Donnerstag, 20. April 2017

Seltener Besuch beim Waffentraining

Ich verstand nicht wirklich, warum mein Herr dachte, ich könnte den Tag im verhassten Sklavenkäfig liegen bleiben wollen und auch nicht, warum er sich wunderte, dass ich erst herauskrabbeln kann, wenn er das Schloss geöffnet hat. „Arya, du willst mir also sagen, ich bin schuld, dass du hier herumliegst?“ Natürlich beeilte ich mich zu beteuern, dass ich sowas nie wagen würde und überlegte, ob das Schloss womöglich offen gewesen war und nur geklemmt hatte? So richtig an der Tür gerüttelt hatte ich nämlich nicht und das gehört sich doch auch nicht, wenn meinem Herrn danach ist, mich in dieses doofe Ding zu sperren.

„Ja, das Rütteln hilft nicht, wenn die Tür zu ist… oder kannst du Stahl verbiegen?“ Ich denke, mein Herr erwartete nicht wirklich eine Antwort auf diese Frage, dennoch gab ich nun mein Fachwissen als Schmiedeaushilfskajira hinsichtlich des Biegens von glühendem Stahl zum Besten und wurde bestätigt: „Richtig, auf diese Art und Weise ist auch dein Kragen so rund geworden, Arya.“ „Genau mein Herr… ich mag ja viel Feuer haben, doch zum Schmieden reicht es mit Sicherheit nicht!“ Wir waren uns also total einig, wobei selbstverständlich immer nur die Meinung meines Herrn zählt.

„Wir werden jetzt testen, ob dein Feuer genug Hitze gibt, dich heute noch mal nackt herumlaufen zu lassen“ ließ mich nun eingestehen, dass ich die eigentlich hübscheren Sandalen anziehe, die ich eher nur bei besonderen Anlässen trage und sonst schone, weil mein Herr mir doch zwei Paar gekauft hatte. Die anderen waren seit meinem Bad im See am Wasserfall inzwischen zwar getrocknet und ich hatte sie auch sorgfältig gefettet, doch sah ich es als erforderlich an, für eine optimale Lederpflege das Fetten noch einmal zu wiederholen, nur hatte dies wegen der verschlossenen Käfigtür an diesem Morgen leider ausfallen müssen. 

Mist, schon wieder packte mein Herr mein Ohr, um es fies zu verdrehen, während er ungehalten brummte: „Arya, wer möchte Ausreden von seiner Sklavin hören?!“ „Niemand mein Herr, aber eine Erklärung kann doch nicht verkehrt sein!“ beeilte ich mich kläglich zu beteuern, während ich mich etwas verbog, um den unangenehmen Zug zu lindern. Doch leider verstärkte sich das Verdrehen meines Ohrs noch und das Brummen nahm die Sorte gefährlich an: „Sorg dafür, dass du dich um deine Sandalen morgen kümmerst, Arya… wenn sie kaputt sind, müssen wir nämlich neue kaufen. Und nun ab nach unten, wir machen einen Spaziergang.“


Der Rundgang durch die Stadt verlief ruhig, ohne besondere Vorkommnisse… die Bewohner von Jorts Fähre waren entweder womit auch immer in ihren Häusern beschäftigt oder auf Reisen und am Hafen war vor der Taverne auch noch kein Alefass deponiert worden, wie vom Brauer angekündigt, damit er nicht verdurstet, wenn ich zuerst meinen Herrn bediene. Mein Herr meinte übrigens, die Einwohner verstecken sich vor ihm. Natürlich lag es mir nach den letzten Erfahrungen mit meinem Ohr total fern ihm zu widersprechen, sodass ich lediglich darauf hinwies, dass dieses wohl vor allem auf Handwerker zutrifft… der Wanddurchbruch im neuen Haus war nämlich immer noch ohne Fenster. Aber gut, wenn nicht umgezogen wird, müssen auch keine Möbel getragen werden.


Lustig war, dass ich beim Thema Handwerker den Tischler erwähnte, der ja wegen des ständigen Ärgers mit dem wichtigtuerischen Händler die Nase irgendwann gestrichen voll gehabt hatte und weiter gezogen war. Das Waffentraining in dieser Hand hatte nämlich gerade erst begonnen und mein Herr noch gar nicht so richtig den Boden inspiziert, was er als Hauptmann natürlich immer besonders gewissenhaft und intensiv macht, als sich plötzlich jemand neben mir räusperte: „Es trainieren immer noch die gleichen… tal zusammen!“ Ich bekam große Augen vor Staunen, denn mit diesem Herrn hatte ich wirklich nicht gerechnet… auch mein Herr und der Landsitzkrieger waren überrascht über seinen leider viel zu seltenen Besuch. 


„Ich war in der Nähe und dachte, ich komme mal vorbei“ grinste der Tischler und erwähnte eine Flaschenpost, die ihn erreicht hatte. Tja, kein Wunder also, dass er sich so lange nicht hatte sehen lassen. Der Herr wunderte sich übrigens breit grinsend darüber, dass ich noch nicht verfüttert worden bin. Pahhh, an mir ist doch vermutlich nicht genug dran! 

Am Training teilzunehmen war übrigens nicht so in seinem Sinne, ein Ale wäre ihm lieber, meinte der Tischler und da der Landsitzkrieger eh schon schnaufte und die Kleidung meines Herrn mit Grasflecken übersät war, wurde das Waffentraining nach der Frage des Brauereikriegers für beendet erklärt: „Na, gehen wir jetzt was trinken?“ Das war natürlich ein Wort, besser als über die Wiese zu hetzen allemal und außerdem damit klar, dass der Brauer die Getränke zahlte.

Es ging auf die Gasthausterrasse, wo der Tischler allerdings bei den für ihn so typischen Gepflogenheiten blieb. „Du magst wohl immer noch kein Sitzkissen?“ Die Frage meines Herrn bestätigend, weigerte er sich am Tisch Platz zu nehmen und pustete stattdessen den Staub von seinem schon immer bevorzugten Sitzfass. Angeblich hat er altersbedingte Schwierigkeiten, von Kissen wieder hochzukommen, weil sie zu tief unten sind… eigentlich ein weiterer Beweis dafür, dass der Herr außer Form ist und gut beraten gewesen wäre, am Waffentraining in dieser Hand teilzunehmen. Schade für meinen Herrn war nur, dass für ihn Zurückhaltung beim für ihn kostenlosen Umtrunk angesagt war, weil er die Nachtwache erwischt hatte.


Doch einem Kalana stand natürlich trotzdem nichts im Wege und mein Herr hatte auch das Glück, als Erster von mir bedient zu werden, während der Bauer, der Brauereikrieger, der Tischler und der nicht dem Heimstein von Jorts Fähre angehörende Krieger mit Landsitz warten mussten. Die Gespräche über die Schlappe von Belnend bei der Goldsuche und die geplante Reise nach Kafal, gingen zwar weitestgehend an mir vorbei, doch beschwere ich mich nicht, denn ich genoss die auf mein Hinterteil patschende Hand meines Herrn und sein Kraulen, während der Landsitzkrieger leicht meinen Allerwertesten streichelte. Merkwürdig an dem Rarius war übrigens, dass ihm mein Anblick beim Eintreffen an der Wiese noch gefallen hatte oder hätte er sonst gesagt: „Arya, deine Tunika sieht wieder wunderbar aus und steht dir prima!“ Später auf der Gasthausterrasse hatte er seine Meinung geändert.


Während er den Weg des Kelches über meinen nackten Körper mit den Augen verfolgte, schnalzte der Krieger nämlich eindeutig missbilligend mit der Zunge und stellte fest: „Arya, du bist dürr wie eine Bohnenstange… dein Herr lässt dich zu viel rennen.“ Pffft, soll er doch seine Gefährtin anschauen… an der ist nach seinem Geschmack wohl genug dran! Selbstverständlich ließ ich seine Bemerkung aber kommentarlos von mir abprallen, denn für mich zählt nur, dass mein Herr mich mag wie ich bin. Er liebt es nämlich, meinen eben nicht ausladend üppig schwabbelnden, sondern festen Po zu kneten und hat auch nicht vor, mich zu mästen. Auch dem Tischler scheine ich immer noch zu gefallen oder hätte er mich sonst nach dem Servieren seines Getränks geküsst… schade, dass der Handwerker seinem Heimstein wohl nur einen kurzen Besuch abgestattet hat. ;-)

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