Sonntag, 5. März 2017

Kopf einziehen und entschuldigen

„ARRRYYYYAAAAAAAAAAAAA!!!!!“ war laut und deutlich in der gesamten Oberstadt zu hören und somit auch im Garten des Hauses, in das mein Herr wegen Handwerkermangel noch nicht umgezogen ist. Da ich befürchtete, irgendetwas musste passiert sein, sammelte ich schnell die letzten Brennholzscheite in meinen Korb, für die ich jetzt leider immer zum neuen Garten laufen muss, weil wir bei unserer Baumfällaktion seinerzeit nicht geahnt hatten, wie schwierig sich der Einbau eines neuen Fensters gestalten würde.

Bei meinem Eintreffen stand die Haustür zwar sperrangelweit offen, aber zum Glück war nichts passiert… mein Herr hatte mich nur vermisst und auch die Gnädigste wusste nicht wo ich steckte. Wobei es sowieso nichts genützt hätte ihr zu erzählen, dass ich Brennholz holen wollte, da sie eh keine Ahnung hat, wo das Holz gestapelt ist. Meine Ankündigung, demnächst eine größere Menge mit dem Handwagen zu holen, um mir bis zum offensichtlich noch in den Sternen stehenden Umzug die Schlepperei zu sparen, veranlasste meinen Herrn zu einer wütenden Äußerung über Handwerker und seine Gefährtin zu der Aussage, umziehen gehe notfalls auch ohne neues Fenster. 

Huch, wollte das Weib jetzt etwa so ins neue Haus einziehen... also mit dem von meinem Herrn im Erdgeschoss schon vor einer Ewigkeit höchstpersönlich hergestellten, riesigen Wanddurchbruch? Zumauern kam nicht wirklich in Frage, da ich die Steine doch schon längst über die Stadtmauer gekippt hatte, aber vielleicht konnte man die Öffnung mit einer Holzplatte und einem Bild kaschieren? Ob das schick aussieht, wagte ich jedoch zu bezweifeln. Tja, zwar unfassbar, aber es stellte sich jetzt heraus, auch Grüne sind offensichtlich nicht vor Gedächtnisverlust gefeit. Die Frau erinnerte doch tatsächlich überhaupt nicht mehr den heroischen Einsatz meines Herrn beim Herstellen der neuen Fensteröffnung!

Aber sie war sowieso schlecht drauf und funkelte mich nach meinem Hinweis wütend an, dass ich es nicht schlimm finde, wenn es durch die verbretterte Öffnung zieht. Andernfalls müsste nämlich noch öfter die Haustür wegen Sauerstoffzufuhr offen stehen, wenn wir nicht ersticken wollen und ihr verhätscheltes Schoßgianni im Sleenkäfig untergebracht werden, wo Fenris das faule, ständig schlafende Viech sicherlich ein wenig auf Trab bringen würde. Ohne endlich irgendwo einen Glaser mit Motivation zum Fenstereinbau aufzutreiben, wird es wegen der schlechten Lichtverhältnisse im viel zu dunklen Erdgeschoss des neuen Hauses nämlich nicht zu vermeiden sein, zusätzliche Öllampen aufzustellen.

„Das war grad eine ganz schlechte Idee, Arya. Ich habe den Eindruck, du willst dich nicht mehr um Lilly kümmern? Solltest du den Gedanken in die Tat umsetzen, landest du im Käfig von Fenris… vielleicht findet der das dann lustig“, drohte mir das wütende Weib und veranlasste mich zu einem stummen, allerdings giftsprühenden Blick in ihre Richtung, den ich dann aber lieber ganz schnell senkte und ihr gleichzeitig bestätigte, dass Fenris sich über meine Gesellschaft bestimmt freuen würde, weil er mich nämlich mag. „Na dann hast du ja wenig zu befürchten, wenn er immer mehr Hunger bekommt und du ihn nicht versorgen kannst“, zickte sie biestig weiter. 

Oha, nicht nur die grünen Krallen waren ausgefahren, sondern sie glaubte auch über das Eigentum meines Herrn bestimmen zu können?! Sichtlich entgeistert schaute ich zwischen der Freien und meinem Herrn hin und her, während ich lieber noch mal nachfragte, ob sie möchte, dass der Sleen ihres Gefährten hungert und ob sie tatsächlich glaubt, mein Herr lässt Fenris an mir schnüffeln, damit er mich wiederfindet, sollte ich mal geklaut werden und mich ihn versorgen, damit er mich frisst? „Einen Finger anknabbern oder ein Ohr ist ja nicht so schlimm.“ Anscheinend wollte die Gnädigste die Sache mit diesen Worten jetzt abtun, hatte aber offensichtlich nicht damit gerechnet, dass mein Herr mich nun in Schutz nahm: „Weder das Giani noch Arya kommen in den Sleenkäfig!“

Leider gab die grüne Zicke weiter keine Ruhe und glaubte, noch eins draufsetzen zu müssen: „Arya scheint nicht ausgelastet zu ein, wenn sie so einen Mist verzapft.“ Pffffft… wer war wohl in diesem Haushalt nicht ausgelastet?! Wortlos stand ich auf, um ohne Widerworte den Beweis anzutreten, dass ich sehr wohl zu tun hatte, indem ich nun das Brennholz aus meinem Korb neben den Ofen stapelte. Kaum hatte ich das erste Holz jedoch in der Hand, wurde ich von meinem Herrn unheilverkündend angebrummt: „Arya, hab ich was von weglaufen gesagt?“ Entsprechend schnell kniete ich wieder vor ihm und spürte gleichzeitig sehr unangenehm, wie sofort mein Ohr gepackt wurde, sodass ich mich mit meiner Entschuldigung beeilte.

“Verzeihung mein Herr… nein, das hast du nicht, aber ich wollte ohne viele Worte zeigen, dass ich mich zu beschäftigen weiß. Ich dachte, weil es mir ja nicht zusteht gegenanzureden, ist es am einfachsten mit einer Tat deutlich zu machen, die ja auch deiner Gefährtin zugutekommt, dass sie mir etwas vorgeworfen hat, was nicht stimmt. Aber ich hätte ihren Vorwurf lieber kleinlaut mit eingezogenem Kopf wegstecken müssen und will mich auch nicht beklagen, mein Herr, weil es für mich keine Gerechtigkeit gibt, denn ich bin nur eine Sklavin.“ Oh Mist, nun erfuhr ich, bevor ich meinem Herrn gehörte, hatte er das blöde, nichtsnutzige Gianni auf irgendeinem Markt viel zu teuer gekauft… es war ein Geschenk von ihm an seine Gefährtin gewesen.

„Auch wenn wir das verfressenste und verschlafenste Gianni bekommen haben heißt das nicht, dass du damit Witze machen kannst, Arya!“ Sofort beteuerte ich leise mit gesenktem Kopf, dass dies nicht meine Absicht gewesen war und mein Herr befahl: „Gut Arya, dann entschuldige dich.“ Das ließ ich mir selbstverständlich nicht zweimal sagen, war ich doch froh, der schlechten Laune der Gnädigsten entkommen zu sein und lief eilig zu ihrem wie immer faul im Körbchen schlafenden Schoßgianni: „Bitte entschuldige du schlafendes Gianni... ich dachte du bist bei Fenris gut aufgehoben, weil er dann weniger Langeweile hat und du auch mal was anderes siehst, als diese 4 Wände hier.“ 

Dabei klopfte ich dem Viech, das bei meiner Entschuldigung natürlich keinerlei Regung zeigte, leicht auf den Hintern und erkundigte mich: „Was ist nun... nimmst du meine Entschuldigung an oder willst du die verschlafen, du Faulpelz?“ 

Leider kam immer noch keine Reaktion, sodass ich nun den Giannischwanz genau anvisierte und gleichzeitig mit einschläferndem Gesäusel vorschlug: „Gut… also wenn du jetzt nicht wenigstens mit dem Schwanz zuckst, dann betrachte ich meine Entschuldigung als angenommen... ok?“  Tja, es funktionierte und mein Herr schmunzelte, sodass dem platt Sitzen von  Kissen auf der Gasthausterrasse nichts mehr im Wege stand. ;-)))

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