Dienstag, 9. Mai 2017

Unterricht

Leise hörte ich die Stimme meines Herrn, der bereits draußen vor der Haustür war und sich dort mit 89 über irgendetwas unterhielt. Offensichtlich hatte sie ihre Aufgaben bereits erledigt, sodass ich mich nun noch mehr beeilte als vorher schon. Mit Erleichterung registrierte ich schließlich in der geöffneten Haustür stehend, dass sie diesmal nicht ihre üppigen Rundungen an ihn drückte, sondern kniete. „89… was für ein Tag ist heute? Es ist sehr wichtig, das zu wissen“, fragte mein Herr gerade, sodass ich gespannt auf ihre Antwort kurz inne hielt. „Da müsste ich nachschauen, mein Herr“, kam von der Kajira jedoch nur vage und ich fragte mich, wo sie bitte schön nachschauen wollte???

Egal… außerdem hatte mein Herr mich inzwischen bemerkt, sodass ich nun eilig neben ihm niederkniete und mit wundervollem Wuschelnd meiner Haare belohnt wurde. "Weißt du denn, was für ein Tag heute ist, Arya?“ stellte er seine Frage nun mir. Na klar wusste ich das: „Ja mein Herr, es ist dein freier Tag, der letzte vor deiner Spätwache und der erste Tag der neuen Hand und… puhhh… ich muss noch mal überlegen…“ „Ja, weiter Arya, da fehlt noch etwas“, forderte mein Herr mich noch auf, allerdings mischte sich 89 dann ein: „Es ist der zweite Monat, Hesius in Ar, die fünfte Hand, der vierte Tag, mein Herr… ist mir gerade wieder eingefallen.“ Hmmm... ob das stimmte?

Gut war in diesem Moment die patschende Hand meines Herrn auf meinem Kopf zu spüren… ich vermute, nur dadurch wurde wahrscheinlich mein peinlicher Ausruf „häähhh?!“ verhindert, denn das Mädchen konnte viel erzählen... sie ist doch nur eine Sklavin, keine Schreiberin! „89, das ist schön lang, aber nicht das, was ich hören wollte… heute ist der Tag, an dem wir zum Hof gehen und schauen, ob wir den Bauern antreffen. Vielleicht könnt ihr bei der Gelegenheit noch ein oder zwei Boskhörner absägen“, löste mein Herr die Rätselei lachend auf und ignorierte den oberschlauen Hinweis seiner Neuen. Ich ahnte langsam, was er vermutlich vorhatte.


Wegen ihrer Herkunft legte ich als Kettenerste dann einfach fest: „Das Sägen übernimmt 89, mein Herr… mit ihren Erfahrungen als Taluna müsste sie das gut hinbekommen.“ Während mein Herr nun ein Brummen der Sorte „belustigt“ von sich gab, klärte ich die Kajira noch schnell auf, wo sie im Kriegerhaus eine Säge findet und welches Haus das ist. Es dauerte zwar einen Moment, aber letztendlich hatte sie das Werkzeug gefunden. Zufrieden mit der Ausführung meines Befehls sah ich daher den richtigen Zeitpunkt für ein kleines Lob gekommen: „Gut gemacht 89… der Bauer wird erfreut sein, dass wir eigenes Werkzeug mitbringen!“ Mein Herr sagte dazu zwar nichts, doch war das auch nicht erforderlich, da er breit grinsend Richtung Stadttor davon stampfte.

Am Hof angekommen klärte mein Herr seine Neue kurz auf: „Der Hof gehört dem Bauernkrieger und seiner Gefährtin." Danach bestätigte sich meine Vermutung über ein wenig Unterricht mit seiner Frage: „Denkst du es ist eine gute Idee, den Bosk die Hörner abzusägen, 89?“ Ihre Antwort war schon mal ganz gut, allerdings auch nicht sehr ausführlich: „Nein mein Herr, das ist keine gute Idee.“ In Anbetracht des mit äußerster Vorsicht zu genießenden Hofbesitzers sah ich es daher als erforderlich an, noch ein wenig nachzubohren: „89, was würdest du machen, wenn ein Freier unbedingt aus einem Horn zu trinken wünscht, es im Gasthaus aber keins gibt und er dir trotzdem befiehlt, ihm eines zu holen?“

Obwohl sie immer noch die Säge in der Hand hielt, konnte die Rothaarige natürlich nicht ahnen, worauf ich hinaus wollte. Zeit schindend druckste sie eine Weile herum… sie hätte noch nie einen Wirt gesehen, der Met nicht im Trinkhorn ausschenkt… bei den Wagenvölkern könne man sie in Massen kaufen. Da ich natürlich nicht locker ließ, brachte sie es letztendlich aber doch noch auf den Punkt: „Ich würde einen Becher nehmen. Losgehen und einem Bosk das Horn absägen, käme nicht in Frage... es würde zu lange dauern, bis der Herr seinen Met bekommt und außerdem leiden die Tiere darunter.“


„Hätte man tatsächlich solch einen Wunsch zu erfüllen, vielleicht sogar unter Androhung von Strafe, kann man als Kajira nur verlieren, wenn der eigene Herr nicht anwesend ist und sich vor einen stellt. Es bleibt also nur, Becher, Schale oder Kelch anzubieten, denn ein Trinkhorn kann niemand herbeizaubern. Sollte man jedoch auf die verrückte Idee kommen, in diesem Fall am Hof einem Bosk das Horn abzusägen, dann ist man hinterher tot“, dozierte ich im Wissen um den Jähzorn des Bauern und seine Unbeherrrschbarkeit, denn es war mir sehr wichtig, dies der Neuen meines Herrn sehr deutlich klar zu machen.

„Der Bauernkrieger war das letzte Mal sehr, sehr sauer, als eine Sklavin einem seiner Bosk das Horn abgesägt hat, aber es hat seinerzeit nur Geld gekostet. Ich denke, die nächste Kajira lernt Vielfrass kennen“, verdeutlichte mein Herr zusätzlich meine Worte noch. Auch meine Anweisung „…bis zur Brücke und nicht weiter, von dort rufen, ob jemand anwesend ist und notfalls umdrehen, aber niemals ohne unseren Herrn den Hof betreten!“ bestätigte er: „Ja 89… der Hof ist tabu. Sein Besitzer mag es nicht, wenn man hier einfach so herumläuft.“

Da der Bauer auch sehr charmant sein kann und wie jeder goreanische Mann den Diensten einer Kajira natürlich nicht abgeneigt ist, war jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, 89 gleich noch darüber zu informieren, wie mein Herrn grundsätzlich über die Benutzung seiner Mädchen denkt. Kaum war alles Wichtige dazu gesagt, traf übrigens der Sattler mit seiner Kajira ein und wunderte sich, meinen Herrn auf dem Hof zu finden. Anscheinend hatte er uns von seinem Haus aus gesehen. „Sattler, ich mach einen Ausflug zu Unterrichtszwecken und erkläre 89 ein paar Dinge… ich will nicht, dass sie auf den Hof rennt und anfängt ein Horn abzusägen, wenn jemand nach einem verlangt.“


Lachend erinnerte sich der Lederarbeiter mit ein wenig Nachhilfe an den Ärger, den der Schmied aufgrund seiner sägefreudigen Kajira mit dem Bauern gehabt hatte, erkundigte sich aber schließlich: „Ich will deinen Unterricht nicht stören, Hauptmann, doch was hälst du davon, wenn wir heute mit den Mädchen das Fesseln üben?“ Ich sowieso, denn es war ewig lange her, dass ich im alten Jorts darin eine Einführung bekommen hatte, aber auch mein Herr war sehr dafür, zumal der Sattler vor einigen Tagen schon mit ihm darüber gesprochen hatte. „Ja, gute Idee… gehen wir auf die Wiese. 89, vergiss die Säge nicht, sonst kommt der Bauer doch noch auf dumme Ideen.“

Übrigens… sie dachte nicht nur an die Säge, sondern brachte aus ihrer Zeit bei einem Talunastamm auch jede Menge Erfahrungen mit. Für ihre Tipps, die 89 Laya und mir sehr hilfsbereit gab, hat sie von mir jedenfalls ein großes Plus bekommen… aber selbstverständlich nur ein vollkommen lautloses, denn ich muss doch auf meinen Ruf achten! ;-)

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