Samstag, 15. April 2017

Zarte Finger

„Immer diese täglichen Arbeiten… die sind anstrengend oder Arya?“ erkundigte sich mein Herr erstaunlich verständnisvoll, als ich schließlich meine Aufgaben erledigt hatte und mich zu ihm gesellte. Doch beschweren liegt mir selbstverständlich fern und daher antwortete ich nur vage, dass manche Arbeiten schlimmer sind als andere, manche aber auch nett. Neugierig geworden, forderte er mich auf, dies näher zu erläutern, sodass ich als Beispiel für doofe Arbeiten das Ausmisten des Sleenkäfigs und das ekelige Stinkefass von Fenris erwähnte und für die schönen Arbeiten das Backen leckerer, köstlich duftender Kekse, was der Spürnase meines Herrn natürlich nie entgeht.

Da er nach weiteren angenehmen Aufgaben fragte, erwähnte ich nun, wie gerne ich ihm beim Baden helfen mag. „Ohh… ja das stimmt und ich bade auch sehr gerne. Das entspannt schön, obwohl die Haut davon schrumpelig wird“ begeisterte sich mein Herr, vermutete allerdings bei meinem Hinweis, wie schnell sich Schrumpeliges strafft, dass dies an der Seife liegen muss. „Ach… an der Seife? Hmmm... ich dachte eigentlich, es könnte vielleicht an meinem Anblick oder meinem Tun liegen, mein Herr“ erwiderte ich und hatte dabei genau vor Augen, wie schnell bei ihm dieses straffende Phänomen unter meinen sanften Berührungen eintritt.

Tja, es stellte sich heraus, mein Herr sprach von schrumpeligen Fingern. Er betonte, wie wichtig es ihm ist, dass meine Hände schön glatt und geschmeidig sind. Gleichzeitig griff er nach ihnen, musterte sie undefinierbar brummend und rieb über meine Haut. Da ich auf Körperpflege immer sehr achte, hatte ich eigentlich keine Bedenken, seine Prüfung nicht zu bestehen, wurde schließlich aber doch etwas nervös, als das Brummen und Testen nicht aufhörte, obwohl die Berührungen wunderbar waren. „Arya bist du sicher, dass die gut gepflegt sind? Vielleicht hat meine Gefährtin eine andere Salbe für dich oder sie gibt dir ein paar Spritzen, denn weicher und zarter geht doch immer oder?“ „SPRITZEN???“ rief ich entsetzt und hoffte eigentlich falsch gehört zu haben... hatte ich aber nicht.


Ich bin mir nicht sicher, ob mein Herr mein erklärendes Gestammel über mein Erstaunen und die in der Vergangenheit ziemlich unschönen Erfahrungen mit der grünen Kaste ernst nahm, auf jeden Fall wunderte er sich breit grinsend: „Arya, wie konnte ich dich erstaunen… ich dachte, du kennst deinen Herrn!“ Leider ließ er vom Thema Spritzen nicht ab und sein Brummen klang immer gefährlicher, sodass ich es schließlich vorzog, mein Herumargumentieren lieber einzustellen. Immerhin erklärte er sich bereit, ein gutes Wort bei der Gnädigsten für mich einzulegen, damit ich wenigstens keine Spritzen mit Kanülen vom Durchmesser der Sorte Kailla oder Thalarion bekomme, bei denen wahrscheinlich sogar Grüner blass geworden wäre.

Erleichtert wie ich war und weil mein Herr meine Hände immer noch in seinen hielt und sanft mit seinen Fingern darüber rieb, was sich immer noch total schön anfühlte, lächelte ich und begann schließlich zu strahlen. „Deine Hände sind wirklich zart, da gebe ich dir Recht Arya… und dein Lächeln wird gerade sehr strahlend. Das sehe ich gerne, aber eigentlich sollte ich dich immer zum Lächeln bringen oder?“ Es gibt für eine Kajira natürlich nichts Schöneres, als ihren Herrn zu erfreuen… mit der zarten Haut ihrer Hände, ihrem Lächeln oder womit auch immer. Allerdings gestand ich, dass mir das Lächeln manchmal nicht so richtig gelingen will. „Woran liegt das Arya? Hab ich dann die Kurt in der Hand?“ bohrte mein Herr nach, sodass ich herum druckste, ich könne das nicht so genau sagen.

„Das weißt du nicht, habe ich auf meine Frage keine Antwort verdient, Arya?“ forderte er nun sehr brummig. „Selbstverständlich hast du das, mein Herr... die Antwort ist nur nicht so leicht zu formulieren.“ Leicht nervös geworden holte ich noch einmal tief Luft und versuchte es dann mit folgender Erklärung: „Mein Herr, wenn du die Kurt in der Hand hältst, hast du vor mich zu bestrafen... wäre es nicht vermessen von mir, wenn ich über eine Bestrafung lächel und wäre es noch eine, wenn du glauben könntest, ich freue mich über deine Strafe?“ Lachend gab er mir erneut Recht und ließ mich überglücklich nun von einem Ohr zum anderen wie ein Honigkuchenkailla strahlen. 


Ich habe wirklich einen tollen Herrn, auch wenn er manchmal auf meinen Kopf patscht… inzwischen aber nur noch sehr selten… und den grässlichen Sklavenkäfig liebt, um den ich nachts sehr oft allerdings auch herumkomme und dicht bei ihm auf seinem schönen weichen Fell schlafen darf. Und ich mag meinen Herrn sehr, obwohl ich seine ekelig schmeckenden, dreckigen Waffenputztücher, die er gelegentlich anders verwendet, als mir lieb ist, leider nicht mehr so oft waschen darf. Er benutzt sie nämlich nicht nur zum Abstellen des Gejammers von Reisekajirae. „Die Tücher sind zu sauber… wir müssen mal testen, ob sie noch den nötigen Geschmack im Mund hinterlassen, Arya.“ 

Selbstverständlich nehme ich alle Entscheidungen meines Herrn ohne Wenn und Aber an und hätte mich ihm zuliebe natürlich auch fiesen Einstichen mit monsterdicken Kanülen gefügt. Ich bin gerne seine Erinnerungskajira, wundere mich allerdings, wie gut er manche Dinge selbst erinnert… vor allem solche, die ich längst verdrängt habe! Mein Herr zog am nächsten Tag nämlich wegen noch zarterer Finger die Gnädigste hinzu, die zu meiner riesig großen Erleichterung seine Überlegungen jedoch weit von sich wies: „Da hilft keine Spritzenkur, mein Gefährte, sondern eine geeignete Salbe… so eine, wie Arya sie bereits benutzt.“ ;-)))

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