Sonntag, 16. April 2017

Bodeninspektionen

Wie jede Hand sollte auch in dieser wieder das Waffentraining auf der Wiese hinter dem Hof stattfinden. Je nachdem zu welchen Wachen die Krieger eingeteilt sind, trainieren allerdings mal mehr oder auch mal weniger Rarii. Diesmal vermutete mein Herr sogar, das Schwertfuchteln könnte möglicherweise ausfallen. Er fand Bewegung allerdings wichtig und überlegte daher, alternativ mich durch die Gegend zu scheuchen, sollte tatsächlich keiner der Krieger auftauchen. Da er seit einiger Zeit zuhause immer gleich seine Waffen ablegt und im Ständer neben der Eingangstür deponiert, lautete sein Befehl vor unserem Aufbruch zur Wiese: „Arya, du nimmst meine Waffen… wir gehen jetzt zum Training!“ 

Huch, damit hatte ich nicht gerechnet, zumal ich es von meinen früheren Herren so kenne, dass sie mit ihren Waffen sehr eigen waren. Entsprechend ungeschickt klemmte ich mir Schild, Speer, Armbrust und den Pfeilköcher mehr schlecht als recht unter den linken Arm und nahm das Schwert in die rechte Hand. Es war knapp, doch irgendwie schaffte ich es ohne die Waffen fallen zu lassen bis vor die Haustür, wo mein Herr mir zum Glück dann aber alle sofort abnahm. „Vorsicht Arya, nicht fallen lassen, sonst versohl ich dir den Allerwertesten!“ brummte er dabei und ließ seine Hand schon mal zum Vorkosten auf mein nacktes Hinterteil klatschen, bevor er Richtung Wiese davon stampfte.

Während ich mich beeilte hinterher zu kommen und mir dies auch gelang, hängten wir die Gefährtin meines Herrn ab, die mit ihren langen Röcken meistens nicht allzu flott unterwegs ist oder vielleicht auch mit dem Getüdel an ihrer Gesichtsgardine noch nicht fertig war. Doch kennt sie ja den Weg und außerdem wurde sie nur wenige Ehn später an der Wiese von dem grinsend hinter sich deutenden Landsitzkrieger nachgeliefert: „Tal Hauptmann, ich habe unterwegs etwas Grünes gefangen!“ „Nein mein Gefährte, das hätte der Krieger vielleicht gerne, aber es war umgekehrt… ich habe ihn gefangen!“ lachte die Gnädigste und dem erstaunten Rarius wurde klar: „Was??? Ahnte ich doch gleich, dass da irgendetwas nicht stimmt… deswegen hat sie sich so komisch verhalten als Gefangene!“


Da keine weiteren Krieger mehr zum Training eintrafen, begannen mein Herr und der Landsitzkrieger damit, sich gegenseitig über die Wiese zu scheuchen. Während sie sich mehrfach fluchend Luft machten mit „Sleenpisse“, „verdammte Vulokacke“, „das war jetzt echt dämlich“ und verbissen ihre Klingen kreuzten, himmelte ich meinen Herrn natürlich wie immer stumm an. Doch bei den Worten des Landsitzkriegers „…dafür, dass ich eben nicht aufpasste, warst du wirklich schlecht Hauptmann!“ konnte ich einfach nicht anders, als quer über die Wiese zu brüllen: „Ich finde dich obersupertoll, mein Herr… und daran ändert sich auch nichts, wenn du dunkelgelb oder rot bist!!!“

So wie der Krieger losprustete, erheiterte ihn mein Gebrüll, nach zwei Runden Bogentraining, die eindeutig an meinen Herrn gingen, schnaufte er jedoch gewaltig: „Ich bekomme Schnappatmung… lass uns aufhören Hauptmann.“ Mein Herr war einverstanden und stellte an sich herab schauend lediglich ein oder zwei Grasflecken fest, die ich aus seiner Kleidung waschen muss. Das fand ich natürlich überhaupt nicht schlimm, weil das Grün auf seiner Kriegeruniform durch die Schnappatmung seines Trainingsgegners gerade sehr blass wurde, der lachend übrigens behauptete: „Ich habe aufgepasst, dass du nur da stolperst, wo Rotgras wächst, Hauptmann!“ 

Ok, es stand natürlich außer Frage, der Rarius war wie immer sehr gut in Form gewesen, obwohl sehr oft auch wirklich nur tarskknapp besser als mein deutlich weniger pustender Herr. Der Landsitzkrieger erklärte mir, die Fitness meines Herrn sei zurück zu führen auf die „ständigen Sprung-Auf-Marsch-Marsch-Übungen… die verbessern seine Kondition enorm“. Irritierend war für mich nur, der Krieger sprach von einer ganz anderen Bewegungsform, als die die mir gerade in den Sinn gekommen war und dass die Gnädigste bei meiner Erwiderung hustend den Eindruck erweckte, als hätte sie fast eine Fliege verschluckt.

Aber gut… es klärte sich, um welche eher langweiligen Übungen es ging und ich hatte wieder etwas dazu gelernt. Außerdem stellte mein Herr richtig, dass ein Krieger sowieso nicht hinfällt, sondern bestenfalls kurz den Boden inspiziert… eine Kajira lernt eben nie aus. ;-))

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