Sonntag, 30. April 2017

Rothaarige Konkurrenz

"Arya, du bist dafür verantwortlich das 89 schnellstmöglich die Hausregeln lernt", befahl mein Herr, nachdem er seiner rothaarigen Neuen anstelle eines Namens eine Nummer gegeben hatte. Ich hatte ihm vor einiger Zeit ja vorgeschlagen, Sammelstücke der Einfachheit halber lieber nur zu nummerieren, da sich meistens ein Name nicht lohnt. Wobei er diese Kajira sogar gekauft hatte... warum auch immer. Das entzieht sich nämlich meiner Kenntnis, aber geht mich auch nichts an. Ich bin jedenfalls der Meinung, eine Sklavin sollte nicht nur die Ehre einer traditionellen Begrüßung erhalten, sondern muss sich einen Namen erst verdienen. Daher freue ich mich, dass mein Herr dies inzwischen genauso sieht. 


Immerhin scheint dieses Mädchen sich mit den Hierarchien an Sklavenketten auszukennen und akzeptierte mich ohne Murren als Erste… aber ich werde auf der Hut sein. Nachdem mein Herr sie gleich am ersten Abend mit den üblichen 11 traditionellen Schlägen an seiner Kette begrüßt und ihr klar gemacht hatte, dass er absoluten Gehorsam von ihr erwartet, drehte sich auch am nächsten Tag alles um diese Kajira. Sie musste das Schnüffeln und Sabbern von Fenris über sich ergehen lassen. Ich fand zwar, damit hätte mein Herr durchaus auch noch warten können, doch halte ich mich aus seinen Entscheidungen nicht nur tunlichst heraus, sondern selbstverständlich auch meine Klappe, wenn meine Meinung nicht gefragt ist... wie meistens eigentlich. 


Wobei ich gestehen muss, ein wenig schadenfroh war ich ja, dass 89 die ekelhafte Tortur über sich ergehen lassen musste und hinterher gar nicht aufhörte, sich den klebrigen Sabber des Sleen vom Körper zu schrubben, bis ihre Haut langsam die Farbe ihrer Haare annahm und ihr üppiger Körper einer Tomate auf Zehenspitzen ähnelte... anscheinend hat sie wohl verkürzte Sehnen und tritt deswegen nie mit dem ganzen Fuß auf, sondern läuft ständig auf Fußspitzen. Naja mal abwarten... die grüne Gefährtin meines Herrn hat eh nichts zu tun, außer sich über ihren Schleier zu beschweren und kann vielleicht Abhilfe operieren. 


Wegen ihrer Gesichtsgardine kommt sie übrigens nicht gegen meinen Herrn an. Seine Aussage nach dem Rauswurf der besserwisserischen Weiber, die glaubten, sich nicht an die Stadtgesetze von Jorts Fähre halten zu müssen, war mir gegenüber nämlich sehr eindeutig: "Wer keinen Schleier tragen will, hat hier nichts verloren... unsere Gesetze sind einzuhalten! Meine Gefährtin kann meckern so viel sie will, sie hat nicht zu entscheiden. Es ist mein Wunsch, an den sie sich zu halten hat!" Tja, Stadtgesetze hin oder her... Frauen, die Männern auf der Nase herumtanzen wollen, benötigen meiner Meinung nach sowieso keinen Schleier, sondern einen Kragen und mein Herr sieht das genauso.

Apropos Kragen... auch den hatte sich die Neue natürlich noch nicht verdient, doch wegen der geplanten Aktion mit Belnend fand mein Herr, ein einfaches Seil kann zu leicht durchgeschnitten werden. Nagut... seine Entscheidung, zu der ich mir lieber jeden Kommentar verkniff. Außerdem passte es ganz gut, da der Schmied erst kürzlich über einen Boten mitgeteilt hatte, wann er zurück in seiner Schmiede sein wird, die bei unserem Eintreffen leider jedoch ausgestorben war. Statt Schmied tauchte allerdings der Bauer auf... ungewöhnlich, denn normalerweise sieht man den nur Mitte der Hand zum Waffentraining, wenn überhaupt. 


Schließlich traf der Schmied aber tatsächlich ein und auch der Sattler und die Zeugmeisterin gesellten sich dazu, sodass mein Herr die Gelegenheit nutzte und alle über die von Belnend geplante Aktion zur Therapie einiger Spezies aus dem Norden in Kenntnis setzte. Während ich mich innig an sein Bein schmiegen durfte und in den Genuss seiner wundervoll sanft mein Haar kraulenden Finger kam, verpasste der Schmied 89 ihren neuen Kragen. Da Kafal zum Waffentraining in dieser Hand nicht erschienen war, bekam die Zeugmeisterin von meinem Herrn den Auftrag zu klären, ob die Dörfler bei der geplanten Aktion dabei sind, zu der er seine Unterstützung bereits zugesagt hatte, denn Belnend ist nun mal Bündnispartner von Jorts Fähre und Stärke zeigen ist sowieso nie verkehrt. 


Der Sattler erklärte sich bereit, die wenig Begeisterung für diesen Auftrag zeigende Freie zu begleiten... angeblich besaß sie keine für solch ein Kaff geeignete Kleidung... zumal er ja auch in Belnend bei der Besprechung mit dem Kommandanten dabei gewesen war. Das Weib erinnerte sich wohl gerade rechtzeitig noch, dass sie der roten Kaste angehört und fügte sich schließlich den Anweisungen meines Herrn. Der Bauer zeigte übrigens auf eine eher destruktive Art erneut seinen wenig vorhandenen Gemeinschaftssinn und dass er nicht wirklich ein Krieger ist... zumindest für mich nichts Neues. Wobei ich mir darüber laut kein Urteil erlauben werde, denn das steht einer Kajira selbstverständlich nicht zu.

Inzwischen kniete 89 mit ihrem neuen Kragen wieder neben meinem Herrn, sodass er mich nun in Sachen Bezahlung zum Schmied schickte, während die Rothaarige ausgiebig vom Sattler gemustert wurde, der sie wohl "ganz hübsch" fand. Da mein Herr mir vorher schon aufgetragen hatte den Schmied zu fragen, ob er vielleicht einen Handwerker für den Einbau eines Fensters kennt… der Wanddurchbruch in der Außenwand seines neuen Hauses wartet ja leider immer noch darauf verglast zu werden… nutzte ich die Gelegenheit. Hach, es war schön, die meine Wange sanft streichelnde Hand des Schmieds zu spüren, während er über einen Handwerker nachdachte und schließlich anbot, das Fenster selber zu bauen, denn er hat ja nicht nur Erfahrungen mit dem Hausbau, sondern auch mit Fenstern. 

Mein Herr war inzwischen mit dem Sattler, der Zeugmeisterin und seiner Neuen Richtung Gasthaus verschwunden, nachdem er alle zu einem Getränk eingeladen hatte. Allerdings tauchte er dann doch noch einmal kurz auf. Nein, nicht um mich zu holen, sondern um noch einen Satz Cuffs für seine Neue mitzunehmen. Vom Angebot des Schmieds in Sachen Fenster war er natürlich sehr angetan, meinte allerdings: "Also wenn du das hinbekommst, Schmied, dann freut Arya sich auf das Schleppen der Möbel… die hibbelt nämlich schon." Pahhh, von wegen... leicht schmollend ergänzte ich, denn meinem Herrn zu widersprechen liegt mir natürlich fern, dass jemand in Grün hibbelt und nicht ich, die gar nicht umziehen möchte. 

Außerdem stand für mich bereits fest, wer die Möbel schleppen wird, sollte ich beim Umzug noch das erste Mädchen meines Herrn sein. Doch darüber ließ ich mich lieber nicht weiter aus. "Ich schaue mir das Loch an und messe es aus", verkündete der Schmied und meinen Herrn zog es zurück zu 89... ach nee, angeblich nur zu seinem Getränk: "Gut, ich geh dann mal meinen Paga trinken... du kannst mit Arya nachkommen, wenn du soweit bist." Sich darüber wundernd, dass mein Herr mich nicht an seiner Seite haben wollte, bot der Schmied noch an, den Wanddurchbruch alleine auszumessen, doch mein Herr blieb stur: "Arya, du zeigst dem Schmied das Loch fürs neue Fenster."


Erstaunlicherweise erinnerte er sich später aber doch noch an mich. Mir war mit dem Schmied nämlich nicht langweilig geworden und dabei hatte ich überhaupt nicht bemerkt, wie spät es geworden war, als mein Herr plötzlich am neuen Haus auftauchte, um mich abzuholen... 89 lag inzwischen nämlich schlafend in ihrer Küchenecke. Zuhause angekommen ignorierte ich ihre Ecke allerdings komplett und verdrehte innerlich die Augen, weil mein Herr sie noch am Sklavenring ankettete, bevor er mich herrlich besitzergreifend mit nach oben zu seinem schönen weichen Fell zog. 

Juhuuu, für mich war die Welt wieder in Ordnung, aber mir ist durchaus klar, dass auch die rothaarige Konkurrenz dort schlafen könnte, wenn ich mich nicht noch mehr ins Zeug lege, meinen Herrn zu erfreuen! ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen