Mittwoch, 26. April 2017

Ein Überraschungsgetränk

„Gut, dass du da bist Arya… dann können wir heute alles vorbereiten“, kündigte mein Herr an und es begann sofort in mir zu rotieren, denn ich hatte keinerlei Ahnung, wovon er sprach. Um die geplante Reise nach Belnend ging es jedenfalls nicht. „Arya, hast du es vergessen?“ bohrte er weiter. Ja, hatte ich und gab das selbstverständlich auch zu. Ich kann mir Namen meistens recht gut merken, bin aber eben auch nur ein Mensch. Es stellte sich heraus, so schlimm war mein Vergessen gar nicht… es ging nur darum, den Bauern zu erwischen. Dass mein Herr mit ihm sprechen will, weiß ich schon seit einiger Zeit, allerdings war das Erwischen bislang nicht gelungen und ihm offensichtlich immer wichtiger.

„Falls wir ihn nicht antreffen, trinken wir etwas im Gasthaus“, veranlasste mich zu der Frage, ob meinem Herrn mehr der Sinn nach Paga oder eher nach Kalana stand. Es erschien mir nämlich sehr unwahrscheinlich, dass der Bauer ausgerechnet an diesem Tag mal anwesend war. Damit mein Herr möglichen Frust ohne Verzögerungen zügig herunter spülen konnte, erschien mir rechtzeitiges Wissen über seinen Getränkewunsch jedenfalls nicht verkehrt, doch offensichtlich war er noch unentschlossen: „Die Getränkefrage werde ich ganz und total spontan entscheiden, Arya.“ 

Wie wichtig ihm dieses Treffen war, konnte ich durchaus nachvollziehen, da ich den Grund dafür kenne, doch dass er mein Leben aufs Spiel setzen wollte, war mir neu. „Arya, ich werde dich als Lockkajira vorschicken und wenn das nicht klappt, sägst du dem Bosk einfach ein Horn ab.“ Puhhh, so jähzornig und ausrastend wie der Bauer sein kann, überlegte ich, ob es wohl besser ist, mich lieber gleich von meinem Herrn zu verabschieden, denn ich sah schon das Schwert dieses Kerls auf mich niedersausen und meinem Leben ein Ende bereiten. Zum Glück sah mein Herr das aber genauso: „Arya, wir lassen das!“ Während ich mich dem schönen Gefühl seiner sanft durch meine Haare streichelnden Finger hingab entschied er, dass wir den erforderlichen Sicherheitsabstand wahren, indem wir auf der Brücke vorm Hof stehen bleiben und einfach nur rufen.

Inzwischen hatte sich die schwer schniefende, näselnde Gnädigste dazu gesellt und ich sandte ein lautloses Dankesgebet zu den Priesterkönigen, weil die Frau zum Glück ihre Gesichtsgardine trug, sodass das Verteilen irgendwelcher Bazillen und Viren hoffentlich verhindert wurde. Selbstverständlich dachte ich dabei nur an die Gesundheit meines Herrn… dank des vor vielen Märkten verabreichten Serums bekomme ich sowas nämlich nicht. Quarantäne fand die Grüne aber nicht erforderlich, sondern verordnete sich einen Spaziergang und begleitete uns. Auf der Brücke vorm Hof befahl mein Herr: „Arya, plärr mal wie ein Hauptmann den Namen von Nila.“ Ich holte also tief Luft und brüllte dann so laut ich konnte: „Herr NILA!!!!...hier plärrt Arya im Namen ihres Herrn!!!!!! Mein Herr möchte dich sprechen!!!!!!!!“ Leider vergeblich.

Falls der Bauer es nicht so schnell schaffen sollte seine Felle zu verlassen und sich anzuziehen, warteten wir natürlich noch eine Weile, bis es unverrichteter Dinge dann aber doch ins Gasthaus ging. „Ich nehme ein Überraschungsgetränk“, bestellte mein Herr und seine Gefährtin wollte einen Tee. Hmmm… Überraschung und Tee? Ich brauchte nicht lange zu überlegen, bis mir eine wirklich tolle Überraschung für meinen Herrn einfiel, denn wer Überraschung bestellt, soll natürlich auch Überraschung bekommen! Da der Tee nicht nur kochendes Wasser benötigte, sondern auch einige Ehn ziehen muss, war ich natürlich eine Weile in der Gasthausküche verschwunden, was die Neugier meines Herrn auf sein Getränk hoffentlich noch etwas erhöhte.

Ich bekam während meiner Vorbereitungen übrigens mit, dass sich der Sattler dazu gesellte, sich beim ersten Niesen der Grünen aber offensichtlich ein Kissen weiter rückte, da er der Dichtheit ihres Schleiermundschutzes nicht ganz traute. Danach wurde die Schleierpflicht erörtert, die ja auf einem Ratsbeschluss von Moralaposteln basiert, die sogar eine Steinstatue entfernen ließen, weil sie zu nackt war. Tja, mir ist es egal und es geht mich auch nichts an, aber ich denke ein Rat aus dauerabwesenden Mitgliedern ist nicht existent. Außerdem habe ich sowieso noch nie verstanden, warum ein Stadtrat solche Vorschriften erlässt. Sowas regelt doch ein Mann für seine Gefährtin… will er sie in der Öffentlichkeit verschleiert sehen, dann hat sie sich daran zu halten! Und dass eine Freie unverschleiert noch mehr als sowieso schon Gefahr läuft einen Kragen zu erhalten, ist ja keine Überraschung, sondern allgemein bekannt.


Hach, der freudige Blick meines Herrn, als ich schließlich mit seinem Getränk auf der Terrasse auftauchte und neben ihm auf die Knie sank, ging mir durch und durch. Noch mehr aber, dass er sanft über meine Seite strich und erwartungsvoll brummte: „Nun lass ich mich überraschen, Arya.“ Oh ja, und wie ich ihn überraschte! Mein Wunsch beim Überreichen seines Trinkbechers ging tatsächlich in Erfüllung: „Möge mir die Überraschung mit diesem Kräutertee gelingen, mein Herr… und genug Honig drin sein, da du doch so gerne Süßes magst.“ „Da siehst du es Sattler… ich wollte ein Überraschungsgetränk und bekomme süßen Tee!“ rief mein Herr und ich glaube, er klang total begeistert.

Die zuerst vollkommen entsetzte Miene des Sattlers wurde übrigens sehr schnell sehr vergnügt: „Hauptmann, du trinkst Kräutertee??? Na, zumindest mich überrascht das jetzt! Arya, für mich aber keine Überraschung. Ich nehme Paga… der ist gut gegen Schnupfen, sein Alkoholgehalt desinfiziert und macht Viren kaputt, ist sozusagen Medizin.“ Eine noch bessere Wirkung erhoffte er sich anscheinend davon, erst mit einem Schluck Paga zu gurgeln, bevor er ihn herunter schluckte, während mein Herr feststellte, dass man heißen Tee nicht auf ex trinken kann. Er verbrannte sich den Mund, prustete einen Schwall Tee über den Tisch und befahl mir dann, mich um das Abkühlen des Tees zu kümmern.

Ich beugte mich selbstverständlich umgehend vor, um mit Hingabe in gleichmäßigem Rhythmus in den Tee zu blasen, während sich gleichzeitig meine nackten Brüste an das Bein meines Herrn drückten und seine über meinen Rücken streichelnde Hand mich leicht erschauern ließ. Nach einiger Zeit erkundigte er sich, ob der Tee inzwischen trinkbar ist, sodass ich mich für einen vorsichtigen Test anbot, falls er kein Risiko eingehen wollte. „Ich geh jetzt mal volles Risiko ein, Arya… du trinkst den Tee auf ex und bringst mir ruck zuck einen Ka La Na… allerdings wenn ich in Zukunft ein Überraschungsgetränk bestelle, ist Tee ausgenommen!“

Zu weit vorgerückter Ahn, drückte mein Herr mich übrigens sehr fest an sich und während mein Kajiraherz ganz wild anfing zu klopfen meinte er: „Mit dem Tee hast du mich wirklich überrascht, Arya… viel mehr als ich dachte!“

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