Freitag, 10. März 2017

Wofür Röcke gut sein können

Es war wirklich schade, dass ich in dieser Hand nicht beim Waffentraining zuschauen konnte. In einer Mischung aus übermütig und stürmisch wuschelte mein Herr nämlich durch meine Haare und verkündete bestens gelaunt: „Arya, du hättest mich sehen sollen… ich habe dem Brauereikrieger den Hintern versohlt!“ Das hörte sich superklasse an und ließ mich laut überlegen, ob ich zukünftig vielleicht lieber immer zuhause bleiben sollte, wenn mein Herr trainiert? Ok, eine Kopfnuss machte mir deutlich, dass er dies nicht wollte. „Was ist das denn für eine blöde Idee, Arya? Wenn du mich anfeuerst bin ich noch besser!“ 

Ich gab zu Bedenken, ob er nicht möglicherweise etwas abgelenkt ist, wenn ich zuschaue und er deswegen diesmal besonders gut war, weil ich nicht am Rand der Wiese kniete. „Unsinn, ich lass mich doch nicht ablenken… das würde ich nicht mal, wenn du nackt beim Training tanzt, Arya.“ Das stimmte, denn es wäre ja auch fatal, wenn sich mein Herr von seiner Kajira ablenken ließe und für einen Hauptmann sowieso absolut undenkbar! Obwohl dies grundsätzlich für alle Krieger gilt, überlegte mein Herr trotzdem, ob er es in der nächsten Hand nicht vielleicht mal ausprobieren sollte. 

Selbstverständlich fand ich den Gedanken äußerst interessant, allerdings war mir klar, dass ein solcher Test sicherlich mit Gezeter des Landsitzkriegerweibs einhergehen würde, die ja schon Schnappatmung bekommt, wenn Kajirae ihre Schenkel nicht schließen, obwohl es besonders beim Waffentraining genügend zu sehen gibt, sodass die prüde Frau ihre Blicke wirklich auf anderes konzentrieren könnte. Naja, typischer Fall von freie Frauen Wichtigtuerei und Eifersucht, wenn ihr Gefährte sich am Anblick einer mit geöffneten Schenkeln knienden Sklavin erfreut, obwohl er sich seit der Unterzeichnung des Gefährtenvertrags sehr verändert hat. 

„Er steht etwas unter der Sandale glaub ich“, bestätigte mein Herr mir gerade, als nun die Gnädigste auftauchte und damit das Thema dann auch erledigt war, da es nun anziehen hieß, weil jetzt Frischluft angesagt war. Außerdem hoffte mein Herr herauszubekommen, wer die Zeremonie bei der Gefährtenfeier halten sollte, um welche Ahn sie sein würde und wie es überhaupt um die Vorbereitungen zur Feier steht, von der immer noch nicht bekannt war, wo sie stattfindet. Insofern war seine Idee schon mal nicht schlecht: „Ich werde einfach dem Geruch folgen, indem ich Arya vorlaufen lasse, um zu schnüffeln.“

Dem Brauereikrieger, den ich wegen seines versohlten Hinterns diesmal besonders freundlich anlächelte, eröffnete mein Herr am Hafen, dass er auf seine Kosten für die anstehende Feier schon mal zu üben gedenkt, damit dann alles passt. „Hauptmann, als ob du fressen und saufen noch üben müsstest. Aber man sieht’s…. du fällst schon fast vom Fleisch!“ kommentierte der Brauer von den Überlegungen meines Herrn wenig begeistert. „Ja, du hast es erkannt, ich bin fast nur noch ein Schatten meiner selbst. Du solltest mal sehen, wie viel Hunger eine Nachtwache macht. Wenn Arya mir nicht immer so große Proviantpakete mitgeben würde, wäre ich noch dünner!“ gab mein Herr selbstverständlich nicht auf, bekam aber lediglich zu hören: „Tja Hauptmann, dann halt dich morgen ran.“

Damit ging übrigens das ganz große Rätselraten los, wen der Bauer denn überhaupt für die Zeremonie nehmen wird. Einhellige Meinung der beiden Männer war, dass es eigentlich nur die Schreiberin sein kann, weil die auch den Termin abgesprochen und den Aushang gemacht hatte, doch leider macht sich diese Frau ja irgendwie ständig rar. Insofern fand ich den Vorschlag des Brauereikriegers sehr logisch, dass sich die Gnädigste doch bestens eignet, weil sie schließlich im Kampf mit den Schriftzeichen nicht nur bewandert ist, sondern auch immer siegreich. Oha, damit hatte der Herr offensichtlich jemanden erschreckt… aber sowas von! 


Mein Herr war natürlich sofort sehr angetan von dieser Idee, denn schließlich ist seine Gefährtin gebildet und von hoher Kaste, bei dem guten Gesundheitszustand der Bewohner in Jorts Fähre jedoch in ihrer Kastentätigkeit nicht wirklich ausgelastet. Das sah die jetzt herum drucksende Frau offensichtlich jedoch anders und versuchte ernsthaft, diverse vage Begründungen vorzuschieben, um zu kneifen. Ehrlich gesagt mochte ich nicht glauben, was ich da gerade hörte. Die Freie hatte doch wirklich genug Zeit, sich ein paar Worte zu überlegen und sie notfalls zu notieren, wenn es mit dem grünen Gedächtnis nicht so klappen sollte… warum muss sich ein Hauptmann immer um alles selber kümmern?

Ok, die Begrüßung der Gäste und ein paar Worte über den Wunsch des Bauern, seine ehemalige Kajira wegen Nachwuchs zu gefährten, um sein Wissen an die nächste Generation weiter zu geben und ein bisschen Blablabla… ich konnte verstehen, dass es ihr peinlich war, dies ablesen zu müssen. Ein riesen Bramborium, wie bei einer Zeremonie der sieben Schleier, wie es wenn überhaupt nur bei einer Hochkastigen gewünscht wird, kommt für den Bauern und seine freigelassene Kajira sicherlich nicht in Frage, denn allseits ist ja lange bekannt, wie Hadi aussieht. Ich vermute auch, das Ganze wird nicht am Altar vorher mit einem Opfer an die Priesterkönige erfolgen, so wie bei der Vertragsunterzeichnung meines Herrn mit seiner Gefährtin. Wobei sich der Bauer darüber wie ja schon erwähnt, bislang ausgiebig ausgeschwiegen hat.

Ich war mir sicher, auch bei der Gnädigsten wird sich das Sprichwort bewahrheiten „man wächst mit seinen Aufgaben“. Trotzdem war es ihr vielleicht eine Hilfe, wenn sie notfalls eine Soufleuse für die Ansprache hatte. Damit dieser Trick nicht auffiel, kam mir eine echte Superidee und ich bat wohlerzogen wie ich bin um Redeerlaubnis. Ich fragte die Gefährtin meines Herrn, ob sie nicht in ihren Truhen mit ausrangierter Kleidung noch einen Rock hat, wie er früher mal in Mode war… so einen richtig weiten Zeltrock. Meinem Herrn ging nun offensichtlich sofort ein ganzer Kronleuchter auf, denn er begann zu lachen: „Sleen, ich hör dir trapsen!“ Nur sein Weib verstand immer noch nicht, sodass ich ihr nun erklärte, dass ich mich mit dem Zettel für ihre Ansprache darunter verstecken könnte, um notfalls zu souflieren. 

Das Verstecken unter solch einem zeltartigen Rock hatte ich vor vielen Märkten unter den gigantischen Röcken meiner damaligen Herrin nämlich perfektioniert. Es würde also niemand mitbekommen, sollte sich die Grüne tatsächlich nicht mehr an die richtigen paar Worte erinnern, was aber ganz bestimmt nicht passieren wird, denn erstens hat sie eine hochkastige Erziehung genossen und außerdem schon eigene Gefährtenschaften geschlossen oder denen von anderen Freien beigewohnt. Doch ein wenig Sicherheit war ja nicht verkehrt und ich würde vorher auch meine Sandalen ausziehen, damit niemand meine Füße unter dem Zelt ihrer Röcke hervorschauen sieht… ohne sind meine Füße nämlich kleiner. ;-))

Kommentare:

  1. Nachdem der Bauerkrieger die Zeremonie verlegt hat, war die Schriftgelehrte nicht mehr eingeplant, vorlautes Ding! ;-)

    Eigentlich hatte sich der Rarius ja deinen Herrn auserkoren, soweit ich das mitbekommen habe, aber ich bin sicher, deine Herrin hat es auch vorzüglich hinbekommen. :-)

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    1. hmmmm... interssant, worüber eine Schreiberin sich sicher ist... trotz aller Schriftgelehrigkeit ;-)

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  2. Lass das mal deine Herrin nicht lesen^^

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