Montag, 8. Mai 2017

Noch mal davon gekommen

Ich war fast fertig mit Abwaschen, als ich plötzlich hinter mir das wohlbekannte Brummen meines Herrn hörte, sodass ich mich beeilte ihn freudig zu begrüßen. Ich wurde mit Haare wuscheln, begleitet von einem nun sehr zufrieden klingenden Brummen belohnt. Offensichtlich hatte auch die Gnädigste seine Heimkehr bemerkt und ihr Buch zur Seite gelegt, da sie nun die Treppe hinunter kam. „Tal zusammen… Arya, wie ich gehört habe warst du hier unten fleißig.“ Ohje, hatte ich mit dem Geschirr womöglich zu laut geklappert und sie beim Lesen gestört? Erschrocken fragte ich nach. „Nein Arya, alles gut“, lächelte sie jedoch und mein Herr ergänzte schmunzelnd: „Wenn du zu laut gewesen wärst, hätte meine Gefährtin dich schon zur Ordnung gerufen, Arya.“ 


Puhhh… ich war erleichtert, aber auch ein bisschen Stolz über das unerwartete Lob der Frau, da es doch eine Selbstverständlichkeit ist und nicht erwähnenswert, dass ich mich um den Haushalt ihres Gefährten kümmere. Leider ergänzte mein Herr noch, dass die Gnädigste sicher andere Methoden hat mir zu zeigen, wenn ihr etwas nicht gefällt: „Ich hörte, sie hat immer eine Spritze in der Tasche… die mit der dicken Nadel, Arya!“ Das war mir nicht bekannt, was ja aber nichts heißen sollte. Wie gut, dass die Grüne leicht ihren Kopf schüttelnd mir nun zuzwinkerte und erklärte: „Nur in der Arzttasche habe ich Spritzen… in der Rocktasche transportiert würde ich mich eventuell selber pieken.“ 

Bemüht um einen möglichst neutralen Gesichtsausdruck bedankte ich mich selbstverständlich, weil ich wieder etwas dazu gelernt hatte und hoffte gleichzeitig, dass für meinen Herrn das Thema Spritzen damit erledigt war. Mist, war es leider nicht. „Arya scheint deine Spritzen nicht zu mögen… braucht sie nicht mal wieder eine mit Vitaminen?“ erkundigte er sich unter dem Deckmantel des um die Gesundheit seines Eigentums besorgten Herrn, obwohl er genau weiß, dass es mir seit dem Abschwellen der Beule auf meinem Kopf aus Fensalir bestens geht und dass ich grüne Behandlungen jeglicher Art tunlichst vermeide, weil ich auf Kriegsfuß mit ihnen stehe.

Wie gut, dass die Gnädigste mich erst einmal fragte, ob ich mich schlapp fühle, was natürlich nicht der Fall war. Sie sah daher bei mir keine Behandlung erforderlich an. Geschickt lenkte ich nun von mir ab, denn die Gesundheit meines Herrn ist mir natürlich sehr wichtig: „Wenn ich das so sagen darf, denn ich will mich natürlich nicht einmischen… aber… naja… mein Herr hatte einen gesundheitlichen Grund, der ihn am Kämpfen im Norden hinderte… also ich glaube, er könnte vielleicht eine Untersuchung gebrauchen.“ Es klappte! Ich kam um eine Behandlung herum, denn sämtliche prüfenden, grünen Blicke richteten sich nun auf meinen Herrn: „Mein Gefährte, verheimlichst du mir etwas?!“

Ok… das Brummen klang äußerst drohend, mit dem mein Herr mich nun bedachte, sodass ich ihn besonders lieb und vor allem oberunschuldig anplinkerte. Doch letztendlich erzählte er der Grünen von seinen Problemen mit den Augen und da er es zuvor ja schon mit den Vitaminen gehabt hatte, schlug er nun vor, er könne sowas ja vielleicht einnehmen… allerdings in Tablettenform! Interessant… offensichtlich mag mein Herr Spritzen genauso wenig wie ich??? Zeit darüber nachzudenken hatte ich jedoch nicht, da die Gnädigste meinem Herrn nun mitteilte: „Ich geh mal rüber in die Krankenstation und stell dir etwas zusammen… das kann Arya dann in Wasser auflösen.“ 

Danach lief sie sofort los und mein Herr zog missbilligend seine Augenbrauen hoch, bevor er sich erkundigte, ob mir auch aufgefallen war, dass sein Weib ihre Gesichtsgardine vergessen hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als seine Beobachtung zu bestätigen. Doch die Frau hatte Glück… mein Herr fand meine Erklärung anscheinend nachvollziehbar, dass dies nur auf ihre Besorgnis um seine Gesundheit zurückzuführen sein konnte. Sichtlich zufrieden nach meinem Hinweis, sie habe außerdem immer einen Schleier in der Rocktasche, befahl er mir: „Arya… husch, husch ihr nach zum Erinnern, damit sie ihn anlegt!“ Natürlich beeilte ich mich und sauste so wie ich war hinüber zur Krankenstation.

So ganz sah die Gnädigste den Wunsch meines Herrn allerdings nicht ein: „Wieso? Ich hatte gedacht, für den kleinen Weg kann ich darauf verzichten!“ Mir blieb nur höflich darauf hinzuweisen, wie wichtig meinem Herrn ihr Verschleiern ist und letztendlich verhüllte sie ihr Gesicht dann doch, bevor es mit einem Beutelchen zusammengemischter Kräuter nach draußen ging. Wie von mir befürchtet behagte es meinem Herrn tatsächlich nicht, dass er diese Kräutermischung nicht in Paga gerührt einnehmen durfte und auch nicht mit Kalana, sondern mit Wasser und die Einnahme über 4 Tage fand er auch viel zu lang. 


Zuletzt ließ er sich aber auf eine erste Verabreichung des gesund riechenden Zeugs ein und kippte es nach kurzem misstrauischen Zögern mit entsprechendem Bramborium schließlich mit Todesverachtung auf ex hinunter. „Brrr… das schmeckt sehr gesund… ich werde jetzt Gesundes nachtrinken und denke dabei an Kalana!“ Es ging zum Marktplatz, diesmal allerdings nur bis zur Bank vor der Gasthausterrasse. Die Gesundheit meines Herrn war übrigens immer noch Thema, nachdem sich der Brauereikrieger und der Sattler dazu gesellten und nach seinem „Arya hat gepetzt“ erfuhren, warum das Nachtrinken gesunden Kalanas ein Muss für ihn war.


Die einvernehmlichen Gespräche drehten sich selbstverständlich auch um die Allianz des Südens und die weitere Vorgehensweise. Merkwürdigerweise wurde der Ton mit dem Eintreffen der Zeugmeisterin etwas schärfer. Die Frau fand nämlich die Worte „übereilt, zu hastig, nicht strategisch gut genug ausgefeilt“ irgendeines Stadtobersten nachvollziehbar, die mein Herr und der Brauereikrieger jedoch als unsinnig abtaten… warum sollte der Norden solange auf seine Forderungen verzichten und still halten, bis der Süden zu Ende überlegt und diskutiert hat? Ich kenne mich als Kajira mit Kriegerangelegenheiten natürlich nicht aus, dieses Weib aber anscheinend auch nicht… wobei sie letztendlich einsah, dass die Allianz doch wohl ganz gut aufgestellt ist. ;-)

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