Dienstag, 14. März 2017

Ohne Grund

Der hauptmannsmäßig große Imbiss mit Leckereien vom Büffet der Gefährtenfeier hatte meinem Herrn nach seiner Nachtwache offensichtlich nicht nur super geschmeckt, sondern auch für wirklich gute Laune bei ihm gesorgt, obwohl er die Menge als „gerade so ausreichend“ bezeichnete. Natürlich interessierte ihn Genaueres über diese Feier zu erfahren und da er mich aufforderte offen zu sprechen, beschönigte ich natürlich nichts. Ich beschrieb ihm selbstverständlich auch, wie elegant die Wirtin in ihrer bombastischen weiß-rosa Robe ausgesehen hatte und wie sich der Landsitzkrieger mit kurzem, weißem Rock und Schärpe auf freiem Oberkörper herausgeputzt hatte. Mein Herr bedauerte jedenfalls, die beiden nicht gesehen zu haben.

Zur bäuerlich braunen Kleidung sämtlicher Hofbewohner, der Bauer ohne Helm und komplett ohne das Rot der Krieger, überlegte er jedoch nachdenklich: „Nun, vielleicht wird er doch noch Bauer und ist stolz darauf?“ Meine Beschreibungen veranlassten meinen Herrn letztendlich zu der Anweisung, dass ich mir etwas überziehen sollte, da er nun den richtigen Zeitpunkt für einen Spaziergang gekommen sah. Diesmal stand ihm übrigens der Sinn danach, mich an die Leine zu nehmen… einfach so. Das gefiel mir außerordentlich gut, weil so schön deutlich wurde, wessen Eigentum ich bin. Außerdem ging es mir wieder durch und durch, als mein Herr mit festem Griff besitzergreifend meinen Kragen packte, um dort die Kette einzuhängen und mit einem Schloss zu verriegeln.

Auch das Gespräch mit dem Brauereikrieger, den wir auf dem Marktplatz trafen, drehte sich natürlich zuerst um die Zeremonie am Vortag. Außerdem war meinem Herrn nicht bekannt, wie lange der zurzeit im Gasthaus wohnende Rarius den Landsitzkrieger schon kennt. Da der Brauer nun schmunzelnd den Verdacht äußerte, dieser Krieger ist vielleicht mehr ein Krieger in den Fellen, als auf dem Feld, kündigte mein Herr breit grinsend an: „Wir werden mit ihm trainieren… dann sehen wir, ob er auch fuchteln kann oder ob er das Rot nur trägt, weil es ihm gefällt.“ Danach legte er fest, dass Paga-Tag ist und ich hatte es logischerweise sehr eilig ins Gasthaus zu flitzen.

Bei meiner Rückkehr mit seinem Paga und dem Ale für den Brauereikrieger, erklärte Letzterer gerade Näheres über seinen Gefährtenfeier-Extrabrand-Paga zwinkernd: „Er ist weich und samtig… aber nicht zu stark, um in den Fellen nicht zu schnell müde zu machen.“ Mein Herr lachte, er wird vielleicht etwas finden, was er mit mir an diesem Abend noch unternimmt. Seine Begründung „…wegen der ermüdenden Wachen tut mir ein wenig Bewegung gut“, ließ natürlich sofort diverse Fantasien in mir entstehen, während ich mich leicht an sein Bein anschmiegte und seine wieder wundervoll sanft durch mein Haar kraulende Hand genoss. Doch eigentlich braucht mein Herr keinen Grund und kann jederzeit tun, wonach ihm ist. 

Es folgte die übliche Mitleidstour des Brauereikriegers über seine unergründliche Großzügigkeit in Sachen Freigetränke bei der Feier, bis sich das Gespräch schließlich Meeresfrüchten zuwandte. Mein Herr hat es ja nicht so mit Wasser und ist auch kein großer Anhänger von Fisch, doch bei unseren Schwärmereien von oberleckeren Krabbenschwänzen in Knoblauch, kam er ins Grübeln. Da er sowas noch nie gegessen hat, überlegte mein Herr nun, ob er diese Köstlichkeit nicht vielleicht doch mal probieren sollte und ich sah mich verpflichtet, ihn auf meine unübertroffene Bereitschaft im Probieren hinzuweisen, die ich doch erst vor kurzem bei den Backwaren in Kafal wirklich heldenhaft unter Beweis gestellt hatte.

Selbstverständlich bot ich umgehend an, mich auch bei diesen Krabben zu opfern, allerdings nicht nur zum Probieren, sondern auch weil es doch echt oberschade wäre sie weg zu tun, sollte mein Herr sie wegen ihres leicht fischigen Geschmacks vielleicht nicht mögen. Der Brauer bezeichnete mich breit grinsend als Schleckermaul, doch für mich zählte einzig der Kommentar meines Herrn: „Arya, ich weiß deine Opferbereitschaft sehr zu schätzen“ und an den Krieger gewandt: „…da siehst du mal, wie sich meine Kajira für mich aufopfert!“ Na klar… für meinen Herrn tue ich natürlich alles und manchmal auch noch ein bisschen mehr!


Schließlich musste sich der Brauer dem Umrühren seiner Kessel widmen. Ihm blieb nur, uns noch einen schönen Abend zu wünschen. „Danke, den werde ich bestimmt haben“, erwiderte mein Herr, ließ sich auf der Bank vor der Gasthausterrasse nieder und befahl mir, mich an ihn anzuschmiegen. Meine Hände mussten allerdings hinter meinem Rücken bleiben, sodass er sie vorsichtshalber fesselte. Die Kette nahm er sehr kurz und machte mir mit leichtem Zug an meinem Kragen deutlich, den ich als Druck im Nacken spürte, wem ich gehöre. Schade nur, dass er immer noch lange Hosen trug, obwohl der Landsitzkrieger mit seinen nackten Beinen und freiem Oberkörper doch gerade erst bewiesen hatte, wie angenehm milde die Temperaturen in Jorts Fähre inzwischen wieder sind.

Zu meiner Freude sah mein Herr ein, dass es wohl doch langsam Zeit für leichterte Kleidung wird. Meine Schwärmerei von dem schönen Gefühl, meinen nackten Bauch an sein unbekleidetes Bein zu schmiegen, wurde allerdings vom Sattler unterbrochen, als er neben meinem Herrn einen großen Korb auf der Bank abstellte und sich mit Blick auf die an meinem Kragen befestigte Kette erkundigte, ob ich weglaufen wollte. Unfassbar, das würde ich niemals tun! Mein Herr erzählte schmunzelnd, ihm war ganz ohne Grund, einfach nur so danach gewesen und dass er seinen Spaß mit mir hatte. „Ahhh ja, das kenn ich… hatte ich auch gerade…“, erwiderte der Sattler breit grinsend und berichtete dann, im Korb befinden sich Backwaren mit Grüßen der Bäckerin aus Kafal. 


„Oh, ich danke dir… ich freue mich sehr. Die Bäckerin kann uns gerne wieder mal besuchen! Bestell ihr meinen Dank und schöne Grüße, wenn du deinen Auftrag in ihrem Dorf ablieferst, Sattler.“ Inzwischen waren die Wirtin und ein Reisender aufgetaucht, der sich als Söldner vorstellte. Anstatt ein Haus zu mieten, hatte sich der Mann für 200 Nächte im Gasthaus einquartiert. Nach mehr als einem Zimmer war ihm anscheinend nicht, da er ständig mit irgendwelchen Aufträgen unterwegs ist. Mein Herr bot dem Fremden übrigens an, sollte er mit der Waffe umgehen können, wird sich in Jorts Fähre bestimmt Arbeit für ihn finden und schlug vor, wenn es mal ruhiger ist, mit ihm darüber zu sprechen.

Eigentlich hätte ich den Mann gerne noch etwas eingehender gemustert, ganz unauffällig natürlich, wurde von meinem Herrn daran jedoch gehindert. Er band nämlich ein Tuch über meine Augen… auch einfach nur so, weil ihm gerade danach war. Ohne seinen Wunsch zu hinterfragen, denn auch dafür gab es keinen Grund und außerdem muss eine Sklavin mit Willkür leben können, nahm ich nicht nur die Dunkelheit um mich herum ergeben hin, sondern auch den nicht wirklich frischen Geruch des Tuchs. Ich glaube, mein Herr war sehr zufrieden mit mir, denn sonst hätte er mich später zuhause bestimmt nicht belohnt... diesmal gab es also einen Grund. „Dich an der Kette zu haben, ist angenehm Arya.“ Das alleine ließ mein Kajiraherz natürlich schon schneller schlagen, zusätzlich erlaubte er mir aber auch noch, wieder ganz dicht bei ihm auf seinem schönen weichen Fell zu schlafen! :-)))

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