Dienstag, 4. April 2017

Kein Kirschsaft

Die Krieger pausierten bei meinem Eintreffen an der Wiese gerade mit ihrem Waffentraining, dennoch kniete ich grüßend nicht direkt neben meinem Herrn nieder. Der Platz dort war nämlich von der Sattlerkajira belegt. Zu diesem Zeitpunkt drehte sich das Gespräch allerdings noch nicht wie von mir vermutet erneut um ihren Kauf, sondern merkwürdigerweise um den Gesang meines Herrn in der Badewanne. Seine Behauptungen nahm der Landsitzkrieger anscheinend jedoch nicht ganz ernst, denn er vermutete, mein Herr habe wohl zu lange auf zu engem Raum mit seinem Sleen gelebt. Auch die von mir erwartete Bestätigung für das gesangliche Können meines Herrn wiegelte er gleich ab: „Hauptmann, Arya würde auch bestätigen, dass du gut aussiehst, 100 Gegner alleine besiegst und blonde Haare hast.“

Ehrlich gesagt verstand ich nicht wirklich, worum es gerade ging. Ich verkniff mir jedenfalls einen Kommentar über die Gesangskünste meines Herrn und druckste stattdessen, dass er auch sehr melodisch schnarchen kann. Sein darauf folgender Auftrag an die Sattlerkajira machte die Sache zumindest für mich jedoch nicht klarer… wobei ich zum Glück auch nicht alles verstehen muss und mich lieber stumm über das Lob meines Herrn freute: „Ein sehr guter Einwand, Arya. Laya, bestell deinem Herrn, wenn wir mit seiner Spende unzufrieden sind, schnarch ich ihm auch noch etwas vor. Arya kann dir bestätigen, wie laut ich bin… da rennen die Bäume nämlich vor lauter Angst von alleine weg.“

Um das Bild meines neben dem Sattler schlafenden Herrn zu verdrängen, gab ich bedauernd von mir, dass Bäume vielleicht vor Angst weglaufen, leider jedoch nicht auf den Brennholzstapel und kassierte prompt eine Ermahnung: „Arya sei froh, dass ich den letzten Baum gefällt habe und nicht dich das habe machen lassen!“ Args… selbstverständlich war ich dafür dankbar und beteuerte schnell meine Freude, denn dass mein Herr mich mit allen möglichen und leider auch unmöglichen Dingen zu beschäftigen weiß, ist mir oberklar. Ich bemerkte die mich kritisch musternden Blicke des Landsitzkriegers, die ich erst nicht einordnen konnte, bevor er dann mit herrlich gesundem Menschenverstand einwandte: „…dann würdest du im nächsten Winter wahrscheinlich frieren, Hauptmann.“ Wie wahr… doch mein Herr winkte ab: „Ach was, Arya ist zäh und Laya hilft sicher dabei.“

Leider nicht zum ersten Mal überlegte er nun tatsächlich die Sattlerkajira zu kaufen… für mich irgendwie unverständlich, wie er da auf einmal drauf kam. Oder war er doch nicht mehr zufrieden mit mir? Warum fragte er nicht einfach den Sattler, wenn er ihre Hilfe wünscht? Der Landsitzkrieger sprach meine Gedanken aus: „Wozu das? Hauptmann, wenn du Laya benutzen willst, tu das einfach. Dafür musst du nicht die ganze Bäckerei kaufen!“ Zusätzlich gab er ihm den Tipp: „Du musst das so sehen… für jeden Stapel Brennholz, den du selbst gehackt hast, darfst du 1 Stück von Aryas Larma-Kuchen essen… Holzhacken ist außerdem gut gegen Grünflecken in der Tunika!“

Mein jetzt nachdenklich brummender Herr ließ mich vermuten, dass er bislang sämtliche Backwaren immer ohne einen einzigen Gedanken an seine Figur verdrückt hatte. Das Thema wurde jedoch fallengelassen, da es nun an der Zeit für Erholung im Gasthaus war. Auf dem Marktplatz trafen wir einen Schreiber, den ich vom früheren Heimstein meiner ehemaligen Herrin kannte. „Auf dem Weg zum Sardar ist Jorts Fähre ein guter Ort zum Kreuzen des Vosk“, nuschelte der Reisende ziemlich undeutlich und ließ den Landsitzkrieger darüber spekulieren, ob der Blaue vor dem Fluss womöglich schon einige Becher gekreuzt hatte. Meinem grinsenden Herrn war offensichtlich der gleiche Gedanke gekommen: „Haha… oder zu tief in ein Pagafass geschaut!“

„Paga sagt mir tatsächlich zu, besonders ein „Paga spezial“, erwiderte der Schreiber belustigt mit Blick in meine Richtung, allerdings habe er an diesem Tag noch keinen Tropfen zu sich genommen und stellte sich dann vor. Mich noch sehr gut an diese Sorte Paga erinnernd, musste ich schmunzeln, denn mein Herr hatte keinerlei Ahnung, als er nun den Spezial-Paga des jortsschen Brauers als gut, aber teuer anpries. Anscheinend müde von seiner Reise, hatte der Schreiber offensichtlich jedoch kein Interesse an einem Getränk auf der Gasthausterrasse, sondern erkundigte sich nach einem Nachtlager und zog sich gleich zurück, nachdem Laya ihm ein Zimmer gezeigt hatte.

Sie brachte dem Herrn zwar noch ein Getränk aufs Zimmer, doch so erstaunlich schnell wie sie wieder zurück nach unten kam, war ich mir ziemlich sicher, dass es eigentlich kein richtiger „Paga spezial“ gewesen sein konnte. Tja, ich lag falsch damit, denn der Gast hatte sich von ihr seine bevorzugte Spezialmischung aufs Zimmer bringen lassen und sie zu sich beordert, sobald ihre Dienste auf der Terrasse nicht mehr benötigt wurden. Meine Frage an Laya wegen des Pagas ließ übrigens die Sängerin, die sich inzwischen mit der Bauerngefährtin auf der Gasthausterrasse dazu gesellt hatte, vor Neugier fast platzen… zumindest kam es mir so vor, als sie sich jetzt nach dem „spezial“ in diesem Getränk erkundigte.


Oha, die Beantwortung der Frage war ziemlich heikel bei dieser freien Frau, die schon zum Zetern neigt, wenn Kajirae bekleidet! in ihrem Beisein mit offenen Schenkeln knien, obwohl es um sie herum ein mehr als reichliches Angebot an Alternativen für ihre Blicke gibt. In der Hoffnung, ich könnte die Sängerin vielleicht damit vorwarnen und von ihren Auskunftsgelüsten abbringen, gab ich erst einmal zu bedenken: „Also meine frühere Herrin hätte dazu gesagt, dass sie das eher nicht so genau wissen möchte, Herrin... soll ich es trotzdem erklären?“ Ihr schmunzelnder Gefährte verstand meine Andeutung, zumal sich inzwischen herausgestellt hatte, dass ihm gewisse Vorlieben dieses Schreibers nicht unbekannt waren.

Sein Weib ließ jedoch nicht locker und auch mein Herr war gespannt darauf Näheres zu erfahren, nachdem ihm klargeworden war, dass diese Mischung offensichtlich nichts mit dem Spezialbrand des jortsschen Brauers zu tun hatte. Um brüskiertes freie Frauen Gezeter zu vermeiden, probierte ich nun den Versuch einer sehr vage gehaltenen Antwort: „Naja, der „Paga spezial“ ist eigentlich ein ganz normaler Paga... aber ein bisschen veredelt Herrin.“ Damit war die Neugierige immer noch nicht zufrieden und bohrte weiter: „Mit Kirschsaft?“ Wohlerzogen und ehrlich wie ich nun mal bin, blieb mir letztendlich nichts anderes übrig, als der Sängerin sehr offen zu erklären, was der blaukastige Herr als „spezial“ in seinem Paga wünscht und erläuterte ihr unschuldig plinkernd die Herstellung dieses Saftes ohne Kirsch, dafür mit Kajira… je mehr umso besser.

Ihr Gefährte prustete laut los und mein Herr schmunzelte: „Nun ja, also sehr edel.“ Den Priesterkönigen sei Dank bekam das Weib jetzt immerhin keine Schnappatmung, sondern nur einen kirschroten Kopf. Aber schlucken musste sie, bevor sie sich zufrieden gab und feststellte: „Oh... ähm... aha, also kein Kirschsaft.“

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