Sonntag, 7. Mai 2017

Schmuck für den Hauptmann?

Ich platzte fast vor Wissbegier, denn neugierig bin ich ja nicht. Nein, ich brannte darauf zu erfahren, was bei der Besprechung mit den Befehlshabern der anderen Gorstädte des Südens herausgekommen war. Trotzdem war das Aufräumen für mich selbstverständlich erst einmal vorrangig. Die Trinkgefäße und leeren Früchteteller mussten vom großen Tisch im Ratssaal geräumt und die Geschirrberge im Gasthaus abgewaschen werden. Damit war ich eine ganze Weile beschäftigt, während mein Herr bereits auf der Wiese hinter dem Hof seinen Schwertarm trainierte... das Waffentraining war wegen der Versammlung nämlich um einen Tag verschoben worden. Irgendwann endlich fertig damit, flitzte ich eilig los, kam aber leider zu spät, um meinen Herrn beim Schwertfuchteln noch zu bewundern.

Die Männer hatten ihr Training bereits beendet, sodass ich quer über die Wiese hinüber zu ihnen sauste. Der Brauer fachsimpelte mit meinem Herrn inzwischen nämlich über die Handhabung des Bogens, wovon ich aber nichts verstand, weil ich solch eine Waffe noch nie benutzt hatte. Der Zeitpunkt meines Eintreffens passte übrigens perfekt, denn mein Herr berichtete nun von der Versammlung: „Das Treffen gestern lief sehr gut… wir sind uns einig, dass wir zusammenhalten und den Norden treten werden. Die Nordleute haben Belnend ein Ultimatum gestellt und verlangen Tribut, andernfalls werden sie Sklaven und freie Frauen stehlen und sich nehmen, was sie wollen. Einzig Lydius zaudert wohl noch.“


Als nächstes soll in Oasen und Dörfern mit guten Worten, notfalls auch mit Gold oder charmanten Drohungen Werbung für die Allianz gemacht und auch Söldner angeworben werden. Auf Männer, die ihre Fahne in den Wind hängen, ist zwar nicht immer Verlass, doch wenig Verlass ist natürlich besser als gar keiner, wenn sie nämlich für die Gegenseite kämpfen. Falls die Zeugmeisterin diese Aufgabe übertragen bekommt, wird ihr selbstverständlich der Rahmen abgesteckt werden, da sie ja wissen muss, wie weit sie gehen kann. Leider sind die kämpfenden Weiber des Nordens sind ein Problem... die Bewaffnung von Frauen an sich ist schon ein Unding, aber mit der Schleierpflicht absolut unvereinbar und somit ein echter Nachteil für Jorts Fähre. Insofern ist es gut, dass das primäre Angriffsziel des Nordens wahrscheinlich Belnend bleiben wird.

Da der jortssche Stadtrat außer meinem Herrn aus einem dauerhaft abwesenden Händler und einem Bauernkrieger besteht, der seinen Hof bestenfalls für wenige Ehn mal kurz verlässt... ich vermute ja, er will nicht, dass seine Felle kalt werden... hat mein Herr die Entscheidungsfreiheiten eines Administrators, denn wer nicht da ist, kann auch nicht widersprechen. Er dachte übrigens laut darüber nach, wie sehr ihn der Titel „Administrator und Hauptmann“ schmücken würde, doch hat er meiner Meinung nach gar keinen Schmuck nötig. Wobei eine Stadt mit Administrator nichts Ungewöhnliches ist und die Überlegung meines Herrn, ob ihm mit diesem Doppeltitel nicht auch doppelter Sold zusteht, fand ich durchaus logisch und gerechtfertigt.


Auf der Gasthausterrasse bei Kalana und Ale oder Paga war die Versammlung selbstverständlich weiter das ganz große Thema, da sich auch der Sattler für die Ergebnisse und den geschmiedeten Plan interessierte, mit dem das auf der Nase Herumtanzen des Nordens hoffentlich ein Ende haben wird. Doch über Details dazu bewahre ich selbstverständlich Stillschweigen, wie es sich für eine wohlerzogene Kajira wie mich gehört. Leider stellte sich bei den Gesprächen heraus, die Sattlerkajira kennt sich wohl nicht allzu gut mit dem Fesseln aus, sodass ein wenig Nachhilfeunterricht darüber ansteht, bei dem mein Herr mir erlaubte zu helfen. 

Die Männer unterhielten sich außerdem noch über Dies und Das, doch dabei hörte ich nicht mehr wirklich zu, war ich doch viel zu sehr damit beschäftigt, meine Gedanken über meine nicht dem goreanischen Ideal entsprechende Figur zu verdrängen. Hach, meine Angst war wieder total überflüssig! Trotzdem tat es richtig gut zu hören, dass mein Herr mich mag wie ich bin und mit mir zufrieden ist, obwohl ich nur eine halbe Portion bin und weder Schenkel habe, die dicken Baumstämmen Konkurrenz machen können, noch Riesenbrüste, die das Euter einer Boskkuh in den Schatten stellen. ;-)

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