Montag, 29. Mai 2017

Wiedereröffnung

Bevor es zum Hafen und dort an Bord des Schiffs nach Belnend ging, brummte mein Herr: „Arya, zeig mir mal deinen Hintern.“ Wegen der Lektion des Vorabends folgte nun eine Begutachtung auf sichtbare Auswirkungen. Wie mein Allerwertester aussah, konnte ich logischerweise nicht sehen, da ich weder ein Vogel bin und meinen Kopf nicht um 180 Grad drehen kann, noch hinten Augen habe. Aber zu spüren waren die Gertenhiebe immer noch. Trotzdem beeilte ich mich, meinem Herrn mein Hinterteil zu präsentieren, indem ich mich erhob und mich gleichzeitig leicht vorbeugte. 

Leider währte der Moment viel zu kurz, in dem ich seinen besitzergreifend um meine Hüften geschlungenen Arm genießen konnte, während er besagtes Körperteil erst einmal nur betrachtete. Plötzlich schlug er jedoch mit der flachen Hand einige Male sehr unangenehm auf meine  von der Gertenlektion ziemlich empfindlichen Pobacken und erkundigte sich überflüssigerweise, wer der Herr ist und was ich bin. Zumindest für mich besteht daran wirklich kein Zweifel und auch meinem Herrn war dies nach meiner Antwort offensichtlich klar, da er mit hörbar zufriedenem Brummen schließlich zum Hafen stampfte, um das Schiff nicht zu verpassen.

Vor unserer Abreise schon und auch als wir am Fähranleger von Belnend ankamen, blieb die Kette für das kurze Stück durch den Wald bis zum Stadttor an meinem Kragen. Mein Herr hielt sie fest in der Hand, was mir wie immer außerordentlich gut gefiel, weil damit so schön verdeutlicht wird, wem ich gehöre. Dass ich den unerwarteten Ruck daran sofort zum Anlass nahm so zu tun, als würde ich straucheln, um mich Halt suchend ganz eng wie eine zweite Haut an meinen Herrn anzuschmiegen, ist wohl verständlich.

Die Begrüßung in Belnend war nach der Allianz des Südens und den gemeinsamen Kämpfen gegen den Norden wie erwartet sehr freundlich. Zum Einweihungsfest der alten neuen Herberge herrschte auf dem Marktplatz ein ziemlicher Auflauf mit Musik und Gesang. Die Vermutung lag daher nahe, es musste Freigetränke geben, was anlässlich der Wiedereröffnung auch tatsächlich stimmte. Der Kalana ließ für meinen Herrn jedoch noch eine Weile auf sich warten, da ihn einer der Krieger gleich nach unserem Eintreffen um ein Gespräch bat und die Männer sich ein Stück vom Musikantengedudel entfernten.


Es war der Rarius, den ich beim Kampf im Norden erst verbunden, danach wieder auf die Füße verholfen hatte und der später in Enkara den Gefangenen des Brauereikriegers übernahm, nachdem ich den Gefesselten dort im Kennel einquartiert hatte. Ich war natürlich gespannt, was der Krieger für ein Anliegen hatte und kaum waren wir etwas abseits vom festlichen Trubel, holte er auch schon tief Luft. Er dankte meinem Herrn für die Unterstützung von Jorts Fähre gegen den Norden... eine wirklich nette Geste, aber eigentlich überflüssig, denn wozu hat man Verbündete?!


Außer über ein paar rotkastige Überlegungen sprachen die beiden Männer noch über Verräter, neue Rekruten, kämpfende freie Frauen, wie es mit dem Südheer weitergehen soll und wie wichtig Training ist, auch für die Kriegerkajirae. Schließlich ging es aber doch noch zurück zum Marktplatz, wo ich für meinen Herrn dann endlich den gewünschten Kalana organisierte und zwar nicht nur einen Becher. Nein, nach dem ersten Nachschenken erschien mir eine Botha sinnvoller, sein Wunsch lautete nämlich: „Arya, wenn es keinen Palmwein gibt, Kalana… aber reichlich davon!“

Merkwürdig war, dass der belnendsche Kommandant auf dem Fest einen Händler zum Wechsel in die rote Kaste zu überreden versuchte. Den Heimstein und seine Stadt zu verteidigen, ist für jeden Freien eine Selbstverständlichkeit, aber die Kaste wechseln? Goreaner sind stolz auf ihre Kaste! Vielleicht habe ich mich im allgemeinen Stimmengewirr aber auch verhört und schließlich sprachen die beiden Herren zu leise, sodass ich den Rest wirklich nicht mehr verstehen konnte. Es kam mir allerdings so vor, als ob es dem Kommandanten tatsächlich gelang, den geltungsbedürftigen Händler mit der hohen roten Kaste zu ködern. 

Tja, irgendwie typisch für diese Händlerspezies, denen häufig nachgesagt wird, dass ihren Hals nie voll genug bekommen können. Doch was soll’s… solche Dinge gehen eine Kajira natürlich nichts an. Außerdem wird in Belnend wird Manches sowieso anders und weniger traditionell gehandhabt und ich musste mich um meinen durstigen Herrn kümmern. Er machte nämlich schon wieder ungut klingende Andeutungen über meinen Allerwertesten, während er ausgiebig dem Kalana frönte. 

Dabei keimten offensichtlich nicht nur mir Gedanken über unseren Heimweg: "Arya, hast du auch an den Karren gedacht?" Args, widersprechen lag mir wirklich fern, dennoch musste ich meiner Empörung einfach Luft machen: „Der Karren kommt nicht in Frage, mein Herr...du weißt doch, wegen der Würde! Wir schaffen es auch würdevoll!“ „Aber er hätte den Vorteil, dass ich nicht laufen muss. Vielleicht nehme ich das nächste Mal den Rennkarren. Mit dem ist es auch dann würdevoll, wenn ich mich betrunken über die Halterung lehne.“


Wie gut, dass unser Gespräch im Gezanke einiger Kajirae um Leckereien unterging und der belnendsche Kommandant davon hoffentlich nichts mitbekam, während er sich auf meinen Herrn zusteuernd durch die Menge schob. Erörtert wurde jetzt natürlich erneut das Flagge zeigen des Südens, mit dem die Nordler auf sehr unangenehme Weise die Stacheln des Südheers zu spüren bekamen. Die beiden Krieger waren sich auch sehr einig über die zukünftige Vorgehensweise. Nebenbei bekam ich übrigens den Grund für die festliche Wiedereröffnung der Herberge heraus... das Gebäude war nicht wegen dicker Goldbeute baulich saniert worden, sondern weil es bei einem Angriff des Nordens schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Wie nicht anders zu erwarten, zog es meinen Herrn nach ausgiebigem Kalanagenuss plötzlich in die Botanik, allerdings nicht ohne den Auftrag: „Arya kümmere dich um den Kommandanten.“ Mir war nichts lieber als das und natürlich noch mehr nach dem „…hast du gehört? Du sollst dich gut um mich kümmern” und „ja, mit einem Kalana könnten wir anfangen“ des lächelnden Rarius. Da mir selbstverständlich vollkommen klar war, wie mein Herr seinen Befehl gemeint hatte, legte ich mich also mächtig ins Zeug, den schönen Krieger zu erfreuen und präsentierte mich ihm möglichst vorteilhaft. Schade war nur, dass ich seine Gedanken nicht lesen konnte, als ich ihm seinen Wein mit sehr viel rotseidener Hingabe servierte. 


Dabei spürte ich nämlich nicht nur dem Weg des Kelchs über meine nackte Haut nach, sondern ganz besonders der offenen Sandale des Kriegers, die sehr erregend die Innenseite meines Schenkels entlang strich, während er mich mit einem Blick musterte, der mich zum Glühen brachte. Aber vielleicht war auch nur meine Veranlagung wieder mit mir durchgegangen? Doch die Art, wie ich den Kalana serviert hatte und dass ich ihn versuchte zu bezirzen, gefiel dem Herrn tatsächlich: „Das war ausgezeichnet, Arya.“ Bei diesen Worten drückte der Kommandant mich nämlich kurz an sich.

Er eröffnete mir damit eine wundervolle Möglichkeit noch deutlicher zu zeigen, wie mein Wunsch beim Überreichen seines Kalanas gemeint war: „Herr, möge der Kalana dich erfreuen und sein weicher Geschmack dich an eine anschmiegsame Kajira erinnern.“ Leider wurde mein Kümmern bald von irgendwelchen, auf den Charmeur wartende Pflichten beendet und da es inzwischen spät geworden war, drängte auch mein aus der Botanik zurückgekehrter Herr zur Heimreise... gegen Durst und Hunger unterwegs selbstverständlich mit ein paar kostenlosen Bothas belnendschen Kalana und reichlich Proviant im Gepäck. ;-)))

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