Frauen typischen Seitenhieb „…oder kocht morgen niemand beim Hauptmann?“ einfach an mir abprallen zu lassen.

Diese Spitze galt eigentlich meinem Herrn und seinem Gedrängel in Sachen Festmahl nach der Vertragsunterzeichnung. Einen wirklichen Bilderbuchbeweis, wie prüde und steif freie Weiber sind, lieferte später übrigens wie immer die Schreiberin, nachdem sich die Männer zum gemütlichen Umtrunk auf der Gasthausterrasse niedergelassen hatten. Doch das schriftgelehrte Gezicke dieser Frau spare ich mir hier jetzt, auch wenn sie es mit ihrer arroganten Art schaffte, den Sattler zu vertreiben.

Übrigens gesellte sich auch der Krieger dazu, der vor einigen Tagen ein Gasthauszimmer bezogen hat und den ich seit inzwischen unzähligen Märkten kenne. Insofern hatte ich logischerweise nicht wie mein Herr Probleme mit der Erinnerung seines Namens, denn der Rarius heißt selbstverständlich immer noch genauso wie damals auf Samanu, als ich dem dortigen Kommandanten dieses Handelspostens in der Thassa vor Port Kar gehörte und danach meiner ehemaligen Herrin. Nicht nur die Zerstörung Samanus, sondern später auch der Untergang von Landa, die neue Heimat des Kriegers, und der Verlust seiner Familie hatten ihn zum Reisenden gemacht.


Mein Herr und der Brauereikrieger konnten das Schicksal des Rarius übrigens sehr gut nachvollziehen, waren sie selbst doch seinerzeit nach der Aufgabe von Torcodino über Kassau irgendwann schließlich nach Jorts Fähre gekommen. Da die rote Kaste selbstverständlich zusammenhält, bot mein Herr dem Krieger an, sollte er Arbeit suchen, wird sich in Jorts bestimmt etwas Passendes für ihn finden und lud ihn zum Waffentraining ein. Der Rarius befürchtete allerdings, ein alter Mann wie er könne da nicht mehr mithalten. 

Doch mal abwarten… mein Herr machte ihm Mut und versprach, selbst der fast unschlagbare Brauereikrieger kann auch ganz sanft mit seinem Gladius streicheln. ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen