Samstag, 29. April 2017

Planungen, ein Rauswurf und mal wieder eine Neue

Nachdem mein Herr und der Kommandant von Belnend einen groben Plan geschmiedet hatten, um gewissen Leuten Taten im Sinne von umhauen und mitnehmen zu zeigen und sie zur Erziehung einer Art Therapie zu unterziehen, wurde es langsam Zeit für die Rückreise. Mein Herr wollte nämlich das Schiff nicht verpassen, da es nach einem kurzen Zwischenstopp noch weiter nach Kafal gehen sollte. Der Kommandant von Belnend mahnte vorher noch zu größter Vorsicht, da in der Gegend anscheinend täglich Plakate verteilt werden, die zum Verrat aufrufen. 

Ein solches an der Brücke vor dem Stadttor war mir bei unserer Ankunft zwar aufgefallen, doch hatte ich es nicht lesen können, da ich mich beeilen musste, hinter meinem Herrn und dem Sattler hinterher zu kommen. Auf dem Heimweg hielten wir dort aber natürlich an und da der Sattler wie die meisten Goreaner nicht lesen kann, befahl mein Herr mir vorzulesen. „Jedem, der die Pläne der roten Kaste aus Belnend kennt und bereit ist diese zu verraten, dem zahlen Markath und Fensalir sein Gewicht in Gold… gez. Harper, Dorfjarl Markath und Aegir, Dorfjarl Fensalir.“


Oha, die Befürchtungen des Kommandanten waren mehr als verständlich. Der Sattler überlegte grinsend, was er wohl wiegt und mein Herr grinste zurück, es sei am Einträglichsten den riesigen Brauereikrieger zu schicken, weil dieser Hüne von einem Mann am meisten auf dieWaage bringen wird. Selbstverständlich war das von den beiden nicht ernst gemeint. Sie hofften natürlich, dass bei der Besprechung kein Verräter am Tisch gesessen hatte und womöglich die Überlegungen für die geplante Aktion mitbekommen hatte, doch mein Herr sah es locker: „Sollten wir verlieren, verkaufen wir ihnen das nächste Mal falsche Informationen.“


Trotz überreichlich genossenen Kalanas überstand mein Herr die Rückreise übrigens ohne einen Eimer zu befüllen oder darüber nachdenken zu müssen, wo sich auf dem Schiff zum Füttern der Fische die Leereling befindet. In Jorts Fähre angekommen, verabschiedeten wir uns daher nur kurz vom Sattler und fuhren gleich weiter nach Kafal. Wie fast immer wirkte das Dorf anfangs wieder total verschlafen und außer dem Musiker und seiner Tanzsklavin, irgendeinem Gast und weiteren Kajirae war niemand zu sehen. Doch schließlich fand sich ein Krieger, mit dem mein Herr sich ein Stück entfernte… während er ihn über die Planungen der roten Kaste ins Bild setzte, sollte natürlich nicht jeder zuhören.

Ich gestehe, im Gras vor der kafalschen Taverne auf meinen Herrn zu warten und dabei nicht einzuschlafen, war wirklich schwer. Interessantes gab es nämlich nicht zu sehen, da um zwei Freie auf der Tavernenterrasse lediglich die Sklavinnen herumwuselten. Wobei ich mich nicht beschwere, eine Kajira muss sich in Geduld üben können und ich mag auch gerne unterwegs sein, nur irgendwie schien das Reisen in meiner Warteposition im Gras seinen Tribut von mir zu fordern. Entsprechend froh war ich, als mein Herr mich irgendwann abholte und auch nicht mehr auf ein Getränk einkehrte, sondern gleich das nächste Schiff nach Hause nahm.

Zum Beginn des Waffentrainings am nächsten Tag war ich mit meinen häuslichen Arbeiten leider noch nicht ganz fertig, lief aber hinterher, sobald alles erledigt war. Wobei ich außer etlichen Grasflecken an der Kleidung meines Herrn nichts verpasst hatte und auch nur der Landsitzkrieger zum Training erschienen war. Der Rarius meinte übrigens, nach so viel Gratiskalana wie in Belnend würde er sehr dazu neigen, einfach seine Haustür abzusperren und lieber zu Hause zu bleiben. Doch mein Herr kann als Hauptmann und Erster der roten Kaste von Jorts Fähre das Training natürlich nicht schwänzen, zumal er in Kafal den Krieger dazu eingeladen hatte…, doch die Dörfler kniffen.

Gerade hatte der schnaufende Landsitzkrieger meinen Herrn vom Beenden ihres Trainings überzeugt, als eine sichtlich verärgerte Sängerin an der Wiese auftauchte und sich empört Luft machte: „Es ist unverschämt, dass sich Freie Frauen nicht an die Stadtgesetze halten… Begründung, man wolle ein Kind nicht verschrecken bzw. wenn man sie festsetzen würde, würde hier der Norden einfallen! Welch eine Drohung von einer Unverschleierten, die ausgerechnet auch noch die Ziehtochter des Händlers ist!“ „Komm Weib, wir gehen“, knurrte darauf der Landsitzkrieger kurz angebunden, informierte vorher aber noch meinen Herrn: „Sag mir Bescheid, wenn hier kein Geschmeiß aus dem Norden mehr herumläuft, bis dahin bleibe ich auf meinem Landsitz!“ Na toll, dieser Krieger machte es sich einfach, da er nicht dem Heimstein angehört… die beiden Landeier rauschten davon.


Die Zeugmeisterin wunderte sich übrigens, dass der Norden einerseits Ärger mit dem Süden sucht, andererseits trotzdem Nordleute in einem Gasthaus des Südens sitzen und dabei offensichtlich so tun, als könnten sie kein Wässerchen trüben, die Stadtgesetze missachten, obwohl sie es besser wissen: „Hauptmann, ich erinnere, dass hier mal sehr viel Wert auf die Gesetze gelegt wurde und dass selbst Reisende peinlichst darauf geachtet haben... schade, wenn sich das ändern sollte. Unverständlich das Ganze, denn goreanische Frauen kennen den Schleier von Kindesbeinen an. Ich bin immer wieder überrascht, dass manche Frauen sich derart dumm stellen und meinen, sie hätten nie davon noch gehört.“ Oh ja, welch wahre Worte!

„Gesetze sind Gesetze… ich werde mich um das Schleierproblem kümmern, da es in meinen Zuständigkeitsbereich fällt.“ Nach dieser Ankündigung stampfte mein Herr Richtung Gasthaus davon und stellte sowohl die dort herumstehende, sich an einem Säugling festklammernde Ziehtochter des Händlers, als auch die Freie zur Rede, die ihm offensichtlich seine bestellte Sklavin verkaufen wollte… keine Ahnung, was meinen Herrn dazu veranlasst hatte, denn angeblich war er immer noch sehr zufrieden mit mir. Das herumstehende Weib behauptete, obwohl sie lange in Jorts gelebt hatte und es besser wissen muss, das Schleiergesetz sei ein Toleranzproblem, sie könne keinen tragen, weil dann angeblich ihr Kind brüllt. Für mich war das ein typischer Fall von Herumglucken einer Übermutter… der anscheinend schlafende, nicht den leisesten Piep von sich gebende, verhätschelte Säugling tat mir echt Leid.


„Die Regeln sehen keine Ausnahme für Frauen mit Kind vor… hier in der Stadt herrscht Schleierpflicht. Das gilt für Heimsteinangehörige und für Besucherinnen“, erklärte er geduldig auf, musste sich von der Ziehtochter des Händlers aber erneut anhören, dass damit ihr Kind erschreckt wird. Pahhh, von seinem eigenen Nachwuchs wusste mein Herr, wie lächerlich diese Aussage war. Das andere Weib mokierte sich, bei ihrem letzten Besuch nicht darauf hingewiesen worden zu sein. Tja, warum auch… seinerzeit hatte sie einen Schleier getragen! An diesem Tag zog sie es jedoch vor abzureisen, nachdem die Vereinbarung über die Restsumme für die Kajira mit meinem Herrn geklärt war… übrigens ohne Beledigungen. Mit den beiden Übereltern wurde es leider peinlich.

„Ich habe jetzt genug von euren Beleidigungen… ihr reist morgen früh ab. Auch Gäste mit Kind müssen sich hier den Gesetzen entsprechend benehmen. Unser Händler wäre der Erste gewesen, der auf dem Schleier bestanden hätte. Solltet ihr morgen noch da sein, helfe ich euch auf die Fähre!“ Danach trank mein Herr aus, warf seinen Becher zur Seite und schnippte ein paar Münzen auf den Tisch. Bevor er die Gasthausterrasse verließ, befahl er seinem Neuerwerb allerdings noch: „Wenn du hier nicht mehr gebraucht wirst, kommst du zu mir, aber zack, zack!“ Es dauerte auch tatsächlich nicht lange, bis seine Neue auftauchte und sich große Mühe gab… aber mal abwarten, neue Besen kehren immer gut. ;-)

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