Samstag, 22. April 2017

Allianz mit Kafal

„Arya lässt sich aber Zeit… die drückt sich vor dem Gepäck und will wohl nicht verreisen. Vielleicht sollte ich sie zuhause lassen und in den Käfig sperren“, hörte ich meinen Herrn unten im Haus und dann die Gnädigste: „Um das Gepäck sollte sie aber nicht drum herum kommen, sonst müsstest du es ja selbst tragen.“ Hmm… gut, dann nehmen wir sie doch mit. Arya!!! Was treibst du da oben noch so lange?!“ kam nun ungehaltenes Gebrüll von meinem Herrn, sodass ich die letzten Sachen einfach schnell in den Rucksack stopfte, um dann zwei Stufen auf einmal nehmend eilig die Treppe hinunter zu laufen, denn natürlich wollte ich mit nach Kafal.

„Ahh… endlich! Arya, ich dachte du nähst den Rucksack erst noch zusammen. Wir müssen los, denn der Kapitän wartet schon“, trieb mein Herr mich zur Eile an und stampfte dann auch gleich Richtung Hafen davon. Komischerweise lag das Schiff auf Reede, sodass wir mit einem kleineren Kahn übersetzen mussten. Aber das ist bei Express-Schiffen wohl so, dafür schaukeln sie kaum, was für den sensiblen Magen meines Herrn natürlich sehr von Vorteil war, der sich ja alleine schon bei dem Gedanken an eine Welle leicht umdreht und schneller am Ziel ist ein Express-Schiff auch. Die Reise verging daher wie im Flug, und zwar ohne irgendwelche Vorkommnisse.

Kaum hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und den kurzen Fußmarsch ins Dorf vom Anleger am Laurius hinter uns gebracht, meldeten sich gewisse Gelüste bei meinem Herrn: „Ich bin gespannt, ob es wieder Kuchen zum Probieren gibt.“ Bedauerlich war nur, dass sich das Kaff verschlafen zeigte und niemand in Sicht war, sodass mein Herr mir nun befahl: „Wir werden uns mal umsehen… du gehst mit deiner Kajira-Schnüffelnase vor, Arya.“ Oha, vorsorglich erwähnte ich lieber noch, ich könne leider nicht garantieren, dass meine Schnüffelnase auch den Rückweg findet.

Doch darum brauchte ich mir keine Sorgen zu machen… mein Herr findet nämlich immer nach Hause und außerdem war mein Spürsinn mit dem Auftauchen der Musikantenkajira nicht mehr gefragt, da wir nun eine Führerin zur Herberge im Dorfkern hatten. Welche Kajira die frech grinsende Fischersklavin nach der Begrüßung mit „Spunki“ anredete, bekam ich nicht mehr heraus, da ich im dunklen Hintergrund der Herberge fast einen Freien übersehen hätte und mich mit meiner Bitte um Verzeihung und meinem Gruß an den Herrn nun mächtig beeilte. 


Danach war meine ganze Konzentration gefragt, weil ich in aller Höflichkeit meinen Herrn darauf hinwies, dass ich keine Augenuntersuchung benötige, seine diesbezügliche Aufforderung an die Gnädigste somit hinfällig war. Mein Platz ist nun mal hinter ihm und das Vorbeischauen an seinen muskulösen Schultern manchmal nicht leicht, denn er ist ja nicht durchsichtig. Doch zum Glück diskutierte er inzwischen mit dem Brauer über drinnen oder draußen sitzen, bevor sie sich für einen Platz mit guter Luft entschieden und mein Herr sich erkundigte, ob in der Herberge jortsscher Paga ausgeschenkt wird..

Doch das konnte die Musikerkajira nicht beantworten und ein Wirt war nicht zu sehen, sodass mein Herr sich mit einem Paga unbekannter Herkunft zufrieden gab. Während ich dem Mädchen selbstverständlich half und zusammen mit ihr in Sachen Getränkebeschaffung in der Herberge verschwand, wo ich mir auch gleich die Speisen ansah, tauchte übrigens der Fischer auf und setzte sich dazu, sichtlich erfreut über den Besuch aus Jorts Fähre. Er hatte sich vor kurzem nämlich schon mit meinem Herrn unterhalten wollen, ihn wegen seiner Wachdienste aber leider nicht angetroffen.

Das Gespräch der beiden Männer über das gemeinschaftliche, geschlossene Auftreten des Südens gegenüber dem Norden verlief wirklich sehr einvernehmlich. Beide stimmten überein, dass der Süden auf keinen Fall nur aus einer einzigen, sich wichtig nehmenden Stadt besteht, die es nicht für nötig befindet, ihre Bündnispartner in irgendwelche Pläne einzuweihen und stattdessen lieber verliert. Mein Herr fand den Plan jedenfalls gut, sobald der Norden wieder ausrückt, die verlassenen Dörfer einzunehmen. Es ist dort vom Klima her zwar etwas kalt, aber was man hat, das hat man und vielleicht taugt die eine oder andere ansehnliche Nordfrau auch als Sklavin und lässt sich zu klingender Münze machen.

Wir übernachteten in Kafal in einem der Herbergszimmer. Es war wirklich luxuriös ausgestattet und ich wurde seit einer gefühlten Ewigkeit nachts nicht angekettet oder in einen Käfig gesperrt. Am nächsten Tag war ich daher wirklich gut drauf und konnte überhaupt nicht verstehen, dass mein Herr und die Gnädigste keinerlei Anstalten zu einem Spaziergang machten, sondern offensichtlich lieber vor der Herberge Wurzeln schlagen wollten. Mein Herr muss mir angemerkt haben, wie gerne ich mich ein wenig im Dorf umsehen wollte und erlaubte es mir, sodass ich eilig davon hüpfte, bevor er es sich womöglich anders überlegte.

Ich entdeckte tatsächlich die Bäckerei, leider jedoch keine Bäckerin und setzte daher mein Schlendern durch die engen, ziemlich unübersichtlichen Dorfgassen fort. Schließlich wurde ich vom Gesang einer weiblichen Stimme angelockt und befand mich plötzlich vor der Taverne. Die Fischerkajira spielte dort ein Saiteninstrument und sang… soweit ich das beurteilen konnte, hat das Mädchen richtig Talent. Trotzdem beantwortete sie meine Frage, ob die Bäckerei geschlossen hat: „Ja Arya, die Bäckersfrau ist hochschwanger.“ Oha, hochschwanger sogar? Das ging ja oberschnell, denn das Weib hatte vor 6 Hand doch noch nicht mal einen Gefährten! 

Vielleicht bin ich nicht richtig informiert, falls aber doch ist mir jetzt klar, warum die Frau nach dem Tod ihres fast Gefährten eine Hand später gleich den nächsten Mann gefährtet hat. Naja, geht mich zum Glück alles nichts an und viel interessanter fand ich, dass der werdende Vater, nämlich der schmiedende Tavernenwirt auftauchte und eine Tafel mit Getränkepreisen anbrachte, die nach dem Umbau der anscheinend gerade erst fertig gewordenen Tavernenterrasse noch fehlte… sämtliche Preise waren ungefähr das Zehnfache der jortsschen, der Wirt scheint sich offensichtlich eine goldene Nase verdienen zu wollen.

Kaum hatte ich auf die Frage des Fischers „du bist ganz alleine hier?“ geantwortet, dass mein Herr und seine Gefährtin irgendwo Wurzeln schlagen, tauchten sie übrigens auf, sodass ich mich schnell korrigierte: „Ich wollte sagen, sie kommen da gerade Herr.“ „Jaja, so habe ich deine Worte auch verstanden", grinste der Herr unter seinem riesigen Hut, doch die Gnädigste hatte meine Worte gehört und ranzte: „Dein Mundwerk ist wieder mal nicht ok, Arya.“ „…also sie erscheinen gerade, wollte ich sagen“, besserte ich daher lieber noch einmal nach.


Kein Kuchen und teure Getränke… wie gut, dass mein Herr und der Fischer am Abend zuvor alles Wichtige besprochen hatten und sich über das gemeinsame Vorgehen des Südens einig waren. Unserem Abschied von den freundlichen Dorfbewohnern stand also nichts mehr im Wege, zumal man inzwischen auch die Schiffsglocke hören konnte und mein Herr die gebuchte Abfahrt natürlich nicht verpassen wollte. ;-)

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