Freitag, 7. April 2017

Spaß oder Sonnenstich?

„Ich hab einen Glasigen gefunden, sodass wir bald Möbel rücken können, Arya“, informierte mich mein Herr nach seiner Rückkehr von einem Rundgang durch die Stadt. Der Handwerker hatte zwar irgendwo noch einen anderen Auftrag zu erledigen, meinem Herrn jedoch zugesichert, sich danach um das Fenster im neuen Haus zu kümmern… angeblich sogar schon in den nächsten Tagen. Hmmm, ehrlich gesagt glaube ich daran erst, wenn ich das neue Fenster sehe. Trotzdem war die Gnädigste natürlich sehr angetan von dieser Ankündigung: „Na dann heißt es warten und aufpassen!“ „Ja, ich werde mit Arya Wache halten… sie kann einen gut wach halten. Wobei ich ja eigentlich lieber Arya auf Trab halte, das macht mehr Spaß.“

Sofort strich die Gnädigste meinem Herrn Honig um seinen abrasierten Bart, weil er doch im „Arya auf Trab halten“ sooooo gut ist und sie ihn dabei immer soooooooo bewundert. Sie sprachen auch über meine Ohren, von denen mein Herr eines mal wieder fies und ohne Grund in die Länge zog und noch alles Mögliche, bei dem ich dann lieber nicht mehr so genau zuhörte, sondern mich stattdessen darauf konzentrierte meinen Mund zu halten. Insofern war ich mir nicht sicher, ob es an meiner Unaufmerksamkeit lag oder am Zug an meinem Ohr. Hatte ich falsch gehört oder hatte mein Herr seine Gefährtin gerade gefragt: „Was hältst du von einem gemeinschaftlichen Bad?“ Oha, er machte Spaß oder war seine Frage ernst gemeint?

„Ein g, g, g, gemeinschaftliches Bad?“ stotterte die Gnädigste, ich hatte mich also nicht verhört. Träumte ich, war ich noch auf Gor oder wieder zurück auf der Erde, wo ich doch ursprünglich herkomme und wo es durchaus denkbar ist, dass ein Ehepaar zusammen badet? Doch warum sollten mein Herr und sein Weib mit mir auf der Erde sein, beide sind Goreaner?! Außerdem befand ich mich eindeutig in seinem Haus in Jorts Fähre. Um eine mögliche Gehörstörung zu beseitigen, stocherte ich total irritiert mit beiden Zeigefingern in meinen Ohren. Ein Goreaner, der eine Kajira von roter Seide besitzt, will mit seiner Gefährtin zusammen baden??? Das konnte echt nur ein Witz sein oder ein Alptraum.

So wie sich mein Kajiraherz anfühlte, war es ein schrecklicher Traum. Aber ziemlich sonderbar drauf war mein Herr seit einiger Zeit schon. Angefangen hatte es mit dieser merkwürdigen Überlegung, einen Minisleen im Haus zu halten und mit ihm an der Leine spazieren zu gehen. Es setzte sich mit dem Gassi gehen mit Fenris fort und wurde nun getoppt durch das gemeinsame Bad mit seiner Gefährtin! Wo war ich??? Immerhin stellte sich mit der Antwort meines Herrn erfreulicherweise heraus, meine Ohren waren intakt, doch ließ das Gehörte nun schreckliche Befürchtungen in mir keimen, dass mit ihm tatsächlich etwas nicht stimmte: „Ja, warum nicht… unsere Wanne ist doch groß genug!“ 

Merkwürdig, obwohl von grüner Kaste sah die Gnädigste offensichtlich keinerlei gesundheitliche Symptome. Allerdings brach sie auch nicht in Begeisterung aus, sondern gab zu bedenken: „Es dauert, bis genug heißes Wasser fertig ist… sollte Arya sowas nicht vorher wissen, denn sonst warten wir hier ahnlang.“ Aha… sie war sich mit der Diagnose wahrscheinlich noch nicht ganz sicher und wollte noch abwarten. Puhhh, den Priesterkönigen sei Dank, mein Herr lenkte ein und verschob sein Gemeinschaftsbad. Das erleichterte mich ein wenig, ganz besonders aber seine letzten Worte und schließlich seine Frage: „…auf den nächsten Tag oder so… oder ich bade alleine. Was hältst du nun von einem Getränk unten am Hafen?“

Damit war die Frau zum Glück sofort einverstanden, sodass es nun zum Hafen ging, wo ich gleich in der Taverne verschwand, um für die beiden das Übliche zu beschaffen und noch einmal durch zu schnaufen. Hoffentlich machte ein Paga nicht alles noch schlimmer?! Auf meinem Weg zurück nach draußen stellte ich fest, dass inzwischen die Schreiberin eingetroffen war und hörte mit Verwunderung die Frage meines Herrn: „Tal Schreiberin… wann ist es denn so weit?“ Mist, ging es ihm jetzt womöglich schlechter? Oh je, hoffentlich hatte die grüne Kaste ein Mittel dagegen! Während die Gnädigste vermutlich dasselbe dachte wie ich und ihr Blick zum Bauch der Blauen wanderte, japste die Schreiberin mit erstaunt aufgerissenen Augen: „Wie bitte?“ 

„Ich dachte etwas von einer Gefährtenschaft mit dem Sattler gehört zu haben… könnte aber auch sein, dass ich mich verhört habe“, erklärte mein Herr und erzeugte bei der Schreiberin sichtlich genervtes Augenverdrehen: „Kommt das leidige Thema nie vom Tisch? Der Sattler streitet doch stets mit mir, Hauptmann. Also wie kommst du auf diese dumme Idee? Ich bin es leid, das zu diskutieren!“ Eigentlich verstehe ich freie Frauen meistens ja eher nicht, doch in diesem Fall hatte das Weib mein volles Mitgefühl… es war wirklich nicht nachvollziehbar, warum mein Herr immer wieder darauf zurückkam. Aber seine Ansichten über Gefährtenschaften verstehe ich sowieso nicht und an diesem Tag war er ja auch noch zusätzlich… naja, irgendwie anders. Leider kam es noch schlimmer.

Fassungslos hörte ich ihn jetzt laut darüber nachdenken, ob die Stadtgesetze dahingehend geändert werden könnten, dass ein Mann zwei Gefährtinnen haben kann. Mein Herr interessierte sich offensichtlich für eine blaukastige Zweitgefährtin… unfassbar! Doch er tönte, in seinem neuen Haus wäre Platz für vier… also für ihn, seine beiden Weiber und mich. Während die Schreiberin die Diagnose stellte, er habe zu viel Sonne abbekommen und ich erschrocken von ihm abrückte, stellte die Gnädigste ihren Gefährten sichtlich entgeistert zur Rede: „Ich habe mich gerade verhört oder?“ Na toll, er meinte tatsächlich was er gesagt hatte und ich war nicht weit genug abgerückt. Mein Ohr wurde schmerzhaft gepackt und ich umgehend wieder näher heran gezogen… insofern benahm er sich eigentlich wie immer.


Mit dem Eintreffen des Sattlers war mein Herr von seiner angeblich so obertollen Idee endgültig überzeugt: „Sattler, was hältst du davon, wenn in Jorts Fähre ein Mann zwei Gefährtinnen haben darf?" „Das ist mir egal...ich hab nicht mal eine und was soll ich mit einer zweiten? Das gibt nur doppelten Ärger.“ Ohhh… es gab also doch noch einen echten Goreaner ohne Sonnenstich! „Von mir aus kannst du fünf haben, Hauptmann... mich stört es nicht, aber ich finde es überflüssig. Eine Gefährtin nimmt man wegen der Kinder oder weil es wirtschaftliche Vorteile bringt oder politische“, erteilte der Lederarbeiter kurz Nachhilfe und ergänzte schließlich breit grinsend: „...für alles andere hat man Kajirae und davon kann man etliche haben!“ 


Hach, ich glaube der Herr schaffte es tatsächlich, das ungoreanische Denken meines Herrn wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, sodass keine Behandlung durch die grüne Kaste mehr erforderlich wurde. ;-)

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