Donnerstag, 27. April 2017

Zusammenruckeln im Süden

Am Abend des Überraschungstees war zwischen meinem Herrn und dem Sattler auch die Rückkehr der Zeugmeisterin Thema und einige Fragen tauchten im Zusammenhang mit dieser Freien auf, deren Klärung jedoch erst einmal warten musste. Vorrangig war nämlich, das Zusammenrücken des Südens weiter voran zu treiben. Die beiden Männer beschlossen, am nächsten Tag gemeinsam nach Belnend zu reisen, um sich mit dem dortigen Kommandanten darüber zu unterhalten. Der Sattler verabschiedete sich daher beizeiten, um vor der Abreise noch ein paar wichtige Arbeiten zu erledigen.

Hach, es war wie immer ein wundervolles Gefühl, den starken Kriegerarm meines Herrn zu spüren, mit dem er mich eng an sich drückte, während ich meinen Kopf an seine Schulter legte. Mist war nur, dass ich die letzte Nacht warum auch immer schlecht geschlafen hatte… vermutlich hatte mir einfach das laute Schnarchen meines Herrn gefehlt, der ja leider auf Nachtwache gewesen war. „Arya, bist du schon müde?“ fragte er erstaunt, als ich ein Gähnen nicht unterdrücken konnte und erkundigte sich dann, ob seine Gefährtin mich etwa nicht in den Sklavenkäfig gesperrt hatte. Hmm, wie hätte sie das denn tun können, wenn sie auf Reisen ist… naja, manche Dinge kann mein Herr sich einfach nicht merken.

„Na gut, gehen wir nach Hause. Du darfst den Rest Kalana in meinem Becher austrinken, Arya.“ Wow… das hatte er mir zuvor noch nie erlaubt. Er lachte übrigens, als ich mir nach dieser unerwarteten Köstlichkeit über die Lippen leckte: „Aha, Kalana magst du also lieber als Paga!“ Das stimmte, obwohl unverdünnter Kalana eine Kajira wie mich sehr schnell duselig macht, da ich doch nie Alkoholisches trinke. Vermutlich hatte ich zuvor beim Paga aber eine deutlich weniger begeisterte Miene aufgesetzt, nachdem ich aus dem Becher des Sattlers einen Schluck abtrinken musste, weil ich es aus medizinischen Gründen wegen der Schnupfenansteckungsgefahr zu gut gemeint und seinen Becher etwas zu voll geschenkt hatte.

Zuhause kam mein Herr erneut auf meine Nacht zu sprechen, die ich unangekettet auf dem kleinen Fell vor dem Sklavenkäfig verbracht hatte… aus dem verhassten Ding wäre ich doch alleine nicht wieder herausgekommen. „Ach, warum ist das schlimm? Ich komme von der Nachtwache doch morgens zurück oder?“ 

Klar, aber so schlecht wie ich geschlafen hatte, war ich an diesem Morgen bereits damit beschäftigt gewesen, mich um die Versorgung von Fenris zu kümmern, als mein Herr von seiner Nachtwache kam. „Denkst du, es ist richtig, dass eine Sklavin aus dem Haus ist, wenn ihr Herr nach Hause kommt?“ Kleinlaut erwiderte ich, eine Sklavin erfreut ihren Herrn doch auch damit, wenn sie fleißig ist… doch mein Herr bohrte weiter.

„Was gefällt mir wohl besser… wie und wo wirst du auf mich warten, Arya?“ „Also am liebsten auf deinem Fell, damit es schön angewärmt ist für dich, mein Herr, aber das willst du bestimmt nicht… oder hier, wo ich die Treppe im Blick habe und dich gleich sehe? Nee, ich vermute, du willst mich hinter Gittern sehen oder mein Herr?“ „Ja Arya… und warum möchte ich das?“ „…weil du ein Anhänger von Gittern bist, mein Herr und total darauf stehst.“ „Nein, mir gefällt Sicherheit. Ich möchte wissen, wo mein Eigentum ist, im Käfig ist es am Sichersten… und wo schläfst du, wenn ich da bin, Arya?“ „Auch hinter Gittern, mein Herr“, beeilte ich mich nun lieber zu antworten, wurde jedoch belehrt: „Nein Arya, du schläfst dort, wo ich es möchte… ab mit dir auf das große Fell.“

Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und ich schlief in dieser Nacht wirklich supertoll. Gut drauf wie ich am nächsten Morgen war, packte sich der Rucksack für die Belnendreise quasi fast von alleine. Darüber sehr zufrieden lachte mein Herr: „Sehr gut Arya, dann gucken wir mal, dass ich einen Kalana serviert bekomme, hehe!“ Oh ja, das wurde spannend. Mein Herr sprach nämlich von dem Kalana, den ihm der Kommandant von Belnend auf dem Wagenrennen versprochen hatte.

Schnell streifte ich mir noch eine Tunika über… auf Reisen wollte mein Herr mich nämlich nicht nackig… und dann ging es auch schon zum Hafen, wo der Sattler mit Schild und Schwert bewaffnet bereits wartete. 

Sowohl die Schiffsreise als auch die Fußstrecke durch Sumpf und Wald verliefen ohne irgendwelche Zwischenfälle, obwohl mein Herr es warm und feucht nur bei Kajirae mag und mir die Viecher neben dem Pfad ziemlich suspekt waren, auf deren Speisekarte wir aber zum Glück nicht standen. 


Allerdings wurde sehr zum Ärger meines Herrn auch nichts aus seiner Hoffnung, unterwegs noch ein paar wilde Weiber zu fangen… sowohl der Handelsposten, als auch der Wald waren nämlich menschenleer. Wir kamen also wohlbehalten vor den Toren Belnends an, wo ein Fremder mit einem merkwürdigen Gruß eilig an uns vorbeilief, der nur ein Ergebnis der vielen schlechten Erfahrungen dieser Stadt mit Nordleuten sein konnte: „Ah… kein Norden… tal!“


Der Kommandant lächelte sichtlich erfreut über den Besuch aus Jorts Fähre und hob seinen Daumen in unsere Richtung, war bei unserem Eintreffen allerdings gerade dabei, einem Schreiber die Bürgerrechte seiner Stadt zu verleihen. Danach ereilte ihn ein Ruf vom Stadttor und ihm blieb trotz seines „herrjeee jetzt?“ nichts anderes übrig, als dorthin zu laufen. Das Warten auf den Krieger gestaltete sich für meinen Herrn mit reichlich Kalana übrigens äußerst angenehm, nachdem der nette Neubürger leichtfertig kundgetan hatte, dass er an diesem Abend für alle Getränke aufkommt. „Wenn der Schreiber bei uns Bürger geworden wäre, hätte er auch noch das Essen zahlen müssen“, versuchte der Sattler irgendjemanden breit grinsend zu beruhigen, der um den Geldbeutel des neuen Bürgers besorgt war.


Da eine der Gasthauskajirae dafür sorgte, dass der Sattler nicht verdurstete, konnte ich mich dem Nachschenken des ständig leeren Bechers meines Herrn widmen.Wer aber glaubt, dass er später nicht mehr in der Lage war, über das Zusammenrücken des Südens zu sprechen, der irrt ganz gewaltig. Gut war auch, dass der Kommandant die Umstände schilderte, die letztendlich auf dieser unbekannten Insel zu der erlittenen Schlappe seiner Stadt gegen den Norden geführt hatten und warum Belnend Jorts Fähre nicht um Hilfe gebeten hatte. Die Männer waren sich jedenfalls einig… Verlieren ist keine Schande, mit dem Schwert in der Hand zu sterben auch nicht, schlimm und ein Skandal wäre jedoch, nicht zu kämpfen.


Zum Servieren eines Kalanas durch den Kommandanten, kam es an diesem Abend übrigens doch nicht mehr. Über den Anlass unseres Besuchs und das Zusammenruckeln im Süden konstruktiv zu sprechen war selbstverständlich wichtiger… darüber werde ich vorerst jedoch Stillschweigen bewahren. Allerdings steht der Kommandant zu seinem Wort und erklärte allen Anwesenden vor dem Gasthaus, wie er durch die Rote-Kasten-Allianz der Kommandanten aus Jorts Fähre und Belnend seinerzeit den Tuniersieg beim Wagenrennen errungen hatte: „…und dafür werde ich dem Hauptmann von Jorts Fähre noch einen Kalana servieren!“ Es bleibt also spannend! ;-)

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