Donnerstag, 6. April 2017

Erinnern, sonst Strafe oder Glück gehabt

Seit einiger Zeit macht mein Herr ziemliches Getue um seinen Sleen und führt ihn ständig Gassi. Erst dachte ich, er macht Spaß, als er davon erzählte, doch ist ihm dieses Ausführen offensichtlich sogar besonders wichtig. Naja, geht mich nichts an, zumindest bislang nicht. Müde von seinen vielen Wachdienste zu ungünstigen Zeiten, kam er jetzt nämlich auf die Idee, mir diese Aufgabe zu übertragen, wenn Fenris nachts ausgeführt werden will oder sehr früh morgens. Selbstverständlich war ich über solch eine Ehre total begeistert, gab allerdings zu bedenken, dass mein Herr dann darauf verzichten müsste, mich nachts anzuketten oder in den verhassten Sklavenkäfig einzusperren. „Hmm, hmmm… das stimmt…“ gab er mir nachdenklich brummend tatsächlich Recht und legte fest, dass seine Gefährtin sich darum kümmern soll.


Tja, kaum war ihr Name gefallen, tauchte die Gnädigste auch schon auf und hatte das Kümmern offensichtlich mitbekommen, denn sie lehnte diese Aufgabe total empört ab: „Was? Ich mit dem Stinker? Auf keinen Fall!“ „Ich möchte aber mal ausschlafen und bis ich aufstehe, ist Arya immer angekettet“, erklärte mein Herr seinem Weib. Doch obwohl die Grüne in der Krankenstation und auch sonst so gut wie nichts um die Ohren hat, wies sie sein Ansinnen weit von sich und brachte keinerlei Verständnis für seinen nachzuholenden Schlaf auf, der aufgrund der vielen Wachen zu allen möglichen und leider eben auch unmöglichen Nachtzeiten zu kurz geraten war: „Dann hat Fenris eben Pech… ich gehe auf keinen Fall mit dem. Du kannst Arya ohne Ketten schlafen lassen, wenn du ausschlafen möchtest.“

Die beiden diskutierten das Für und Wider meines Ankettens noch eine Weile, von dem mein Herr allerdings nicht abweichen wollte. Auch alle anderen Möglichkeiten oder der Kauf eines Kajirus wurden verworfen, weil sie der Gnädigsten nicht passten und so ein halbnackter Sklave schon gar nicht, selbst wenn er Kleidung bekommt. Ich gestehe, auch ich konnte mich nicht wirklich dafür begeistern, obwohl die Anschaffung für das Brennholzproblem nicht zu verachten wäre, sofern der Kerl nicht von Fenris gefressen wird, weil er Kajirae wahrscheinlich zugetaner ist. Letztendlich fand mein Vorschlag Zustimmung, den Sleen vor dem Schlafengehen aus dem Käfig zu lassen und ihm anzutrainieren, dass er nachts in den Wald darf, er morgens jedoch wieder zurück sein muss.


Zwischen meinem Herrn und seiner Gefährtin herrschte danach wieder Friede, Freude, Eierkuchen und es keimte der Wunsch nach Paga und einem Schluck Wasser. Außerdem entschloss er sich, kaum dass er unten auf seinem Sitzkissen Platz genommen hatte, seinen bislang meistens nur als Deko dienenden Waffenständer in Betrieb zu nehmen. Warum er nie wie meine früheren Herren beim nach Hause kommen grundsätzlich als Erstes sämtliche Waffen abnimmt, erschloss sich mir ja noch nie, geht mich aber auch nichts an. Während ich seine Waffen nun an dem dafür vorgesehenen Platz neben der Tür deponierte, brummte mein Herr übrigens: „Ich bin zwar dran gewöhnt und vergesse immer sie abzulegen, aber ohne ist es doch viel bequemer. Vielleicht sollte ich auf Aryas Hintern 'Waffen ablegen nicht vergessen' schreiben?“

Mein Einwand, dass mein Platz doch aber hinter ihm ist und der Hinweis somit für ihn nicht zu sehen, war natürlich einleuchtend, sodass mein Herr stattdessen befahl: „Arya, du wirst mich zukünftig daran erinnern!“ Ehrlich gesagt packte mich jetzt leichte Nervosität, denn ich bin schließlich auch nur ein Mensch, auch wenn ich stets versuche, mein Bestes zu geben. Vorsichtig erkundigte ich mich daher: „Mein Herr, wäre es vielleicht denkbar, dass du mir eine Eingewöhnungsfrist zubilligst, was das Erinnern anbelangt?“ „Arya, seit wann bekommen Sklaven eine Frist?“ war zwar eine Gegenfrage, beantwortete meine allerdings trotzdem. Das Thema war damit jedoch noch nicht erledig, obwohl ich jetzt einen starken Kriegerarm um mich spürte, der mich wundervoll dicht an meinen Herrn zog.

„Nun kannst du dich anschmiegen, Arya… meine Gefährtin hat bestimmt einen Vorschlag, was ich Nettes mit dir machen kann, wenn du das Erinnern vergisst.“ Während ich seine Nähe ohne störende Waffen zwischen uns total genoss, kam von der Gnädigsten total erschrocken: „Oh jee!“ „Nein, 'oh jee' kann ich mit Arya nicht machen… beim besten Willen nicht“, lehnte mein Herr ab, ließ aber nicht locker. Während seine sich windende Gefährtin herum druckste „…mir fällt gerade nichts ein… ich bin nicht kreativ in solchen Dingen, absolut nicht... bin keine Sklaven gewohnt… kenn mich deswegen auch nicht mit Strafen aus“, war mir natürlich klar, dass mich mit oder ohne ihren Vorschlag sowieso eine Strafe erwartet, sollte ich das Erinnern vergessen.

Die Freie hoffte bestimmt, sie würde wie immer davon kommen und mein Herr ihr gegenüber wie immer nachgeben, doch diesmal ließ er die Sache nicht auf sich beruhen: „Nun ja… du hast noch etwas Zeit zum Überlegen. Vielleicht brauchst du auch keinen Vorschlag machen, wenn Arya schlau ist und mich immer an das Ablegen meiner Waffen erinnert.“ „Darauf hoffe ich!“ lächelte sein Weib sichtlich erleichtert in meine Richtung, wurde bei der Vermutung meines Herrn jedoch umgehend wieder nachdenklich. „Ich gebe Arya eine Hand, bis sie es vergisst.“ „In dem Fall wird es spannend, mein Herr“, konnte ich mir schmunzelnd einfach nicht verkneifen und mein Herr stimmte grinsend sofort zu: „Genau Arya, denn dann wird meine Gefährtin sehr kreativ sein!“

Tja, meine Überlegungen hatten sich eigentlich mehr darum gedreht, ob mein Herr sein Weib dann wegen eines Vorschlags noch weiter unter Druck setzen wird und noch viel spannender fand ich ganz anderes: „Mein Herr, wenn ich vergesse, dich zu erinnern und du das merkst, das wäre doch der Beweis dafür, dass ich dich eigentlich gar nicht mehr erinnern muss. Dein Befehl wäre somit hinfällig, meine Bestrafung gar nicht mehr erforderlich und deine Gefährtin von der Belastung erlöst, dir einen kreativen Vorschlag dafür machen zu müssen!“ „Hehe, gutes Argument… aber es bleibt dabei, du erinnerst mich. Und wenn wir es beide vergessen, fällt das unter 'Glück gehabt', Arya.“ Hmmm… mal abwarten. ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen