Donnerstag, 13. April 2017

Eine kleine Aufmerksamkeit

“Ich bin froh, dass ich dich sehe, meine Kajira“ begrüßte mein Herr mich bei meiner Heimkehr und ließ mein Kajiraherz wieder einen Extrahüpfer machen. Ich glaube allerdings, nicht nur mein Anblick erfreute ihn, sondern wahrscheinlich vor allem, dass der lästige Papierkram erledigt war, um den er sich als Kastenerster der roten Kaste von Jorts Fähre gekümmert hatte, während ich mit der Versorgung von Fenris beschäftigt gewesen war. Mein Herr sieht mich natürlich ständig, außer er hat Wachdienst und genau deswegen hatte er an diesem Tag an seinem Schreibtisch gesessen.

Seine Überlegung dabei war, einfach nicht vor die Tür zu gehen und damit die in letzter Zeit leider ständigen Änderungen seiner Wachdienste zu unterbinden, weil ihm niemand einen neuen Wachplan überreichen kann… sehr schlau, aber mein Herr ist ja auch der Hauptmann. Trotzdem ging es schließlich doch noch zum Hafen, nachdem er beschlossen hatte, meine Nase zum Erschnüffeln möglicher Wachplanänderungen einzusetzen. Oha, war die wirklich ausreichend trainiert, damit ich unschöne Änderungen tatsächlich treffsicher und rechtzeitig roch? Sich nachdenklich am Kinn kratzend wollte er von meinen Bedenken jedoch nichts wissen: „Hmmm… dann übst du einfach Arya!“


Tja, eine Kajira lernt sowieso nie aus und mich anstrengen und mein Bestes geben tu ich auch immer… es würde schon nichts schief gehen. Der Weg zum Hafen war meinem Herrn wichtig, weil man von dort nicht nur einen wunderschönen Blick ins Vosktal hat, sondern auch eintreffende Besucher sehr frühzeitig entdeckt. Das Auslüften… für mich übrigens wieder ohne Tunika… wurde allerdings noch kurz aufgeschoben, weil ich unten auf dem Tisch eine Vase mit einer hübschen Blume entdeckte. „Nanu, Blumen fallen nicht vom Himmel… Arya, hast du die Tür offen gelassen und jemand ist herein spaziert?“ Selbstverständlich fühlte mich total unschuldig, denn ich schließe die Tür wirklich immer, abgeschlossen hatte ich sie allerdings noch nie.

Unsere Rätselei wurde von einem kleinen, unter der Vase zusammengefalteten Zettel beendet und dem Befehl: „Lies mal vor Arya, was da steht!“ Total erstaunt, aber freudig überrascht, sah ich eine mir wohlbekannte Handschrift und las: „Jeder Besitz einer Sklavin gehört ihrem Herrn, daher eine kleine Aufmerksamkeit für unseren Beschützer und Führer. Seine Kajira wird ihm im Zweifel beim Platzieren der Blume helfen können, hat sie doch viel damit bei ihrer ehemaligen Herrin zu tun gehabt. In Freundschaft und Respekt, Lady Pinion.“ Wow… eine kleine Aufmerksamkeit??? Ich war echt obersprachlos vor Glück. 

Für meinen Herrn war es vermutlich nur ein Lebenszeichen von der Lady Pinion, doch für mich war es ein wunderschönes Geschenk, mit dem meine frühere Herrin mir zeigte, dass sie sich immer noch an diesen besonderen Tag vor 36 Märkten erinnerte, an dem sie mich an ihre Kette genommen hatte. Eine Sklavin hat zwar keinen Besitz, doch ihre Gedanken und ihre Erinnerungen gehören ihr trotzdem und die kann ihr auch niemand nehmen. Während ich mich stumm meiner Freude hingab, konnte mein Herr natürlich nicht ahnen, was gerade in mir vorging und stellte lachend fest: „Ohhh… nun ja, dass du jetzt mir gehörst, daran gibt es keinen Zweifel und sollte da welcher bestehen, dann mach ich das klar.“

Während mir jede Menge Schönes meiner Vergangenheit durch den Kopf ging, kam mein Herr leider wieder auf die Tür zu sprechen: „Die Frage ist, wer hat die Tür offengelassen, Arya?“ Schnell beteuerte ich erneut, dass ich es nicht gewesen war, sodass er nun die Vermutung aufstellte, die Lady Pinion muss sich herein gemogelt haben. Für mich war das natürlich vollkommen in Ordnung, aber auch ein Beweis, dass vergitterte Fenster unwichtig sind. Oha, das hätte ich nicht sagen sollen, denn jetzt behauptete er, sie sei durch ein Fenster geklettert, weil die eben NICHT vergittert sind.

Pahhh… ein absolutes Unding! Empört wies ich diese Unterstellung weit von mir. „Meine Herrin klettert doch nicht durch ein Fenster, mein Herr, wenn die Tür nicht abgeschlossen ist!“ Zack, die Ohrfeige saß, wurde begleitet von gefährlichem Brummen und brannte heiß auf meiner Wange. Ich hatte vergessen „meine ehemalige Herrin“ zu sagen… vermutlich wegen der vielen Erinnerungen, die gerade mein Denken bestimmten. „Sie ist nicht mehr deine Herrin… und ich mag nicht, wenn Fremde einfach in mein Haus kommen“ grummelt mein Herr weiter, sodass ich mich kleinlaut erkundigte, ob ich die Blume wegwerfen soll, wenn sie ihm nicht gefällt. „Nein Arya, sie gefällt mir und sie steht gut dort auf dem Tisch… aber das nächste Mal machst du die Tür richtig zu.“ Ja klar, das mach ich doch sowieso immer!


Puhhh, nicht nur meine Wange glühte, sondern auch mein Kajiraherz… für meine ehemalige Herrin, die in meinen (überwiegend übrigens stummen) Gedanken nun mal meine Herrin bleiben wird und natürlich wie immer für meinen Herrn. Wie gut, dass er nicht nachtragend ist und vor der Hafentaverne nicht nur seinen Kalana sehr genoss, sondern auch meinen warmen Bauch, mit dem ich mich sehr innig an sein Bein schmiegen durfte, während wir uns über alles Mögliche unterhielten. Vielleicht weil ich erwähnte, dass mir fast nie kalt ist, ich zwar kein Fisch bin, trotzdem wie einer schwimmen kann, kam meinem Herrn die Idee mit dem Wasserfall.

„Arya, bevor wir nach Hause gehen, werde ich jetzt noch etwas kontrollieren“ kündigte er an, packte meine Haare und zog mich durch den Wald hinter sich her, bis wir den See am Wasserfall erreichten und er mich mit einem kräftigen Stoß ins Wasser schubste. „Du wolltest doch baden, Arya… pass nur auf, dass dich keine Wasserurt beißt!“ lachte er oben am Steilhang stehend, nachdem ich prustend wieder aufgetaucht war. Hach… das Wasser war toll… naja erfrischend toll. Ich hatte dort zwar schon öfter gebadet, allerdings nicht alleine, sodass ich wegen irgendwelcher Viecher unter Wasser nun lieber noch mal untertauchte. Außerdem hatte mein Herr doch gesagt, dass es um eine Kontrolle ging.


„Genieße dein Bad Arya, wer weiß schon, ob nicht irgendwann doch noch bösartige Viecher auftauchen, weil der Wasserfall sie anzieht!“ Na toll, irgendwie wurde mir gerade etwas mulmig zumute, während ich mich leicht hektisch in alle Richtungen umsah, ob sich die Wasseroberfläche nicht womöglich schon verdächtig kräuselte und mein Herr hakte nach: „Na Arya, kommen die Wasserurts schon?“ Ich verneinte die Frage zwar, zog es dann aber doch vor mein Bad lieber zu beenden, zumal aus erfrischend toll gerade frischkalt toll und mir vor allem etwas unheimlich geworden war.


„Ab nach Hause Arya und abtrocknen!“ war daher ein Befehl, den ich nur zu gerne befolgte. Einfach fantastisch war übrigens die Erlebnis, mich mit meiner kalten Haut an meinen Herrn drücken zu dürfen, sodass mir ganz schnell wieder sehr warm wurde… übrigens ohne jegliche Anregung meiner Durchblutung mit der Kurt! Mein Herr äußerte zwar grinsend seine Überraschung, denn er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass es so flott damit ging, fand meine Erklärung aber logisch, dass es an seiner Nähe liegen muss und besonders gut klappt, wenn es der richtige Herr ist. ;-)))

1 Kommentar:

  1. Lady Pinion steigt duch Fenster? Wirklich ein wilder Gedanke!
    Gerüchteweise war die Tür tatsächlich nur zu aber nicht abgeschlossen. ;-)
    Alles Liebe zum Jubiläum eines denkwürdigen Ereignisses vor 9 Jahren.
    Ich gehe heute noch ab und zu mal im CARP vorbei, da ist nur inzwischen garnichts mehr los. Trotzdem erinnere ich mich dann an die spannende Phase, in der du schon mir gehörtest ohne es zu wissen. :-)
    *Kuss*

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